Großartige Idee: Öko-Suchmaschine Ecosia will den Hambacher Forst kaufen

Fotos: Screenshot Google Maps und Ecosia

Der Hambacher Forst ist fürs Erste sicher – der Stromkonzern RWE darf vorläufig keine Bäume fällen. Aber wie geht es mit dem Wald weiter? Betreiber der Suchmaschine „Ecosia“ haben RWE ein Angebot gemacht: Sie wollen den Hambacher Forst kaufen.

Der Hambacher Forst gehört RWE – schon seit den 1970er Jahren fördert der Energiekonzerne Braunkohle aus dem Gebiet. Ein Großteil der Fläche ist bereits abgerodet: Von ursprünglich über 40 Quadratkilometern Wald sind kaum noch acht übrig geblieben.

Die Betreiber der nachhaltigen Suchmaschine Ecosia wollen das verbliebene Stück Wald nun retten – indem sie es kaufen: Ecosia bietet RWE eine Million Euro für den Hambacher Forst.

Was ist der Hambacher Forst wert?

Braunkohle schädlich
Was vom Hambacher Forst übrig geblieben ist. (Screeshot: Google Maps)

„Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann“, schreibt der Ecosia-Geschäftsführer in seinem Kaufangebot an RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. Ecosia verpflichte sich, „die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen.“

Der Kaufpreis von einer Million sei ein fairer Preis, wenn man vergleiche, wie viel RWE ursprünglich für den Hambacher Forst bezahlt hat, schreibt Ecosia im Unternehmensblog. Gleichzeitig weiß auch Ecosia, dass der Wald heute viel mehr wert ist: Der Energieriese RWE könnte deutlich mehr Gewinne machen, wenn er Kohle aus dem Waldgebiet fördert.

Mehr als eine Million Euro könne Ecosia aktuell aber nicht zahlen. Die Suchmaschinenbetreiber rufen deshalb andere Unternehmen dazu auf, sich ebenfalls mit einer Summe am Kauf zu beteiligen. Wenn mehrere Firmen sich zusammentun, könne man das Angebot erhöhen.

Vielleicht wird der Hambacher Forst zum Schutzgebiet

Vielleicht ist es aber gar nicht notwendig, den Hambacher Forst zu kaufen: Aktuell läuft ein Gerichtsverfahren in Münster, das feststellen soll, ob der Wald den Kriterien der sogenannten Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Richtlinie entspricht. Falls dies der Fall ist, wäre der Wald geschützt und RWE dürfte ohnehin nicht mehr weiter roden.

Sollte der Hambacher Forst aber nicht zum Schutzgebiet erklärt werden, kann RWE wieder Bäume fällen – und dann braucht es einen Plan, um den Wald zu retten. Das Angebot von Ecosia ist wahrscheinlich wenig verlockend für RWE. Die Idee, dass sich mehrere Unternehmen zusammentun und gemeinsam einen hohen Kaufpreis anbieten, hat aber schon eher Potential.

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(39) Kommentare

  1. Großartige Idee.
    Schon lange mein Vorschlag – RWE verkauft das Braunkohlerevier und überlässt es Visionären.
    Keyenberg, Wockerath, Altmanheim, Morschenicht etc. werden zu Klimadöfern, in denen zu dezentralisierter ökologischer Energieversorgung geforscht wird.
    Unis gibt es im Umfeld genug. Deutschland wird wieder Vorreiter in der Entwicklung alternativer Energieversorgung und kann Konzepte, Technik und Erfahrung verkaufen.

    Bauernhöfe stellen auf nachhaltige Bio-Wirtschaft um. Beste Böden Europas garantieren beste Erträge!
    Es werden dezentralisierte Verarbeitungsbetriebe vor Ort gegründet. Solidarische Landwirtschaft ist möglich.

    Dörfliche Strukturen ermöglichen ein Leben von Jung und Alt. Kurze Wege sind für alle machbar.

    Die Dörfer werden durch einen gut organisierten (Privat-)Bahnanschluss an Düsseldorf und Köln angebunden. Zuzug ist den Dörfern bei den Wohnpreisen der umliegenden Städte sicher.

    Das schafft den nötigen sozialen Strukturwandel vor Ort und Arbeit nicht nur für „die Kumpel“.

    Geld kommt vielleicht von Herrn Branson, dessen Virgin Islands demnächst baden gehen und der einen neuen visionären Lebensmittelpunkt sucht.
    Es gibt sicher auch andere Geldgeber, die sinnvoll investieren wollen.

    Die Familie von Michael Schumacher steigt vielleicht auch ein und gründet in AltManheim ein Reitzentrum für behinderte Menschen.
    Die Kartbahn in AltManheim freut sich sicher zudem über ein Sponsoring der Familie.

    Weitere Vorschläge erwünscht.
    Gemeinsam entwicklen wir einen Landkreis für nachhaltige (ich bleibe dabei, dass es ein Wort mit Anstand ist) Lebensformen mit weltweiter Strahlkraft.

    Utopie?
    1. Bin ich hier doch bei Utopia.
    2. Brauchen wir Visionen, die uns weiterbringen.
    Das christlich liberal-demokratische „weiter so“ führt in die Sackgasse.

  2. Das ist aber eine gleichermaßen einseitige wie fragwürde Betrachtungsweise. Vision bedeutet auch ganz neutral gesehen „ein in jemandes Vorstellung besonders in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild“. Wenn wir schon mal dabei sind @Denkenderbuerger, hier mal etwas Geistreiches zum Nachdenken von wirklich schlauen Leuten:

    „Visionen sind die Leitbilder der Gegenwart und sie verändern die Zukunft.“
    (Rainer J. Stawski, Dipl.-Betriebswirt und Analytiker)

    „Wer keine Vision hat, vermag weder große Hoffnung zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen.“
    (Thomas Woodrow Wilson, Historiker und ehemaliger US-Präsident)

    „Eine gute Vision erwächst aus einer delikaten Balance zwischen Realitätssinn und Utopie. Vision ist das gerade noch Machbare.“
    (Prof. Dr. Hermann Simon, deutscher Wirtschaftsprofessor, Buchautor und Kolumnist)

    Außerdem muss es Psychiater und nicht Psychater heißen!

  3. Die Rechtschreib-Korrektur nehme ich als berechtigte Kritik an!
    Ansonsten ist der Kommentar (oder meinetwegen Beitrag), auf den sich meine Kritik bezieht ein exemplarisches Beispiel dafür, wie leichtfertig Menschen Begriffe in den Mund nehmen, ohne deren eigentliche Bedeutung richtig zu kennen.
    Nichts spricht dagegen, für konkrete Probleme realistische Lösungen zu entwickeln. Aber eben keine Visionen – weil es dabei wegen der besagten Übernatürlichkeit meistens am Realitätsbezug mangelt.
    Und jetzt bitte nicht mit dem Erbsenzähler-Argument kommen – dafür ist die Problematik um die es geht zu ernst.

  4. Und wer unfähig ist, den Bedeutungsumfang eines nicht mal so ungebräuchlichen Wortes zu erfassen, sollte dringend an seiner Bildung arbeiten anstatt infantile sophistische Kommentare zu verfassen.

  5. @Denkenderbuerger – Was heißt denn hier Erbsenzähler-Argument?
    Ein Erbsenzähler ist in meinen Augen gerade jemand, der sich bei einer Begrifflichkeit auf eine einzige Definition festlegt, obwohl es offiziell wenigstens drei davon gibt. So bedeutet Vision z.B. auch Wunschbild bzw. Zukunftsentwurf. Ohne Visionen würde es manche wertvolle Errungenschaft heute nicht geben, die man einstmals für unmöglich gehalten hat. Schade, dass es so vielen Menschen an der notwendigen Vorstellungskraft mangelt, man könnte in der Welt so viel mehr bewirken und zum Positiven hin verändern. Was die einen für machbar halten, ist für andere undenkbar. Aber es wird sie immer geben, realisierbare Visionen. Entscheidend ist, dass man auch an ihre Verwirklichung glaubt.

  6. @Denkenderbuerger: „Plötzlich wollen alle zurück in die Steinzeit, aber bitte nur mit Auto, Smartphon und Amazon.“

    Pauschalisierungen und Vorurteile sind nichts weiter als Totschlagargumente und möglicherweise vernebeln sie uns auch gerne mal den Verstand.
    Ich zumindest möchte nicht zurück bis in die Steinzeit. Dennoch schaffe ich es in der Tat bereits seit Jahrzehnten ganz locker ohne Auto, Smartphone oder Amazon auszukommen. Also bitte nicht von sich auf andere schließen!

    Das Paradoxe an dieser Geschichte ist übrigens, dass wir gerade ohne die Existenz von Visionären vermutlich heute noch in der Steinzeit leben würden.

  7. „… nichts weiter als Totschlagargumente…“
    Nun, das gehört doch zum Standardrepertoire in der Scheinargumentation von Trollen. Die mögen ja gerne selbst darauf hereinfallen. Das ist aber ihr Problem, mit dem sie ganz alleine fertigwerden müssen. Sie sollten aber bitte nicht versuchen, ihre Leser für dumm zu verkaufen.

  8. Hallo Bernenixe,
    ich wäre sofort dabei, genau so stelle ich mir ein gutes Leben vor.
    Ich habe gerade auf zeit online in der Rubrik Wissen ein Interview mit Henrik Oerding gelesen. Leider kann ich den Link nicht kopieren du kannst ja mal zeit online googlen das Interview ist wirklich sehr lesenswert.
    Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass wir Utopisten schon die Weltherrschaft übernehmen müssen. Um den Klimawandel auszubremsen gibt es eine lange To do Liste die mit industriehörigen Schnarchregierungen nicht zu schaffen ist.

    Wind-, Sonnen- und Wasserenergie statt fossile Brennstoffe

    Ökologische Landwirtschaft statt Massentierhaltung und Monokulturen

    ÖPNV statt Individualverkehr
    usw

    Leute wie Denkenderbuerger müssen keine Angst vor uns haben die beschäftigen wir als Hofnarren.
    Die Welt könnte ein schöner friedliche Ort sein schade, das Hab- und Machtgier so weit verbreitet sind.

  9. Wieso muß ich vor der Realität Angst haben?
    Die ist unbestechlich und holt sowieso jeden früher oder später ein – auch wenn viele das nicht wahr haben wollen.

  10. Ansonsten ist das alles ein wenig komisch und befremdlich:
    Plötzlich wollen alle zurück in die Steinzeit, aber bitte nur mit Auto, Smartphon und Amazon.
    Und wenn man eine Öko-Seite wie aben auch Utopa im Internet aufschlägt – was springt einen zuerst an?
    Werbung für irgendwelche übermotorisierten Autos.
    Mehr sage ich jetzt dazu nicht …

  11. Kein vernüfiger Unternehmer wird ein Waldgrunsdtück nur um des Kaufens willen oder aus blankem Idealismus erwerben. Ein Unternehmen ist schleißlich weder eine Stiftung noch ein gemeinnütziger Verein und daher auf wirtschaftlichen Betrieb und Gewinn ausgerichtet. Was hätte ein Unternehmen vom Kauf eines Waldgrundstücks – mal abgesehen von Kosten für den Kauf und die laufende Unterhaltung?
    Oder will Ecosia den Wald abholzen und dort dann solar- und windbetriebene Surfer aufstellen? Das kann ich mir schwer vorstellen …

    Das ganze kann daher nur ein Werbe-Gag sein – mehr nicht.
    Wenn ja, dann ist er gelungen – das muß man neidlos anerkennen.
    Ohne die ganze Sache hätte ich den Namen „Ecosia“ für eine Haut-Creme oder einen lateinamerikanischen Spiefilm gehalten.

  12. „Ohne die ganze Sache hätte ich den Namen „Ecosia“ für eine Haut-Creme oder einen lateinamerikanischen Spiefilm gehalten.“
    Nun, dann kennen wir jetzt wenigstens deinen geistigen Horizont.

  13. @WernerMax @sigrebe
    Ich muß mich immer wieder köstlich über die verzweifelten, an den Haaren herbeigezogenen, haarspalterischen Rechtfertigungsversuche amysieren.
    Wie heißt es doch so schön:
    „Wer mit einem Finger auf den Anderen zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst!“
    Genau das trifft hier immer voll und ganz zu. Alle Vorhaltungen, die man mir macht werden selbst mit Bravour praktiziert. Und man klopft sich obendrein noch gegenseitig auf die Schulter und ist solz darauf – nun ja.
    Man könnte ja mal spaßeshalber die Gegenfrage stellen, wie es denn anders gehen könnte oder sein sollte. Dann würde ich eine konkrete Antwort geben – und dann könnte man sachlich darüber diskutieren. Auf diese Idee müßte man nur erst mal kommen. Aber so ist das eben, wenn man sich immer weiter in die eigene Selbstverliebheit steigert. Man sieht irgendwann einfach mal den Wald vor Bäumen nicht mehr,
    Aber wie hat der Philosoph René Descartes schon so treffend gesagt:
    „Man wird am ehesten betrogen, wenn man sich für klüger als die anderen hält.“

  14. @Denkenderbuerger: „Man wird am ehesten betrogen, wenn man sich für klüger als die anderen hält.“ – Da spricht wohl jemand aus Erfahrung, schön wär’s!

    Ich glaube, wer hier wirklich „verzweifelt“ herüberkommt ist geradezu offensichtlich!
    Und dass andere klüger sind als jemand, dessen Text von vermeidbaren Rechtschreibfehlern nur so wimmelt, liegt auch objektiv gesehen klar auf der Hand. Wer außerdem glaubt, automatisch die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, weil er sich selbst „Denkenderbuerger“ nennt, muss andere nicht paradoxerweise der „Selbstverlieb(t)heit“ bezichtigen. Etwas Selbstreflexion an der richtigen Stelle wäre hier schon angebracht.

    Im Übrigen, ein Satz wie: „Nun ja, der Mensch kann ja nicht alles wissen und jeden kennen“, sieht mir schon eher nach einer klassischen „Rechtfertigung“ aus!
    Wie dem auch sei, „amysieren“(?) Sie sich ruhig mal weiter, dasselbe werden sicher auch andere tun, wenn sie die widersinnigen Behauptungen in Ihren Kommentaren verfolgen und erkennen, wer hier „den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht!“

  15. Ich sehe: Ins Schwarze getroffen!
    Hier werden (mal wieder) persönliche Animositäten über Betrachtungen zu Sache gestellt So frei nach dem Motto:
    „Das gefällt mir nicht – also muß ich den Verursacher bekämpfen, dann wird sich das Problem von ganz alleine lösen.“
    Macht es aber nicht!
    Aber wie das so ist:
    Alle reden von der großen Freiheit des Menschen, daber wehe dem, der aus der Reihe schert und nicht gleich in die Straße der breiten Masse einbiegt. Das dabei die Sachlcihkeit auf der Strecke bleibt, interesiert scheinbar niemanden.
    Schade drum, mal könnte so viel draus machen.
    Aber eine andere Reaktion hatte ich sowieso nicht erwartet.
    Insofern kann ich beruhigt sein.

  16. Dessen ungeachtet bin ich trotzdem zu einer sachlichen Diskussion bereit. Denn die anstehenden Probleme – und die sind nicht wenige und allesamt nicht unbedeutend – in persönlichen Animositäten untergehen und verenden zu lassen ist ja auch nicht Sinn der Sache.

  17. @Denkenderbuerger – Späte Einsicht? Und wie war das noch gleich? Sie erwarten keine sachliche Diskussion, sind aber angeblich selbst dazu bereit? – Diese Voreingenommenheit bietet ja die beste Voraussetzung. Erst noch einmal ein paar gezielte Giftpfeile abschießen und gründlich ablästern, bevor man dann den Begriff „Sachlcihkeit“(?) ins Spiel bringt!
    Auch wenn Sie hier von der „Straße der breiten Masse“ sprechen, muss ich mich schon sehr wundern. Wen glauben Sie denn auf einer Website wie Utopia.de anzutreffen?
    Die Mitglieder der Community nennen sich Utopisten, weil sie Visionen und Ziele haben, die sie verfolgen, aber Sie ziehen es geradezu ins Lächerliche. Meines Erachtens sollte man es tunlichst vermeiden, den Idealismus von Menschen infrage zu stellen, die noch an eine bessere Zukunft glauben. Aber Ihre eigenwillige Definition mit einem Hinweis auf den Psychiater im Zusammenhang mit dem Begriff Visionen lässt tief blicken und ist natürlich auch geprägt von beispielhafter Sachlichkeit. Auch was Sie von dieser Plattform halten, haben Sie ja bereits unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Ich denke daher, in dieser Hinsicht besteht kein Diskussionsbedarf mehr. Was den Hambacher Forst angeht, kann ich nur hoffen, dass es letztlich nicht zum Schlimmsten kommt und doch noch die Vernunft am Ende siegt. Die restliche Rodung und die damit verbundene endgültige Vernichtung von Natur und Lebensraum wäre meines Erachtens der größte Fehler und die denkbar schlechteste Lösung. Sie lässt sich schon allein mit der Verpflichtung zum Klimaschutz keinesfalls vereinbaren, zudem würde es sich um einen auf lange Sicht unumkehrbaren Prozess handeln. Ich unterstütze daher die Protestaktionen gegen die Abholzung und würde ich auch nur in annähernd erreichbarer Nähe wohnen, wäre ich auch vor Ort dabei.

  18. Und eines muß ich – auch wenn das vielen nicht paßt – mal ganz klar und eindeutig feststellen:
    Der ganze Zorn und die ganze Hetze die derzeit gegen RWE in den Medien und im Internet kursiert richtet sich gegen den falschen Adressaten.
    RWE mußte seine Abbaupläne und Betriebspläne behördlich genehmigen lassen. Die Genehmigungsbehörde hat vor der Genehmigung von Amts wegen her alle Anträge auf deren Richtgkeit und Rechtmäßigkeit nach aktueller Gesetzeslage zu prüfen und alle entgegen stehenden Fakten und Interessen gegeneinander abzuwägen (ein Umstand, mit dem ich mich für die Planungs-Gesellschaft für die ich arbeite jeden Tag rumärgern darf).
    Wenn die Genehmigungsbehörde dabei irgendwelche Fakten übersieht oder falsch interpretiert und dadurch eine rechtswidrige Genehmigung erteilt, dann kann man dem Antragsteller daraus keinen Vorwurf machen – der muß sich schon drauf verlassen können, daß die Genehmigungsbehörde ordentlich arbeitet.
    Die derzeitige Rufmord-Kampagne gegen RWE ist deshalb völlig daneben – vielmehr ist RWE selbst Opfer oberflächlichen Behöden-Handelns geworden. Der Zorn müßte sich daher gegen die Genehmigungsbehörde und damit letztlich gegen den Staat richten.

  19. Nachtrag:
    Ich nehme aber die Vorhaltungen hier aber niemanden wirklich krumm – schließlich bin ich es gewöhnt, zwischen den Stühlen zu sitzen.
    Die wenigstens Juristen sind Techniker, und die wenigsten Techniker sind Juristen. Ich bin nun mal leider beides.
    Und man glaubt gar nicht, wie vielen Juristen und Verwaltungsmitarbeitern ich schon beibringen mußte, das dieses oder jenes technisch nicht oder nicht anders möglich ist – und wie vielen Technikern ich schon beibringen mußte, das dieses oder jenes rechtlich so nicht zulässig ist.
    Insofern sind die Streitigkeiten hier nichts anderes als eine Fortsetzung dessen, was ich von arbeits wegen sowieso schon regelmäßig erlebe.

  20. Ich bin da – das gebe ich offen zu – alles andere als optimistisch, was die Erhaltung des Hambacher Forstes angeht. Als gelernter Energie-Techniker und in der Energiebranche tätiger Justitziar weiß ich, wie komplex die Materie Energieerzeugung und Energieversorgung ist und das man deshalb nicht von heute auf morgen aus einem Haupt-Energieträger austeigen kann. Die Zahlen, die da derzeit jongliert werden halte ich für überzogen bis absurd – zumal in den ganzen Betrachtungen offenbar außer Acht bleibt, wie stark der Strombedarf durch die Elektro-Mobilität steigen wird. Da befürchte ich, daß irgendwelche überstürzten Entscheidungen und unrealistische Versprechen abgegeben werden – bei der sog. Energiewende hatten wird das ja schon mal, die dadurch im Chaos verendet ist.
    Der Ausstieg aus der Braunkohle ist technisch möglich und wirtschaftlich sogar nötig (Braunkohlevorkommen sind begrenzt!), aber eben nicht in den Zeiträumen, von denen derzeit geredet wird und schon gar nicht sofort. Damit müssen wir leben, ob uns das nun paßt oder nicht.
    Nun ist meine Lebensgefährtin zudem Geologin und hat in dieser Eigenschaft viel mit Bergbau und Bergbausanierung zu tun. Sie hat über das im Internet kursierende angebliche Greenpeace-Gutachten zur Notwendigkeit des Weiterbetriebs des Hambacher Tagebaus und zur Rettung des Hambacher Forstes, was in Wirklichkeit nichts anders als als ein grob zusammengeschusteres Tesenpapier ist die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, weil das eben alle Fragen der bergbautechnischen Sicherung außer Acht läßt.
    Und wenn Leute solche Umstände dann in Unkenntnis der Faktenlage und technischen Zusammenhänge als die Wahrheit feier, sich in bar faktische Grundlage in Illussionen steigern und sich dann noch anfangen zu streiten, wenn man ihnen widerspricht, dann wird Idealismus nun mal leider zur Ideotie. Der Sinn der Sache und des Idealismus wird dann nach Absurdistan entführt. Und sowas bringt mich zur Weißglut.
    Daher auch die giftigen Pfeile. denn wie heißt es doch schon in der Bibel Prediger-Texte Kap. 7 Vers 3):
    „Trauern ist besser als Lachen – denn Trauer bessert das Herz.“

  21. Schade. Nach dieser vielversprechenden Ankündigung hatte ich auf den Beitrag eines unabhängigen Journalisten gehofft, der aus neutraler Sicht einen Blick auf die Geschehnisse wirft, nicht auf den Gastkommentar eines befangenen Ex-Politikers, der sich schon zu seiner Zeit als NRW-Minister für die Braunkohle stark gemacht hat und 2006 in den Aufsichtsrat der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power gewählt wurde.
    Dass er aus seiner Sichtweise und Position heraus den Rodungsstopp für unbegründet hält, dürfte niemanden wundern.
    Ob sich jemand in einer Diskussion für die eine oder andere Seite entscheidet, hängt im wesentlichen davon ab, wo er von seinem Standpunkt aus die Prioritäten setzt, das ist selbstverständlich auch bei mir der Fall.
    „Idealismus“ mit „Ideotie“ in Verbindung zu bringen, ist für mich allerdings genauso widersinnig wie der Vergleich von „Weißglut“ mit „Trauer“. Daher zum Abschluss noch ein Tipp: Zitate sollten unbedingt zum Kontext passen.

  22. Am Ende steht nichts anders als die Frage, die ich auch schon aufgeworfen habe:
    Ist es das alles wirklich wert?
    Darüber hätte man allerdings vorher nachdenken müssen – jetzt ist es dafür zu spät. Und es verstärkt meine Befürchtung:
    Das sich alle Beteiligten in eine Sackgasse ohne Ausweg manövriert haben.

  23. @Denkenderbuerger schrieb am 10. Oktober 2018 um 23:54 Uhr. Dazu:

    Sorgliches Innehalten auf halbem Wege bringt Heil.
    I Ging chinesisches Weisheitsbuch

    Das Innehalten könnte auch als Abkühlungsphase verstanden werden.

  24. Ach ja, der gute Clement…
    Kuratoriumsvorsitzender des Lobbyvereins „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, Hetzer gegen Hartz-IV-Empfänger, zeitweise Aufsichtsratsmitglied von RWE Power und Mitunterzeichner des „energiepolitischen Appells“, einer Lobby-Kampagne der Energiekonzerne.
    So einer ist natürlich absolut unvoreingenommen und neutral und darf sich in unserem Rechtsstaat Justizschelte anmaßen.

  25. @Denkenderbuerger – Diese Frage hatte ich Ihnen bereits an anderer Stelle versucht zu beantworten. Ich verstehe gar nicht, weshalb Sie das so sehr beschäftigt. Es kommt dabei schließlich auf die Sichtweise der einzelnen Parteien an und hängt entscheidend davon ab, welche Ziele sie sich ursprünglich im Einzelnen gesetzt haben.
    Vermutlich werden es manche auch schon als Erfolg werten, einmal mehr einem Großkonzern die Stirn geboten zu haben, ganz unabhängig vom Endergebnis. Überlassen Sie das doch einfach den Beteiligten selbst, schließlich muss jeder für sich entscheiden, worauf er sich einlässt! Manchmal scheint es eben unvermeidbar, sich nicht alles bieten zu lassen und bekennend Flagge zu zeigen und immerhin ist auch in dieser Sache bisher noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ein Fazit lässt sich hinterher immer noch ziehen.

  26. Von uns beiden wird das sowieso keiner ändern.
    Aber schade ist es um eine Sache doch, wenn sie im Streit zerbricht doer in einer Sackgasse ohne Ausweg verendet.Erst recht, wenn bede Seiten am Ende als Verlierer dastehen.
    Damm muß man wenn man es neutral betrachtet nämlich feststellen:
    Viel Lärm um nichts, und die Zeit, Energie und Kosten hätte man besser wo anders angelegt.

  27. Ich erlebe jeden Tag die Lebensrealität – das reicht, um sachlich und vernünftig zu sein.
    Träume sind Schäume – und Schaum besteht zu 98 % aus Luft.
    Ich filtere daher aus dem Schaum die 2 % Realität heraus – und finde darin immer noch genug Probleme.
    Oder anders gesagt:
    Wer sich lange und intensiv genug mit der Realität befaßt hat, hat keine Illussionen mehr.

  28. Die angedeuteten Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe vermag ich nicht zu beweisen. Wenn es Hinweise darauf gibt, dann sollte man sie mal der Staatsanwaltschaft vorbingen.
    Aber ich sehe keine Hinweise darauf.

  29. Zitat des Denkenderbuergers : „Die derzeitige Rufmord-Kampagne gegen RWE ist deshalb völlig daneben – vielmehr ist RWE selbst Opfer oberflächlichen Behörden-Handelns geworden.“
    Oberflächliches Handeln im Rahmen eines Hoheitsaktes könnte auch in Richtung von Missbrauch der Amtsgewalt oder unsachlicher Parteinahme verstanden werden.

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