Buch-Tipp: „FAIRreisen“ von Frank Herrmann

FAIRreisen
Cover © Oekom

„Endlich frei!“ Im Urlaub schalten wir ab, lassen Sorgen und Anspannung hinter uns. Wer sein ökologisches Gewissen nicht zusammen mit dem Alltagsstress zu Hause lassen möchte, für den haben wir einen Buchtipp: „FAIRreisen“ von Frank Herrmann gibt umfangreiche Tipps zum umweltbewussten Urlauben – und erklärt die Hintergründe zum Konsumgut Tourismus.

Tourismus boomt und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – Im Jahr 2014 machten sich weltweit mehr als eine Milliarde Menschen auf die Reise. Bis 2030 sollen es 1,8 Milliarden sein, schätzt die Welttourismusorganisation. Ein solch gewaltiger Menschenansturm bringt nicht wenige negative Folgen für die Natur und die örtliche Kultur mit sich. Lies dazu auch unsere Story 7 Orte, die der Tourismus zerstört hat.

Bucht-Tipp: FAIRreisen von Frank Herrmann

„Wie viel Tourismus verträgt die Erde?“, fragt Frank Herrmann daher in seinem Buch „FAIRreisen“ und zeigt im „Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen“, welche Auswirkungen der Tourismusboom für Klima, Menschen und Umwelt hat und wie nachhaltiger Tourismus klappt.

Nachhaltiger Tourismus Buch Fairreisen
„FAIRreisen“ ist ein dicker Info-Schmöker für alle, die gerne reisen. (Foto: Utopia/vs)

Von CO2-Emissionen über die Problematik der Kreuzschifffahrt, bis hin zu Delfinarien, Tourismussiegel, Slumtourismus und Menschenrechten: Tourismusexperte Herrmann greift alle relevanten Themen rund um den nachhaltigen Tourismus auf und lässt seine Leser dabei nicht sprachlos zurück. Das Buch überzeugt neben seinen gut recherchierten und umfangreichen Hintergrundinfos mit vielen praktischen Tipps für das umweltbewusste Urlauben.

Wir stellen hier eine Auswahl der Tipps vor, mehr Infos findest du in diesen Beiträgen:

FAIRreisen-Tipp #1:
die richtige Unterkunft wählen

Zelt oder Hotel? Kreuzfahrt oder Wohnwagen? Hochzeitslocations im Inland oder im Ausland? Camping mit Kindern? Die Auswahl an Urlaubsmöglichkeiten ist groß, gleichzeitig machen Billigpreise das häufige Fliegen fast schon zur Selbstverständlichkeit.

„Flüge und Kreuzfahrten vermeiden ist der beste Klimaschutz“, stellt FAIRreisen-Autor Herrmann fest. Schließlich liegen Kreuzfahrten mit 169 kg CO2-Emissionen pro Übernachtung deutlich vor Hotel (21 kg) und Zelt (2 kg). Wenn es doch die Kreuzfahrt oder der Langstreckenflug sein soll, sollte und kann man auch dort auf Klimaverträglichkeit achten:

  • Kreuzfahrten nur mit Schiffen, die moderne Abgastechnik besitzen; und nur, wenn Start- und Zielhafen über Land erreicht werden können
  • CO2-Emissionen für die Reise berechnen und kompensieren
  • Hotel wählen, das sich um Umwelt und Angestellte kümmert: regenerative Energien, lokale Dienstleister, Lebensmittel aus regionalem und fairem Handel sowie ökologischem Landbau

FAIRreisen-Tipp #2:
Tourismussiegel – genau hingeschaut

Nicht nur im Lebensmittelsektor sollen eine Vielzahl an Siegeln die nachhaltige und bewusste Kaufentscheidung erleichtern. Auch der Tourismussektor will mit seinen über 140 Siegeln Hilfe geben bei der sozial und ökologisch verantwortlichen Urlaubsplanung.

Auch wenn kaum jemand die Siegel für nachhaltigen Tourismus kennen dürfte, können die Label „bei der Suche nach einer nachhaltigeren Reise helfen“, so Herrmann. Von „Earthcheck“ über „Green Globe“ bis hin zu „Travelife“ – Im Buch stellt Herrmann einige der seriösesten Tourismussiegel vor.

FAIRreisen-Tipp #3:
nachhaltige Outdoorkleidung

Wer zum Typ „Aktiv-Urlauber“ zählt, für den gehört die richtige Outdoorkleidung zum Urlaub unbedingt dazu. Autor Herrmann gibt auch zum Thema faire und grüne Outdoorkleidung Tipps:

Funktionskleidung ganz ohne chemische Bearbeitung gibt es (noch) nicht. Daher vor dem Kauf überlegen, ob es Kleidung für extreme Bedingungen sein muss, die meist mehr Chemie enthält. Alternativen zu chemischen Fasern sind Bambus, Hanf, Kork und Leinen. Funktionswäsche gibt es auch aus natürlichen Materialien wie chlorfreie Merinowolle oder Lyocell.“

FAIRreisen-Tipp #4: Nachhaltig auch auf Geschäftsreise

„Die umweltfreundlichste Geschäftsreise ist diejenige, die vermieden werden kann“, stellt Herrmann fest. So weit so gut – doch in vielen Fällen lässt sich das heute einfach nicht realisieren. Businessreisende und Verantwortliche in den Planungsabteilungen können sich aber die von Herrmann vorgeschlagenen Fragen stellen:

  • Können Video- und Telefonkonferenzen die Reise ersetzen?
  • Können Auswärtstermine kombiniert werden?
  • Kann man Fahrgemeinschaften bilden?
  • Nicht nur bei privaten Reisen kann aktiv auf Klima- und Umweltschutz geachtet werden. Bahn oder Auto statt Flugzeug oder die Wahl eines grünen Hotels machen die Geschäftsreise ein klein wenig umweltverträglicher.

FAIRreisen-Tipp #5: Müll auch im Urlaub vermeiden

Besonders im Urlaub ist der Verbrauch an Plastikflaschen enorm – schließlich traut man dem Leitungswasser zu Recht in vielen Urlaubsländern nicht. Dem umweltbewussten Urlauber rät Autor Herrmann:

Wer einen Beitrag zur Eindämmung der Plastikflut leisten möchte, der reist mit einer wiederauffüllbaren Flasche aus Edelstahl oder Glas. Es ist zwar nicht immer einfach, sauberes, abgekochtes Wasser zu finden. Doch viele Hotels stellen ihren Gästen eine Karaffe mit sauberem Trinkwasser ins Zimmer, oder man kann sich im Hotel an einem Wasserspender bedienen.“

Nicht zuletzt kann man den Klassiker des nachhaltigen Einkaufs – die wiederverwendbare Stofftasche – auch beim Urlaub dabeihaben und somit Plastiktüten im Supermarkt vermeiden.

FAIRreisen: Leseempfehlung für alle Reisenden

Auch das gehört zum nachhaltigen Tourismus: Sich als Tourist mit den Sitten und Gebräuchen des Urlaubslandes vorab vertraut machen sowie respektvoll und achtsam im fremden Land auftreten. „Verlasse alle Plätze so, wie du sie selbst gerne vorfinden würdest“, mit diesem Motto entlässt Herrmann seine Leser, die nach der Lektüre von „FAIRreisen“ definitiv Experten im nachhaltigen Tourismus sind.

Fazit: „FAIRreisen“ ist ein Buch für jeden, der gerne reist. Denn mit dem Ansatz des nachhaltigen Tourismus können nicht nur wir noch für lange Zeit die vielfältigen Ecken dieser Erde bereisen, sondern auch unsere Kinder und Kindeskinder profitieren von den einzigartigen Orten dieser Welt. Tourismus mit Verantwortung – das klingt kompliziert, muss es aber nicht sein. Autor Herrmann klärt auf und zeigt, wie es geht.

Das bietet das FAIRreisen-Buch auch: Über einen Shortlink/QR-Code erhalten die Leser von „FAIRreisen“ Zugang zu hunderten fairen und grünen Länderreisetipps. Darunter finden sich nachhaltige Hotels, Resorts, Reiseveranstalter, Restaurants und Initiativen.

Das Buch: „FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen“ von Frank Herrmann (oekom Verlag, ISBN: 978-3-86581-808-9, € 19,95)
Kaufen: beim Buchhändler deines Vertrauens oder online z. B. bei Buch7**, Ecobookstore**, Booklooker** oder Amazon**. Eine Leseprobe des Buches gibt es beim oekom Verlag.

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(3) Kommentare

  1. „Funktionskleidung ganz ohne chemische Bearbeitung gibt es (noch) nicht.“

    Sehe ich anders, die Eigenschaften von Funktionskleidung sind additiv, der Ottonormalverbraucher braucht niemals extreme Funktionskleidung, deswegen gibt es sehr wohl funktionale Bekleidung aus natürlichen Materialien:
    – Leder (gefettet)
    – Baumwolle (gewachst)
    – Wolle (gefettet)
    – Seide

    Baumwollmischgewebe ist unterwegs leicht zu waschen und schneller trocknend, länger haltbar, halte ich für eindeutig vertretbar.

    Die Aussage, es gäbe gar keine Funktionsbekleidung ohne Chemie suggeriert, man müsse ohnehin Kompromisse eingehen, dann ist der Schritt zur reinen Kunstfaser voreilig getan.

    Was ist mit recycleten Fasern – empfehlenswert ja oder nein?

    Gerne übersehen im Lebenslauf einer Bekleidung wird die chemische Nachbehandlung, sei es für Imprägnierungen oder lediglich in der Waschmaschine durch chemische Reinigungsmittel. Ein Produkt, das seltener gewaschen wird, gelüftet werden kann betrachte ich in Kombination mit anderen Bekleidungsstücken als funktional:
    – so muss weniger Wäsche gewaschen werden
    – Wolle wärmt UND lässt Feuchtigkeit durch
    – gewalkte Wolle hält sogar leichten Regen ab
    – Baumwolle als Aussenschicht schützt dort vor Regen wo benötigt

    Eine wasserdichte Funktionsjacke, die man komplett durchschwitzt, muss schon wg. der Geruchentwicklung häufiger gewaschen werden, das schadet der Wasserdichtigkeit und macht erneute Imprägnierung nötig.

    Die trendige Merinowolle verursacht teilweise neues Tierleid aufgrund der global gestiegenen Nachfrage.

    Ein erstes Fazit, es gibt die Funktionsbekleidung aus natürlichen Fasern, jedoch unter anderen Kriterien als es uns die Outdoor Hersteller einreden wollen, es gibt regionale Wolle zu kaufen und es die recycleten Fasern sowie den Gebrauchtmarkt für spezielle Bekleidung u.a. Outdoor Ausrüstung. Alles das sind m.E. kaufbare Alternativen zu neuer Chemiefaser aus dem Fernostlager.

    Empfehle einmal kritisch nachzulesen, wie das Vaude angeht bzw. angehen möchte:
    http://nachhaltigkeitsbericht.vaude.com/gri/produkte/materialien.php
    http://nachhaltigkeitsbericht.vaude.com/gri/produkte/greenshape-konzept.php

    Mich erinnert das als Parallele an Neuwagen (KFZ) versus Gebrauchtwagen, irgendjemand muss die Neuware durch Nachfrage/Bestellung produzieren lassen (analog Chemiefaser), damit später gebrauchte Fahrzeuge (analog Recycling- bzw. Untermischfasern) zur Verfügung stehen.

  2. Kauft man gezielt nur 100% Recyclingware und täten das alle – andere Analogie Recyclingpapier – hätten wir bald einen Engpass bei den verfügbaren Ausgangsmaterialien. Der Mißerfolg einer sinnvollen Bekleidungsproduktion macht erst die Alternativen möglich. Chemie ermöglicht Beimischungen. Doch deren Vorteile sind gewünscht vom Verbraucher, niemand will mehr in Jute und Wollmänteln herumlaufen, zu Recht.

  3. Schade, dass in diesem Zusammenhang nicht das sparsamste und nachhaltigste Verkehrsmittel erwähnt wird: der Reisebus! Ich bin seit 20 Jahren im roten Bus unterwegs – mit Bodenhaftung, langsamer Annäherung, viel Kontakt zu Land und Leuten. Und mit neuen Freunden! Vielleicht mögen Sie darüber mal berichten? http://www.avantireisen.de

    Avanti steht für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus und ist ausgezeichnet mit dem Nachhaltigkeitspreis 2013 der Fachzeitschrift Busplaner.

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