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UV-Schutz mit bitterem Beigeschmack: Lippenpflege von Labello, Blistex und Co. bei Öko-Test

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Fotos: ÖKO-TEST

Öko-Test hat rund 20 Lippenpflege-Produkte untersucht, die zusätzlichen UV-Schutz versprechen. Eine Handvoll ist „gut“ oder „sehr gut“, andere fallen aus ganz unterschiedlichen Gründen durch. Naturkosmetik hat dabei mit anderen Problemen zu kämpfen als konventionelle Produkte.

Wer im Winter bei gutem Wetter gerne auf der Skipiste unterwegs ist, kennt das Problem: In den Bergen muss die Haut vor der Sonne geschützt werden, gleichzeitig greifen die niedrigen Temperaturen die Haut an. Ein Lippenpflege-Stift mit zusätzlichem UV-Schutz scheint da zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, um die empfindlichen Hautpartien zu schonen – zumal die Lippen kaum Eigenschutz gegen UV-Strahlen besitzen und deshalb besonders leicht Sonnenbrand bekommen.

Lippenpflege mit UV-Schutz: Probleme von Titandioxid bis Mineralöl

Um herauszufinden, welche Stoffe man sich mit solchen UV-Stiften auf die Lippen schmiert, hat die Zeitschrift Öko-Test jetzt rund 20 Pflegestifte (mit Lichtschutzfaktor zwischen 20 und 50+) im Labor untersuchen lassen und bewertet. Das Urteil fällt ausgesprochen gemischt aus – von „sehr gut“ bis „ungenügend“ sind alle sechs Noten vertreten.

Zwar sind vier Lippenpflegestifte mit UV-Schutz „sehr gut“ und damit besonders zu empfehlen, das Gros der Produkte hat aber mit Problemen zu kämpfen, meist sogar mit mehreren zugleich. Bitter: Auch die Artikel mit Naturkosmetik-Siegel sind diesmal im Durchschnitt nicht empfehlenswerter als die ohne.

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Der Grund: Jedes Produkt, das UV-Schutz verspricht, benötigt entsprechende Filterstoffe. Um chemische UV-Filter zu vermeiden, haben Naturkosmetik-Marken in den vergangenen Jahren fast immer auf die mineralischen Stoffe Titandioxid und Zinkoxid zurückgegriffen, die schädliche UV-Strahlung teils absorbieren und teils reflektieren. Die Stoffe sind deshalb auch in fast allen Bio-Sonnencremes mit Naturkosmetik-Zertifikat zu finden.

Titandioxid im Abwärtstrend

Leider hat Titandioxid viel von seinem guten Ruf eingebüßt. Der Grund: Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dieses Jahr entschieden, dass Titandioxid nicht mehr in Lebensmitteln enthalten sein darf, weil der Stoff möglicherweise erbgutschädigend wirkt, wenn er eingeatmet oder aufgenommen wird. Hinweise darauf gab es schon länger.

Lippenpflege
Wenn wir Lippenpflege benutzen, verschlucken wir davon auch immer etwas. (CC0 / Pixabay / silviarita)

Öko-Test argumentiert nun, dass man von Lippen(pflege)stiften immer auch einen kleinen Teil verschluckt, wenn man sie verwendet und dass Titandioxid deshalb nichts in Lippenkosmetik zu suchen hat. Schon beim Lipgloss-Test in der vorherigen Ausgabe von Öko-Test hagelte es deshalb Punktabzüge.

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Wir von Utopia finden es darum nachvollziehbar, dass kein Naturkosmetik-Stift im aktuellen Test besser abschneidet als „befriedigend“ (z.B. die Alverde Sonnen-Lippenpflege LSF 20), und das, obwohl wir uns grundsätzlich für Produkte von Naturkosmetik-Herstellern aussprechen. Naturkosmetik enthält – sehr oft, aber eben nicht immer – weniger bedenkliche Stoffe.

Lippenpflege: Das sind die Testsieger

Das alles hat zur Folge, dass die Testsieger bei den UV-Lippenpflege-Stiften diesmal aus der konventionellen Kosmetik stammen: „Sehr gut“ schnitt zum Beispiel der Annemarie Börlind Sun Care Lip Stick 20 ab, der mit circa 5 Euro aber auch einer der teuersten Stifte im Test ist (zu kaufen** u.a. bei Galeria oder Douglas).

Aber auch die Testverlierer tragen kein Naturkosmetik-Siegel:

  • So fiel z.B. der Labello Sun Protect Lippenpflegestift LSF 30 (im Bild) mit „ungenügend“ krachend durch, weil er unter anderem mit den kritischen UV-Filtern Homosalat und Octocrylen aufwartete.
  • Auch die Blistex Lip Infusions Hydration SFP 15 (im Bild) war „ungenügend“. Hier störten sich die Tester:innen an dem Filter Homosalat, an Titandioxid (das nicht nur in Naturkosmetik verwendet wird) sowie an Kunststoffverbindungen (d.h. Mikroplastik oder Silikone) in der Rezeptur.
  • Beim Sun Dance Lippenpflegestift 30 (im Bild) von dm reichte es nur für ein „mangelhaft“. Gründe hier: Titandioxid und sogenannte halogenorganische Verbindungen. Substanzen dieser Stoffgruppe können Allergien auslösen. Laut Öko-Test hat dm aber bereits angekündigt, die Rezeptur des Stifts Anfang 2022 zu überarbeiten.

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Andere Problemstoffe, die das Labor in einigen Pflegestiften fand, waren PEG(-Derivate), Paraffine, aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), Benzophenon, Tartrazin oder Butylhydroxytoluol, die jeweils aus verschiedenen Gründen in der Kritik stehen.

Lippenpflege-Test: Unser Fazit

Alles in allem ergibt sich im Winter 2021/22 ein sehr viel gemischteres Bild als noch vor drei Jahren, also Öko-Test sich zuletzt mit UV-Pflegestiften beschäftigt hat. Damals war die Naturkosmetik noch durch die Bank „sehr gut“ – aber Titandioxid auch noch kein Thema. Auch vor rund 12 Monaten, als es bei Öko-Test zur Abwechslung um Lippenpflege ohne UV-Schutz ging, punktete vor allem die Naturkosmetik.

Der aktuelle Öko-Test zur Lippenpflege dürfte nun viele Hersteller motivieren, ihre Sonnenschutz-Produkte zu überarbeiten. Einige Naturkosmetik-Produzenten werden wohl was UV-Schutz betrifft von Titandioxid auf Zinkoxid umstellen, wobei der Stoff andere Vor- und Nachteile aufweist.

Alle Details zum aktuellen Test findest du im Öko-Test Magazin 01/2022 sowie online auf www.ökotest.de.

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