„Danke Aldi, Lidl und Co“: Bio-Pionier hat eine Botschaft an die großen Supermärkte

Fotos: CC0 Public Domain / Pixabay und Rapunzel

Der Bio-Hersteller Rapunzel hat eine Kampagne gestartet, mit der er sich an die großen Supermärkte, Discounter und Drogerien richtet. Rapunzel kritisiert damit die Marketing-Strategien von Aldi, Lidl und Co. – will sich zugleich aber bei den Geschäften bedanken.

Bio ist schon lange in den Supermärkten und Discountern angekommen – sie alle haben inzwischen eigene Bio-Eigenmarken, die besonders günstig sind. Die Konkurrenz für traditionelle Bio-Märkte ist groß.

Bio-Hersteller Rapunzel hat einen eigenen Weg, damit umzugehen: „Danke, liebe Rewe, Edeka, Lidl, Aldi, dm und Co, dass ihr so viel Werbung für Bioprodukte macht“, steht in einer Werbeanzeige, die aktuell in Zeitungen, Zeitschriften und auf Stadtplakaten zu sehen ist. „Wenn ihr eure Bioprodukte mit der gleichen Begeisterung verkauft wie die 95 Prozent eures konventionellen Sortimentes, freut das unsere Umwelt sehr“, heißt es in der Anzeige außerdem.

Bioland bei Lidl, Demeter bei dm

Rapunzel spielt damit auf eine Entwicklung an, die sich seit mehreren Jahren beobachten lässt: Nachhaltigkeit spielt bei den großen Supermärkten und Discountern eine immer größere Rolle – vor allem in der Werbung. Rapunzel zufolge ist aber nur fünf Prozent des Sortiments bei konventionellen Märkten bio.

Rapunzel, Aldi, Edeka, Rewe, Lidl, dm(Foto: Rapunzel)

Der Naturkost-Fachhandel diskutiere außerdem Partnerschaften zwischen den Bio-Anbauverbänden und Discountern kritisch. Lidl beispielsweise bietet seit 2018 Bioland-Produkte an – die Drogeriekette dm vertreibt Demeter-zertifizierte Artikel. Bio-Supermärkte, Fachgeschäfte und Reformhäuser befürchten durch solche Partnerschaften Wettbewerbsnachteile, heißt es bei Rapunzel.

Rapunzel: Der Dank an Aldi, Lidl, Edeka und Co. ist ernst gemeint

„Die ‚Danke-Kampagne‘ von Rapunzel ist ein Hinweis, dass die Bio-Fachbranche viel dafür getan hat, dass bio überhaupt machbar ist“, sagt uns Eva Kiene von Rapunzel. „Der Einzelhandel hängt sich dran. Wenn man die Werbung beobachtet, hat man das Gefühl, sie hätten alles erfunden, bio, fair und so weiter.“

Trotzdem sei der Dank an Rewe, Edeka, Lidl, dm und Co. nicht ironisch gemeint. Denn die traditionellen Bio-Händler profitieren auch davon, dass die Supermärkte Bio-Qualität bekannter machen: „Leute, die nie in einem Bioladen waren, entdecken Bioprodukte im Supermarkt. Sie merken, es schmeckt besser oder tut ihnen gut und wollen was anderes probieren – und gehen dann in einen Bio-Markt“, sagt Kiene. Produkte von Rapunzel wird es aber nicht in Supermärkten und Discountern geben. Die Marke bleibe dem Biofachhandel treu.

Utopia meint: Bio-Lebensmittel vom Supermarkt oder Discounter sind besser als konventionelle Produkte. Durch sie haben mehr Konsument*innen Zugang zu Bio-Nahrungsmitteln, denn viel mehr Menschen gehen bei Aldi, Lidl und Co. einkaufen als bei Bio-Märkten. Allerdings erfüllt bio vom Discounter meist nur die Mindeststandards. Außerdem üben die großen Lebensmittelhändler mit ihrer Marktmacht starken Preisdruck auf ihre Zulieferer aus. Wer das nicht unterstützen will, kann in Biomärkten, kleinen Obst-Gemüse-Läden oder auf Wochenmärkten einkaufen.

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(1) Kommentar

  1. So ähnlich fand ich vor über 10 Jahren peu a peu den Weg in den Biofachhandel – unzufrieden mit all den Chemiekeulen in der konventionellen Kosmetik & diverse Unverträglichkeiten. Übers damals noch skeptisch beäugte Reformhaus zum seinerzeit noch spärlichen Naturkosmetik-Sortiment der Drogerien. Von da aus neugierig bei Lebensmitteln über Handelsmarken, dann dennree zu „echten“ Bio-Lebensmitteln.

    Über die Zeit Familie & Freunde angesteckt, ohne zu missionieren – jeder pflegts in dem Grad, in dem er mag und kann.

    Was wir vor Ort bekommen, kaufen wir vor Ort in der Prio: kleiner Bioladen ums Eck, Wochenmarkt, denns, großer Bioladen.

    Lieber bei denns als beim großen Bioladen, weil letzterer zwar beim gleichen Einkaufsverband wie der kleine Bioladen ist, die Preise jedoch mitunter weit höher ansetzt, teils markant über Hersteller-UVP. Weshalb? Vermutlich schlicht, weil ers kann. Angesiedelt in einer Ecke der Stadt, in der gut Betuchte leben & davor parkend gern eine Ansammlung dicker SUV & dergleichen, heißt er bei uns „der Feinkost-Bioladen“.

    Dann hier & da lieber auch zu denns, wenns was beim kleinen Biohändler der Herzen nicht gibt – die sind wenigstens ehrlich-suboptimal. 🙄

    Was wir vor Ort nicht bekommen, wird mehrmals jährlich bei Violey online sammelbestellt – für uns, Familie, Freunde. Und bei gegenseitigen Besuchen dann verteilt. ☺️