Bei Lanz: Grünen-Politikerin Schulze fasst zusammen, was in der Klimaschutz-Debatte schiefläuft

Foto: Screenshot ZDF

Autofreie Städte und erneuerbare Energien: Am Mittwoch ging es bei Markus Lanz unter anderen um Umweltpolitik. Grünen-Politikerin Katharina Schulze stellte Forderungen für mehr Klimaschutz – und machte auf ein grundlegendes Problem aufmerksam.

Markus Lanz leitete seine Sendung am Mittwoch mit einem Gedankenspiel ein: Was würde eine grüne Politikerin tun, wenn sie ab sofort Verkehrsministerin wäre? Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, würde vor allem versuchen, die Zahl der Autos zu verringern.

Ihre Vorschläge: Den öffentlichen Verkehr ausbauen, Autos aus den Altstädten verbannen und keine neuen Straßen mehr errichten. In den ländlichen Gegenden wünscht sich Schulze eine bessere Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, damit die Bewohner*innen zumindest auf ein Zweitauto verzichten können.

Markus Lanz hat viele Fragen

Ihre Partei fordere beispielsweise, dass in ländlichen Ortschaften zwischen 5 und 24 Uhr mindestens einmal die Stunde ein öffentlicher Bus fährt. Auch Anruf-Sammeltaxis oder Pooling-Lösungen seien denkbar. Markus Lanz sieht den Vorschlag jedoch kritisch: „Was machen Sie, wenn Sie zwischen Mitternacht und fünf Uhr nach Altötting wollen?“

Stickoxide entstehen durch Autoabgase.
Katharina Schulze wünscht sich weniger Autoverkehr. (Foto: CC0/pixabay/stux)

Und ohne neue Straßen wird alles nur noch schlimmer, meint Lanz: „Sie wollen keine neuen Straßen bauen, das heißt, die Straßen, die jetzt schon im Verkehr ersticken, ersticken weiter?“ Eine autofreie Altstadt hält Lanz ebenfalls für unrealistisch: „Was machen die Leute, die in der Innenstadt wohnen mit ihren Autos?“ Und überhaupt: „Was machen Sie mit den Leuten aus der Autoindustrie, die alle ihre Jobs verlieren?“

Katharina Schulze: Erneuerbare Energien statt Kohle

Kohlekraftwerk Versorgungssicherheit
Mit „Datteln“ geht demnächst ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb. (Symbolbild) (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Ähnlich geht es beim Thema erneuerbare Energien weiter. Deutschland sollte Solar- und Windkraft stärker und schneller ausbauen, sagt Katharina Schulze. Auch hier ist Lanz skeptisch: „Was erzählen Sie dann den Leuten, deren Immobilie plötzlich ein Drittel oder die Hälfte weniger wert ist, weil dahinter diese Windmühle steht?“

Lanz bringt noch einen anderen Punkt ins Spiel: unzufriedene Bürger*innen und die Gefahr dahinter. „Was tun wir, wenn dann die Situation eintritt, dass Populisten von der rechten oder von irgendeiner anderen Seite plötzlich so viel Oberwasser gewinnen, dass sie am Ruder sitzen? […] Wie groß ist die Gefahr, dass wir die Leute verlieren, weil das, was Sie wollen, ist teuer?“

Was in Debatten um Klimaschutz schief läuft

Alles berechtigte Fragen von Lanz – für manche hat Schulze Lösungen parat, auf andere reagiert sie nicht sehr souverän. In wenigen Sätzen macht sie jedoch deutlich, was an der gesamten Debatte um Klimaschutz schiefläuft – nicht bloß in der Sendung von Markus Lanz: „Dass man bei neuen Ideen […] immer per se sagt: ‚Das kann nicht sein und hier ist ein Problem und da ist ein Problem‘“. Man müsse sich die Fakten ansehen – dass wir eine Klimakrise haben und CO2 einsparen müssen. „Das Entscheidende ist doch, dass jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Die Zeit läuft uns ja auch langsam davon.“

Die Diskussion bei Markus Lanz ist ein typisches Beispiel dafür, wie Debatten um Umweltschutz aktuell geführt werden: Es geht meist darum, warum Klimaschutzmaßnahmen nicht funktionieren oder sogar vermeintlich schädlich sind, etwa für die Wirtschaft. Wer sich für Klimaschutz einsetzt, muss nebenbei auch noch alle anderen gesellschaftlichen Probleme lösen. Lösungsorientierte und gemeinschaftliche Ansätze fehlen vor allem in der öffentlichen Auseinandersetzung – oder werden schnell zunichte gemacht.

Wenn wir die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wollen, ist diese negative Einstellung nicht hilfreich. Anstatt konstruktive Ideen, die tatsächlich etwas bewirken könnten, von vornherein kaputt zu reden, würde uns eine Debatte darüber, wie man sie umsetzen kann, voran bringen.

Natürlich muss eine Diskussion über den optimalen Weg zu mehr Klimaschutz stattfinden – kritische Stimmen sind ebenfalls wichtig. Aber die Diskussion darf nicht so destruktiv sein, dass sie am Ende alle Bemühungen lähmt.

Die ganze Sendung von Markus Lanz in der ZDF-Mediathek.

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(2) Kommentare

  1. Wenn jeder vor der eigenen Haustüre kehrt und das tut (in Sachen Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Schutz persönlicher Daten, usw.), was er tun kann (was dann und wann mit einer gewissen Einschränkung der eigenen Bequemlichkeit und es eigenen Komforts einhergeht), dann wären wir auf einem guten Weg. Ein Einzelner kann die Welt nicht retten, aber wir alle zusammen können dies.

  2. Das sehe ich auch so wie Buteobuteo. Ich kann es nicht mehr hören, wenn jemand sagt, was ich mache, bringt doch nichts!
    Ich wünsche mir, dass alle Menschen endlich „aufwachen“, die nicht bereit sind, ihren Beitrag zu leisten und die Verantwortlichen im Staat und der Wirtschaft.