Markus Lanz: Nach der letzten Sendung vergeht die Lust auf Fleisch

Foto: Screenshot ZDF-Mediathek

In den vergangenen Wochen wurde in Deutschlands Talkshows viel über Fleisch und Schlachthöfe diskutiert. Markus Lanz behandelte das Thema am Mittwoch aus einer neuen Perspektive: In seiner Sendung war eine Journalistin zu Gast, die schonungslose Einblicke in den Schlachtprozess lieferte.

Was genau passiert eigentlich in Schlachthöfen? Tiere werden betäubt und geschlachtet – das ist bekannt. Aber wie genau das funktioniert, wissen die wenigsten. Kein Wunder, denn das Thema ist unangenehm. Das Schlachten finde heute fast heimlich statt, schreibt die Journalistin Elisabeth Raether in einem Artikel in der Zeit.

Für ihren Artikel hat sie mit Menschen gesprochen, die Tiere schlachten. Sie wollte herausfinden, was in ihnen vorgeht – und wie Schlachtungen funktionieren. Am Mittwoch war Raether zu Gast bei Markus Lanz und schilderte dort ihre Eindrücke.

Raether bei Lanz: „Dem Tier muss Gewalt angetan werden“

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Elisabeth Raether bei Lanz. (Foto: Screenshot ZDF-Mediathek)

Gleich zu Beginn stellte Raether klar: „Egal ob es ein sanfter Tod war, eine Weideschlachtung, oder eine Massenbetriebsschlachtung bei Tönnies, dem Tier muss Gewalt angetan werden. Das Leben muss gewaltsam aus dem Tier entfernt werden.“ Dieser Akt der Gewalt lasse sich nur schwer mit dem Genuss beim Essen in Verbindung bringen – weshalb man als Fleischkonsument*in gar nicht erst darüber nachdenken wolle.

Bei Schweinen laufe der Schlachtprozess in Deutschland in der Regel folgendermaßen ab: Die Schweine werden in einen geschlossenen Raum gebracht. Besonders wichtig sei, dass die Tiere dabei nicht in Panik geraten. Anschließend strömt CO2 in den Raum – um die Schweine zu betäuben. „Ich glaube es sind so 20, 30 Sekunden in denen die Tiere Schmerzen haben und glauben zu ersticken. Und dann sind sie bewusstlos.“ Um die Tiere zu beruhigen, werde in den Schlachthöfen Panflötenmusik gespielt. Es sei allerdings umstritten, ob die Musik wirklich einen beruhigenden Effekt hat.

Danach muss alles schnell gehen

Wenn die Schweine durch das CO2 ihr Bewusstsein verloren haben, kommt es zur Tötung. Die Schlachter*innen führen hierfür einen Halsschnitt oder Brustschnitt durch. „Dieser Schnitt muss sehr schnell gesetzt werden und das Blut muss aus dem Tier rausschwappen. Es muss ganz schnell gehen, das ist das sogenannte Entbluten. Und der eigentliche Tod ist dann die Erstickung.“ Die „Todesursache“ sei der Sauerstoffverlust im Gehirn.

Wenn die Tiere zuvor gestresst waren, dauere es länger, bis die Tiere sterben – das habe etwas mit der Zusammensetzung des Blutes zu tun. Sind die Schweine tot, werden sie aufgehängt, in ein Wasserbad gebracht und entborstet – ab dann gelten sie als Fleisch.

Schlachten lernen in Workshops

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Arbeiter*innen zerlegen Fleisch. (Foto: xy / stock.adobe.com)

Die traditionelle Metzger*innen-Ausbildung dauere drei Jahre. In großen Schlachtbetrieben lernen die Angestellten Raether zufolge hingegen in wenigen Tagen, wie sie die Tiere schlachten. „Sie haben zwei Tage Theorie und noch einen kleinen Teil Praxis im Schlachthof selber. … Es sind Workshops, stundenweise Lehrgänge.“

Beim Schwein muss der Halsschnitt von Menschen durchgeführt werden, bei Hühnern können das Maschinen übernehmen. Deswegen läuft die Schlachtung von Hühnern anders ab: Wie Raether berichtet, werden die Tiere bei vollem Bewusstsein mit den Füßen nach oben aufgehängt. Dann werden sie durch ein Wasserbad gezogen, das unter Strom steht. Das Bad soll die Tiere betäuben.

Anschließend kommen sie in einen „Halsschnitt-Automat“, der ihnen den Hals durchtrennt. „Da geht es darum, dass jemand daneben stehen muss. Falls der Hals nicht richtig durchtrennt wird, falls das Tier noch lebt, dann muss nachgeschnitten werden. Und das ist dann der Schlachter.“

Zwei Millionen geschlachtete Tiere am Tag

Der Journalistin zufolge werden in Deutschland täglich zwei Millionen Tiere geschlachtet. Allein beim größten Schweine-Schlachtbetrieb Tönnies sind es 20.000 Schweine am Tag. „Fleisch essen ist Normalität“, schreibt Raether in ihrem Artikel. „Aber der Moment, in dem ein Tier zu Fleisch wird, ist alles andere als normal.“

Utopia meint: Wer im Supermarkt ein verpacktes Stück Fleisch kauft oder sich eine Wurst auf den Grill legt, denkt selten darüber nach, dass ein Tier dafür sterben musste. Weil Schlachtungen – wie Raether schreibt – „heimlich“ stattfinden, ist diese Tatsache nicht in unserem Bewusstsein. Fleisch ist dadurch nur eine Ware – und unsere Wertschätzung dafür entsprechend gering. Die Folge: Menschen in Deutschland essen extrem viel Fleisch und sind mehrheitlich nicht bereit, angemessene Preise zu zahlen. Der Preisdruck führt wiederum dazu, dass Fleischbetriebe ihre Kosten gering halten – und so Tiere und Menschen noch stärker ausbeuten. Um diesen Kreislauf nicht zu unterstützen, hilft vor allem eines: Weniger oder gar kein Fleisch essen – und wenn überhaupt, dann in Bio-Qualität. Tipps hierfür:

Die ganze Sendung von Lanz gibt es in der ZDF-Mediathek. Den Artikel „Tiere töten“ von Elisabeth Raether kannst du hier lesen.

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(2) Kommentare

  1. Was für ein Blödsinn. Wie minderbemittelt muss man sein um zu glauben, die Tiere würden zu Tode gestreichelt. Ja klar muss das jemand machen, von alleine sterben die Tiere nicht. Ja und beim Bio schlachten bekommen die einen Hirntod vom sich totlachen? – – Um Fleisch zu gewinnen, muss ein Tier getötet werden, egal ob konventionell oder bio und egal wie hoch der Preis ist:2 Schnell und effizient, lautet die Devise, das ist am fairsten, ob bei Tönnies in der „Bioschlachterei“ oder im „Allerweltsbereich“.