Aflatoxin: Wie das Pilzgift in Lebensmittel gelangt

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Bei Aflatoxinen handelt es sich um gefährliche Gifte, die in vielen Nuss-Nougat-Cremes nachgewiesen wurden. Wir zeigen dir, wie sie in Schokoaufstrich gelangen und wie du sie vermeiden kannst.

Aflatoxine sind gefährliche Giftstoffe, von denen es mindestens 20 verschiedene Arten gibt. Sie können irreparable Leberschäden im Körper verursachen und sogar zu Krebs führen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Sie entstehen durch falsche Lagerung von Lebensmitteln und kommen in den unterschiedlichsten Produkten und auch in Tierfutter vor.

Um 1960 fanden Wissenschaftler eine mysteriöse Krankheit bei Geflügel, die allein in Großbritannien ca. 20.000 Puten verenden ließ. Die Krankheit äußerte sich durch Leberschäden, Schwäche und Appetitlosigkeit. Daraufhin entdeckten die Forscher, dass die Symptome durch einen Schimmelpilz – Aspergillus flavus – verursacht wurden, der sich in  Gießkannen bildet. Durch diesen Schimmelpilz erhielten die Aflatoxine auch ihren berühmten Namen: A(spergillus)-fla(vus)-toxine.

Wie gefährlich sind Aflatoxine?

Aflatoxine können die Leber bis zum Leberkrebs schädigen.
Aflatoxine können die Leber bis zum Leberkrebs schädigen.
(Foto: CC0 / Pixabay / HansMartinPaul)

Aflatoxine wirken sowohl hepatoxisch als auch karzinogen, so medizinische Studien. Das heißt: Aflatoxine sind so gefährlich, dass sie Leberschäden und sogar Leberkrebs verursachen können. Bei dieser Krebskrankheit handelt es sich um eine der tödlichsten Arten von Krebs. Selbst durch eine geringe aber regelmäßige Aufnahme können Aflatoxine leberschädigend wirken. 1 bis 10µg pro Kilogramm Körpergewicht kann bei Erwachsenen durch Aufnahme über Lebensmittel schon tödlich wirken. Bei 10 µg/kg greifen die Aflatoxine bereits die Leber an. Tatsächlich sind Aflatoxine so gefährlich, dass sie 1985 -1991 im Irak als chemische Waffe produziert wurden.

Einer Studie zufolge reduziert die bewusst niedrigere Aufnahme von aflatoxinhaltigen Lebensmitteln das Krebsrisiko enorm: Nachdem die chinesische Regierung 1980 über Agrarreformen ein Ernährungsprogramm einführte, bei dem das aflatoxinanfällige Mais durch Reis ersetzt wurde, verringerte sich die Zahl der Leberkrebspatienten in nur 9 Jahren um 65 Prozent.

Doch nicht nur die Leber ist anfällig für das gefährliche Gift: Laut Wissenschaftlern kann Aflatoxin auch Lungenkrebs verursachen (Studie). Wenn du die gefährlichen Schimmelpilzsporen einatmest, können diese direkt in die Lunge gelangen und verheerende Schäden anrichten.

Wie wirken Aflatoxine?

Aflatoxine schädigen sogar deine DNA.
Aflatoxine schädigen sogar deine DNA.
(Foto: CC0 / Pixabay / lisichik)

Es gibt verschiedene Arten von Aflatoxinen. Das für den Menschen gefährlichste ist das Aflatoxin vom Typ B1. Daneben sind die am meisten vorkommenden und gefährlichsten Typen B2, G1, G2, M1 und M2. 

Sobald du Nahrungsmittel mit Aflatoxinen oder Sporen über die Luft aufgenommen hast, wandelt sich das Gift in der Leber in ein gefährliches „Epoxid“ um. Diese Epoxide besitzen die Fähigkeit, die DNA zu schädigen und gesunde Zellen in Krebszellen entarten zu lassen. Eine ähnliche toxische Wirkung besitzt auch Zigarettenrauch.

Wenn unser Körper organische Verbindungen ausscheiden will, muss er sie mit Hilfe eines bestimmten Enzyms in den Zellen (Cytochrom P450) wasserlöslich machen. Bei diesem chemischen Prozess wird an die organische Verbindung ein Sauerstoffatom angehängt – was Aflatoxine überhaupt erst so gefährlich macht. Denn es macht das Molekül instabil. Infolgedessen geht es eine chemische Bindung ein, wenn es auf ein anderes passendes Molekül trifft. Kommt es mit der DNA in Berührung, bindet es sich an die Base und verursacht Fehler bei der Verdoppelung des Erbguts. Genau diese Fehler können dann zu Krebs führen.

Wo kommen Aflatoxine vor?

Aflatoxine können in Haselnüssen und anderen Nusssorten entstehen.
Aflatoxine können in Haselnüssen und anderen Nusssorten entstehen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Hans)

Nicht bloß Gießkannenschimmel lässt diese Pilze gedeihen: Aflatoxine können in Erde und verrottetem Getreide vorkommen. So verbreiteten sie sich in verschiedenen Nahrungsmitteln:

  • Aflatoxine wurden bereits in Erdnussmehl und Futtermais gefunden, das zur Tierfutterzubereitung verwendet wurde.
  • In West-Indien gab es 1974 einen Ausbruch von Hepatitis-Infektionen, der ungefähr zwei Monate andauerte und über 100 Menschen das Leben gekostet hat. Erst später wurde herausgefunden, dass die Ursache mit Aflatoxinen belasteter Mais war, ein lokales Grundnahrungsmittel.
  • 2013 wurde sogar kontaminierte Milch in Südosteuropa gefunden. Sie enthielt die nicht ganz so tödlichen, aber immer noch schädlichen, Aflatoxine M1 und M2.
  • Des weiteren können Aflatoxine auch in Pistazien, Mandeln, Mohn, Kokos, Obst, Reis, Soja und verschiedenen Getreidesorten vorkommen.

Aflatoxine in Nuss-Nougat-Creme:

  • Aflatoxin wurde vor wenigen Jahren auch in Nuss-Nougat-Cremes entdeckt. Bei einem Test der Stiftung Warentest aus dem Jahre 2016 wurden verschiedene Nuss-Nougat-Aufstriche unter die Lupe genommen. Nur in 5 von 21 Produkten ist kein Schimmel entdeckt worden: In der beliebten Nutella (die du aufgrund von Pestiziden und Palmöl jedoch vermeiden solltest) sowie in den preiswerten Versionen von real,-, Kaufland, Aldi Nord und der Bio-Version Bionella. 
  • Obwohl Haselnüsse anfällig für Aflatoxine sind, war der Ausbruch in diesem Fall wohl saisonal bedingt: Aufgrund schlechter Haselnussernten im Jahre 2014 in der Türkei musste auf minderwertige Produkte umgestiegen werden, die einen hohen Gehalt dieser Schimmelpilzgifte beinhalteten. 

Aflatoxine vermeiden – geht das?

Für Aflatoxine gibt es strenge Grenzwerte.
Für Aflatoxine gibt es strenge Grenzwerte.
(Foto: CC0 / Pixabay / jarmoluk)

Aflatoxine lassen sich nur sehr schwer vermeiden. Nicht immer lässt sich jeder Teil der Produktionskette eines Nahrungsmittels kontrollieren. Wenn Nahrungsmittel im Ausland produziert oder verarbeitet werden, verlieren Unternehmen und Verbraucherschützer leicht den Überblick. In ärmeren und ländlicheren Gegenden der Welt treten die Schimmelpilzgifte aufgrund schlechter Lagerungsmöglichkeiten und geringem Wissen über die gefährlichen Gifte häufiger auf.

In der EU hat der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss Grenzwerte für Aflatoxine in Produkten festgelegt. Die jeweiligen Behörden in den Bundesländern sind dafür zuständig, die Grenzwerte zu kontrollieren.

  • Für Aflatoxin B1 gilt eine Höchstmenge von 2 µg pro Kg.
  • Für die Aflatoxine B1, B2, G1, G2 gilt zusammen ein Höchstwert von 4 µg pro Kg.
  • Für die in Milch vorkommenden Aflatoxine M1 und M2 beträgt der Grenzwert 50 µg pro Kg.

Beachte: Aflatoxine sind hitzestabil, sie lassen sich also nicht „wegkochen“.

Wenn du Fragen hast, wie gründlich Verbraucherschützer auf Aflatoxine achten oder sie dazu auffordern möchtest, einen größeren Fokus auf das gefährliche Gift zu legen, kannst du dich an die Verbraucherschutzbehörden in deinem Bundesland wenden.

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