Lachs bei Aldi: Kann billig noch bio sein?

Bio-Lachs bei Aldi (Nord)
Foto: © Aldi von Mike Mozart unter CC_BY, Colourbox.de

Aldi macht den Edel-Fisch mit Bio-Siegel zum unschlagbar billigen Massenprodukt. Da kann man doch guten Gewissens zugreifen und eine Extraportion Lachs kaufen, oder? Doch bio ist nicht gleich bio – und Lachs kein Fisch, den man guten Öko-Gewissens jeden Tag essen sollte.

Saftig-rosa und perfekt filetiert glänzt der Bio-Lachs in der Aldi-Tiefkühltruhe. Dutzende Verpackungen stapeln sich übereinander bis an das Schiebeglas. Gleich mehrfach prangt das Wort „BIO“ auf der Verpackung, daneben das grüne EU-Bio-Siegel und der Schriftzug „Kontrolliert ökologische Erzeugung“.

Das klingt gut – und ist noch nicht mal teuer: 100 Gramm kosten nur 2 Euro. Warum dann in den Bioladen gehen und 100 Gramm Naturland-Biolachs für 4,36 Euro kaufen, also mehr als das Doppelte? Die Antwort ist einfach: Das eine ist „bio light“, das andere strengste Bio-Qualität – und die hat ihren Preis.

Bildergalerie: Aldi-Lachs und bessere Alternativen

 

Wo der Bio Lachs bei Aldi herkommt

Der Aldi-Bio-Lachs stammt aus Aquakulturen mit EU-Bio-Logo, bestätigt Anna Steinweger, Sprecherin für die Einkaufsabteilung von Aldi. Mindestens 95 Prozent kämen aus kontrolliert biologischem Anbau. Nur Bio-Futter bekomme der Lachs zu fressen: „Pflanzliche Bestandteile des Futters werden aus biologischem Anbau gewonnen, die tierischen stammen aus nachhaltiger Fischerei“, so Steinweger.

Besser als konventionell: der billige Bio-Lachs von Aldi
Besser als konventionell: der billige Bio-Lachs von Aldi (Foto: Carolin Wahnbaeck)

Außerdem sei das Futter frei von Gentechnik, künstlichen Aromen oder Farbstoffen und dürfe nicht mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Medikamente würden „nur dann eingesetzt, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, das Tierwohl sicherzustellen“, sagt Steinweger. Und es würden weniger Lachse pro Käfig gehalten: „Bei Bio-Salzwasserfarmen beträgt die Besatzdichte maximal 10 Kilo pro Kubikmeter Wasser“. Bei konventionellen Farmen würden dagegen 25 Kilo pro Kubikmeter gehalten.

„Einfaches Bio“ – zu schwach?

Soweit so gut. Doch reichen die aus Aldi-Sicht „strengen“ EU-Bio-Vorgaben für den wirklichen Schutz der Meere und der Tiere aus?

Nein, sagt Thilo Maack, Meeres-Experte von Greenpeace. Besser seien die Lachsfilets mit Naturland-Siegel (gibt’s zum Beispiel in Bioläden). Auf den ersten Blick klingen die Vorgaben dort ähnlich wie beim EU-Biosiegel: die Lachse stammen aus Aquakulturen aus naturnahen, artgerechten Anlagen mit der gleichen Besatzdichte. Sie sind ohne Chemie, dafür mit Öko-Futter ohne Gentechnik aufgewachsen.

Es sind die Details, die den Unterschied machen:

Futter: Naturland achtet beim Futter streng auf nachhaltigen Ursprung und Bio-Qualität – beides sieht das EU-Biosiegel deutlich lockerer. Naturland-Lachse bekommen überwiegend Abfälle aus nachhaltiger Speisefischverarbeitung zu fressen, maximal dreißig Prozent des Fischmehls stammen aus ganzen, nachhaltig gefangenen Fischen. Die EU-Bio-Verordnung dagegen erlaubt nicht nur Fischreste aus konventioneller Aquakultur, sondern auch unbegrenzt Fischmehl aus ganzen Fischen. Dazu gehört auch die gescholtene „Gammelfischerei“: Die hat nichts mit vergammelten Fischen zu tun, sondern dem unsortierten Sammelsurium von Fischen und Meerestieren, das sich in den Netzen der Fischtrawler findet. Der EU-Bio-Lachs kriegt also nicht nur Fischabfälle, sondern auch frisch gefangene Fische zu fressen – möglicherweise auch bedrohte Arten.

Besser als nur Bio: Naturland-Bio
Besser als nur Bio: Naturland-Bio (Foto: Carolin Wahnbaeck)

Chemie-Einsatz zum Schutz der Netze: Naturland verbietet kupferhaltige Mittel sowie Antifouling-Substanzen, mit denen die Netze gegen Muscheln und sogenannte Seepocken geschützt werden. Die Netze dürfen nur mechanisch gereinigt werden. Beim EU-Bio-Siegel sind kupferhaltige Antifouling-Mittel noch erlaubt. Das Problem beim Kupfer: Es schädigt die Wasserbewohner und ist biologisch schwer abbaubar.

Medikamente gegen Parasitenbefall und Krankheiten: sind bei Naturland sehr viel stärker begrenzt als beim EU-Bio-Siegel. Der EU-Bio-Lachs darf zum Beispiel zwei Mal jährlich mit Medikamenten gegen Krankheiten und unbegrenzt gegen Parasiten behandelt werden. Naturland-Lachse kriegen maximal drei Mal im Leben Medikamente – öfter nicht. Parasiten wie die Lachslaus lässt Naturland vorzugsweise von Putzerfischen abknabbern.

Regelmäßige Überprüfungen: Futter, Fisch, Wasser und Ablagerungen am Meeresboden analysiert Naturland regelmäßig. Solche Kontrollen schreibt das EU-Bio-Siegel nicht vor.

Wo Aldi gut ist: bei der Kennzeichnung

Was die Kennzeichnung anbelangt, ist Aldi dagegen ziemlich vorbildlich: „Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus“ schreibe der Discounter auf jede Verpackung, wo der Fisch herkommt, wie er aufgewachsen ist und gefangen wurde, sagt Steinweger. Und tatsächlich: Auf der Bio-Lachs-Packung kennzeichnet Aldi neben Handels- und lateinischem Namen die Produktionsmethode (Aquakultur), die Aquakulturmethode (Netzgehege) und das Land der Aufzucht.

Da fehlt nur noch eins: ein Tracking-Code. Der hilft dem Verbraucher, den Weg des Fisches noch transparenter über alle Verarbeitungsstufen hinweg bis zum Käfig/Fangort zurückzuverfolgen. Das bietet Aldi nicht. Der Naturland-Lachs hat wenigstens einen Text zu genauem Ursprung und Haltung auf der Verpackung.

Lies auch: Greenpeace veröffentlicht neuen Fischratgeber

Vorbildlich auf diesem Gebiet ist der Bio-Lachs vom Label „followfish“ (zu haben etwa in Bioläden, aber auch Rewe, Edeka und andere). Jede followfish-Lachspackung hat einen eigenen Code. Tippt man den etwa auf www.followfish.de ein, erfährt man alles von der Fangleine bis zum Chemie-Einsatz – genau zu dem Stück Lachs in der Packung. Mehr Sicherheit zum Fisch-Ursprung geht derzeit nicht.

Dank Tracking-Code zeigt Followfish, wo der Lachs herkommt
Dank Tracking-Code zeigt Followfish, wo der Lachs herkommt (Screenshot: Utopia.de)

Keine Alternative: zertifizierter Wildlachs

Wenn also der Bio-Lachs von Aldi nicht so öko ist wie er scheint – was ist dann eigentlich mit nachhaltig gefangenem Wildlachs? Auch der liegt bei Aldi im Tiefkühlregal – und ist der billigste von allen Lachspackungen: Für nur 80 Cent pro 100 Gramm geht der durch den Aldi-Kassenscanner. Damit ist er noch billiger als der Aldi-Lachs aus konventioneller Aquakultur.

Doch das „ABER“ hat hier Großbuchstaben: Wildlachs ist vom Aussterben bedroht, da hilft auch das MSC-Siegel nicht. Denn schwach formulierte und zu niedrige Mindestanforderungen ermöglichen den MSC-Fischereien, auch erschöpfte Bestände weiter zu befischen, hohe Beifänge zu tolerieren oder die Rückverfolgbarkeit auszuhebeln. Von Wildlachs sollten wir daher die Finger lassen.

Fazit: Öko hat seinen Preis

Bio-Lachs bei Aldi ist etwas besser als der kaum billigere konventionelle Lachs. Doch die eindeutig beste Wahl ist Lachs aus streng ökologisch geführten und überwachten Zuchtfarmen wie Naturland.

Dass das Öko-Filet dann seinen Preis hat, sollte für uns in Ordnung sein: Jeden Tag Lachs zu essen, ist weder gut für uns noch für den Erhalt dieser Art. Das liegt auch daran, dass Lachs zum Wachsen selbst viel Fisch und andere Meerestiere braucht – bis zu vier Kilo Fisch stecken in einem Kilo Lachsfleisch.

Da stillen wir unseren Fischhunger doch lieber gleich mit jenen Heringen oder Krebsen, die dem Zucht-Lachs sonst zum Fraß vorgeworfen würden – und bewahren uns den Edel-Fisch für die wirklich feinen Anlässe auf.

Bildergalerie: Aldi-Lachs und bessere Alternativen

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(4) Kommentare

  1. In der Fischerei ist es mit dem Bio-Siegel noch lange nicht getan.
    Die Probleme sind vielfältig und meiner Meinung nach auch komplexer als in der Landwirtschaft.

    Hier nur ein ganz kurzer Anriss der Probleme:
    Wildfang 1: Extrem viel unerwünschter Beifang, der dann wieder über Bord geht.
    Wildfang 2: Netze zerstören den Meeresgrund

    Aquakulturen: Wasser wird extrem mit Antibiotika etc. angereichert. Im Umkreis ist keine normale biologische Entwicklung möglich

    Fanquoten: Werden kaum zum Schutze der Umwelt erlassen, sondern nach „Bedarf“ der Menschheit. Fast alle wirtschaftlich „genutzten“ Fischarten sind überfischt.

    Die Regeln des Bio-Siegels treffen die Problematiken im Fischfang überhaupt nicht. Es ist ja wunderbar, wenn der Fisch kein gentechnisch verändertes Futter bekommt. Aquakulturen werden dadurch aber nicht besser.

    Dieses Video verdeutlich einen Teil der Problematik: https://vimeo.com/27150005

    Mittlerweile hat fast jeder mitbekommen, dass Thunfisch extrem bedroht ist. Trotzdem liegen die Dosen meterhoch gestapelt in den Supermärkten und kosten nur ein paar Cent.

    Viele Grüße,
    David von damado
    http://www.damado.de

  2. Sorry, aber Bio ist gerade im Tier“produkt“bereich meistens Augenauswischerei, so auch hier. Da hilft nicht mal das Naturlandlabel (außer natürlich dem Hersteller, der sich eine goldene Nase verdient). Aquakulturen sind Umweltverschmutzung und Tierqual auf höchstem Niveau, Bio ändert daran genau gar nix.

  3. MSC - Marine Stewardship Council

    Wir möchten Frau Wahnbaecks Sätze zum bald ausgestorbenen Wildlachs und zum MSC-Siegel nicht unkommentiert stehen lassen und euch/Ihnen gerne einige Hintergrundinformationen an die Hand geben für eine etwas differenziertere Herangehensweise an folgende Pauschalaussage: „Wildlachs ist vom Aussterben bedroht, da hilft auch das MSC-Siegel nicht. Denn schwach formulierte und zu niedrige Mindestanforderungen ermöglichen den MSC-Fischereien, auch erschöpfte Bestände weiter zu befischen, hohe Beifänge zu tolerieren oder die Rückverfolgbarkeit auszuhebeln.“

    „Wildlachs ist vom Aussterben bedroht, da hilft auch das MSC-Siegel nicht.“

    Diese Verallgemeinerung ist sehr gewagt und uns als Fakt gänzlich neu. Mit Wildlachs ist so gut wie immer die Gattung der Pazifischen Lachse (Oncorhynchus spp.) gemeint. Darunter fallen unter vielen anderen die im Handel zu findende Arten: Rotlachs (Oncorhynchus nerka), Keta-/Hundslachs (Oncorhynchus keta), Königslachs (Oncorhynchus tshawytscha), Coho-/Silberlachs (Oncorhynchus kisutch), Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha).
    Im Regelfall kommen Fischarten weltweit in mehreren Beständen vor, die sich unabhängig voneinander und unterschiedlich entwickeln. Für die Diskussion um die Übernutzung von Fischarten ist es also essentiell wichtig, einzelne Bestände zu betrachten. Denn längst nicht immer wird eine Art komplett überfischt, sondern meist nur ein einzelner Bestand. Zweifellos sind viele Bestände überfischt. Andere aber erholen sich dank eines nachhaltigen Fischereimanagements. Die Bewertung nach MSC-Standard bezieht sich immer auf jenen Bestand, der von der zu zertifizierenden Fischerei befischt wird. Andere Bestände derselben Art werden von der Fischerei nicht beeinflusst, sodass deren Berücksichtigung in einer MSC-Bewertung keinen Sinn machen würde. Der MSC-Standard lässt keine Zertifizierung von Fischereien zu, deren Zielartbestände nach Definitionen in internationalen Abkommen und nationalem Recht als überfischt gelten. Folglich ist keiner der Bestände, die von MSC-zertifizierten Fischereien genutzt werden, überfischt und damit ist auch der jeweilige Bestand dieser Art nicht vom Aussterben bedroht.
    Das Fischereimanagement der MSC-zertifizierten Alaska-Wildlachs-Fischerei zählt zu den umfassendsten und strengsten der Welt. Eine Vielzahl an Maßnahmen dient dem Ziel der Bestandserhaltung: Fangverbote, Höchstfangmengen, Vorschriften zu Fanggerät und Fangart sowie Geschlechter- und Größenbegrenzungen. Die Managementziele sind klar definiert und es werden jährlich Bestandsrechnungen oder -aktualisierungen vorgenommen.

    „Denn schwach formulierte und zu niedrige Mindestanforderungen … “

    Bei der Definition der Kriterien liegt die Herausforderung darin, die Anforderungen wirksam und erfüllbar zugleich zu gestalten. Sind die Kriterien eines Standards zu anspruchslos, werden keine Verbesserungen erzielt. Sind die Kriterien eines Standards so anspruchsvoll, dass keine Fischerei sie anwendet, kann auch der beste Standard keine Veränderung erwirken. Die Messlatte, die eine vorbildlich und nachhaltig arbeitende Fischerei überspringen muss, um zertifiziert zu werden, stellt einen breiten wissenschaftlichen Konsens dar, der von über 200 Wissenschaftlern, Umweltschützern und anderen Interessengruppen während eines zweijährigen Prozesses (1997-1999) definiert wurde. Da sich auch die Fischereiwissenschaft stetig weiterentwickelt, wird der MSC-Standard in regelmäßigen Abständen überprüft und, wo nötig, an wissenschaftliche ‚Beste Praxis‘ angepasst. Der MSC legt sehr großen Wert auf eine transparente und wissenschaftlich präzise Evaluierung seiner ökologischen und strukturellen Auswirkungen und erfasst den Nutzen des MSC-Programms in regelmäßigen Abständen in sogenannten Fortschrittsberichten. Der Fortschrittsbericht 2015 belegt u.a., dass MSC-zertifizierte Fischereien bislang über 600 Verbesserungen umgesetzt haben. Diese haben z.B. zu größeren Beständen, reduziertem Beifang, der Etablierung von Schutzgebieten oder mehr Beobachtern an Bord geführt (Quelle: https://www.msc.org/publikationen/studien-und-fortschrittsberichte/fortschrittsbericht-2015-zusammenfassung).

    „ … ermöglichen den MSC-Fischereien, auch erschöpfte Bestände weiter zu befischen, … “

    Die Fischereien, die nach dem MSC-Standard für vorbildlich geführte und nachhaltige Fischereien zertifiziert sind, nutzen ihre Zielartbestände nachhaltig. Das heißt, der MSC-Standard lässt keine Zertifizierung von Fischereien zu, deren Zielartbestände nach den Definitionen in internationalen Abkommen und nationalem Recht als überfischt gelten. Diese Einschätzung folgt aus international abgestimmten und wissenschaftlich anerkannten Definitionen für den Begriff Überfischung, wie ihn die Welternährungsorganisation (FAO) ihrer Bewertung des Zustandes kommerziell genutzter Fischbestände zu Grunde legt und entspricht demnach einem weltweiten wissenschaftlichen Konsens. Fischereien werden mit unterschiedlich guten Bewertungen zertifiziert, doch ausnahmslos alle Fischereien müssen den Mindestanspruch an Nachhaltigkeit erfüllen. Wo die Fischereien sich noch verbessern können, werden ihnen Auflagen gemacht. Erfüllen sie diese nicht im vorgegebenen Zeitraum, so riskieren sie, dass ihnen das MSC-Siegel wieder entzogen wird – zuletzt geschehen bei der Sardinenfischerei von Portugal und bei den Makrelenfischereien im Nordostatlantik. Dies übt Druck auf die Fischereien aus und hat bislang, zu zahlreichen Verbesserungen geführt, u.a. zu größeren Beständen. Konkret nutzen 95 Prozent der MSC-Fischereien Bestände, deren Biomasse auf oder über dem höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrag liegt (Quelle: https://www.msc.org/publikationen/studien-und-fortschrittsberichte/fortschrittsbericht-2015-zusammenfassung).

    „ … hohe Beifänge zu tolerieren … “

    In Fischereien, bei denen sich gezielt einzelne Arten fangen lassen, funktioniert die Beifangvermeidung sehr gut. Wildlachse z.B. schwimmen in engen Verbunden und mischen sich nicht mit anderen Arten. Aus diesem Grund hat die kommerzielle Wildlachsfischerei quasi keinen Beifang an anderen Fischen, auch nicht an Wasservögeln oder Meeressäugern.
    In manchen Fischereien lässt sich Beifang allerdings nicht vermeiden, da viele Fischarten nicht in reinen Schwärmen vorkommen, sondern sich mit anderen Arten mischen. Im Rahmen einer MSC-Bewertung werden Höhe und Zusammensetzung des Beifangs untersucht, um zu beurteilen ob die Fischerei nachhaltig arbeitet. Dabei ist die Höhe des akzeptablen Beifangs von Fischerei zu Fischerei unterschiedlich. K.-o.-Kriterien sind bei der Beurteilung des Beifangs wenig zielführend. Fällt in einer Fischerei zum Beispiel ein Beifang in Höhe von acht Prozent an, so ist dies im weltweiten durchschnittlichen Vergleich ein geringer Beifanganteil. Bestehen diese acht Prozent jedoch aus einer Art, die in dem jeweiligen Gebiet als gefährdet gilt, so können auch acht Prozent schon viel zu viel sein. Im Rahmen einer MSC-Bewertung wird deshalb geprüft, ob die Zusammensetzung und die Menge des anfallenden Beifangs negative Auswirkungen auf die beigefangene Art haben. Ist dies der Fall, kann die Fischerei nicht zertifiziert werden.

    „ … oder die Rückverfolgbarkeit auszuhebeln.“

    Das Rückverfolgbarkeits-System des MSC funktioniert überdurchschnittlich gut. Um das MSC-Siegel nutzen zu können, müssen alle Firmen, die zertifizierten Fisch verarbeiten, ein System zur Rückverfolgung etablieren und sicherstellen, dass es nicht zum Vermischen/Verwechseln/Vertauschen von zertifiziertem mit anderem Fisch kommt. Unabhängige Audits/Überprüfungen bestätigen den unverfälschten Weg des Produktes durch die Verarbeitungskette. Das MSC-System für die Lieferkette gibt Käufern die Gewissheit, dass sie tatsächlich Fisch aus einer MSC-zertifizierten nachhaltigen Fischerei erhalten. Dass dies ausgezeichnet funktioniert, bestätigen regelmäßige DNA-Tests: https://www.msc.org/presseraum/pressemitteilungen/dna-testergebnisse-von-produkten-mit-msc-siegel-bestaetigen-die-integritaet-der-lieferkette

    Für Interessierte hätten wir hier auch noch unsere drei neuen Erklärvideos anzubieten. Die erklären ohne komplizierte Fachbegriffe und auch für „Fischereilaien“ verständlich das Regelwerk des MSC-Standards, also die Kriterien, die Fischereien erfüllen müssen, um ihren Fang mit dem MSC-Siegel kennzeichnen zu dürfen: http://bit.ly/MSCvideos

  4. Der MSC-zertifizierte Pazifische Lachs ist tatsächlich nicht vom Aussterben bedroht, das ist missverständlich ausgedrückt. Aber der Greenpeace-Fischratgeber rät im Allgemeinen vom Lachs-Verzehr ab – daher die Aussage, Wildlachs sei vom Aussterben bedroht. Ausgenommen sind neben dem Pazifischen Wildlachs (Fanggebiete FAO 67 und 61) nur der Atlantische Lachs aus schottischen Aquakulturen.

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