Vorbild Greta: In China protestiert eine 16-Jährige alleine fürs Klima

Screenshot: Twitter, @howey_ou

Auch in China gibt es jetzt einen Klimastreik: Die 16-jährige Schülerin Howey Ou steht seit dem 24. Mai täglich vor dem Regierungsgebäude in Guilin – und geht damit ein großes Risiko ein.

Seit am Freitag, 24. Mai, weltweit Hunderttausende für das Klima demonstriert haben, geht auch Howey täglich auf die Straße: Mit Protestschildern ausgestattet sitzt sie vor dem Regierungsgebäude in Guilin im Südosten des Landes.

Die 16-jährige Chinesin hat auf Twitter angekündigt, so lange zu streiken, bis die chinesische Regierung deutliche Klimaversprechen abgibt. Nach eigenen Angaben ist sie bisher die Einzige, die in China für das Klima protestiert.

Inhaftierung und Repressionen: Schülerin geht Risiko ein

Mit ihrem Protest geht die 16-Jährige ein großes Risiko ein. China ist bekannt für seine restriktive Politik und die um Kontrolle bemühten Behörden. Howey hat schon am ersten Tag ihres Protests mit einer Verhaftung gerechnet.

„Das habe ich vorbereitet, für den Fall, dass ich verhaftet werde“, twitterte sie und lud ein Foto mit jeder Menge Lesestoff dazu hoch. Bis jetzt scheint der 16-Jährigen aber noch nichts passiert zu sein.

Grundsätzlich sei zu befürchten, dass Howey Opfer staatlicher Repressionen bis hin zur Inhaftierung werde, äußert Dirk Pleiter, China-Experte bei Amnesty International Deutschland, gegenüber t-online.de. Es sei schwer vorherzusagen, ob es dazu kommt. „Die chinesischen Behörden gehen mit solchen Protesten immer wieder auch pragmatisch um und lassen Ventile für Unmut in der Bevölkerung zu“, wird er zitiert.

Klimastreik in China: Kaum jemand weiß Bescheid

Das würde erklären, warum Howeys Streik bis jetzt offenbar toleriert wird. Zwar musste sie bereits den Standort wechseln, wo sie jetzt ist, darf sie aber offenbar demonstrieren.

Dabei wissen viele Chinesen anscheinend nicht über den Klimastreik Bescheid. Auf Twitter stellt die 16-Jährige überrascht fest: „Keiner kennt den Klimastreik!?“

Auch in anderen Teilen der Welt ist der Klimastreik offenbar noch recht unbekannt. Trotzdem gehen Schüler, Jugendliche und Studenten auch dort auf die Straße. So kommentiert ein Junge aus Mexiko einen Tweet von Howey: „Hey Schwester. Hier in Mexiko ist der Klimastreik auch eher unbekannt. […] Du bist nicht allein“, schreibt er.

Eine Schülerin aus Neuseeland kommentiert: „Gut gemacht! @thathumbleman und ich sind vor dem Parlament in Neuseeland für die gleiche Sache.“

Howey erhält große Unterstützung im Netz

Howey twittert beinahe täglich und hält ihre Follower so über ihren Protest auf dem Laufenden. Dafür bekommt sie jede Menge Zuspruch und Rückhalt. „Ich hoffe wirklich, dass du bald lokale Unterstützung erhältst“, kommentiert ein User den Post ihres zweiten Protesttags. „Pass auf dich auf!“ lautet ein anderer Kommentar. „Heldin“ ein weiterer.

Viele zeigen sich beeindruckt vom Mut der jungen Chinesin. So kommentiert eine Nutzerin: „Mein Chinesisch-Lehrer erklärte mir mal, wie wichtig die Schule für die Zukunft der Kinder in China ist. Umso unglaublicher ist es, dich für deine Überzeugung einstehen zu sehen.“

Auch Greta Thunberg folgt der 16-Jährigen auf Twitter und sichert ihr Unterstützung zu. „Howey Ou ist eine wahre Heldin. Wir stehen alle hinter dir“, twitterte sie am Samstag.

Twitter ist in China blockiert

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist in China eigentlich blockiert. China zensiert das soziale Netzwerk, um die Verbreitung von Informationen kontrollieren zu können. Um trotzdem auf Twitter aktiv sein zu können, nutzen Millionen Chinesen und viele Unternehmen VPN-Tunnel. Diese ermöglichen es, die lokale Zensur zu umgehen.

Um ihren Followern zu beweisen, dass sie wirklich aus China twittert, postete Howey an Tag drei ihres Streiks ein Bild, auf dem die chinesische Flagge auf dem Regierungsgebäude zu sehen ist. „Wenn ihr mir nicht vertraut, schaut auf die chinesische Flagge“, schreibt sie dazu.

China ist zweitgrößter CO2-Verursacher

China hat sich zwar in jüngster Vergangenheit im Kampf gegen den Klimawandel kooperativ gezeigt: Das Land investiert massiv in Windenergie und Photovoltaik, und will bis 2030 seinen Anteil von 20 Prozent an nicht fossiler Energie steigern. Trotzdem ist China noch immer der weltweit größte Klimasünder: Kein Land stößt mehr CO2 aus.

Mit ihrem Protest in einem Land wie China beweist die 16-jährige Howey unglaublich viel Courage. Die Schülerin geht ein enormes Risiko ein – noch dazu allein. Dabei bleibt sie auch noch bescheiden: „Ich bin nicht besonders mutig“, behauptet sie und verweist auf Greta Thunberg: „Die anfänglichen Initiatoren des Klimastreiks hatten es schwerer.“

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(1) Kommentar

  1. Sollten sich Howey weitere Menschen anschließen und entsteht eine Bewegung daraus, dann werden die Chinesen diese Bewegung wohl zerschlagen. Eine einzelne Person sehen sie nicht als Gefahr an. Es ist insgesamt wohl schwierig die chinesische Regierung zu etwas zu bewegen. Nur durch internationale Aufmerksamkeit und das konsequente Einschreiten der internationalen Politik, von Entscheidungsgebern kann Druck aufgebaut werden. Nur wer macht das?

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