Konkurrenz für Aldi und Co: Russischer Billig-Discounter kommt nach Deutschland

Discounter Supermarkt Russland Mere
Foto: Facebook Mere Supermarkets Romania

Im Dezember bekommt Deutschland einen neuen Discounter: In Leipzig wird die erste „Mere“-Filiale öffnen – mehr als 100 Läden sollen langfristig folgen. Ein Blick auf die Preise des Discounters verrät allerdings nichts Gutes.

Aldi, Lidl, Netto und die anderen Discounter locken regelmäßig mit Billigpreisen und Sonderangeboten. Bei Mere sollen die Lebensmittel sogar noch billiger werden: „Wir arbeiten nach dem Motto ‚Jeden Tag nur Tiefstpreise‘“, steht auf der Unternehmenswebseite.

Mere gehört zur russischen TS-Markt GmbH, die wiederum eine Tochterfirma des sibirischen Unternehmens Torgservis ist. In Russland hat Torgservis knapp 800 Filialen. In letzter Zeit hat der Konzern expandiert und Märkte in Rumänien, Aserbaidschan und Polen eröffnet. Der Lebensmittel Zeitung zufolge sucht Torgservis außerdem nach etwa 100 Standorten in Deutschland.

Mere sieht anders aus, als Aldi, Lidl und Co.

Discounter Supermarkt Russland Mere
Ein Mere-Markt von innen. (Foto: Facebook Mere Supermarkets Romania)

Den Anfang macht das Unternehmen in Leipzig: Dort soll im Dezember der erste Discounter mit dem Namen „Mere“ eröffnen – und zwar im Einkaufszentrum „Treff Portitz“. Bilder aus Mere-Märkten in Rumänien zeigen, dass es wahrscheinlich kein Discounter wird, wie wir ihn hierzulande kennen.

Statt in Regalen liegen die Lebensmittel auf Paletten oder in Kartons. Die Verkaufsflächen sind teilweise mehrere Meter hoch und erinnern an Möbel- oder Warenhäuser. Man merkt: Hier wird gespart, wo es nur geht.

Das schlägt sich in den Preisen nieder: Wie chip.de berichtet, waren die Produkte von Mere in Rumänien zur Eröffnung etwa 20 Prozent billiger als die von Lidl und Penny. Der Discounter habe beispielsweise eine Wok- und Bratpfanne für 4,99 Euro oder Gläser in der Sechserpackung für 2,99 Euro verkauft.

Billigpreise auf Kosten der Landwirte und Bauern

Discounter Supermarkt Russland Mere
Unter den Billigpreisen leiden vor allem Landwirte und Bauern. (Foto: Facebook Mere Supermarkets Romania)

Günstige Preise und Konkurrenz für die deutschen Discounter – das klingt erst einmal gar nicht schlecht. Die Billigpreise sind allerdings vor allem für die Landwirte und Erzeuger ein großes Problem. Aldi, Lidl und Co. üben schon seit langem extremen Preisdruck auf sie aus. Die Folge: Um ihre Lebensmittel möglichst billig zu produzieren, arbeiten die Erzeuger mit Pestiziden, Monokulturen, Massentierhaltung. Auch unmenschliche Bedingungen für Plantagenarbeiter sind ein Ergebnis der „Alles muss billig sein“-Mentalität.

Wenn nun also eine weitere Discounter-Kette eröffnet und sogar noch billigere Tiefpreise anbietet, kommen Firmen wie Aldi und Lidl in Zugzwang. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen sie ihre ohnehin schon niedrigen Preise anpassen, darunter leiden werden die Bauern und Landwirte. Ob es soweit kommt, werden die Kunden bestimmen – indem sie dort einkaufen oder eben nicht.

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(19) Kommentare

  1. Man sollte nicht jede Mücke nicht zu einem Elefanten aufblasen:
    Wenn die gleich ihren ersten Laden in einer der „letzten“ Ecken von Leipzig aufmachen, könnte schon bald wieder Schluß damit sein.
    Ich kenne das Objekt, wo die reingehen und bin erstaunt, daß sich dafür überhaupt ein Mieter gefunden hat.
    Unter diesen Umständen liegt die Vermutung nahe, daß die sich ausschließlich deswegen dort ein gutes Geschäft erhoffen, weil in der Gegend viele Russland-Deutsche leben. Und ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten.

  2. Aldi hat auch mal so angefangen, mit Kartons und Chaos im Laden …
    Allerdings hat die Qualität bei Vielem gestimmt und war sehr bald sehr überzeugend. (Das entwickelt sich ja gerade krass in die andere Richtung auch qualitativ.)

    Ob eine Wokpfanne für 4,99 € so gesundheitsförderlich ist bezweifle ich und wenn ein Laden zu billig aussieht wirds unappetitlich. Mit Arbeitsplätzen scheinen sie ja auch nicht um sich zu werfen
    Sie haben sicher dennoch eine gute Chance, die Wenigsten kaufen bewusst ein, weder gesundheitsbewusst noch umweltbewusst, geschweige denn mit Rücksicht auf ausgebeutete Plantagenarbeiter.
    Das ist dann sicher ein guter Absatzmarkt für Qualfleisch und Co … hauptsache billig.
    An solchen Läden kann man eigentlich ganz gut sehen, wie es nach und nach bergab geht.

  3. Gerade wenn bei uns ein Umdenken Richtung Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit (weniger oder kein Plastik, gesunde Lebensmittel, hin zum gesunden Landbau) passiert so was. Es soll wohl so sein.
    Bleibt zu hoffen, dass die Menschen Bewusstsein haben und davon so wenig Gebrauch machen, dass sich dieser Virus nicht ausbreiten kann.

  4. zurück in die zukunft! in den 60ern sah aldi genauso aus. halle, lange reihen, paletten, kein sevice. 60 jahre später: vielle opfer unter produzenten und zutode gefütterter konsumenten, reichste familie im lande und staatstragende säule, die ALDI= allgemeine liga deutscher idiokonsumenten. will der kgb deutschland jetzt zerstören, nahdem es mit usa durch die inthronisierung trumps schon fast vollendet ist? umso wichtiger, dass utopia weitermacht wie bisher und immer mehr menschen offenen auges konsumieren. vielen dank euch an dieser stelle. kann man mere nicht klarmachen, dass sie als verpackungsfrei-discounter eine ernsthafte konkurrenz wären?! dringende marktlücke!

  5. > Hoffentlich werden viele Waren aus Russland angeboten
    fast. Die Vorfinanzierung übernehmen die Betriebe in den Ländern, die man bereits unter Kontrakt hat.

    Das Konzept hat mit Aldi, Lidl etc. nichts gemein. Hier geht es um einen raschen Umsatz der Schnelldreher. Zu kühlende Ware kostet und Frischware ist risikobehaftet. Es ist ein Einerlei von Rudis Resterampe bis Roller-Ausverkauf mit einem kleinen saisonalen Angebot, denn außerhalb der Saison kostet. Der Rest sind Konserven in jeder Art.

    Lidl hat vor ein paar Wochen bereits sein Biomarktsortiment angekündigt, um sich gedanklich abzusetzen und die Qualität hochzuschrauben – statt herunter, wie im Artikel suggeriert wird. Aldi ist Bio erheblich näher, ohne es zu betonen. Die Albrechts sind straffe Homöophaten und Gesundköstler (gewesen),. Diese Politik ist in die Läden übernommen worden.

    Die Idee mit der Nähe zu Rußland-Deutschen als Zielpublikum ist so neu nicht.
    Bloß sind schon Magasins, Megas usw. länger am Start. Um die scheint es auch zu gehen im Verdrängungswettbewerb. Bloß sind bei Weitem nicht so viele Zielkunden vorhanden, als das man „100 Läden“ deshalb eröffnen könnte.

    Wer erinnert sich noch an Walmart in Deutschland ?
    10 Jahre hat die Geschichte bis ca. 2002 gedauert. Dann Abzug in die USA.
    Heute arbeitet sich Globus am Konzept ab.

  6. Man darf gespannt sein, ob die die guten „Salve“ (Stalins Lieblings-Zigaretten-Marke) anbieten …
    Ich befüchte aber (aus den in meinem ersten Kommentar genannten Gründen), daß hier eine Mücke zu einem Elefanten aufgeblasen wurde.

  7. Also die Albrechts gibt es so nicht mehr und was Aldi betrifft finde ich, dass sich das Angebot kontinuierlich verschlechtert.
    Es gibt immer mehr Plastikkleidung zu kaufen, nix mehr mit guter Qualität und noch vor ein paar Jahren konnte man auch bei Geräten auf die Qualität vertrauen.
    Das ist vorbei! Da kaufe ich nie wieder ein Gerät, egal wie günstig die es anbieten.
    Sogar die Feuerzeuge sind nicht mal mehr zur Hälfte gefüllt oder möglicherweise nach jahrelanger Lagerung in den Handel gelangt? Man weiß es nicht und ich will es auch nicht mehr wissen.
    Was Bio betrifft: In Plastik eingepackte regionale Bioäpfel, 4 an der Zahl, einer davon durch und durch angematscht – durch die pfiffige Verpackung war es nicht mal erahnbar.
    Aldi – nur noch, wenn es nicht anders geht,, weil er eben gleich um die Ecke ist, aber ansonsten lieber nicht mehr. Ganz zu schweigen davon, dass dauernd das Personal wechselt, was den Arbeitgeber sehr unsympathisch erscheinen lässt.

  8. Mit Punkt 1 hast du Recht.

    Und nun kommt es auf die Leipziger an, dass die soviel Verstand haben, diese erste Filiale mit Pauken und Trompeten untergehen zu lassen … aber viel Hoffnung habe ich nicht ehrlich gesagt.

  9. Es sind immner noch die Massen, die aus Mücken Elefanten machen und das wird weidlich benutzt von jeder Art von Wirtschaft.
    Das einzige Gegenmittel: Sensiblisierung der Massen und das ist es, was utopia hier leistet, nichts anderes.
    Die einzige Schwierigkeit ist, dass die Masse solche Seiten eher nicht zur Kenntnis nimmt und nur sieht, dass irgend ein Produkt 3 Cent günstiger ist als anderswo. Damit sind schon viele Billiganbieter reich geworden. Damit sie so billig sein können, werden diejenigen nach Strich und Faden ausgenommen, die die eigentliche Arbeit machen, während die Chefs die dicken Autos spazieren fahren und die Umwelt damit verpesten.

  10. Ich möchte zu dieser Art der Debatte mal jemanden zitieren, der es wissen mußte – Aristoteles Onassis. Der hat zum Thema Geld und Vermögen mal gesagt:
    „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, daß er selbst nie welches gehabt hat.“

  11. Ich sehe nur, daß hier eine Debatte gerade dabei ist, mächtig in Schlieflage zu geraten. Das Zitat ist deshalb genauso gemeint, wie Du es ganz richtig verstanden hast.

  12. > Also die Albrechts gibt es so nicht mehr

    ok, gemeint war eine flächenhafte Steuerung der Kette(n)läden, Produktangebote, Marketing … unter einer Marke.

    Kleidung und Geräte sind Saisonwaren und so gut und so schlecht, wie bei
    wohl allen Discountern. Lidl hat die Heckenschere in der KW 40, Aldi folgt
    mit dem Modell unter anderem Markennamen in der KW 41.

    Klar, das Billiggeräte, die deutlich unter Fachhandelspreis liegen, zum
    Wegwerfen nach Gebrauch bestimmt sind. Kurze Problemlöser halt.
    Discounter haben kein Zubehörprogramm. Verbrauchsmittel sind
    auch nicht fest gelistet. Da gibt es dann keinen Faden zur Motorsense
    zum Nachrüsten, wenn die 20 m Erstausstattung zu Ende sind ….

    In diese Richtung denkt der Artikel, ohne es wirklich auf den Punkt zu bringen.
    – das Käufer behumst werden
    – die Ware keinen echten Wert darstellt (kurze Problemlöser)
    – und sich unser Fokus gezwungenermaßen auf Mehrverbrauch einpegelt.

    Zum Pricing: die Motorsense von Lidl für unschlagbare 15 € spricht
    Familienväter an, die zum Preis eines Kasten Biers incl. Pfand das
    Gerät einkaufen, weil sie die Göttergattin für 15 € nicht fragen müssen.
    Bei 25 € wäre das anders, „denn dafür bekommt man ja stattdessen
    schon eine Hose oder ein gutes Hemd“ -)

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