Plastikmüll: Dieser Edeka-Markt macht seit 20 Jahren vor, was viele nachmachen sollten

Foto: Marva-Linnéa Kroh

Spargel, Feldsalat, Paprika, Champignons, Kartoffeln oder Möhren – in einem Edeka-Markt in Dortmund kann man unverpackt und nach Bedarfsmenge einkaufen. Wir haben mit dem Inhaber gesprochen über den Bewusstseinswandel im Einzelhandel und warum wir immer noch so viele Lebensmittel wegschmeißen.

Beim Einkauf den eigenen Baumwollbeutel mitnehmen, statt die Plastiktüte zu kaufen? Das ist für viele Menschen mittlerweile wieder selbstverständlich: Seit Plastiktüten Geld kosten, geht der Verbrauch zurück.

Doch spätestens an der Obst- und Gemüsetheke tragen wir wieder (unfreiwillig) jede Menge Plastik aus dem Supermarkt nach Hause. Wer keinen verpackungsfreien Supermarkt in der Nähe hat, verzweifelt daher manchmal angesichts der vielfach verpackten Salate, Zucchinis oder Äpfel. Dabei kann nicht nur der Verpackungsmüll ein Ärgernis sein – durch die vorgegebene Abpackung sind wir oft gezwungen, große Mengen zu kaufen, auch wenn wir eigentlich weniger Lebensmittel benötigen.

Edeka in Dortmund: Seit 20 Jahren unverpackt

Doch es tut sich etwas im Einzelhandel: Es gibt Alternativen zu Obsttüten aus Plastik, Gurken sind gelasert, statt in Plastik vakuumiert und Märkte verschenken abgelaufene Lebensmittel, statt sie wegzuschmeißen.

Edeka Pelzer Dortmund unverpackter Salat
Unverpackten Feldsalat und Rucola: Sieht man selten im Einzelhandel. (Foto: Marva-Linnéa Kroh)

Eine weitere Entwicklung: Nach und nach gibt es auch beim Discounter und Supermarkt Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen. In der Dortmunder Edeka-Filiale „Pelzer“ bietet Inhaber Christian Pelzer Lauch, Kohl, Rucola, Paprika und Spargel bereits seit 20 Jahren unverpackt an. „Damals war unverpackt Einkaufen noch kein Thema im Einzelhandel“, sagt er, heute würden immer mehr Märkte mitmachen.

Geplant: Baumwoll- statt Plastikbeutel

Sein Obst und Gemüse kauft Pelzer viel beim Direktanbieter: Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren bezieht er vom Bauern; auch auf dem Dortmunder Großmarkt kauft er täglich ein. Dabei versucht Pelzer vermehrt auch alte Apfelsorten anzubieten: „Die sind besonders für Allergiker gut“.

In seinem Markt gibt es neben dem losen Angebot auch abgepacktes Obst und Gemüse, „der Kunde kann selbst entscheiden, was er wählt“, sagt Pelzer. Das lose Obst und Gemüse transportieren die Kunden entweder so oder sie nutzen die im Markt vorhandenen dünnen Plastikbeutel – die will Pelzer aber am liebsten abschaffen: „Man sollte lose Ware anders transportieren können als im Plastikbeutel.“ Er will seinen Kunden künftig dünne waschbare Baumwollbeutel zum Kauf anbieten. Von Papiertüten hält Pelzer nicht so viel: Sie verbrauchen in der Produktion zu viele Ressourcen, man müsste sie eigentlich mehrfach verwenden, damit sich die Herstellung lohnt – was wohl die wenigsten Kunden tun dürften.

Ist der Edeka-Markt Pelzer ein Einzelfall? Mit rund 3.800 selbständigen Kaufleuten ist der Edeka-Verbund genossenschaftlich organisiert – daher gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Märkte ein ähnliches unverpacktes Angebot haben, teilt uns Edeka auf Nachfrage mit. „Im Segment Obst und Gemüse verzichten wir im Eigenmarkenbereich heute bereits größtenteils auf Kunststoffverpackungen und verwenden stattdessen Papierschalen beziehungsweise Kartontrays. Bei vielen Bio-Produkten verzichten wir mittlerweile komplett auf Verpackungen und bieten sie lose an. Die Produkte werden stattdessen einzeln mit Etiketten oder einer Banderole versehen. Wir empfehlen zudem, Obst und Gemüse falls möglich ohne Tüte abzuwiegen, um den Einsatz von Einwegbeuteln zu reduzieren“, sagt Pressereferentin Andrea Ebert gegenüber utopia.de

Weniger Essen verschwenden durch unverpackte Ware

Edeka-Kaufmann Pelzer möchte mit seinem Angebot von losen Lebensmitteln vor allem auch dazu beitragen, dass weniger Essen weggeschmissen wird: „Die Kunden möchten nicht immer die grüne Paprika oder einen ganzen Sack Kartoffeln.“ Lebensmittelverschwendung ist ein wichtiges Thema: Denn noch über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen hierzulande jährlich im Müll – das ist ein Drittel der gesamten Produktion.

Edeka Pelzer Dortmund Spargel
Geschälter Spargel (Foto: Marva-Linnéa Kroh)

Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder nicht mehr verkaufsfähige Waren stellt Pelzer kostenlos Angestellten und Kunden zur Verfügung – ausgenommen sind sensible Lebensmittel wie Geflügel und Fisch.

Für Pelzer sind auch die günstigen Lebensmittelpreise ein Grund für die enorme Verschwendung: „Wenn unsere Lebensmittel 20 Prozent teurer wären, würden wir weniger wegschmeißen. Nehmen wir zum Beispiel Salami: Wenn eine qualitativ hochwertige Salami 3,99 Euro statt 1,99 Euro kostet, fängt man an, nachzudenken.“ Tatsächlich geben die Deutschen im internationalen Vergleich prozentual sehr wenig vom monatlichen Einkommen für Essen und Getränke aus: Nur knapp 10 Prozent sind es.

„Mir sind Lebensmittel wichtiger als ein iPhone, da zahl ich lieber mehr“, sagt Pelzer.

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(1) Kommentar

  1. Nun widmet sich die EU dem Thema, was wir seit Jahren in Horrorbildern von Plastikmüll im Ozean, an Stränden etc. erleben.

    Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass da ein recht unkoordiniert erscheinender Aktionismus herrscht.

    Das jede Verwendung von Plastik in Frage gestellt und auf Notwendigkeit geprüft werden sollte, steht außer Frage.

    Man sollte m. E. zunächst zwischen dem Plastik unterscheiden, was korrekt entsorgt und dabei zum Teil recyclet wird und dem, welches aller Voraussicht nach wild in der Umwelt entsorgt wird, bzw., ungefiltert in Boden oder Wasser gelangt.

    Die Plastikverpackungen all dessen, was unter dem Begriff »To Go« verkauft wird, dürften in den seltensten Fällen in einer gelben Tonne landen. Ebenso wenig – sogar ganz besonders – die Plastikhülsen von Feuerwerkskörpern. Private Feuerwerke sind ohnehin ein völlig kranker, leider zu häufig in Gewalt abdriftender Wahnsinn und kaum eine Straßenreinigung wird nach Neujahr das ganze Plastik, welches in Wald und Wiesen untertaucht, beseitigen können. Auch synthetische Textilien, die in der Wäsche einen starken Abrieb erfahren, wie z. B. Fleece-Produkte, liefern beim Waschen gleich zerkleinertes Microplastik für die Gewässer. Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

    All das, was beim Einkauf in den Haushalt gelangt, hat zumindest gute Chancen, korrekt entsorgt zu werden. Gleichwohl gilt es auch hier, unnötiges Plastik zu vermeiden.

    Ein wenig zerrissen bin ich bei verpacktem Gemüse: Wenn ich Menschen sehe, die sich mit dreckigen Fingern sinnbildich »die Rosinen« aus den Kisten suchen, alles angrabschen, hier und da mal etwas unter die Nase halten, überkommt mich durchaus Ekel und ich betrachte Plastikverpackungen als guten Schutz vor solch asozialem Verhalten. Eine gute Alternative wäre es, Arbeitsplätze zu schaffen, anstatt zu vernichten: Personal statt Selbstbedienung.

    Fazit: radikale, aber sinnvolle Vermeidung von Plastik und mehr Recycling.

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