Fairtrade- und Bio-Eis: Siegel und Marken

Fairtrade- und Bio-Eis
Foto: Colourbox.de

Wer billige Milch meiden möchte, kommt auch beim Speiseeis nicht an Bio-Eis vorbei. Doch was kann an Eis eigentlich Bio sein? Und welche Siegel taugen wirklich etwas?

Die viel zu niedrigen Milchpreise, an denen Bauern gar nichts mehr verdienen können, sind gerade eines der ganz heißen Themen. Gut so! Endlich werfen Konsumenten und die Wirtschaft einen genaueren Blick auf die Herkunft der Milch, endlich steht die Problematik der Milchbauern, die sich seit der Milchquote eigentlich nur verschlimmert hat, einmal im Mittelpunkt. Dabei kann man es so einfach besser machen: Bio-Milch zu kaufen ist kein Luxus. Und da der Sommer vor der Türe steht, wird es auch Zeit über Eis nachzudenken. Denn Speiseeis besteht zum Großteil aus Milch – bei Bio-Produkten garantiert aus guter.

Was kann an Eis überhaupt Bio sein?

Neben dem hohen Milchanteil können weitere Zutaten im Speiseeis sein: Sahne, Rohrzucker, Eigelb, Glukosesirup, Magermilchpulver und je nach Geschmack verschiedene Extrakte – sie alle müssen bei Bio-Eis aus biologischem Anbau kommen. Bei industriell hergestellten Produkten werden häufig noch Hilfsstoffe wie Bindemittel, Emulgatoren, Stabilisatoren, pflanzliche Fette sowie Aroma- und Farbstoffe zugesetzt.

Der große Unterschied: Bio-Eis darf keinerlei künstliche Aromen beinhalten. Süßstoffe, Stabilisatoren, synthetische Farbstoffe, Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker sind nach der Verordnung ebenfalls verboten. Als natürlicher Stabilisatoren-Ersatz kommt daher in Bio-Eis oft Johannisbrotkernmehl zum Einsatz.

Siegel für Bio-Eisbio-siegel-utopia-160531-200x168

Bio-Siegel: Das vielleicht bekannteste biologische Siegel – das deutsche Bio-Siegel wurde mittlerweile vom EU-Bio-Siegel abgelöst. Da es aber unter Konsumenten so bekannt ist, werden beide Siegel parallel weiterverwendet. Die Kriterien für das deutsche Bio-Siegel und das neue EU-Bio-Siegel sind identisch.

siegel-eu-bio_z_eu_1280xEU-Bio-Siegel: Das EU-Biosiegel hat zum Ziel, den ökologischen Landbau zu fördern. Produkte, die dieses Siegel tragen, müssen gänzlich aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Eine Ausnahme: Fünf Prozent eines Produkts dürfen aus konventioneller Landwirtschaft stammen – aber nur, wenn die Zutaten nicht in ökologischer Qualität am Markt verfügbar sind. Mineralische Stickstoffdünger sind ebenso verboten wie chemisch-synthetische Pestizide, artgerechte Tierhaltung wird vorgeschrieben. Bei verarbeiteten Lebensmitteln sind nur eingeschränkt Zusatzstoffe erlaubt – derzeit 49 statt der 316 in konventionellen Produkten. Dabei muss es sich um natürliche Aromen oder -extrakte handeln, die aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden.

BiolandBioland: Bioland hat ein sehr umfangreiches Qualitätssicherungssystem, das über die reinen Richtlinien hinausgeht. Hier steht das Tierwohl im Fokus. Bei den Kontrollen wird nicht nur darauf geachtet, dass der Stall groß genug ist – auch nach dem Tier selbst wird regelmäßig geschaut. Im Gegensatz zu den beiden anderen großen Anbauverbänden (Naturland und Demeter) legt Bioland zudem viel Wert auf Regionalität: Um das Siegel zu tragen, müssen die Erzeugerbetriebe aus Deutschland und Südtirol sein. Eine Liste mit allen Bioland-Eisherstellern findest du auf deren Website.

DemeterDemeter: Demeter ist mit rund 1500 deutschen Mitglieds-Betrieben der kleinste der drei wichtigen Anbauverbände. Im Unterschied zu den anderen betreiben Demeter-Höfe biologisch-dynamische Landwirtschaft. Demeter ist in Bezug auf die Richtlinien – sowohl, was die Tierhaltung, als auch, was den Ackerbau und die Verarbeitung angeht – der strengste Anbauverband.

Siegel Fairtrade TransFair e.V.Fairtrade-Siegel: Das Fairtrade-Siegel setzt ein stabiles Einkommen für die Erzeuger, sowie feste Abnahmeverträge und Standards beziehungsweise Unterstützung für nachhaltigen Anbau fest. Gentechnisch veränderte Organismen sind verboten. Ein wichtiger Aufwand betrifft die Lieferkette: Bei Fairtrade-Produkten wird die Herkunft dokumentiert – so kann jeder Rohstoff bis zum Erzeuger zurückverfolgt werden, Ausbeutung wird dadurch erschwert. Das einzige Manko bei Produkten, die das Siegel tragen: Nur mindestens 20 Prozent der Zutaten müssen Transfair-zertifiziert sein. Das hat seinen Ursprung noch im Kaffeebereich, in dem Fairtrade bekannt wurde – hier ist die Kennzeichnung einfach, weil das Produkt in der Regel nur aus einer Zutat besteht. Generell findet sich bisher wenig Fairtrade-zertifiziertes Eis. Das liegt daran, dass der Fairtrade-Anteil vor allem im Süßwaren-Segment sehr gering ist (unter einem Prozent).

Wie fair ist faires Eis?

Die Fairtrade-Standards betreffen in erster Linie Rohstoffe, die als Importprodukte aus Entwicklungsländern kommen. Das Logo garantiert bei Eis, dass die Erzeuger von Kakao, Bananen oder andere Früchte in den Entwicklungsländern gut bezahlt und nicht ausgebeutet werden. Die Hauptzutat Milch, die meist von Kühen aus dem Norden kommt, ist damit allerdings oft nicht abgedeckt – ebenso andere Zutaten wie Sahne, Weizenmehl oder Eier. Daher unbedingt darauf achten oder gegebenenfalls nachfragen, woher Milch & Co. des Fairtrade-Eis stammen.

Hersteller von Fairtrade- und Bio-Eis

Einer der wenigen Hersteller mit Fairtrade-Eissorten ist Das Eis. Hier wird zwar keine faire Milch, aber immerhin Original Berchtesgardener Bio-Milch verwendet. Abgesehen von Fairtrade hat Das Eis auch glutenfreie, vegane und laktosefreie Sorten. In allen Bechern landen ausschließlich Bio-Zutaten. Aromen, Farbstoffe, Konservierungsmittel und industriell raffinierter Zucker sind tabu. Nachhaltigkeits-Pluspunkte gibt’s für die kompostierbaren Becher. Zudem wird der Strom für die Produktion mittels Sonnenenergie selbst erzeugt.

Bei Alnatura wird das Bio-Eis aus pasteurisierter Milch und Sahne in Bio-Qualität hergestellt. Anstelle von raffiniertem Zucker setzt man außerdem auf Vollrohrzucker, Agaven-, Weizen- und Maissirup. Auch Vanilleschoten, Nüsse, Kakao und Schokolade kommen aus biologischem Anbau. Der Anteil an Bio-Früchten ist hoch: Für ein Kilogramm Eis verwendet Alnatura mindestens 200 Gramm Früchte. Außerdem zum Einsatz kommen Bio-Eier und das Bindemittel Johannisbrotkernmehl.

Das Eis von Gildo Rachelli ist zudem Demeter-zertifziert. Das Bio-Eis der Rewe Eigenmarke trägt das Naturland-Siegel. Dieses gehört zu den wichtigsten Zertifizierungen für Qualität im Ökolandbau. Es ist ganzheitlich nachhaltig – von Richtlinien für Aquakultur, Wildfisch und Waldnutzung bis hin zu Sozial- und Fair-Richtlinien.

Weitere Sorten von Bio-Eis mit Leser-Bewertungen gibt es in der Utopia-Bestenliste „Das beste Bio- oder Fairtrade Eis“.

Tipp: Generell schadet es nicht – auch bei zertifizierten Produkten – bei den Inhaltsstoffen auf das Sternchen zu achten. Dieses markiert meist die Zutaten, die aus kontrolliert biologischem Anbau kommen.

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(2) Kommentare

  1. Ich habe mir vor Jahren eine Eismaschine gegönnt und mache seitdem unser Eis selbst, dann weiß ich was drin ist. Ab und zu gönne ich mir allerdings die leckeren Eispralinen von Helador, 3 Sorten mit Demeter Siegel, mit sehr viel Frucht. Bei uns gibt es die Pralinen im Bioladen und bei Edeka. Unser Favorit: Himbeersorbet in weißer Schokolade.

  2. DANKE, dass Ihr das mal aufklärt 🙂 Und ergänzend kann ich nur schreiben: Helador.de macht das beste Bio-Eis, teilweise sogar in Demeter-Qualität. Schmeckt wirklich wie zu Hause selbstgemacht. Ohne irgendwelchen Schnick-schnack.

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