Nachhaltige Outdoor-Bekleidung finden: 7 Tipps

Outdoor Bekleidung
Foto: © Vaude/Moritz Attenberger

Nachhaltige Outdoor-Bekleidung zu finden ist nicht ganz leicht. Die Materialien sind komplex, in vielen Geschäften findet man nur Mainstream-Marken. Hier sieben Tipps, mit denen du ganz einfach die bessere Wahl triffst.

Die kalte Jahreszeit ist da und als Fans der Natur wollen wir uns trotzdem„outdoor“ ordentlich austoben. Stellt sich die Frage: Was anziehen, ohne eben dieser Natur allzu sehr zu schaden? Denn gerade bei Outdoor-Kleidung bedeutet ein Mehr an Funktion oft auch eine Zusatzportion Chemie, wie unlängst wieder eine Greenpeace-Untersuchung zu PFC in Outdoor-Waren offenbarte.

Aber es geht auch anders – mit den folgenden Tipps.

1. Nachhaltige Outdoor-Bekleidung – wie viel Funktion brauchst du?

Auch wasserabweisende Jacken können umweltfreundlicher werden
Auch wasserabweisende Jacken können umweltfreundlicher werden (Produktbild: Vaude Men's Crestone Jacket)

Wenn wir heutzutage einen Outdoor-Shop betreten – sagen wir, in der naiven Absicht, eine Jacke zu kaufen – dann müssen wir uns mit einem Feuerwerk der wundersamsten High-Tech-Funktionen auseinander setzen, die Kleidung und Zubehör uns dort versprechen. Doch was für den Extrembergsteiger überlebensnotwendig sein mag, muss für den Gelegenheitswanderer keineswegs das Richtige sein.

Die allerwichtigste Frage am Anfang ist deshalb: Was davon brauche ich für meinen Zweck wirklich?

Ökologisch betrachtet ist weniger oft mehr. Denn hinter vielen High-Tech-Stoffen steckt auch ein höherer Einsatz schädlicher Chemikalien – siehe unten das Beispiel Fluorcarbone. Und für sporadische Spaziergänge muss es auch nicht die Drei-Lagen-Membranjacke mit einer Wassersäule von 40.000 Millimetern sein, wenn doch laut DIN-Norm bereits 1.300 Millimeter als wasserdicht gelten.

2. Schon mal gut: Recycling-Fasern kaufen

Machen wir uns eines klar: Nachhaltige Outdoor-Bekleidung ist zu über 90 Prozent aus Chemiefasern hergestellt. Anders wäre die Entwicklung immer neuer Funktionen gar nicht möglich.

Diese Synthetics haben gegenüber anderen Fasern zwei ökologische Nachteile: Sie verbrauchen bei ihrer Herstellung sehr viel Energie (und meist fossiles Mineralöl als Grundstoff). Und sie verrotten niemals, sind also schwer zu entsorgen.

Eine ressourcenschonende Alternative ist es deshalb, Kleidung aus Recycling-Polyester zu kaufen. Die gibt es zum Beispiel bei Bleed (online zu kaufen bei** Avocado Store, grundstoff.net oder Greenality), Vaude (zu kaufen bei** Otto, Bergfreunde, Avocado Store oder Amazon), Patagonia (gibt es bei** Otto, Bergfreunde, Avocado Store oder Amazon) oder Klättermusen (z. B. bei** Bergfreunde oder Amazon). Meist wird sie aus eingeschmolzenen PET-Flaschen hergestellt, was je nach Analyse 50 bis 75 Prozent weniger Energie verbraucht als eine Chemie-Faser aus Rohöl zu synthetisieren.

Zu erkennen sind diese Teile manchmal an Produkt-Anhängern mit Aussagen wie „Ich war eine Flasche“, vor allem aber durch einen Blick ins eingenähte Etikett, wo der Recycling-Anteil ausgewiesen ist.

Das Skomer S Jacket von Vaude ist eine umweltfreundlichere Softshell-Jacke für Wind und Wetter aus recycelten, bluesign-zertifzierten Materialien.
Das Skomer S Jacket von Vaude ist eine umweltfreundlichere Softshell-Jacke für Wind und Wetter aus recycelten, bluesign-zertifzierten Materialien. (Foto: Vaude/Hari Pulko)

3. Noch besser: recycelbare Outdoor-Bekleidung

Noch besser ist es allerdings, wenn nachhaltige Outdoor-Bekleidung aus Polyester oder Nylon nach Gebrauch (immer) wieder zu einem neuen Kleidungsstück recycelt werden kann. Das ist sozusagen die Königsklasse des Recycling – doch nur wenige Firmen praktizieren sie.

Patagonia-Shirt aus Recycling-Kreislauf
Patagonia-Shirt aus Recycling-Kreislauf (Foto: Patagonia)

Der amerikanische Outdoor-Ausrüster Patagonia, in Sachen Umweltschutz lange Zeit Vorreiter der Branche, unterhält dafür ein eigenes Rücknahme-System: Seit 2005 können Kunden Patagonia-Kleidung nach Gebrauch zurück in den Laden bringen oder ins Werk schicken. Und daraus wird wieder neue Mode hergestellt, wie etwa die „Capilene-Baselayer“-Serie.

Auch das Kieler Label Pyua (gibt es bei** Otto, Bergfreunde, Amazon) hat sich auf kreislauffähige und damit nachhaltigere Outdoor-Kleidung spezialisiert und nimmt diese nach Gebrauch zurück.

4. Probier’s bei Outdoor-Klamotten mal mit Natur

Raincare-Regenjacke aus Bio-Baumwolle mit GOTS-zertifizierter Oberflächenbehandlung
Raincare-Regenjacke aus Bio-Baumwolle mit GOTS-zertifizierter Oberflächenbehandlung (Produktbild: Hess natur)

Nachhaltige Outdoor-Bekleidung aus Naturfasern? Das galt lange Zeit als undenkbar. Doch in den letzten Jahren fällt dieses Dogma zusehends, und das ist gut so. Bei Funktionsunterwäsche zum Beispiel trumpfen Woll-Fasern mit diversen Vorteilen: Baselayer oder Socken aus Merino (zum Beispiel bei Hessnatur oder Smartwool**) miefen auch nach langem schweißtreibendem Tragen nicht.

Wäsche aus Mikrofasern dagegen muss grundsätzlich gegen Geruchsbildung behandelt werden, häufig mit Nano-Silber, dem eine toxische Wirkung auf Mensch und Öko-Systeme nachgesagt wird. Naturfasern wachsen außerdem nach und sind leichter zu entsorgen: Öko-Versender Hessnatur bietet in seiner neuen Kollektion eine „regen- und winddichte“ Outdoor-Jacke aus Bio-Baumwolle an, die fluorcarbonfrei beschichtet und komplett biologisch abbaubar ist.

5. Bei Outdoor-Mode auf PFC-Freiheit achten

Greenpeace warnt vor PFC in Outdoor-Bekleidung
Greenpeace warnt vor PFC in Outdoor-Bekleidung (Cover © Greenpeace)

Erst Greenpeace hat mit seiner Detox-Kampagne das Bewusstsein geschaffen für das Riesen-Problem mit den per- und polyfluorierten Carbonen (PFCs), auch Fluorcarbone genannt. Substanzen dieser Stoffgruppe gelten als besonders gefährlich für Mensch und Umwelt, stehen unter anderem im Verdacht, Krebs auszulösen, und bauen sich, wenn sie einmal in die Umwelt gelangt sind, dort kaum wieder ab.

Nachhaltige Outdoor-Bekleidung verwendet PFC-haltige Chemikalien in großem Umfang, um die Oberflächen wetterfester Produkte wasser- und schmutzabweisend zu beschichten. Erst mit der Greenpeace-Kampagne entstand der nötige Druck, dies zu ändern.

Diverse umweltbewusstere Outdoor-Marken arbeiten nun daran, die gesamte PFC-Gruppe aus ihrer Kollektion zu verbannen: Bei Vaude ist bereits 72 Prozent der gesamten Bekleidung PFC-frei (entsprechende Wetterkleidung trägt den grünen Anhänger „Eco Finish“), beim deutschen Marktführer Jack Wolfskin** sind dies zur 2016 Sommerkollektion 75 Prozent (zu erkennen an dem Anhänger „100% Fluorcarbon free“).

Sehr häufig sieht man derzeit noch den Hinweis „PFOA-frei“. Hier handelt es sich „nur“ um einen Teilverzicht auf Fluorcarbone – denn PFOA (Perfluoroctansäure) ist lediglich eine, wenn auch besonders brisante Verbindung dieser Gruppe.

6. Auf Nachhaltigkeitssiegel wie Bluesign und Fair Wear Foundation achten

Nach wie vor schaut alles auf die Fluorcarbone – es gibt aber außerdem noch hunderte von chemischen Substanzen, die beim Herstellen, Färben oder „Ausrüsten“ von Outdoor-Textilien eingesetzt werden. Welche davon sind hochgiftig, welche weniger? Und wie verantwortungsvoll gehen die Herstellungsbetriebe in Fernost nicht nur mit diesen Chemikalien, sondern auch mit den Ressourcen Energie und Wasser um?

Das unabhängige bluesign® system basiert auf dem einzigartigen Ansatz, die Umweltbelastung während des gesamten Produktionsprozesses zu minimieren.
bluesign-Label (Logo © bluesign®)

Einen strengen Umweltstandard in diesen Fragen garantiert das Label Bluesign, derzeit das relevante Textilsiegel für die Outdoor-Branche. Seine Prüfer testen nicht nur das Endprodukt, sondern den gesamten Herstellungsprozess. Mit dem blauen Logo haben bereits einige Outdoor-Marken Teile ihrer Kollektion gelabelt, darunter Vaude (bereits 80 Prozent der Kollektion ist zertifiziert), Patagonia, Zimtstern** oder Mammut**. Das muß aber nicht heißen, dass bei diesen Labels automatisch alles in bester Ordnung ist, denn das Siegel gilt eben nur für einzelne Produkte.

Fair Wear Foundation (FWF)
Fair Wear Foundation (FWF) (Logo © Fair Wear Foundation (FWF))

Wer nicht nur die ökologischen, sondern auch gute soziale Bedingungen in den Herstellungsbetrieben honorieren will, sollte nach dem Label der Fair Wear Foundation (FWF) Ausschau halten. Einige Outdoor-Firmen sind hier bereits Mitglied: fairwear.org/36/brands/

7. Das Produkt-Leben verlängern

Das Wichtigste zuletzt: Je länger die Lebensdauer eines Kleidungsstückes, desto geringer sein ökologischer Fußabdruck. Auch wenn dies längst bekannt ist – es gilt für nachhaltige Outdoor-Bekleidung noch mehr als für normale Mode.

Synthetische Fasern sind enorm robust und geradezu prädestiniert für ein langes, anstrengendes Leben. Es ist viel zu schade, zum Beispiel eine aufwändig produzierte Membran-Jacke einfach wegzuschmeißen, wenn sie noch funktioniert.

Patagonia repariert deshalb in seinen Läden kaputte Outdoor-Bekleidung kostenlos. Und wenn die Farbe nicht mehr gefällt, dann kann man das Teil immer noch verschenken oder verkaufen – etwa im „Vaude-Second-Use-Shop“, den das Bergsportlabel im März 2016 gemeinsam mit eBay gegründet hat (ebay.de/rpp/vaude**). Warum beim nächsten Outdoor-Einkauf also nicht mal nach gebrauchtem Equipment Ausschau halten? Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Mehr Tipps für einen nachhaltigen Umgang mit Kleidung gibt es in unserer Bilderstrecke:

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(26) Kommentare

  1. Nach langem Suchen habe ich für meine Töchter die Outdoorhosen von Peculiar-Pixy entdeckt. Sie sind ,wie von Greenpeace empfohlen, mit einer PFC freien TPU-Membran ausgestattet, wind- und wasserdicht. Und besonders nachhaltig, da sie bei Kindern über meherere Größen mitwachsen und dadurch besonders lange getragen werden können. Zudem werden sie in Deutschland (Aachen) gefertigt 🙂

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