Ratgeber: Welche Milch ist gesund? Wann ist sie ungesund?

Ratgeber: Welche Milch soll ich kaufen?
Illustration: Miro Poferl

Für die einen ist Milch gesund, für die anderen ungesund. Doch was unterscheidet Biomilch, Alpenmilch, Frischmilch, laktosefreie Milch, Magermilch, was macht sie gesund – oder eben ungesund?

Milch ist allgegenwärtig. Die Abteilung „Molkereiprodukte“ im Supermarkt ist stets eine der größten, die Plätze dort sind heiß umkämpft. Sie steckt in vielen Milchprodukte in der Kühltheke, so dass es schwer ist, ihr aus dem Weg zu gehen.

Gesund oder ungesund: Milch?

Ist Milch überhaupt gesund? Diese Debatte erhitzt inzwischen längst die Gemüter. Die zwei Standpunkte in Kürze:

  • Milch ist ungesund: Sie kommt von Tieren, und wir sind eben Menschen. Sie kommt von kranken Tieren, auch wegen der Massentierhaltung. Sie verursacht Durchfall, Verschleimung und andere Krankheiten. All das wird derzeit diskutiert – und wenn du Milch für ungesund hältst, vertiefen wir die Problematik für dich im Beitrag 5 Argumente gegen Milch und Sojamilch oder Kuhmilch im Vergleich.
  • Milch ist gesund: Sie enthält viele Nährstoffe und ist daher ein gutes Lebensmittel. Die Frage ist nur: Welche Milch ist gesund? Ist die eine gesünder als die andere? Und warum? Ist laktosefreie Milch gesünder? Um all diese Fragen geht es in diesem Beitrag.

Da gibt es schon genug zu klären: Billigmilch, Markenmilch, Bio? Haltbar oder frisch? Vollmilch oder mager? In Flaschen oder Kartons? Laktosefrei oder nicht? Gibt es regionale oder faire Milchmarken? Was ist mit Heumilch aus den Alpen? Ist die wirklich gesund?

Gesund oder ungesund: Billigmilch, Markenmilch, Biomilch?

Bio und fair: besser gehts kaum
Bio und fair: besser gehts kaum (Bild: Molkerei Berchtesgadener Land)

Eine erste Frage stellt sich bei der Qualität. Billig vom Discounter kostet sie 50 bis 60 Cent. Sie zu kaufen ist nicht unbedingt ungesund, unterstützt aber eben das Discounter-System der möglichst niedrigen Milchpreise. (Lies dazu aktuell: Milchpreis im Keller: Jetzt faire Milchmarken kaufen.) Der Preisdruck im Milchmarkt führt wiederum zu Turbo-Kühen, und das ist ungesund. Denn deren Milch ist weniger gesund.

Teurere Markenmilch ist nicht automatisch besser. Denn in vielen Fällen fließt das Erzeugnis verschiedener Höfe einer Region bei einzelnen Abfüllern zusammen. Dieser wiederum verpackt sie in unterschiedliche Kartons und macht dabei nicht immer einen Unterschied zwischen Markenprodukt und billiger Discounterware.

Aus ganzheitlicher Sicht kann sich dennoch das Markenprodukt lohnen. Der Mehrpreis kann in eine allgemein nachhaltigere Unternehmensführung fließen, also in umweltgerechteres Verhalten oder faire Löhne. Kann, muss aber nicht. Für den Konsumenten bleibt das leider oft undurchschaubar. An Gesund & Ungesund ändert sich dadurch nichts.

Biomilch ist im Vergleich aber gesund: Härtere Auflagen bei Tierwohl, Futtermitteln und so weiter sind für die Umwelt besser, nachhaltige Landwirtschaft ist am Ende für uns alle gesund. Details über die Unterschiede (und anderes) zeigt zum Beispiel der Milchratgeber von Kuh+Du. Zusätzlich bescheinigten Untersuchungen von Magazinen wie Test und Öko-Test Bio-Milchprodukten in den vergangenen Jahren immer wieder eine messbar höhere Qualität, und auch allgemein belegen Studien, dass Bio-Ernährung gesünder ist.

Laktosefreie Milch ist immer teurer als konventionelle – doch nicht jeder braucht das. Möglicherweise ist das Geld besser für Biomilch ausgegeben.

Utopia empfiehlt: Kaufe lieber Bio als konventionell, das ist gesünder. Statt Billig-Biomilch kaufe lieber solche mit den Siegeln von Bio-Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland, denn da ist auch das Tier gesund – und so auch die Milch.

Gesund oder ungesund: Haltbar, ESL, Frischmilch?

"Frisch" sind alle, "Frischmilch" nur die Milch in der Mitte
„Frisch“ sind alle, „Frischmilch“ nur die Milch in der Mitte (Foto: utopia/aw)

Die Haltbarkeit erregt immer wieder die Gemüter, längst hat ESL-Milch den Ruf, ungesund zu sein. Hinzu kommt, dass sich der Handel hier einmal mehr nicht um Transparenz bemüht. Der Hinweis „Frische Milch“ klingt gesund, sagt aber rein gar nichts aus.

Aber welche Milch ist da nun die gesündeste?

  • Echte Frischmilch erkennt man am Hinweis „traditionell hergestellt“, selten „Frischmilch“. Es ist die frischeste haltbare Milch. Sie ist „pasteurisiert“, hält daher bis zu 10 Tage und gilt als gesündeste Milch.
  • ESL-Milch erkennt man am Hinweis „länger haltbar“ oder „hocherhitzt“, wohingegen fast nie „ESL“ auf der Verpackung steht (oft aber auf dem Preisschild an der Kühltheke). Als ESL eingeführt wurde, gab es darüber hitzige Diskussionen, und tatsächlich hat die ESL-Version im Gewand der „Frischen Milch“ heute die meiste wirklich frische Milch verdrängt. Für den Handel positiv ist, dass ESL-Milch bis zu drei Wochen hält. Dazu später mehr.
  • H-Milch oder UHT-Milch hält dank starker Pasteurisierung ungekühlt mehrere Monate. Man erkennt sie am Hinweis „UHT“ oder „ultrahocherhitzt“. Ungesund ist sie nicht, aber im Vergleich ist Frischmilch eben gesünder.
  • Der Hinweis „pasteurisiert“ sagt leider nicht genug aus: Sowohl Frischmilch als auch ESL-Milch können sich mit „pasteurisiert“ kennzeichnen. Wichtig sind also nur die Begriffe „länger haltbar“ (ESL-Milch) oder „traditionell hergestellt“ (Frischmilch).
  • Beim Hinweis „homogenisiert“ wurde enthaltenes Milchfett speziell zerkleinert. Es ist eine unnötige, möglicherweise nicht gesunde Denaturisierung aus rein optischen Gründen, weil viele Konsumenten es nicht mögen, wenn das Getränk „aufrahmt“, sich also oben die Sahne absetzt. Auf die Haltbarkeit hat sie keinen Einfluss. Aber: Der Hinweis ist freiwillig – besser sucht man „natürliche Aufrahmung“ oder „nicht homogenisiert“. Einige Bio-Anbieter verzichten darauf: Bio-Milch mit demeter-Label ist zum Beispiel nicht homogenisiert.

Ist haltbare ESL-Milch noch gesund?

Der Ruf der „länger haltbaren“ ESL-Milch ist schlecht. Doch die wirklichen Unterschiede sind laut Test und Untersuchungen des Max-Rubner-Instituts (PDF) gering. Die „länger haltbare“ Trinkmilch ist also nicht per se ungesünder als „traditionell hergestellte“.

Aber: Jedes frische Produkt verliert täglich Nährstoffe, und die sind es ja, die ein Lebensmittel gesund machen. Weil haltbare Milch eben länger hält, verliert sie auch mehr davon, wird also mit jedem Tag ein bisschen mehr ungesund. Man sollte sie da

her stets möglichst frisch trinken. Ohnehin beziehen sich die Haltbarkeitsangaben stets auf die ungeöffnete Packung: Nach dem Öffnen verderben alle Milcharten nach wenigen Tagen.

Utopia empfiehlt: Gesünder ist, die „traditionell hergestellte“ Frischmilch möglichst frisch zu trinken. Aus nachhaltiger Sicht ist allerdings zu bedenken: bei H-Milch entfällt im Vergleich zu ESL-/Frischmilch die Kühlkette bei Transport und Verkauf.

Gesund oder ungesund: Vollmilch, fettarm, Magermilch?

Früher rieten die Ratgeber durchweg zu fettarmen Produkten, die seien gesund. Inzwischen halten das einige Experten für veraltet. Ganz allgemein gilt Fett im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung heute nicht mehr als ungesund, Zucker hingegen als Dickmacher. Aber welche Milch ist nun gesund?

Vollmilch (3,5-3,8 % Fett, 67 kcal/100 ml) gilt vielen als gesünder als entfettete. Als Begründung ist zuweilen zu lesen, dass durch die Entfettung Nährstoffe verlorengehen würden. Nun ist es aber so, dass das Rohprodukt im Rahmen der Pasteurisierung über Zentrifugen in jedem Fall entfettet wird – für die Vollmilch wird das Fett am Ende wieder zugesetzt. Die verschiedenen Fettstufen werden also regelrecht „hergestellt“. Es stimmt am Ende also tatsächlich: Fette Milch ist im Vergleich gesund, weil das Fett ja ebenfalls Nährstoffe enthält. Und: Vollmilch schmeckt den meisten Menschen besser, das zeigt sich immer wieder beim Test.

Fettarme Milch (1,5-1,8 % Fett, 49 kcal/100 ml) und Magermilch (0,1-0,5 % Fett, 35 kcal/100 ml) sind gesünder für Menschen, die – laut Empfehlung des Arztes – auf ihre Cholesterinwerte achten sollen. Wer abnehmen will, sollte aber lieber auf einfache Kohlenhydrate wie Zucker oder Weißmehl verzichten, denn die sind ungesund, wenn man sie zuviel zu sich nimmt.

Utopia empfiehlt: Trinke lieber wenig gute Bio-Vollmilch (maximal 250 ml/Tag, entspricht knapp 10 Gramm Fett) als – wie es einige tun – literweise die fettarme, weniger gesunde Variante. Durchfall, Verschleimung und so weiter sind oft nur eine Folge von zu viel Milch.

Verpackungsfrage: Flaschen oder Kartons?

Noch ein Schauplatz, auf dem äußerst widersprüchliche Meinungen unterwegs sind: die Verpackung. Mehrweg-Glasflaschen gelten gemeinhin als umweltfreundlich, während der Getränkekarton oft verdammt wird. Noch 1995 sah eine Ökobilanz (PDF) die Mehrwegflasche vor dem Karton, mit schrumpfendem Unterschied bei wachsenden Entfernungen.

Getränkekarton FSC
Besser als ohne: Getränkekarton mit FSC (Foto: Utopia/aw)

Aber ist das wirklich so? Spätere Betrachtungen (IFEU, 2010) sahen ein Patt zwischen Glas und Karton (PDF). Hersteller wie SIG, Tetrapak oder Elopak bemühen sich um bessere Kartons und belegen häufig mit zwar von ihnen finanzierten, aber dennoch ernstzunehmenden Ökobilanzen unabhängiger Institute, dass Getränkekartons nicht nur besser sind als ihr Ruf, sondern auch besser als Glas, erst recht bei weiten Entfernungen.

Wichtiger als die Frage nach Karton oder Glas ist vielleicht, wie sie gekauft wird: Radelt der Konsument zum lokalen Händler und kauft dort regionale Milch? Das wäre gesund! Fährt er mit dem Auto zum Supermarkt und shoppt Milch aus Nachbarländern? Das ist dann eben ungesund.

Utopia empfiehlt: Kaufe Getränke in Glasflaschen nur bei klar regionaler Herkunft. Achte bei Getränkekartons auf Hinweise wie das FSC-Siegel für Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Regionale Milch: aufs „Regionalfenster“ achten!

Beispiel für ein 'Regionalfenster'
Beispiel für ein ‚Regionalfenster‘ (Foto: regionalfenster.de)

Das sogenannte „Regionalfenster“ kennzeichnet seit Januar 2014 die regionale Herkunft von Produkten. Welche Milch ist gesünder? Aus nachhaltiger Sicht jene, die möglichst kurze Transportwege aufweist, also möglichst wenig Benzinverbrauch und Luftverschmutzung herbeiführt.

Aber Vorsicht: Das Regionalfenster bestätigt nur Aussagen zur Herkunft der landwirtschaftlichen Zutaten (Wo wurde die Milch gemolken?) und zum Verarbeitungsort (Wo wurde sie abgefüllt?). Bei Mischprodukten informiert eine dritte Angabe über Anteile.

Das Regionalfenster macht keine Aussage über Bio-Landwirtschaft, Gentechnik, Nachhaltigkeit, faire Milch oder ähnliches. Es ist auch nicht weit verbreitet, doch selbst bei Discountern wie Aldi Süd kann man es auf Milchpackungen finden.

Regionale Kuhmilch am Milch-Code erkennen

Wer sich den Test machen will, prüft den „Milch-Code“ auf jeder Packung. Er lautet zum Beispiel „DE BY 77723 EG“ oder „AT 30751 EG“. Die zwei Buchstaben zu Beginn geben das Herkunftsland an, etwa DE für Deutschland oder AT für Österreich (Liste). Bei DE-Nummern gibt es zusätzlich Bundesland-Kürzel und die Datenbank des BVL gibt bei Eingabe des Zahlenteils („77723“) im Feld Zulassungsnummer aus, aus welcher deutschen Stadt die Milch stammt.

Utopia empfiehlt: Achte beim Milchkauf auf regionale Herkunft, etwa das „Regionalfenster“ oder den Milch-Code.

Gesund oder ungesund: faire Milch?

Fairer Handel, das klingt immer irgendwie nach Afrika oder Lateinamerika. Doch unfairen Handel gibt es auch innerhalb von Industrienationen. Landwirte erhalten nur Cent-Beträge für ihre Produkte, die Milchpreise werden zunehmend von unfairen Großabnehmern gedrückt. Die Folge: Turbo-Kühe, die Milch geben, die arm ist an Nährstoffe – gesund ist das nicht.

Sternenfair faire Milch
Sternenfair faire Milch (Foto: MVS Milchvermarktung)

Daher gibt es inzwischen Initiativen zur fairen Milch: Die faire Milch und Sternenfair. Um mitmachen zu können, müssen Landwirte in beiden Fällen sinnvolle Auflagen erfüllen, etwa besseres, gesünderes Futter verwenden und auf Gentechnik verzichten, weil diese als ungesund gilt. Bei Sternenfair erhalten die Landwirte für jeden Liter einen festen Preis, unabhängig von Preisschwankungen im Markt. „Wir garantieren 40 Cent für jeden verkauften Liter Milch unter der Marke Sternenfair„, so Jakob Niedermaier, Geschäftsführer der MVS Milchvermarktungs-GmbH, die hinter Sternenfair steht. „Bei uns kann man sicher sein, dass dieses Geld auch bei den Landwirten ankommt.“ Die sollen es natürlich in die Gesundheit ihrer Kühe investieren.

Auch wertige Bio-Marken zahlen mehr. So gibt Berchtesgadener Land an, mehr als 50 Cent pro Liter Bio-Milch zu bezahlen, und trägt dafür als erste Molkerei das Siegel „Naturland Fair. Auch gibt es einzelne Molkereien, die sich um Fairness bemühen, etwa die Upländer Bauern-Molkerei (Bioland). Oder allgemeiner gesagt: Es würde schon helfen, nicht immer die billige und konventionell produzierte Milch zu kaufen, sondern regional produzierte Milch zu bevorzugen, möglichst von Mitgliedern namhafter Bio-Verbände wie Demeter, Bioland oder Naturland – auch damit trinkt man garantiert gesünder und fairer als mit typischer Billig-Milch.

Faire Kuhmilch – woher nehmen?

Milch von Berchtesgadener Land mit Naturland-Fair-Siegel gibt es im normalen Bio-Einzelhandel. Sternenfair-Milch gibt es unter anderem bei Rewe und hier, „Die faire Milch“ bei Edeka und hier. Es gibt auch Bemühungen der Discounter: Bei Netto weist der Text „Ein Herz für Erzeuger“, bei Lidl „Ein gutes Stück Heimat“ auf Milch hin, für die die Discounter nach eigenen Aussagen höhere Preise gezahlt haben.

Utopia rät: „Faire Milch“ ist prinzipiell zu begrüßen. Mehr zum Thema im Beitrag Milchpreis im Keller: Jetzt faire Milchmarken kaufen.

Gesund oder ungesund: laktosefreie Milch?

Laktosefreie Milch? Sowas brauchte früher scheinbar keiner. Doch Vorsicht, hier werden gerne Fakten vermischt:

  • Laktoseintoleranz ist bei der Mehrheit der erwachsenen Menschheit völlig normal. Der Grund: Säugetiere wie wir entwöhnen sich irgendwann von der Muttermilch und verlieren dann mangels Notwendigkeit die Fähigkeit, Milchzucker (Laktose) zu verarbeiten.
  • Aber: Wir Europäer sind eben nicht die Mehrheit der erwachsenen Menschheit, wir sind die Minderheit. Im Westen haben sich in den letzten etwa 10.000 Jahren viele Menschen an den Verzehr von Tiermilch aus Landwirtschaft angepasst. och das ist nicht bei allen so: In Deutschland kann es bei etwa 15 Prozent der Erwachsenen zu Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall kommen, wenn sie (zu viel) Milch trinken.
Laktosefreie Milch
Laktosefreie Milch (Foto: Arla Foods Deutschland)

Blähungen und Durchfall sind dauerhaft ungesund. Für Menschen mit Laktoseintoleranz gibt es daher die „laktosefreie“ Variante: Der Milchzucker wird durch Zugabe von Laktase zu Einfachzucker gespalten, was bei „laktose-toleranten“ Menschen im Darm von selbst passiert.

Wann ist es laktosefrei?

Laktosefreie Milch enthält meist weniger als 0,1% Laktose, gesetzlich geregelt ist das nicht. Es gibt spezielle Marken wie „MinusL“ oder „MinuLakt“, aber auch herkömmliche Milchmarken (auch Bio-Marken) haben inzwischen Laktosefrei-Produkte. Laktosefreie Milch ist aber deutlich teurer als normale Milch. Sie schmeckt meist süßer (einige Marken reduzieren die Süße, etwa Arla), ist aber weder kalorienreicher noch vitaminärmer. Wichtig auch: Einige Produkte sind von Natur aus laktosearm (Butter) oder gar laktosefrei (Wurst), werden aber dennoch zunehmend als „laktosefrei“ beworben, weil das derzeit als gesund gilt – hier beginnt dann schon Verbraucher-Abzocke.

Utopia empfiehlt: Wer glaubt, wegen Kuhmilch an Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall zu leiden, sollte zu Ärzten gehen. Sie diagnostizieren, ob es sich um eine echte Laktoseintoleranz handelt – oder ein anderes Problem, das vielleicht viel drängender ist. Wer kein Problem mit Laktose hat, kann sich den Aufpreis sparen, denn laktosefreie Milchprodukte sind nicht per se gesünder. Manchen Konsumenten würde es sicher schon helfen, einfach weniger zu konsumieren.

Gesund oder ungesund: Tiermilch vs. pflanzliche Milch?

Es ist auch eine ethische Frage, heute mehr denn je. Falsch am Konsum von Tiermilch ist aus unserer Sicht vor allem die Massentierhaltung, weshalb wir zu Bio-Milch von namhaften Bio-Verbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland raten.

Pflanzliche Milch aus Bio-Hanf
Pflanzliche Milch (Bild: hanfmilch.at)

Pflanzlicher Ersatz wie Mandelmilch, Hafermilch, Hanfmilch und anderen tierfreien Zutaten ist die Alternative für ethische Konsumenten, Veganer, Laktoseintolerante und Milcheiweißallergiker. Je nach Ausgangszutat kann man damit kochen, backen und sie in Tee oder Kaffee verwenden. Die Fette pflanzlicher Milcharten gelten als ungesättigt und höherwertig. Die Klimabilanz von Sojamilch ist besser als die von Kuhmilch, auch ist Pflanzenmilch im Vergleich ethisch unproblematischer. Lies dazu auch: Kuh- und Sojamilch im Vergleich.

Gelegentlich wird pflanzliche Milch als gesund oder zumindest gesünder bezeichnet. Aber das ist nicht automatisch der Fall. Man kann beispielsweise auch gegen enthaltene Zutaten wie Sojabohnen und Nüsse allergisch sein und sollte Soja-Drinks und ähnliches nicht als vollwertigen „Milchersatz“ betrachten: Je nach verwendeter Zutat enthält pflanzlicher Milchersatz weniger Vitamine und Kalzium, Vitamin B12 fehlt völlig (sofern nicht künstlich hinzugefügt). Doch das ist kein Problem für Ernährungsbewusste, denn fast alle diese Nährstoffe sind auch in anderen Nahrungsmitteln enthalten und daher bei ausgewogener Ernährung vorhanden (Vitamin B12 kann man zusätzlich einnehmen).

Utopia empfiehlt: Stelle dir die Frage, ob du Tiermilch „brauchst“, „haben willst“ und „verträgst“. Wer Tiermilch mag will und verträgt, der braucht keinen pflanzlichen Ersatz, der sollte nur eben Bio, fair, frisch einkaufen. Wer Tiermilch aus ethischen Gründen ablehnt oder aus gesundheitlichen Gründen nicht verwenden möchte, findet in pflanzlichen Versionen heute guten Ersatz – eine ansonsten ausgewogene Ernährung vorausgesetzt.
Neugierig geworden? Lies auch unseren Ratgeber Die besten pflanzlichen Alternativen zu Milch – eigene Artikel gibt es zu SojamilchMandelmilch, Hafermilch, Hanfmilch – oder unsere Empfehlungen für Die besten Bio-Drinks aus Sojamilch und Die besten Nuss- und Getreidedrinks.

Gesund oder ungesund: Rohmilch, Heumilch

Weidemilch und Heumilch: Wie der Name schon andeutet geht es um Milchprodukte von Kühen, die besonders viel Weidegras oder Heu zu sich genommen haben. Sie soll entsprechend gesünder sein, und das ist zum Teil auch tatsächlich der Fall. Das Problem ist nur, dass keine verbindlichen Vorschriften oder Produktgütesiegel für die Begriffe Weidemilch und Heumilch existieren, so dass der Konsument nicht wissen kann, ob er wirklich ein gesünderes Nahrungsmittel kauft – oder bloß auf Marketinggeklingel reinfällt.
Utopia rät: Greife zu Biomilch von namhaften Verbänden wie Demeter, Bioland, Naturland. Details im Beitrag Das Märchen von Weide- und Heumilch.

Bergbauernmilch
Solche Bergidyllen gibt es durchaus, aber auf der Milchpackung erkennt man sie schwer (Bild: Molkerei Berchtesgadener Land)

Alpenmilch: Der Begriff „Alpenmilch“ ist selten zu finden, häufiger auf Milchprodukten. Er suggeriert, dass das weiße Gold aus den Alpen kommt, sprich: irgendwas mit Bergen, Bergwiesen und Kuhglocken, das muß ja irgendwie gesund sein. Doch „Alpenmilch“ ist eher ein Marketingwort: Erstens sind die Alpen je nach Definition sehr klein oder sehr groß. Und zweitens gibt es eben keine Vorschrift zu diesem Wort, es sagt nichts Verbindliches aus, erst recht nichts zum Thema Gesundheit. In einigen Fällen kann sie gesünder sein, in anderen nicht.
Utopia rät: Prüfe den Milchcode (siehe oben), der ist deutlich aussagekräftiger.

Vorzugsmilch und Rohmilch: Die „frische Milch direkt aus der Kuh“ heißt Rohmilch, in abgepackter Form Vorzugsmilch – beides sind ausnahmsweise keine Marketingwörter. Es gibt Rohmilch nur direkt bei einem zugelassenen Milcherzeugerhof (Liste) mit strengen Hygienestandards. Der Verbraucher muss sie selbst abkochen (wodurch ihr Nährstoffvorteil teilweise verloren geht) und er muss auf diesen Umstand hingewiesen werden. Denn: Rohmilch kann auch sehr ungesund sein. Behörden und Anbieter raten Kindern, Schwangeren und Menschen mit schwachem Immunsystem vom Trinken ab. Im Internet kann man allerlei Anekdoten zur wundersamen Wirkung von Rohmilch lesen, teilweise wird sie auch verteufelt.
Utopia rät: Bei vorsichtigem Genuss und vertrauenswürdigen Betrieben ist Rohmilch okay – es braucht sie bloß niemand.

Milch im Test

Immer wieder wird Milch auch von namhaften Magazinen getestet.

  • Das Magazin Öko-Test prüfte verschiedene Weidemilchprodukte und kam zum Ergebnis, dass Heumilchprodukte tatsächlich höhere Werte an Omega-3-Fettsäuren liefern. Details im Jahrbuch 2016.
  • Stiftung Warentest widmete sich 2011 dem Thema haltbare Milch und kam zu dem Ergebnis, dass sich haltbar gemachte ESL-Milch weder geschmacklich noch bei den Nährwerten verstecken muß. Details hier.

Ist Milch gesund oder ungesund?

Diese Frage lässt sich am besten so beantworten: Wer sie verträgt, bei dem haben andere Lebensumstände – allgemeine Ernährung, Arbeitsplatz, Familie, Sport – weitaus mehr Einfluss auf die Gesundheit als Milch, im Guten wie im Schlechten.

  • Der hohe Anteil an Calcium gilt als gesund bei Kindern und Jugendlichen ab dem 1. Lebensjahr, wo man ihm eine positive Wirkung auf die Knochen zuspricht. Hinzu kommen die Mineralstoffe Phosphor, Kalium, Magnesium und die Vitamine A, D, E, K, B1, B2, B12, die in Milch reichlich vorkommen und vom Menschen gut aufgenommen werden können.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die heute übrigens zu einer vegetarischen Ernährung rät, empfiehlt Milch im Rahmen ihrer 10 Regeln (PDF), die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Es geht aber, auch laut DGE, auch ohne sie.
  • Gegen sie spricht: Es geht ohne sie, wenn man sich zugleich ausgewogen und gesund ernährt. Es gibt außerdem Hinweise darauf, das bei Erwachsenen die Kalziumaufnahme durch andere Effekte neutralisiert, wenn nicht gar verschlechtert wird. Es ist jedenfalls nicht so, dass man ohne Milch Osteoporose bekommt oder mit ihr eine Osteoporose abwenden könnte.

Das eigentliche Problem ist, dass der Konsument es hier fast immer mit interessengetriebenen Informationen zu tun hat:

  • Zum Beispiel listet das regierungsnahe bayerische „Kompetenzzentrum für Ernährung“ (KErn) in der Publikation „Freispruch für die Milch“ (PDF) verschiedene Studienergebnisse zur Gesundheit und auch das Max-Rubner-Institut beschäftigt sich immer wieder damit, dass sie gesund ist. Doch Molkereiprodukte sind in Deutschland eben auch ein wichtiger Markt, der Milliarden von Euros umsetzt. In Wirtschaft und Politik besteht daher ein nur geringes Interesse daran, Kritik am Molkereiwesen zu üben, solange sich negative Effekte nicht wirklich eindeutig nachweisen lassen.
  • Dem steht eine wachsende Zahl von Medienberichten, Büchern, Filmen gegenüber, die sie als Krankmacher betrachten, teils auch verteufeln. Die Gründe sind komplex: Konsumenten sind sensibilisiert von Berichten über die Verhältnisse in der Massentierhaltung; sie misstrauen Industrie und Handel, die zu oft nur Marketing-Schaum schlagen und ihre Angebote intransparent gestalten; sie suchen Glück, Gesundheit und Schlankheit in immer neuen Ernährungstrends. In diesem Umfeld verkauft sich das Thema „Milchkritik“ gut – ergo ist auch das ein Markt, der eben bedient wird. Liest man dann genauer nach, landet mal zuweilen auf Studien (wie dieser), deren wenig eindeutige Ergebnisse passend ausgelegt werden.

Utopia rät: Vorsicht vor Hysterie und Verschwörungstheorien. Wenn Milch eindeutig negative gesundheitliche Effekte mit sich brächte, dann wüssten wir das. Allerdings konsumieren wir heute mehr von ihr als früher, sowohl direkt in Form von Molkereiprodukten als auch indirekt über Milchprodukte, die eigentlich in keinen Kühlschrank gehören; es gibt kaum verlässliche Informationen, welche Wirkung das auf Dauer hat. Zudem ist die Art, wie wir dieses Nahrungsmittel heute im Akkord produzieren, ethisch meist nicht mehr vertretbar. Wie so oft gilt also auch beim Milchkonsum die Faustregel: weniger ist mehr.

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(50) Kommentare

  1. Jahrtausende haben Menschen Milch getrunken und sind stark geworden. Doch das war ja noch eine richtige, köstliche Milch! Sie kam von Weidetieren. Sie wurde frisch vom Tier geholt und verbraucht und nicht über ein Milchwerk geleitet, wo sie erhitzt, homogenisiert und entrahmt wird. Auch heute noch kann man eine wunderbare Frischmilch bei den Demeter Bauern kaufen. Berühmte Forscher haben über die Milch geschrieben. Beispiele: Sebastian Kneipp: So sollt ihr leben Seite 61 (1897) Oben an steht die Milch. Wilhelm zur Linden: Geburt und Kindheit (11. Auflage 1982) Seite 220: Die Mütter sollten … ihre Forderung nach einer preisgünstigen Rohmilch erheben… Das qualitativ Einschneidendste aber, was mit unserer Milch in den Molkereien immer noch geschieht, …das ist das Pasteurisieren, d. h. ihr Erhitzen auf über 70 Grad und mehr, da schon bei 55-60 Grad das Milcheiweiß erheblich geschädigt wird; Seite 258: Ohne die Milch, die uns die Tierwelt spendet, können keine gesunden Kinder aufwachsen. Sie ist zwar ein Produkt des Blutes, besitzt aber nicht seine typischen Wirkungen, denn sie ist ja auch weiß und sozusagen „unschuldig“ wie ein Pflanzensaft, eigentlich ein Mittelding zwi-schen Tier- und Pflanzenweltprodukt. Von ihrer umfassenden Wirkung auf den mensch-lichen Organismus ist hier schon wiederholt die Rede gewesen. Kein Lebensalter, dem die Milch nicht als vorzüliches Grundnahrungsmitte diente! Dr Kirstine Nolfi: „Meine Erfahrungen mit Rohkost“ Die Milch – frische, rohe Frischmilch, ist flüssige Nahrung… 1. Haushaltung Gottes 17,24 (Speiseordnung nach der Austreibung aus dem Paradies): Am Morgen aber sollet ihr essen Früchte der Bäume; um die Mitte des Tages aber sollet ihr essen vom..Brotbaum und am Abend aber sollet ihr trinken Milch und Honig. 10. Großes Evangelium Johannes 210, 4 …Fische von guter Art, die in reinen Gewässern sich aufhalten, sind in der Art Zubereitung, in welcher wir sie genossen haben, die allergesündeste Kost für den menschlichen Leib. 6. Wo aber derlei Fische nicht zu haben sind, da ist das Weizen und Gerstenbrot an und für sich die gesündeste Nahrung des Menschen, so wie auch die Milch von gesunden Kühen, Ziegen und Schafen. HGt.01_169,04] Und alsbald wurde auch an der Seite Adams Platz gemacht für ihn. Und also nahmen nun sechzehn Personen, den hohen Abedam mitgerechnet, teil an dem Morgenmahle, welches in Brot, Honig und Milch bestand… Zum Schluß empfehle ich: Leute trinkt frische Milch von den Demeter Bauern!

  2. Dazu passt eine Geschichte, die vor einiger Zeit in unserer Region tatsächlich passiert ist:
    Ein Rentner verlor seine Frau und da er nie kochen gelernt hatte, lebte er 10 Jahre ausschließlich von Pellkartoffeln und Milch.
    Als der dann stürzte und deshalb ins Krankenhaus mußte, waren alle überrascht über seinen einwandfreien Zustand.
    Pellkartoffeln sind ja auch gesund, aber alleine nicht ausreichend.
    Mit Milch ist dann wirklich alles enthalten, was der Körper braucht.
    Welche Milch er getrunken hat, was nicht erwähnt, aber ich schätze natürlich auch die Demeter Milch.

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