Kinder-Reinigungstücher im Test: Gut für die Babyhaut, schlecht für die Umwelt

Fotos: petrrunjela, SpaPartners / stock.adobe.com

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Beim Wickeln für Babys Po, bei klebrigen Händen oder verschmiertem Mund – Feuchttücher sind bei vielen Eltern ein wichtiges Utensil für die Babypflege. Aber sind die praktischen Tücher für die Gesundheit unbedenklich? Und was sagt die Umwelt zu Feuchttüchern?

Der Vorteil von Babyfeuchttüchern liegt auf der Hand: Sie sind einfach ungemein praktisch. Egal ob daheim oder unterwegs: Tuch aus der Packung nehmen, Po, Mund oder Finger der Kleinen abwischen – und das Tuch entsorgen. Fertig.

Eltern möchten dabei sicher gehen und fragen sich, ob die Tücher frei von problematischen Inhaltsstoffen sind. Für immer mehr Eltern spielt inzwischen aber auch die Müllproblematik eine Rolle. Denn die sind alles andere als nachhaltig. Höchste Zeit, einen kritischen Blick auf die Feuchttücher für Babys zu werfen.

Feuchttücher im Test bei Öko-Test

Öko-Test hat 30 Feuchttücher-Produkte unter die Lupe genommen – von günstigen Eigenmarken bis hin zu Naturkosmetiktüchern. Alle Produkte im Test waren parfümfrei.

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Das Testergebnis ist beruhigend. Inzwischen enthalten die Feuchttücher für Babys kaum noch problematische Substanzen. Zwei Drittel der Produkte im Test empfehlen die Tester von Öko-Test sogar mit „sehr gut“. Ein Produkt hat mit „ausreichend“ abgeschnitten, eines ist mit „mangelhaft“ durchgefallen.

Baby
Laut Öko-Test nutzen 96,3 % der Eltern in Deutschland nutzen Feuchttücher (Foto: CCO / unsplash / Walaa Khaleel)

Hersteller haben nachgebessert

Ein erfreuliches Testergebnis, denn beim letzten Feuchttücher-Test von Öko-Test vor drei Jahren sind etliche Produkte durchgefallen. Das Problem bei vielen Tüchern damals: Problematische Konservierungsstoffe, vor allem die potentiell krebserregende Verbindung PHMB. Die Hersteller haben diese Stoffe mittlerweile durch weniger problematische ersetzt. Ganz ohne Konservierer geht es bei den feuchten Tüchern nicht – dazu ist das Klima in den Tücherverpackungen zu feucht und anfällig für Keimbildung.

Halogenorganische Verbindungen in Babyfeuchttüchern

Öko-Test fand bei fünf der Produkte im Test allerdings halogenorganische Verbindungen, die eventuell aus dem Prozess des Bleichens stammen, so die Vermutung der Tester. Den höchsten Gehalt fand Öko-Test in den Tüchern „Bübchen Aqua Touch 99% pures Wasser“.

In den „Huggies Pure Baby Feuchttüchern“ fanden die Tester neben halogenorganischen Verbindungen auch PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässig für Fremdstoffe machen können. Das Produkt fiel mit „mangelhaft“ durch.

Wichtig zu wissen: Da die Hautbarriere bei Babys noch nicht ausgereift und die zarte Haut empfindlich ist, sollte sie möglichst nicht mit problematischen Substanzen in Berührung kommen.

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Welche Feuchttücher sind die besten?

Immer mehr Hersteller werben mit einem hohen Wassergehalt (99 Prozent Wasser). Für Eltern durchaus ein Kaufargument, denn sanfte Pflege liegt ihnen am Herzen. „Tatsächlich enthalten diese Tücher dann oft weniger verschiedene Inhaltsstoffe, reinigende oder pflegende Zusätze als andere Produkte im Test“, so das Fazit von Öko-Test in seinem Testbericht.

Zu den „sehr guten“ Produkten zählen unter anderem:

  • Eco by Naty Sensitive Wipes
  • Babylove Sensitive Feuchttücher
  • Hipp Baby Sanft Ultra Sensitiv Feuchttücher 99% Wasser

Alle Details findest du in der Ausgabe 07/2020 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

Feuchttücher
Feuchttücher sind praktisch und vielseitig einsetzbar (Fotos: © olegmalyshev, SpaPartners - Fotolia.com)

Wie umweltschädlich sind Feuchttücher?

Feuchttücher werden zum Großteil auf der Basis von Erdöl hergestellt – mit dem Problem, dass die Tücher sich nicht zersetzen. Im Lauf der Jahrzehnte  zerfallen die Kunststoff-Vliese langsam zu gefährlichem Mikroplastik.

Der TÜV Rhein­land hat Anfang 2020 insgesamt 33 Feucht­tüchermarken untersuchen lassen. 28 Produkte enthielten Polyester oder Polypro­pylen in Anteilen zwischen 30 und 80 Prozent.

Was bedeutet „biologisch abbaubar“?

Immer häufiger verwenden die Hersteller inzwischen „biologisch abbaubares“ Material. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die biologisch abbaubaren Tücher sind nicht auf der Basis von Erdöl hergestellt, sondern  bestehen aus natür­lichen nachwachsenden Rohstoffen.

Dürfen biologisch abbaubare Feuchttücher in die Toilette?

Der Begriff birgt die Gefahr, dass die abbaubaren Tücher ohne Bedenken in die Toilette geworfen und runtergespült werden. Ein Trugschluss: Auch diese Tücher gehören in den Restmüll – und nicht in die Toilette.

Die Tücher zersetzen sich nicht schnell genug, sondern lagern sich in der Kanalisation ab. Zum Teil bilden sie große Klumpen, die dann die Pumpen blockieren und im schlimmsten Fall zu einem Rückstau in der Toilette oder der Badewanne führen können.

Hier findest du eindrucksvolle Bilder der Fettberge, die unter anderem durch Feuchttücher in der Kanalisation entstehen können.

Die beste Alternative: Feuchte Waschlappen

Ein wiederverwendbarer feuchter Lappen aus Frottee oder Flanell ist grundsätzlich die beste Alternative zu den Einmaltüchern. Wenn du die Lappen bei 60 Grad in der Waschmaschine wächst, reicht das, um Keime abzutöten.

Waschlappen
Waschlappen machen Feuchttücher überflüssig (Foto: CCO / Pixabay / Analogicus)

Für unterwegs kannst du eine kleine Thermoskanne mit lauwarmem Wasser mitnehmen, dann haben die Tücher immer eine angenehme Temperatur.

Feuchttücher kannst du auch ganz einfach selber machen. Damit vermeidest du nicht nur Plastikmüll, sondern sparst auch Geld und weißt genau, was auf Babys Popo kommt.

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