7 Tipps für nachhaltige Outdoor-Bekleidung & faire Outdoor-Marken

CC0 / Unsplash.com / Danka & Peter, Pyua, Vaude

Nachhaltige Outdoor-Bekleidung zu finden, ist nicht ganz leicht. Die Materialien sind komplex, in vielen Geschäften findet man nur Mainstream-Marken. Sieben Tipps, mit denen du bei Outdoor-Bekleidung die bessere Wahl triffst.

Fans der Natur wollen sich in Frühling, Sommer und Herbst outdoor ordentlich austoben. Stellt sich die Frage: Was anziehen, ohne eben dieser Natur allzu sehr zu schaden?

Gerade bei Outdoor-Kleidung bedeutet ein mehr an Funktion oft auch eine Zusatzportion Chemie. Hier sieben Tipps, um bei Outdoor-Bekleidung die bessere Wahl zu treffen.

1. Nachhaltige Outdoor-Kleidung – wie viel Funktion ist wirklich nötig?

Vaude-Herren-Jacke
Wasserabweisende Jacken sollten umweltfreundlich sein. Hier: Men’s Simony 2,5L Jacket III von Vaude (Vaude)

Wenn wir heutzutage einen Outdoor-Shop betreten – sagen wir, in der naiven Absicht, eine Jacke zu kaufen – dann müssen wir uns mit einem Feuerwerk der wundersamsten High Tech-Funktionen auseinandersetzen, die Kleidung und Zubehör uns dort versprechen.

Doch was für den Extrembergsteiger überlebensnotwendig werden kann, muss für den Gelegenheitswanderer nicht das Richtige sein. Allerwichtigste Frage am Anfang ist deshalb: Was davon brauche ich für meinen Zweck wirklich?

Ökologisch betrachtet ist weniger oft mehr, denn hinter vielen High-Tech-Stoffen steckt auch ein höherer Einsatz schädlicher Chemikalien – siehe unten das Beispiel Fluorcarbone. Bei Outdoor-Kleidung muss es für sporadische Spaziergänge auch nicht die Drei-Lagen-Membranjacke mit einer Wassersäule von 40.000 Millimetern sein, wo laut DIN-Norm bereits 1.300 Millimeter als wasserdicht gelten.

2. Gut: Recycling-Fasern kaufen

Machen wir uns eines klar: Nachhaltige Outdoor-Bekleidung ist zu über 90 Prozent aus Chemiefasern hergestellt. Anders wäre die Entwicklung immer neuer Funktionen gar nicht möglich.

Diese Synthetics haben gegenüber anderen Fasern zwei ökologische Nachteile: Sie verbrauchen bei ihrer Herstellung sehr viel Energie (und meist fossiles Mineralöl als Grundstoff). Und sie verrotten niemals, sind also schwer zu entsorgen.

Women
Beispiel für Outdoor-Bekleidung: das Women’s Skarvan Jacket von Vaude (rechts), Softshell-Jacke aus recycelten, bluesign-zertifizierten Materialien. (M. Attenberger/Vaude)

Eine ressourcenschonende Alternative ist es deshalb, Outdoor-Kleidung aus Recycling-Polyester zu kaufen. Die gibt es zum Beispiel von Bleed, Klättermusen, Patagonia, Triple2, Vaude und anderen Herstellern. Meist wird sie aus eingeschmolzenen PET-Flaschen hergestellt, was je nach Analyse 50 Prozent weniger Energie verbraucht und 50 Prozent weniger CO2 ausstößt, als eine Chemiefaser aus Rohöl zu synthetisieren.

Zu erkennen sind diese Artikel manchmal an entsprechenden Produktanhängern, vor allem aber durch einen Blick ins eingenähte Etikett, wo der Recycling-Anteil ausgewiesen ist.

3. Noch besser: Recycelbare Outdoor-Bekleidung

Noch schöner wäre es allerdings, wenn nachhaltige Outdoor-Bekleidung aus Polyester oder Nylon nach Gebrauch (immer) wieder zu einem neuen Kleidungsstück recycelt werden könnte. Doch dieser „Closed Loop“ funktioniert leider noch nicht wirklich.

Pyua-Outdoor-Skifahrer
Ski-Jacke von Pyua: Alle Produkte des Kieler Labels können theoretisch recycelt werden. (Simon Beizaee/Pyua)

Das Kieler Label Pyua beispielsweise hat seine gesamte Kollektion so konzipiert, dass die Teile theoretisch kreislauffähig sind und auch ein Rücknahmesystem über Händler und Altkleider-Container installiert. Allerdings hat Pyua „in zehn Jahren nur zwei Handvoll Jacken“ zurückbekommen – zu wenig, um daraus neue Stoffe herstellen zu können. Die Pyua-Kollektion ist deshalb mehrheitlich aus PET-Flaschen gemacht und zum geringeren Teil aus Schnittabfällen der Textilproduktion.

Diese Quellen nutzen auch Vaude oder Patagonia, die sich ebenfalls seit langem um Stoff-Kreisläufe bemühen. Ganz gut läuft beispielsweise das Recycling von Polyamid (Nylon): Die schwedische Firma Klättermusen war hier Vorreiter und stellt mittlerweile 90 Prozent des eingesetzten Nylons aus Industrie-Abfällen wie etwa Verpackungsmüll, gebrauchten Teppichen oder ausrangierten Fischernetzen her.

4. Probier’s bei Outdoor-Kleidung mal mit Natur

Hessnatur-Wachsjacke
Outdoor-Bekleidung aus Bio-Baumwolle: Die Bienenwachs-Imprägnierung der Jacke kann problemlos erneuert werden. (Hessnatur)

Nachhaltige Outdoor-Kleidung aus Naturfasern? Das galt lange Zeit als undenkbar. Doch in den letzten Jahren fällt dieses Dogma zusehends, und das ist gut so.

Bei Funktionsunterwäsche zum Beispiel trumpfen Wollfasern mit diversen Vorteilen auf: Baselayer oder Socken aus Merino zum Beispiel von Hess Natur, Rotauf oder Engel Sports miefen auch nach langem schweißtreibendem Tragen nicht.

Wäsche aus synthetischen Materialien dagegen muss grundsätzlich gegen Geruchsbildung behandelt werden, häufig mit Nanosilber, dem eine toxische Wirkung auf Mensch und Öko-Systeme nachgesagt wird.

Naturfasern belasten die Umwelt auch weniger mit Mikroplastik: Dabei handelt es sich um winzige Kunstfaser-Partikel, die sich bei jeder Wäsche (und im Trockner) aus synthetischen Stoffen lösen. Von Kläranlagen nur teilweise abgefangen, gelangen die winzigen Plastikteile übers Abwasser in Flüsse und Meere, ziehen Giftstoffe wie DDT an und werden von Fischen und Muscheln gefressen.

Eine einzige Fleece-Jacke kann wegen ihrer losen Struktur bis zu eine Million Fasern pro Wäsche freisetzen, und allein Europas Waschmaschinen spülen auf diese Weise jährlich 30.000 Tonnen Plastik ins Abwasser, das sich im Meer über Jahrhunderte nicht abbauen wird.

Vaude-Jacke
Croz Fleece Jacket II von Vaude. Der lose Innenflor dieser Hybrid-Fleecejacke ist aus ungefärbter Regeneratfaser und biologisch abbaubar. (Vaude)

Die Outdoor-Branche mit ihrem hohen Synthetik-Anteil forscht hier bereits nach Alternativen: So bietet Vaude beispielsweise einen Fleece-Pulli an, dessen Innenseite aus ungefärbter und damit biologisch abbaubarer Regeneratfaser hergestellt ist.

Und selbst für Allwetterjacken aus Naturfasern spricht einiges. Klättermusen etwa bietet Jacken aus Baumwolle, die so dicht gewebt sind, dass sie das Wasser auf natürliche Weise abweisen, sobald die Fasern aufquellen und sich ausdehnen.

Öko-Versender Hessnatur dagegen hat eine Wetterjacke aus Bio-Baumwolle mit einer Imprägnierung auf Bienenwachs-Basis im Programm, die selbst erneuert werden kann. Baumwoll-Jacken punkten mit besonders guter Atmungsaktivität und halten einen Regenschauer beim Spaziergang allemal ab.

5. Bei Outdoor-Bekleidung auf PFC-Freiheit achten

Greenpeace warnt vor PFC in Outdoor-Bekleidung
Greenpeace warnt vor PFC in Outdoor-Bekleidung (Cover © Greenpeace)

Erst Greenpeace hat mit seiner Detox-Kampagne ein Bewusstsein für das Riesenproblem mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFCs) geschaffen. Substanzen dieser Stoffgruppe der Fluorcarbone gelten als besonders gefährlich für Mensch und Umwelt, stehen unter anderem im Verdacht, Krebs auszulösen, und bauen sich in der Umwelt kaum wieder ab.

Outdoor-Firmen verwendeten PFC-haltige Chemikalien jedoch lange Zeit in großem Umfang, um die Oberflächen wetterfester Produkte wasser- und schmutzabweisend zu beschichten. Erst mit der Greenpeace-Kampagne entstand der nötige Veränderungsdruck.

Mittlerweile hat sich viel bewegt. Ausrüster Vaude beispielsweise konnte bereits 2018 alle Fluorcarbone im Bekleidungsbereich ersetzen, im restlichen Sortiment soll der Ausstieg 2020 vollständig sein. Auch Jack Wolfskin, Fjällräven und die kleine Schweizer Firma Rotauf beschichten ihre regenfeste Bekleidung inzwischen zu 100 Prozent PFC-frei.

Gore-Tex will bis Ende 2023 bei sämtlichen Beschichtungen auf PFCs verzichten, wobei die Gore-Tex-Membran noch immer Fluorchemie enthält. Und Mammut – deren Geschäfte 2016 noch von Greenpeace-Aktivisten mit Gift-Bannern beklebt wurden  plant die Abschaffung immerhin bis 2025.

Um als Kunde herauszufinden, wo eine Marke beim PFC-Ausstieg derzeit steht, hilft am ehesten ein Blick auf die jeweilige Homepage (oder eine Mail an den Kundenservice). Denn im Geschäft selbst verstecken sich verklausulierter Hinweise wie „Fluorocarbon Free DWR“ (= PFC-frei) – wenn überhaupt – im Kleingedruckten des Papieranhängers.

Achtung: PFC-freie Beschichtungen müssen etwas häufiger erneuert werden, um ihren Wasserschutz nicht zu verlieren, etwa nach jeder dritten bis fünften Wäsche. Eine Imprägnier-Anleitung findet sich zum Beispiel hier bei Vaude.

6. Outdoor-Kleidung nur mit Bluesign, Fair Wear Foundation & Co.

Nach wie vor schaut die Outdoorbranche vor allem auf die kritischen PFCs – es gibt aber noch hunderte weiterer chemischer Substanzen, die beim Herstellen oder Färben von Outdoor-Kleidung eingesetzt werden. Welche davon sind hochgiftig, welche weniger? Und wie verantwortungsvoll gehen die Herstellungsbetriebe in Fernost nicht nur mit diesen Chemikalien, sondern auch mit Energie und Wasser um?

Einen strengen Umweltstandard in diesen Fragen garantiert das Label Bluesign, derzeit das relevante Textilsiegel für die Outdoor-Branche. Seine Prüfer testen nicht nur das Endprodukt, sondern den gesamten Herstellungsprozess.

Mit dem blauen Logo haben bereits einige Outdoor-Marken bestimmte Teile ihrer Kollektion gelabelt, darunter Vaude, PatagoniaKlättermusen oder Mammut. Das muss aber nicht heißen, dass bei diesen Labels automatisch alles in bester Ordnung ist, denn das Siegel gilt eben nur für einzelne Produkte. Hier erfährst du mehr:

Wer nicht nur die ökologischen, sondern auch gute soziale Bedingungen in den Herstellungsbetrieben honorieren will, sollte nach dem Label der Fair Wear Foundation (FWF) Ausschau halten. Einige Outdoor-Firmen (Deuter, Jack Wolfskin, Mammut, Odlo, Pyua, Schöffel, Vaude u.a.) sind hier bereits Mitglied.

Ein relativ neues Siegel, das für Outdoor-Mode interessant werden könnte, ist der Grüne Knopf. Das staatliche Siegel startete im Herbst 2019 und fragt sowohl ökologische als auch soziale Kriterien ab. Unter den ersten 30 Labels bieten Engel Sports, Hessnatur und Vaude outdoortaugliche Kleidung an. Hier erfährst du mehr:

7. Das Produkt-Leben von Outdoor-Bekleidung verlängern

Das Wichtigste zuletzt: Je länger die Lebensdauer eines Kleidungsstückes, desto geringer sein ökologischer Fußabdruck. Auch wenn dies längst bekannt ist – es gilt für nachhaltige Outdoor-Bekleidung noch in stärkerem Maß als für Alltagsmode.

Synthetische Fasern sind enorm robust und geradezu prädestiniert für ein langes, anstrengendes Leben. Es ist viel zu schade, zum Beispiel eine aufwändig produzierte Funktionsjacke einfach wegzuschmeißen, wenn sie noch warm und trocken hält. Und manches gute Outdoor-Stück ist wegen seiner Fluormembran oder -beschichtung auch äußerst problematisch in der Entsorgung.

Die eigene Outdoor-Kleidung gut zu pflegen, nicht übertrieben häufig zu waschen und wenn nötig zu reparieren, ist deshalb ein unterschätzter Beitrag zu deinem ökologischen Fußabdruck. Einige Hersteller haben das erkannt: Patagonia beispielsweise schickt mit dem „Worn Wear Truck“ seit 2017 einen eigenen Reparaturservice auf vier Rädern quer durch Europa (aktuelle Tourdaten findest du hier). Vaude betreibt über ifixit.com eine Art Online-Repair-Café mit Reparatur-Anleitungen oder vermietet Zelte und Rucksäcke über iRentit.

Und wenn die Farbe nicht mehr gefällt, dann kannst du dein Outdoor-Teil immer noch bei Oxfam abgeben oder verkaufen: auf dem Flohmarkt etwa, bei Ebay oder Kleiderkreisel. Und warum nicht mal selbst beim nächsten Outdoor-Einkauf nach gebrauchtem Equipment Ausschau halten? Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel!

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(30) Kommentare

  1. Nach langem Suchen habe ich für meine Töchter die Outdoorhosen von Peculiar-Pixy entdeckt. Sie sind ,wie von Greenpeace empfohlen, mit einer PFC freien TPU-Membran ausgestattet, wind- und wasserdicht. Und besonders nachhaltig, da sie bei Kindern über meherere Größen mitwachsen und dadurch besonders lange getragen werden können. Zudem werden sie in Deutschland (Aachen) gefertigt 🙂

  2. Es ist auch wichtig, die Textilien nach dem Kauf umweltfreundlich zu pflegen/behandeln. Wenn es um eine Nachimprägnierung geht, habe ich jetzt endlich das richtige Mittel gefunden. Und zwar die Imprägniermittel von Simprax. Die sind mehrfach zertifiziert (GOTS; EcoPassport, V-Label). Habe mir die Imprägnierung für die Waschmaschine gekauft. Wasser perlt wunderbar ab. http://www.simprax.com

  3. Da gab es doch mal die Motorrad-Jacken, die man wachsen musste um sie wetterfest zu machen.
    Gibt es sicher noch und auch für Outdoor-Kleidung.
    Ich mag diese ganzen „Superfaserprodukte“ eigentlich nicht, ist ja eh wieder nur Plastik und die brauchen natürlich die giftige Nachpflege.

  4. Mein Hauptproblem ist, eine möglichst dauerhaft dichte, äußerste Schicht zu haben. Z.B. um bei einer Radtour auch an einem Regentag 6h im Regen fahren zu können.
    Leider sind auch die teuren Vaude-Jacken nach „wenigen“ Jahren undicht. Und ich möchte sie nicht jeden Monat mit Chemie nachimprägnieren.
    Im Alltag (max 30 Minuten mäßiger Regen) funktioniert einiges einigermaßen.

    Aktuell gehe ich in Richtung Armee-Poncho. Den kann man gleich noch als Sonnenschutz, Picnic-Decke, Notzelt und Unterlage im großen Zelt benutzen. (Dass darunter die Dichtigkeit leidet konnte ich noch nicht feststellen.

    Für eine ausgedehnte Wandertour ist er mir eher zu schwer (Genauso wie eine Wachsjacke, mit der ich schon geliebäugelt habe). Da hatte ich mir einen Wanderponcho gekauft. (Nie gebraucht und leider letztes Jahr verloren)

    Vorteile von Ponchos u.ä. ist, dass sie nur dicht sein müssen, nicht atmungsaktiv. Und dass man sie nur anzieht wenn es wirklich regnet. Die restlichen 90% der Jackenzeit darf der Rucksack dann auf einer Jacke scheuern, die nicht richtig dicht sein muss.