Online Bücher bestellen: hier kann man sie fairer & sozialer kaufen

Online Bücher kaufen
Model Foto: Colourbox.de

Viele kaufen ihre Bücher noch online bei Amazon, doch langsam setzt sich ein Bewusstseinswandel durch: Bücher im lokalen Handel kaufen ist ein Weg, ein anderer sind faire Online-Buchhandlungen. Utopia stellt vier vor.

Eines vorweg: natürlich ist der beste Weg, Bücher zu kaufen, noch immer der über den lokalen Buchhandel. Dort arbeiten Buchhändler mit Herzblut, und wer ein Buch im Laden bestellt, kann es meist schon am nächsten Tag abholen – genauso „ohne Versandkosten“ wie bei Amazon.

Wer aber online Bücher kaufen möchte, für den gibt es „bessere“ Alternativen zu Amazon. Derzeit kennen wir vier Online-Buchhändler, die versuchen, ihre Angebote mit einem ökologischen oder sozialen Mehrwert auszustatten: Buch7.de, Ecobookstore.de, Fairbuch.de und Seedread.de. (Für weitere Alternativen lies auch den Beitrag Gebrauchte Bücher verkaufen und kaufen.)

Bücher online bestellen: wo liegen die Unterschiede?

Muss man Nachteile befürchten, wenn man zu einer Amazon-Alternative wechselt? Ein Blick auf die Unterschiede hilft:

Bücher online: der Preis

Es gibt keinen Preisunterschied zwischen Büchern von Amazon und denen von „faireren“ Online-Buchhandlungen (übrigens auch nicht zum stationären Buchhandel). Das liegt an der Buchpreisbindung: Bücher aus Deutschland kosten immer gleich viel, solange sie neu und keine „Mängelexemplare“ sind.

Bücher online: die Auswahl

Es gibt so gut wie keinen Unterschied bei der Auswahl, weil die meisten Buchhandlungen (online ebenso wie der Buchladen um die Ecke) ihre Bücher bei Zwischenbuchhändlern beziehen, die mehr oder weniger ein identisches Sortiment anbieten. Eine Ausnahme sind zum Beispiel englischsprachige Bücher, wo die Sortimente durchaus mal Lücken aufweisen können und Amazon mehr bietet. Eine andere Ausnahme sind selbstpublizierte eBooks, wo Amazon sich von Autoren Exklusivrechte zu besseren Konditionen sichert.

Bücher online: eBooks

Bei allen vier Anbietern kann man auch eBooks kaufen, sofern diese vom Verlag über normale Distributionskanäle angeboten werden. Anders als bei Amazon stehen sie dann im Format EPUB zum Download bereit und können auf allen üblichen Readern außer Kindle gelesen werden (Kindle for PC kann aber EPUBs ohne Kopierschutz lesen und im Kindle-Format speichern). Ecobookstore.de bietet eine Verbindung zum Tolino-eReader an, so dass Kunden direkt am Gerät Bücher kaufen können.

Bücher online kaufen: Buch7.de
Weder bei Preisen noch bei Versandkosten gibt es Unterschiede zwischen Amazon und sozial engagierten Alternativen wie Buch7.de (Screenshot: Buch7.de)

Bücher online: die Versandkosten

Buch7.de, Ecobookstore.de, Fairbuch.de und Seedread.de verschicken Bücher ebenso versandkostenfrei wie Amazon. Übrigens besorgt auch der lokale Buchhändler um die Ecke Bücher  versandkostenfrei. Wichtig: In Wirklichkeit ist natürlich gar nichts „versandkostenfrei“ – anfallende Versandkosten drücken die Marge und werden eben andernorts eingespart. Allerdings wollen die meisten Kunden eben keine Versandkosten bezahlen und haben letztlich auch die ethischeren Buchhandlungen gezwungen, auf Versandkosten zu verzichten.

Bücher online: Zahlungweisen

Die meisten Amazon-Alternativen akzeptieren Lastschrift, Vorkasse, das System „Sofortüberweisung“ oder PayPal (und Kreditkarte per Paypal). Beim einfachen Lastschriftverfahren bleibt am wenigsten Geld bei Zahlungsdiensten hängen, daher sollte man dieses verwenden.

Bücher besser bei fairen Online-Buchhandlungen kaufen?

Bleibt die Frage: Warum sollte man in alternativen Online-Buchhandlungen seine Bücher kaufen statt bei Amazon oder auch anderen Online-Buchshops? Die Antwort: Die Alternativ-Shops bieten einen sozialen oder ökologischen Mehrwert, sponsern beispielsweise mit einem Prozentsatz ihrer Einnahmen nachhaltige Projekte, ohne dass die Bücher dadurch für den Kunden teurer würden.

Buch7

Buch7.de fällt beim Stöbern als recht persönlich betriebener Buchshop auf. Buch7 fördert mit seinen Einnahmen verschiedene soziale und ökologische Projekte und gibt dafür „75 Prozent seines Gewinns“. Wer wie viel Geld erhält zeigt die Website hier. Buch7 nutzt Ökostrom sowohl für seine Server als auch für seine Räumlichkeiten und ist „grün versichert“. Interessant ist auch, wie Buch7 bei der Offenlegung der Kostenstruktur aufzeigt, welche Zahlungsformen (Lastschrift, PayPal etc.) am günstigsten sind und auch Tipps gibt, wie Kunden so bestellen können, dass möglichst viel Geld bei Buch7 bleibt – das natürlich nur dann auch in die Förderung fließen kann.

Ecobookstore

Ecobookstore.de wird von einem kleinen Familienbetrieb aus dem Allgäu betrieben. Das Unternehmen vermeidet aus Überzeugung CO2-Emissionen und unterstützt die Organisation „Rettet den Regenwald“. Welche Gelder hierbei flossen, legt Ecobookstore hier offen. Auch hat der Buchladen eine spezielle Seite für Regenwald-Bücher angelegt. Ecobookstore bietet zum Schulanfang ein Schulbücher-Special.

Bücher online kaufen: Ecobookstore.de integriert den eReader Tolino
Bücher online kaufen: Ecobookstore.de integriert den eReader Tolino (Screenshot: Ecobookstore.de)

Fairbuch

Fairbuch.de ist seit 2006 Sponsor der Kindernothilfe. Was auch immer man bei Fairbuch.de kauft: „zwei Prozent des Verkaufspreises“ erhält die Kindernothilfe. Die Formulierung folgt den Wünschen des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), nach dem Aussagen wie „Wir spenden 50 % unserer Gewinne“ nicht erlaubt sind. Seine Spenden macht Fairbuch.de hier transparent. „Zwei Prozent des Verkaufspreises“ klingt nach wenig, allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass auch Autoren oft auch nur 4 bis 6 Prozent des Buchverkaufspreises erhalten.

Seedread

Seedread.de unterstützt mit seinen Einnahmen die Borneo Urang Survival Foundation (BOS). Die BOS setzt sich aktiv für den Erhalt des Regenwaldes auf Borneo ein und schützt ein ca. 86.000 Hektar großes Regenwaldgebiet im Nordwesten der Provinz Ost-Kalimantan, das Zuhause für Orang-Utans ist. Pro Euro Einkaufswert gibt Seedread an, 10 Quadratmeter Regenwald zu schützen.

Siehe auch: Bestenliste Faire Online-Buchhandlungen

Die Rolle der Libri GmbH

Die strukturell ähnlichen Online-Buchhandlungen Ecobookstore und Fairbuch basieren auf einem System, bei dem viele Inhalte von Libri stammen. Auch übernimmt Libri den Versand. Entsprechend steht bei beiden Unternehmen die „Libri GmbH“ im Impressum. Darüber kann man die Stirn runzeln und einige Nutzer tun das auch, denn auch Libri wird von Gewerkschaften kritisiert, wenn auch nicht im Ausmaß wie Amazon. Auch könnte man technisch betrachtet genauso gut auch bei ebook.de (gehörte Libri, jetzt Hugendubel) einkaufen, weil die Shop-Inhalte weitgehend identisch sind (allerdings jeweils mit eigenen Inhalten ergänzt werden).

Aber: Ecobookstore und Fairbuch machen als Amazon-Alternativen möglich, was Libri und andere Markteilnehmer nicht selbst machen wollen: nämlich einen Teil der Umsätze in Spendentöpfe umzuleiten, was in beiden Fällen auch hinreichend transparent gemacht wird. Daher sehen wir keinen Grund, hier die Nase zu rümpfen.

Buchhandel.de und Genialokal.de: beim Händler um die Ecke bestellen

Eine auf den ersten Blick interessante weitere Idee einer Amazon-Alternative steckt hinter den Online-Angeboten Buchhandel.de und Genialokal.de. Auf diesen Seiten kann man Bücher online kaufen – aber man kauft sie dennoch beim lokalen Buchhändler um die Ecke, den man auf der Seite über eine Karte bzw. eine Postleitzahl leicht auswählen kann.

Der Kunde kann selbst entscheiden, ob er sich von dem Händler das Buch schicken lässt oder es selbst abholt. Die gute Idee ist hier, die stationäre Buchhandlung mit dem Web zu verbinden, ohne dass Buchhändler dafür selbst Web-Shops einrichten müssen. Geniallokal.de will sein Konzept auch über die Buchbranche hinaus erweitern und lokale Händler jenseits des Buchladens integrieren.

Buchhandel.de will lokale Händler und Onlineshopper einander näher bringen
Buchhandel.de will lokale Händler und Onlineshopper einander näher bringen (Screenshot: Buchhandel.de)

Nachteil ist, dass die Händler  eine Vermittlungsgebühr an die Plattform abgeben müssen, wobei diese beim genossenschaftlich geprägten System Genialokal relativ moderat ausfällt. Sprich: Es bleibt weiterhin besser, einfach direkt in den Buchladen zu gehen. Viele örtliche Buchhändler bieten übrigens an, bei ihnen telefonisch, im Web oder per E-Mail zu bestellen. Das kostet in der Regel nichts extra, ist „versandkostenfrei“ und das Buch ist oft schon am Folgetag verfügbar.

Online Bücher bestellen

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wo er oder sie seine oder ihre Bücher bestellt. Richtig große Unterschiede in Sachen Nachhaltigkeit ergeben sich nicht, denn am Ende müssen die Bücher ja doch stets den Weg vom Verlag zum Leser zurücklegen. Utopia rät aus dieser Perspektive weiterhin zum stationären Einzelhandel, also dem Buchhändler um die Ecke.

Weil wir aber ein Online-Portal sind, verweisen wir bei Büchern naturgemäß auf Online-Buchhandlungen, denn das geht gar nicht anders. Unter den Onlinern fallen uns Buch7 und Ecobookstore besonders positiv auf. Bei Buch7.de gefällt uns das soziale Engagement, die transparente Darstellung und dass der Shop vergleichsweise individuell wirkt. An Ecobookstore.de gefallen uns neben dem Engagement für den Regenwald die vielen Themenspecials.

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(13) Kommentare

  1. Hey, interessanter Beitrag. Für uns in der Schweiz ist aber leider meist das Problem, dass die anderen Buchhändler nicht dorthin liefern.
    Ausserdem ist Amazon wirklich schnell im Versand und zieht automatisch die MwSt bei den Büchern ab. Man zahlt zwar eine kleine Importgebühr, spart aber immer noch ca. 15% im Vergleich zu anderen Händlern. Das macht Amazon wieder interessant, da es eben die besagte Buchpreisbindung gibt. Und Amazon ist bis dato die einzige mir bekannte Möglichkeit, hier noch Geld zu sparen. Da ich eine Leseratte bin, macht sich das auf meinem Konto ganz schön bemerkbar.

    LG
    Dennis

  2. „Da ich eine Leseratte bin, macht sich das auf meinem Konto ganz schön bemerkbar. “ Mit dieser Aussage kann man heutzutage fast Alles rechtfertigen…

    ==> Engagement ist mehr zu tun als man machen muss

  3. Ein netter Artikel. Leider fehlt mir hier der direkte Hinweis, dass die meiste Buchhandlungen um die Ecke über einen ausgezeichneten Onlineshop verfügen. Diese beziehen die Daten der Großhändler wie Umbreit und Libri und sind somit von den Katalogdaten ausgezeichnet. Viele der Buchhandlungen liefern sogar Versandkostenfrei. Insofern sollte man als „Online-Portal“ als erstes drauf hinweisen. Denn die Einzelhändler machen schon seit Jahrzehnten das, was jetzt alle als Marketing für sich entdecken: Sich in und für die Region engagieren.

  4. Genau das habe ich auch gedacht und habe jahrelang meine Bücher bei der Buchhandlung um die Ecke über deren Website bestellt, in die der Libri-Webshop integriert war, und hab‘ die Bücher dann dort persönlich abgeholt. Schien mir ein vernünftiger Weg im Interesse aller zu sein – bis ich eines Tages den Buchhändler mal gefragt hab‘, was er an solchen Bestellungen eigentlich verdient. Antwort: Zehn Prozent. Seither rufe ich dort einfach an, wenn ich ein bestimmtes Buch möchte.

  5. Da sich Buchstaben beim lesen nicht abnutzen, wäre ein Gebrauchtmarkt von Büchern ganz fair und nachhaltig. Abgesehen von ebay und die Gebrauchtoption von Amazon habe ich leider noch nichts mit guter Auswahl gefunden. Nicht mal die hiesige Bücherei ist gut ausgestattet …

  6. Vielen Dank für die Info – sehr hilfreich… eine kurze Frage – wisst ihr auch eine Plattform bei der man seine eigenen e-books online stellen und verkaufen kann – ist bei Amazon möglich – suche nach einer Alternative… lg

  7. Der einzige Vorzug der Alternativen ist, dass ich Spenden damit kopple – und Amazon ist doof, weil es das nicht macht? Lest ihr eigentlich eure Arikel bevor ihr sie postet?

    Ich will mal eine Lanze für Amazon aus Autorensicht brechen: Amazon zahlt mir als Autor und als Verlag höhere Margen, es bleibt weniger im Handel hängen. Und wenn ich als Autor ohne Verlag über die Amazon-Tochter CreateSpace veröffentliche oder über Kindle, bestimme ich den Preis selbst. Bei Kindle ist meine Marge im Ergebnis rund 65% – Verlage geben mir 8-10%.

    Jaja, die machen auch viel Arbeit, aber bleiben wir mal auf dem Boden: Viele FairTrader (Teekampagne etc.) umgehen den Zwischenhandel um höhere Margen an die Produzenten auszuzahlen. Da machen wir alle brav mit – wenn Amazon das macht, töten sie das deutsche Verlagswesen?

    Das ist ein bisschen unfair. Natürlich darf man Amazon auch kritisieren, aber das ist mir wirklich zu schwarz/weiß. Warum ist Kindle wohl bei Autoren so beliebt? Weil sie weit fairer (und deutlich besser beim Verkaufen) sind, als die Alternativen.

    Ich wünsche mir eine differenziertere Darstellung.

  8. Danke für den Artikel. Auch wenn es bald einen Artikel zu gebrauchten Büchern gibt, hier schon mal der Hinweis auf antiquariat.de. Das wird von uns Internet-Antiquaren genossenschaftlich betrieben. Das ist bei gebrauchten Büchern aus meiner Sicht die beste Alternative. ZVAB und abebooks gehören nämlich ebenfalls zu amazon und die – immerhin sehr günstige und sympathische – Plattform booklooker gehört zu über 49% zum Weltbild-Konzern.

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