Utopia Image

Conservation Gardening: So kannst du bedrohte Pflanzen schützen

Foto: CC0 / Pixabay / cocoparisienne

Mit Conservation Gardening kannst du einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Was sich genau hinter dieser Gartenpraxis verbirgt, erfährst du hier.

Gerade Städte sind es, in denen der Schlüssel zu mehr Naturschutz liegen kann. Sie bieten nämlich ausreichend Platz für sogenanntes Conservation Gardening – das gezielte Anpflanzen bedrohter heimischer Arten auf privaten und öffentlichen urbanen Grünflächen.  

Warum ist Conservation Gardening notwendig?

Monokulturelle Landwirtschaft und Verstädterung zerstören Lebensräume und führen zum Verlust der Artenvielfalt.
(Foto: CC0 / Pixabay / NatuerlichGut)

Conservation Gardening zielt auf die Bepflanzung urbaner Areale ab, auf denen sich einheimische Arten im Rückgang befinden. So soll Conservation Gardening dem Artensterben Einhalt gebieten können. Dass dies dringend notwendig ist, zeigen Schätzungen, laut denen weltweit bereits zwei von fünf Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Auch in Deutschland nimmt die biologische Vielfalt dramatisch ab: 26 Prozent der rund 3000 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen sind bestandsgefährdet und fast zwei Prozent sind bereits ausgestorben oder verschollen. 

Das ist vor allem auf den Verlust geeigneter Lebensräume zurückzuführen. Die konventionelle Landwirtschaft setzt zur Gewinnmaximierung auf Monokulturen, die jedoch anfällig für Schädlinge sind. Landwirt:innen greifen daher vermehrt zu chemisch-synthetischen Pestiziden, die laut dem NABU auch maßgeblich für die sinkende Artenvielfalt von Ackerbegleitkräutern verantwortlich sind. Aber auch die fortschreitende Verstädterung stellt ein Problem dar: Bereits zehn Prozent der Gesamtfläche Deutschlands sind Siedlungsfläche. 

Welche Rolle spielen Städte beim Artenschutz?

In Zukunft werden die meisten Menschen in Städten leben. Dort können sie mit Conservation Gardening zum Naturschutz beitragen,
(Foto: CC0 / Pixabay / Antranias)

Forschende vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig haben sich mit der Problematik beschäftigt. Ihnen zufolge sind es gerade solche städtischen Areale, in denen Conservation Gardening stattfinden kann und sollte. 

Sie prognostizieren, dass bis zum Jahr 2100 etwa 92 Prozent der Menschen in städtischen Gebieten leben werden. Diese fortschreitende Verstädterung führt unweigerlich dazu, dass vielen Pflanzen immer weniger natürlicher Lebensraum zur Verfügung steht. Andererseits können Städte zu Ballungsräumen für effektiven Naturschutz werden, wenn sich die Menschen am Conservation Gardening beteiligen. Diese Form der Bepflanzung ermöglicht es nämlich, städtische Gebiete so umzugestalten, dass sie nicht nur Lebensraum für Menschen, sondern auch für ein breites Artenspektrum bieten. 

Welche Arten könnten von Conservation Gardening profitieren?

Auch die Arnika, eine Heilpflanze, gehört zu den bedrohten heimischen Pflanzenarten.
(Foto: CC0 / Pixabay / GoranH)

Conservation Gardening fokussiert sich auf heimische Pflanzen, die natürlicherweise in einem bestimmten Lebensraum vorkommen. Im Lauf der Evolution haben sich diese Pflanzen an die spezifischen Umweltbedingungen angepasst und gemeinsam mit anderen Arten weiterentwickelt. So bilden sie zusammen ein komplexes Ökosystem, in dem jede Pflanze eine wichtige Rolle spielt – beispielsweise, weil sie die einzige Nahrungsquelle für ein bestimmtes Insekt ist. Doch viele dieser heimischen Pflanzen sind im Rückgang. 

Welche Pflanzen sind es aber genau, die zum Erhalt der Artenvielfalt wichtig sind und mit denen sich Privatgärten, Balkons und Gründächer sowie Parks und andere öffentliche Grünflächen bepflanzen lassen? Die Forschenden schlagen vor, zur Beantwortung dieser Frage einen Blick auf die Roten Listen bedrohter Tiere und Pflanzen zu werfen. In Deutschland existieren neben der bundesweiten Roten Liste auch einzelne Listen für die verschiedenen Bundesländer. 

Auf diesen Roten Listen finden sich beispielsweise folgende bedrohte heimische Arten: 

  • die Brockenanemone
  • das Bodensee-Vergissmeinnicht
  • das Flammen-Adonisröschen
  • der Herzlöffel
  • das Moorveilchen

Die Wissenschaftler:innen vom iDiv sehen im Anpflanzen dieser Arten auch ökonomisches Potenzial. Bereits jetzt geben deutsche Hobbygärtner:innen nämlich jährlich rund neun Milliarden Euro für Pflanzen aus. Die Forschenden prognostizieren, dass auch die Nachfrage nach bedrohten Arten wachsen wird. Das liege zum einen daran, dass das Bewusstsein für ihren Rückgang in der Bevölkerung stark gestiegen sei. Zum anderen hätten rückläufige heimische Pflanzen auch praktische Vorteile vor dem Hintergrund der Klimakrise. Sie seien oft an trockene Standorte angepasst und könnten so Trockenperioden besser überstehen. 

Die Forschenden halten es daher für sinnvoll, bedrohte Pflanzenarten im großen Maßstab in Gartencentern verfügbar zu machen. Eine gesenkte Mehrwertsteuer auf solche Arten könnte zum Kauf anregen und ein Gütesiegel für umweltfreundliches Gärtnern könnte den Hobbygärtner:innen Orientierung beim Kauf von rückläufigen Pflanzen bieten. 

Conservation Gardening regt zum Naturschutz an

Conservation Gardening mag zwar nicht immer „ordentlich“ sein, doch es trägt zum Artenschutz bei.
(Foto: CC0 / Pixabay / Positive_Images)

Politische Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität haben es laut den Wissenschaftler:innen bisher nicht geschafft, den dramatischen Rückgang der Pflanzenvielfalt zu stoppen. Daher sei es dringend notwendig, neue Ansätze auszuprobieren und mehr Menschen einzubinden. Conservation Gardening bietet sich dafür an, denn es würde Naturschutz für Bürger:innen greifbar und inklusiv machen. 

Wichtig sei, dass eine „kritische Masse“ an Bürger:innen zum Mitmachen bewegt würde. Daher sind einflussreiche Akteure wie Regierungsbehörden und Gemeinden gefragt, um umweltfreundliches Gärtnern zu fördern. Darüber hinaus könnten sie beispielsweise regionsspezifische Rote Listen erstellen lassen und daran angepasste Bepflanzungskonzepte für öffentliche Grünflächen erarbeiten. 

Doch die Forschenden sehen auch Hürden beim Conservation Gardening – insbesondere in der „anhaltenden Vorliebe für ordentliche Gärten“, die deutsche Hobbygärtner:innen an den Tag legen. Da viele einheimische Arten nicht denselben ästhetischen Reiz wie gewöhnliche Gartenzierpflanzen haben, könnte dies die Hinwendung zum naturnahen Gärtnern erschweren. 

Daher empfehlen die Forschenden, das Conservation Gardening aktiv zu fördern: Botanische Gärten, Universitäten, Naturschutzverbände und Nachbarschaftsgemeinschaften könnten Wissen rund um rückläufige Pflanzen vermitteln, um das Verständnis für ihre ökologische Bedeutung zu erhöhen. Dadurch ließe sich die Einstellung zum Gärtnern mit rückläufigen Pflanzen positiv verändern.

Auch du kannst zur Akzeptanz von Conservation Gardening beitragen, indem du mit gutem Beispiel vorangehst und zeigst: Ein auf Biodiversität bedachter Garten muss kein unattraktiver Garten sein. Wie du umweltfreundliches Gärtnern umsetzen kannst, kannst du in diesen Artikeln nachlesen:

Weiterlesen auf Utopia.de

** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös. Mehr Infos.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: