Ei im Tetra Pak bei Lidl: Dazu fällt uns nichts mehr ein

Fotos: "Einkaufen" von Thomas Schlosser unter CC BY 2.0 und Foto: golubovy / stock.adobe.com

Der Umwelt zuliebe wollen die Supermärkte Plastik reduzieren. Gleichzeitig verkaufen sie weiterhin jede Menge Produkte in unsinnigen Verpackungen. Bei Lidl gibt es diese Woche ein besonders absurdes Sonderangebot.

Eier aufschlagen, in einem Gefäß verquirlen und in eine Pfanne geben: Eigentlich ist es nicht schwer, Rührei oder Omelette zuzubereiten. Aber offenbar gibt es Menschen, denen das noch zu viel Aufwand ist – darauf deutet zumindest ein Sonderangebot aus dem aktuellen Lidl-Prospekt hin.

Lidl verkauft in dieser Woche nämlich Rührei- und Omelette-Mischungen im Tetra Pak: Deckel aufdrehen und die Masse „einfach und sauber direkt in die Pfanne geben“, bewirbt Hersteller „leif“ das Ei aus der Packung. Die Kartons enthalten etwa 520 Gramm Ei-Mischung, das reicht laut „leif“ für fünf bis sechs Portionen. Eine Packung kostet bei Lidl 2,29 Euro, die Eier stammen aus Bodenhaltung.

Rührei im Getränkekarton bei Lidl (Foto: Lidl Online-Prospekt)

„Absolut gelingsicheres“ Rührei

Außer Ei stecken noch weitere Zutaten in der Rührei- und Omelette-Mischung, etwa Sahne, Milch, Salz und Gewürze. Damit das flüssige Ei nicht verdirbt, enthält es aber auch Zusatz- und Konservierungsstoffe. Dank ihrer Rezeptur seien die Produkte „absolut gelingsicher, sodass auch Kochanfänger im Handumdrehen großartige Ergebnisse erzielen“, schreibt leif auf der Unternehmenswebseite.

Noch absurder als die Vorstellung, dass bei der Zubereitung von Rührei solche Hilfestellungen nötig sind, ist die Müllmenge, die die Verpackungen verursachen. Von außen ist nur der Pappkarton sichtbar, im Inneren steckt aber eine Haftschicht aus Kunststoff sowie eine Aluminiumfolie. Die Förderung von Aluminium ist extrem umweltschädlich und Kunststoff nicht biologisch abbaubar.

Beides sind also Stoffe, die der Umwelt zuliebe möglichst sparsam eingesetzt werden sollten. Weil die Tetra Paks aus mehreren Materialien bestehen, ist es außerdem relativ aufwändig, sie zu recyceln.  

Lidl will Plastikverbrauch verringern

Eigentlich hat sich Lidl vorgenommen, Plastik in den Filialen deutlich zu reduzieren: Bis 2025 will der Discounter seine Plastikverpackungen um 20 Prozent reduzieren. Um das zu schaffen, gestaltet Lidl die Verpackungen von Eigenmarkenprodukten um, sodass weniger Kunststoff zum Einsatz kommt. Laut eigenen Angaben können durch Veränderungen bei Nüssen und Waschmittel bereits 180 Tonnen Plastik pro Jahr eingespart werden.

Zugleich verkauft Lidl weiterhin Lebensmittel mit unsinnigen Plastikverpackungen – wie etwa das Rührei im Karton. Ähnlich sieht es auch in den anderen Supermärkten und Discountern aus: Vor allem die Theken mit verpackungsreichen to-Go-Produkten scheinen eher größer zu werden.

Damit sich das ändert, sind aber auch die Kund*innen gefragt, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Rührei und Omelette aus der Packung können für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen eine Hilfe sein. Alle anderen sollten solche und ähnliche Produkte nicht kaufen.

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(9) Kommentare

  1. Wer kennt es nicht, das Problem: man will sich ein Ei zubereiten, findet aber den Schraubverschluss nicht 😉

    Scherz beiseite, neben der unsinnigen Verpackung dürfen in verarbeiteten Produkten weiterhin Eier aus in der EU verbotenen Käfighaltung verarbeitet werden. Mittlerweile kommt ein Großteil davon aus riesigen Legebatterien in der Ukraine. Natürlich leiden die Tiere unter den schlimmsten Zuständen… Alles für die größt mögliche Gewinnspanne.
    Die Verschleierungstaktik bei verarbeiteten Produkten funktioniert also weiterhin bestens!

  2. An alle, bei denen das Thema tierische Lebensmittel immer gleich negative Assoziationen hervorruft: bitte bedenkt dass frische Eier ein hervorragendes Naturprodukt sind, eine kleine Anzahl Hühner sich relativ einfach und artgerecht halten lässt und uns dafür regelmäßig mit erstklassigen Eiweißquellen versorgt, ohne dass dafür ein Tier leiden oder sterben muss.
    Ich denke die entrechtete „Industrieware Huhn“ ist das, was man kritisieren sollte, mit Recht!
    Eine Ware, die wahrscheinlich nicht mal die eigenen Produzenten essen würden, weil sie die Zustände genau kennen. Die sich solch abscheuliche Dinge wie Kückenschreddern einfallen lassen, und und und… Kein Vergleich zur einer gepflegten Tierhaltung! 😉

  3. Schön wäre der Hinweis auf die absolute Keim Freiheit gewesen. Gastro darf Rührei aus frischen Eiern ohne Aufsicht nicht mal anbieten. Preis halb so teuer wie bei Metro.. Tolles Angebot!

  4. Die Keimfreiheit im Gastrogewerbe spielt der industrialisierten Lebensmittelindustrie perfekt in die Hände.
    Dabei sind Lebensmittel natürlichen Ursprungs niemals keimfrei und das ist auch gut so, da unser Mikrobiom davon lebt und uns so stark macht und gesund erhält.

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, alles steril und tot zu machen!

    Übrigens, dieses „tolle“ Angebot lässt sich nur durch Massentierhaltung der allerschlimmsten Art erreichen 😉
    Laut Recherchen von Frontal21 vom 10.03.2020 produziert Firma Ovostar in der Ukraine so ca. 587 Millionen Eier pro Jahr für die industrielle Weiterverarbeitung.
    Ja, diese „Erzeugnisse“ unsterilisiert zu konsumieren würde ich auch Keinem/Keiner 😏 raten, wenn man die Zustände in den „Ställen“ sieht, in denen die Tiere gerade noch so überleben…

  5. Ich würde ja den Artikel gerne gut finden.
    Aber scheinbar ist der Genderwahn hier schon so groß, das ist überhaupt keine Kunden mehr gibt, nur noch Kundinnen.
    Eigentlich ist es doch sehr schade, bei Utopia werden Männer ausgegrenzt.

  6. Das kann ich gut nachvollziehen. Finde manch neue „gendergerechte“ Formulierungen z.T. auch sehr gewöhnungsbedürftig und unnötig kompliziert.
    Für mich ist „der Kunde“ immer noch ein Neutrum und hat keinen geschlechtsspezifischen Bezug.
    Auf der anderen Seite gehören diese Formulierungen heute zum Standardrepertoire und wahrscheinlich sind auch die Redakteure hier angehalten es so zu machen, um allen gerecht zu werden.
    Am Sachverhalt des Beitrags ändert es trotzdem nichts 😉

  7. das primitivste, sind doch die leute, die sowas kaufen. wenn es niemand kaufen würde, würden die supermärkte das ganz schnell aus dem regal nehmen.

  8. Ja, würden wir alle uns unserer wirklichen Verantwortung bewusst sein, wären wir gesellschaftlich und strukturell schon ein ganzes Stück weiter.

    „Der Kunde“ ist zwar ein Neutrum – aber ein Neutrum mit Bedeutung!

    Es wurde und wird aber immer noch ein System angestrebt, welches auf Ausnutzung gutgläubiger Menschen basiert.
    Wie sonst bekommt man all den unnützen (Luxus-) Plunder an den Mann und die Frau? Doch nur durch die Vorstellung sehr sehr eingeschränkter oder gar falscher Sichtweisen.

    Höchste Zeit wieder selbst denken zu lernen und unser Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen!
    Viel zu lange haben wir Menschen uns von einseitigen Ansichten dummdreister, parasitärer Emporkömmlinge einlullen und unser Leben negativ beeinflussen lassen!
    😉