Umweltfreundliche Tragetaschen: die besten Plastik-Alternativen

Plastiktüten Alternativen Jutebeutel Papiertüte
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Papiertüten, Baumwollbeutel und Bioplastik – sind die vermeintlich umweltfreundlicheren Alternativen zur klassischen Plastiktüte tatsächlich besser? Wir stellen dir die besten Alternativen zu Plastik vor.

Einweg-Tüten aus Polyethylen müssen weg

Plastikmüll verschmutzt Wälder, Flüsse und die Meere.
Plastikmüll verschmutzt Wälder, Flüsse und die Meere. (Foto: CC0 / Pixabay / Hans)

Wir verbrauchen jedes Jahr mehrere Milliarden Plastiktüten. Der Großteil der Tüten wird auf Basis von Erdöl hergestellt. Aber die Tüten sind nicht nur in ihrer Herstellung problematisch, auch beim Recycling-Prozess wird zusätzlich Energie verbraucht. Im schlimmsten Fall landen die Beutel als Plastikmüll in der Natur, wo sie zum Beispiel im Meer riesige Plastikmüll-Inseln bilden.

Einweg-Tüten aus Polyethylen (PE) müssen weg – darüber sind sich immer mehr Nationen weltweit einig. Bis 2025 soll daher laut EU-Richtlinie der pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten auf 40 Stück jährlich sinken. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, bleibt den einzelnen Mitgliedsstaaten selbst überlassen.

In welchem Bereich fällt es dir persönlich am schwersten, nachhaltige (Kauf-) Entscheidungen zu treffen?

Viele Unternehmen verlangen mittlerweile Geld für ihre Plastik-Einkaufstüten oder verbannen sie komplett aus ihrem Sortiment. Der Tüten-Verbrauch ist dadurch tatsächlich stark zurückgegangen. Aber sind die Alternativen aus Papier, Bioplastik und Baumwolle wirklich besser?

Papiertüten sind nicht viel besser als Plastiktüten

Kurzlebig und ein hoher Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung – Papiertüten sind keine gute Alternative zu Plastik.
Kurzlebig und ein hoher Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung – Papiertüten sind keine gute Alternative zu Plastik. (Foto: CC0 / Pixabay / diddi4)

Die Papiertüte galt lange als die umweltfreundlichere Alternative zu Plastiktüten. Tatsächlich hat sie den entscheidenden Vorteil, dass sie biologisch abbaubar ist. Allerdings wird bei der Herstellung von Plastiktüten fast doppelt so viel Energie verbraucht, außerdem kommen umweltbelastende Chemikalien zum Einsatz.

Um die Tüten aus Papier reißfester und robuster zu machen, werden sogenannte Frischfasern verwendet. Dabei ist der Altpapieranteil ausschlaggebend für die Umweltverträglichkeit. Je mehr Altpapier, desto besser für die Umwelt, jedoch sind Tüten aus Altpapier weniger stabil.

Aber auch robustere Papiertüten halten nicht besonders lang. Nach ein paar Einkäufen wird die Tüte reißen, erst recht wenn es regnet. Der einzige Vorteil der Papiertüte: Landet sie in der Natur, verwittert sie wesentlich schneller als Tüten aus Plastik.

Bioplastik: Kunststoff aus Maisstärke, Bambus & Co

Die Bio-Plastiktüte landet trotzdem im Restmüll.
Die Bio-Plastiktüte landet trotzdem im Restmüll. (Foto: Patryssia - Fotolia.com)

Kunststoff aus Maisstärke, Bambus und anderen Materialien pflanzlichen Ursprungs wird dem Kunden immer häufiger als nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Plastik angeboten. Laut einer Studie des Bundesumweltamtes schneidet Bioplastik in der Gesamtökobilanz jedoch nicht besser ab als herkömmlicher Kunststoff.

  • Stärke-, PLA- oder zellulosebasierte Biokunststoffe brauchen im Gegensatz zu herkömmlichem Plastik in der Herstellung keine fossilen Rohstoffe, dafür aber große Mengen an Mais, Bambus, Zuckerrohr, Weizen etc. Diese wachsen zwar nach, jedoch werden für den Anbau Düngemittel und Pestizide eingesetzt, die die Umwelt zusätzlich belasten. Laut Umweltbundesamt sogar „in einem stärkeren Umfang als bei der Herstellung herkömmlicher Kunststoffe“. Außerdem handelt sich bei diesen Ressourcen um essbare Pflanzen, die für Verpackungsmaterialien verwendet werden, während Menschen in vielen Teilen der Welt Hunger leiden müssen.
  • Und auch die Kompostierbarkeit vieler Tüten aus Bioplastik ist nur ein vermeintlicher Vorteil, denn: Die für den Zerfallprozess notwendigen 90 Tage dauern für die meisten Kompostieranlagen zu lange. Landet eine Bioplastiktüte also im Biomüll, wird diese aussortiert und anschließend mit dem Restmüll „energetisch verwertet“ – also verbrannt. Immerhin hier verhält sich biobasierter Kunststoff klimafreundlicher als auf erdölbasierten Materialen, indem dabei nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie im pflanzlichen Ausgangsmaterial gespeichert war.

Daher sind Einkaufstüten aus Bioplastik leider keine umweltverträglichere Alternative zu herkömmlichen Plastiktüten.

Baumwollbeutel: nur bei regelmäßigem Gebrauch ökologisch besser

Jute- oder Baumwolltaschen lohnen nur bei langem Gebrauch.
Jute- oder Baumwolltaschen lohnen nur bei langem Gebrauch. (Foto: Utopia - Stefanie Jakob)

Wie sieht es mit Baumwollbeuteln aus? Die Gewinnung und Verarbeitung von Baumwolle benötigt extrem viel Wasser, außerdem kommen beim Anbau Pestizide zum Einsatz. Die Umweltbelastung ist also sehr hoch. Baumwollbeutel benötigen bei der Herstellung deutlich mehr Ressourcen und Energie als Einweg-Plastiktüten!

Entsprechend muss ein Beutel aus Baumwolle, Jute oder Flachs mindestens 25 Mal wiederverwendet werden, um dieses Defizit auszugleichen. Daher solltest du im Supermarkt nicht bei jedem Einkauf „der Umwelt zuliebe“ einen neuen Stoffbeutel nehmen, sondern lieber darauf achten einen Stoffbeutel zu wählen, der folgende Ansprüche erfüllt – und diesen dann dauerhaft verwenden:

  • robust
  • langlebig
  • aus Bio-Baumwolle, Bio-Hanf oder Bio-Leinen
  • Fairtrade

Eine große Auswahl an Stoffbeutel in Bio-Qualität – zum Beispiel von Re-Sack – findest du bei **Avocadostore. Du kannst dir aber auch ganz einfach eine Stofftasche aus alten Stoffresten selber nähen. Eine Anleitung findest du in unserem Beitrag „DIY: So nähst du einen Jutebeutel ganz einfach selber“.

Second-Hand, Second-Chance

Gib alten Einkaufstaschen- und körben ein zweite Chance und hilf damit Ressourcen zu sparen.
Gib alten Einkaufstaschen- und körben ein zweite Chance und hilf damit Ressourcen zu sparen. (Foto: CC0 / Pixabay / lkaika)

Auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden findet man oft alte, aber überaus robuste Einkaufskörbe und -taschen. Sie sind langlebiger als die Alternativen aus Baumwolle oder Papier. Indem du einem bereits gebrauchten Gegenstand eine zweite Chance gibst, hilfst du außerdem dabei, Ressourcen und Energie zu sparen.

Papier, Baumwolle und Bioplastik: Faustregeln für Tragetaschen

Egal ob Baumwolle, Erdöl oder Holz, jede Tragetasche beinhaltet wertvolle Rohstoffe und hat bei der Produktion Energie gekostet. Daher gilt:

  • Eigene Taschen mitnehmen: Um Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen, beim Einkauf immer daran denken alte Tüten, Stofftaschen, Körbe oder einen Rucksack mitzunehmen.
  • Tüten so oft verwenden, wie nur möglich: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden und man muss doch auf eine Plastik- oder Papiertüte zurückgreifen. In dem Fall solltest du die Tüte nicht sofort nach dem Gebrauch entsorgen, sondern wenigstens solange weiterverwenden, bis sie kaputt geht.
  • Ausgedientes als Müllbeutel umfunktionieren: Ist die Tragfähigkeit einer Plastik- oder Papiertüte zweifelhaft, eignen sie sich meist immer noch als Müllbeutel.

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(9) Kommentare

  1. Es macht Sinn darüber aufzuklären, aber mit solchen Totschlag-Überschriften „Papiertüten nicht viel besser als Plastiktüten“ werden die Verbraucher*innen überfordert, was sollen sie denn jetzt tun? Klingt erstmal so, als wäre die neue Plastiktüten-Regelung völlig umsonst gewesen. Und das war sie auf keinen Fall! Es ist gut, dass der Einzelhandel auf Papier umsteigt, je mehr vermeidbares Plastik vermieden wird, desto besser. Dann brauchen Papiertüten halt mehr Energie in der Herstellung, dann werden Maistüten halt verbrannt, satt kompostiert, Hauptsache es fliegt nicht mehr so viel über Jahrhunderte hinweg unverrottbars Plastik in der Umwelt umher! Es ist gut so, dass der Umstieg gelungen ist, an den Details muss halt noch gearbeitet werden.

  2. Es ist besser man erlebt eine Überforderung statt einer Unterfördeung. Es ist vollkommen in Ordnung auf die nicht funktionierenden Alternativen so wie hier hinzuweisen. Man soll ja auch mit dem denken gleich in die richtige Richtung geführt werden. An der richtigen Stelle nachdenken ist richtige Arbeit und alles andere klingt nach Bequemlichkeit und nichts tun wollen. Nach getaner Arbeit erlebt man ja auch ein Selbstwertgefühl. Also lohnt es sich, dieser Überforderung zu stellen, anzunehmen und lösbare Wege für sich selber zu kreieren.

  3. Der menschliche Verstand ist bequem. Wenn du mal im Einzelhandel gearbeitet hast, weißt du was ich meine. Leute geben bei solchen Überschriften, wenn sie denn überhaupt den zugehörigen Artikel lesen, schnell auf. Sie resignieren und machen so weiter wie bisher. Dann kommt sowas wie: „Heutzutage kann man ja eh nichts mehr essen.“, oder „Ich gehe nicht wählen, die verarschen uns doch alle nur.“ Verbraucher liest: „Papiertüten sind nicht besser..“ und fühlt sich verarscht.“ Die Details interessieren dann nicht mehr. Natürlich sind nicht alle so, aber leider leider sehr viele. :/ Es ging mir um die Aufbereitung der Informationen. Statt: „Papiertüten sind nicht besser als Plastiktüten“, (das ist nicht wahr, sie sind besser, weil sie verrotten) könnte es auch heißen: „Umstieg auf Papiertüten im Einzelhandel voller Erfolg, allerdings gibt es Verbesserungsbedarf“. 😉

  4. Ich verstehe nicht, warum man sich mit diesen Schein-Alternativen Papiertüte und Bioplastik so lange aufhält, um dann festzustellen, dass die auch nur graduell besser sind als Plastiktüten – das Problem ist doch die Wegwerfmentalität, also dass man meint, Tragetaschen einfach nach dem einmaligen Gebrauch wegwerfen zu können. Konsumwahnsinns-Schwachsinn!
    Und warum gibt’s keinen Hinweis auf EINKAUFSTASCHEN, die es nicht nur auf dem Flohmarkt zu kaufen gibt, sondern die man sogar neu erwerben kann und die man von vorneherein in der Absicht nimmt, sie dauerhaft zu benutzen – dagegen ist der Baumwoll- oder Jutebeutel auch nur eine Krücke.
    Ich habe stets eine solche Tasche im (E-)Auto liegen, kann also jederzeit auch ungeplant etwas einkaufen und darin unterbringen. Das wird eigentlich seit Jahren schon propagiert, sollte ein/e Utopist(in eigentlich auch im Hinterkopf haben. Dass sich da kürzlich auf dem Wochenmarkt eine Frau lautstark echauffierte, das sei ja eine tolle Idee, dass man so die Plastiktüten komplett einsparen könne, das fand ich dann schon ziemlich schräg und fast etwas peinlich….

  5. „Und Bio-Gemüse und Obst endlich auch unverpackt.“
    Ist in den Bio-Einkaufsstätten meiner Wahl völlig selbstverständlich.
    Das geht halt nur, wenn ein Supermarkt / Einzeähändler „nur“ Bio verkauft.
    Andererseits ist Kontroll-Kette nicht zu halten.
    Und wer möchte schon gerne teuer kaufen, wenn es dann doch keine Bio-Gurke ist. Man möchte ja niemandem etwas unterstellen, aber kann auch einfach aus Versehen passieren, daß die Waren durcheinander kommen.
    Deshalb ist die Verpacktung bei Bio-Gemüse im gemischten Handel Pflicht.
    Aber wie so oft habe ich als Verbraucher die Wahl.
    Warum sollte ich dort kaufen?

  6. Ich kaufe viel in Hofläden, die funktionieren hier teils auf Vertrauensbasis( und ja das klappt wirklich)die Waren sind verpackt, z.b. 2,5 Kilo in der sehr stabilen Papiertüte. Man nimmt was man brauch und legt das Geld dafür in die Bereitstehende Kasse. Dort kann man die sachen auch direkt umfüllen und die Packung wieder hinlegen. Wird dann wieder genutzt.

  7. Hier gibts einen Hof da geht man in einen Raum in dem es alles mögliche gibt was gerade anfällt, Kartoffeln und Zwiebel fast immer aber auch nach Verfügbarkeit Erdbeeren, Erdbeerwein, Bohnen, Gurken, Äpfel, Kürbisse….. Blumen zum selberschneiden haben sie auch. Ein anderer Hof hat einen Kasten im Hof da gibt es Eier und Nudeln. Er hat solche Kästen auch in 2 Dörfern stehen da gibt es auch noch Glaswurst. Auf dem Hof selbst verkauft er im Laden 3x die Woche auch Fleisch, Wurst und Eis von einen anderen Hof.

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