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iPhone 13 soll Plastik sparen und Rohstoffe schonen: Wie nachhaltig ist es wirklich?

Beim iPhone 13 soll weniger Verpackungsmüll anfallen und Apple verwendet recycelte Ressourcen.
Foto: Apple

Vor wenigen Wochen hat Apple das iPhone 13 rausgebracht, und wirbt unter anderem auch mit ökologischen Vorteilen. Doch wie nachhaltig ist das Smartphone wirklich?

Seit dem 24. September ist das iPhone 13 auf dem Markt. Das neuste Modell von Apple sieht nicht nur optisch ähnlich aus als der Vorgänger. Kritiker:innen zufolge macht die neue Generation auch technisch keinen so großen Sprung wie beim letzten Modell. 

Apple wirbt diesmal unter anderem mit neuem Prozessor, „Cinematic“-Videomodus und mehr Speicher. Dazu lockt ein weiteres Versprechen: Das Modell soll Verpackungsmüll sparen und enthält einige Komponenten aus recycelten Materialien. Letzteres haben wir uns einmal genauer angeschaut.

Neues iPhone soll 600 Tonnen Kunststoff sparen

Zugegeben: Beim Marketing für iPhone 13 und den Varianten „mini“, „Pro“ und „Pro max“ setzt Apple insgesamt mehr auf technische Neuerungen („Ultraweitwinkel-Kamera“, „Kinomodus“, „Fotografische Stile“) , doch gegen Ende der Pressemitteilung kommt der stolze Hinweis: „Durch die neu designte Verpackung ist keine Umverpackung aus Kunststoff mehr nötig. Dadurch werden 600 Tonnen Kunststoff gespart.“

Mit der Umverpackung ist allerdings eine dünne Klarsichtfolie gemeint, die die Pappschachtel des Vorgängermodells noch umwickelt hatte. Stattdessen wird nun ein Klebestreifen verwendet, der verhindert, dass sich die Schachtel ungewollt öffnet. Zieht man diesen ab, fällt ebenfalls Müll an, nur eben aus Papier.

Wie das aussieht, zeigt dieses Foto auf Twitter:

Apple bezeichnet sich selbst als CO2-neutral, das trifft bisher aber nur auf die weltweiten Standorte zu (Büros, Rechenzentren etc.). Dreiviertel der Emissionen des Konzerns entstehen aber in der Geräteproduktion, welche vor allem über Zulieferer abläuft. Bis 2030 soll die ganze Lieferkette klimaneutral werden. Dafür setzt der Konzern auf Verpflichtungen seitens der Partner, investiert aber auch in naturbasierte Lösungen, um CO2 aus der Luft zu ziehen (über Wälder, Feuchtgebiete etc.) und will durch Recycling geschlossene Lieferketten bilden.

Recycling-Komponenten: Ist das iPhone 13 nachhaltig?

Von komplett geschlossenen Lieferketten durch Recycling ist Apple derzeit noch weit entfernt. Aber immerhin: Die Antennenleitungen des neuen iPhone 13 sollen aus recycelten Kunststoff-Wasserflaschen gefertigt sein. Laut Apple wurden sie „chemisch in ein stärkeres Hochleistungsmaterial verändert“. Insgesamt sollen 98 Prozent der seltenen Erden im Gerät aus wiederverwendeten Quellen stammen, auch das Wolfram ist zu 99 Prozent recycelt.

Seltene Erden zu recyceln gilt als nachhaltig, denn so müssen keine neuen gewonnen werden. Diese kommen nämlich nicht isoliert vor, sondern müssen in aufwändigen Verfahren und vielen Arbeitsschritten aus anderen Rohstoffverbindungen herausgelöst werden. Dabei kommen oft gefährliche oder giftige Substanzen zum Einsatz.

An sich sind Recyclingmaterialien in Handys nichts neues. Apple setzte bereits beim iPhone 11 darauf – damals hatten sich Handelsbeziehungen zwischen USA und China gerade verschärft. (Die Nation baut weltweit am meisten seltene Erden ab.) Die recycelten Erden stammen laut Apples „Environmental Progress Report“ teils aus alten iPhones, die ein Roboter namens Daisy zurückgewinnt. Das Wolfram bezieht der Konzern über „Recycler“ und „Zulieferer“.

Auch andere Hersteller verwenden bereits recycelte Komponenten, zum Beispiel Fairphone. Im neuen Fairphone 4 stecken immerhin recyeltes Zinn, seltene Erden und Kunststoffe. Das Wolfram sowie einige weitere Rohstoffe wurden laut Hersteller unter fairen Bedingungen gewonnen.

Beides gleichzeitig zu erwerben, also fair produziertes Recyclingmaterial, ist laut Hersteller leider nicht immer möglich. Das Unternehmen setzt sich deshalb genau mit der Lieferkette und dem Impact der einzelnen Materialien auseinander.

Dazu kommt: Viel zu wenige Menschen geben ihre alten Handys ins Recycling, sondern lagern sie jahrelang ungenutzt in Schubladen. So können die in ihnen vorhandenen Rohstoffe nicht dem Recyclingkreislauf zugeführt werden. Wie du es besser machst, kannst du hier nachlesen: Alte Handys entsorgen: Elektrogeräte kostenlos per Post recyceln

Wie fair sind Apple-Smartphones?

Dass Apple es mit der Fairness nicht so genau nimmt, darauf deutet ein vor kurzem veröffentlichter Test der Stiftung Warentest hin. Die Verbrauchschützer:innen hatten überprüft, welche Handyhersteller es mit Corporate Social Responsibility (CSR) ernst meinen.

Apple schnitt dabei grade mal mit „ausreichend“ ab. Der Hersteller stellt zwar hohe Anforderungen an seine Zulieferer, ließ Fragebögen zur Endmontage und zur Herkunft ausgewählter Bauteile und Rohstoffe aber unbeantwortet. Der Test bezog sich vor allem auf das iPhone 12 Pro Max, also ein Vorgängermodell des iPhone 13, von dem Apple aber nicht mal angeben wollte, wo genau es hergestellt wird. Hersteller wie Fairphone und Shiftphone waren deutlich transparenter und schnitten deshalb mit „gut“ ab.

Utopia rät nicht zum Kauf eines iPhone 13

Dass sogar Handyhersteller wie Apple erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen, zeigt, wie wichtig das Thema in den vergangenen Jahren geworden ist. Besonders positiv hervorzuheben ist das Recycling von Materialien, was Transparenz entlang der Lieferkette angeht muss der Konzern aber noch an sich arbeiten.

Dazu kommt, dass iPhones – egal welcher Generation – nicht für den langfristigen Gebrauch ausgelegt sind, sondern möglichst bald mit dem neusten Modell ersetzt werden sollen. Hersteller wie Fairphone und Shiftphone haben Maßstäbe in Sachen Reparatur, Wartung und Transparenz gesetzt, von denen der Apple noch weit entfernt ist.

Wir bei Utopia raten also nicht zum Kauf des iPhone 13. Zum einen, weil das Produkt in Sachen Nachhaltigkeit noch Verbesserungsbedarf hat. Zum anderen, weil es ökologisch fatal ist, sich jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen, nur um auf dem neusten Stand zu sein. Apple-Fans können sich das iPhone 12 gebraucht anschaffen, das bald die Second-Hand-Shops füllen wird und technisch sowieso fast auf demselben Stand ist. Wer ein neues Handy will, das lange hält und fair produziert wurde, kann einen Blick auf unsere Bestenliste faire Smartphones werfen.

Du willst mehr zu nachhaltigen Smartphones erfahren? Dann hör mal in diese Folge des Utopia-Podcasts rein! Du findest sie bei Spotify und Deezer, Apple Podcasts, Google Podcasts und direkt hier:

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