CO2-Emissionen beim Heizen senken – ohne zu frieren

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Mit geringem Aufwand kann man Heizenergieverbrauch und damit verbundene CO2-Emissionen ganz erheblich reduzieren – auch als Mieter! Man spart damit eine Menge Geld – und das ohne zu frieren …

Heizen und Warmwasser sind neben Autofahren und Fliegen für einen großen Teil der privaten CO2-Emissionen verantwortlich. Unser Heizenergieverbrauch ist enorm: Laut UBA benötigten private Haushalte mehr als zwei Drittel ihres Endenergieverbrauchs, um Räume zu heizen und nutzen dafür hauptsächlich Erdgas und Mineralöl, also extrem klimaschädliche Energiequellen.

Die gute Nachricht: Der durchschnittliche Heizenergieverbrauch in Deutschland pro Quadratmeter Wohnfläche ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Die schlechte: Da aber parallel die genutzte Wohnfläche pro Kopf deutlich gestiegen ist, wurden die Fortschritte bei der Energieeffizienz weitgehend kompensiert – der klassische Rebound-Effekt.

Der individuelle Wärmeenergieverbrauch hängt natürlich vom energetischen Standard der Wohnung ab (siehe Gebäudeenergiestandards), aber genauso von der benutzten Wohnfläche und erst recht von der Zahl der Personen im Haushalt.

CO2-Emissionen und Heizenergieverbrauch: vier Überraschungen

Um den Heizenergieverbrauch und die CO2-Emissionen zu senken, denken die meisten an ein großes energetisches Upgrade der eigenen oder gemieteten Wohnung. Das ist auf jeden Fall sinnvoll und gerade besonders günstig: Die Zinsen sind sensationell niedrig, es gibt hohe Zuschüsse oder alternativ Steuerentlastung, und die Energiekosten werden in den nächsten Jahren ansonsten durch die steigenden CO2-Preise noch viel höher als bisher.

Aber es gibt noch vier andere überraschende Möglichkeiten mit Langzeitwirkung, die gemeinhin vernachlässigt werden.

1. Beim nächsten Umzug aufpassen!

Je weniger Wohnraum pro Kopf und je besser isoliert, umso besser.

Beispiel:

  • Ein Paar zieht in eine wunderschöne große, aber nicht gedämmte Altbauwohnung (128 Quadratmeter, Verbrauch 20 Kubikmeter Gas pro Quadratmeter und Jahr) und bleibt dort 15 Jahre lang wohnen.
    → Die CO2-Emissionen pro Kopf betragen dann 38.400 kg.
  • Alternativ zieht das Paar in eine kleine, gut gedämmte Wohnung (64 Quadratmeter, Verbrauch 9 Kubikmeter Gas pro Quadratmeter und Jahr).
    → Pro Kopf berechnet führt das zu 17.300 kg CO2-Emissionen (minus 55 %).

→ Viel Einsparung mit nur mit einer einzigen Entscheidung.

2. Wohnung umbauen und Miete kassieren

Durch eine bauliche Teilung von Haus oder Wohnung und Nutzung durch zwei Parteien wird neuer Wohnraum geschaffen, der Heizenergieverbrauch pro Person gesenkt, und man hat Mieteinnahmen.

Beispiel: Wenn man eine 120-Quadratmeter-Wohnung oder Haus allein bewohnt (typisches Situation: Kinder ausgezogen, Partner*in gestorben) und als Eigentümer*in in zwei Wohnungen umbaut (Annahmen: jährlicher Verbrauch 3.000 Kubikmeter Gas; Umbau in eine 70qm-Wohnung für zwei Personen und eine 50qm-Wohnung für sich selbst).

→ Als Folge spart man als Eigentümer*in über die nächsten 20 Jahre 70.000 kg CO2. Mit einem gleichzeitigen energetischen Update noch viel mehr.

3. Adieu Einsamkeit

Die klassische WG kann wiederbelebt werden.

Man lebt allein, die Wohnung ist längst zu groß oder zu teuer, man ist vom Partner getrennt, und eigentlich ein bisschen einsam. Dann kann man zum Beispiel mit einer Freundin oder Freund zusammenziehen, oder untervermieten.

→ Der Heizenergieverbrauch und die CO2-Emissionen werden auf einen Schlag halbiert.

4. Kostenbremse für Mieter

Auch als Mieter*in kann man die Wohnung energetisch upgraden.

Mit nur vier einmaligen Kleinmaßnahmen und einer geringen Investition (einmalig 100 bis 150 Euro; je nach Wohnungsgröße) kann man den Heizenergiebedarf um 20 % – 30% senken und eine Menge Geld sparen (ca. 200 – 300 € pro Jahr).

→ Die Investition hat man schon im ersten Winter reingeholt. Und man lebt behaglicher und gesünder – es zieht nicht mehr und die Gefahr von Schimmelbildung wird drastisch reduziert.

Und so geht es:

  • Die durchschnittliche Raumtemperatur senken (kann man meist zentral an der Heizungssteuerung einstellen, und natürlich kann jede*r in „seinem/ihrem“ Zimmer den Heizkörper tiefer einstellen). In der Küche reichen 18 Grad Raumtemperatur, im ansonsten nicht genutzten Schlafzimmer 15 bis 17 Grad.
    → Pro Grad Temperatursenkung werden etwa 5 % Energie gespart.
  • Noch einfacher und effizienter ist es, die gewünschte Temperatur auch noch zeitabhängig (z.B. bei regelmäßiger Abwesenheit) mit individuell programmierbaren Thermostatventilen automatisch einstellen. Das Austauschen der Thermostatventile ist leicht: einfach die alten Thermostatventile abschrauben und die neuen aufschrauben. Bei einem Umzug können Themostatventile mitgenommen oder an Nachnutzer*innen verkauft werden.
    → Damit kann man etwa 5 bis 15 % Energie sparen.
  • In einem schlecht gedämmten Altbau sollte man die Heizkörpernischen isolieren (z. B. mit einer aluminiumbeschichteten, mit einem Messer zuschneidbaren und möglichst dicken Dämmplatte) und undichte Fenster, Türen und Fugen mit selbstklebendem Schaumstoffmaterial abdichten. Das geht ohne große handwerkliche Begabung; das Material gibt es in jedem Baumarkt.
  • Etwa 15 bis 20 % der Energie wird für Warmwasser bzw. das Aufheizen des Wassers genutzt. Hier kann man kräftig sparen (etwa 30 bis 50 % des Warmwassers und 5 bis 10 % der dafür notwendigen Energie), wenn man duscht statt badet, möglichst kurz duscht und die Wassertemperatur niedriger einstellt. Besonders wirksam ist die Installation von Perlstrahlern, Durchlaufbegrenzern und Sparduschköpfen (da muss der Rest der Familie gar nichts aktiv machen …). Mit denen kann man quasi „automatisch“ Wasser sparen (da wird dem Wasserstrahl einfach Luft beigemischt, und der Wasserdruck und die Wasseroberfläche erhöht – bei gleich bleibendem Reinigungskomfort (bei Durchlauferhitzern und drucklosen Speichern geht das leider nicht bzw. nicht einfach, da sollte man einen Handwerker fragen).

Die Kosten sind niedrig: Perlatoren und Durchflussbegrenzer gibt es ab 2 Euro, Sparduschköpfe ab 20 Euro. Das Dämmmaterial kostet je nach Umfang 20 bis 50 Euro. Programmierbare Thermostatventile gibt es ab 20 Euro aufwärts.

Zu faul? Zu unbegabt?

Kaum denkbar. Wenn doch: frage einen Freund oder Nachbarn. Der kann das gleich noch in seiner Wohnung machen. Oder natürlich die halbwüchsigen Kinder, mit denen wir jetzt dauernd über Klimaschutz und Fridays For Future streiten. Gemeinsam geht alles besser.

Rainer Grießhammer: #klimaretten(Foto: Lambertus Verlag)
Rainer Grießhammer: #klimaretten

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Professor Rainer Grießhammer war langjähriger Geschäftsführer des Öko-Instituts. Er ist Honorarprofessor an der Universität Freiburg und Bestsellerautor. Der promovierte Chemiker ist Träger des Deutschen Umweltpreises und wurde unlängst mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Bereits früh warnte Grießhammer vor dem Klimawandel und forderte in Büchern eine engagierte Klimaschutzpolitik und nachhaltigen Konsum: mit den Bestsellern „Der Öko-Knigge“ und „Der Ökokoch“, „Ozonloch und Treibhauseffekt“ (1989), „Der Klimaknigge“ (2007).

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