Komfort vs. Tierleid: Welche Daunen kann man kaufen?

Kann man guten Gewissens Daunen kaufen?
Fotos: © lucamontevecchi, 0pidanus - Fotolia.com; Colourbox.de

Daunen stecken in Jacken, Schlafsäcken und Bettdecken. Sie halten schön warm, sind weich und ein umweltfreundliches Naturprodukt. Aber die Gewinnung der Federn geht oft mit Tierleid einher. Verantwortungsvoller Konsum kann helfen, das zu vermeiden.

Die Outdoor-Branche hat seit einigen Jahren mit Image-Problemen zu kämpfen. Einer der größeren Skandale betraf die Daunenproduktion: das US-amerikanische Outdoor-Unternehmen The North Face musste 2012 zugeben, dass es für seine Bekleidung Daunen aus tierquälerischer Gänsemast bezogen hatte. Die Gänse wurden in einem ungarischen Mastbetrieb zur Produktion von Stopfleber („Foie gras“) gezüchtet.

Auch die Outdoor-Marke Patagonia, die sonst viel Wert auf eine verantwortungsvolle Produktion legt, bezog offenbar Daunen aus Stopfmast und Lebendrupf. Die Skandale rückten die Produktion von Daunen ins Blickfeld von Verbrauchern, NGOs und auch Unternehmen.

Tierleid in der Daunenproduktion

Eigentlich sind Daunen – weiche „Unterfedern“, meist von Gänsen –  ein Nebenerzeugnis der Schlachtung. Genau wie Leder sind sie damit ursprünglich ein Produkt, welches bei der Schlachtung sowieso anfällt und damit nicht an sich Tierleid verursacht.

Aber: Erstens ist es in weiten Teilen der Industrie inzwischen gängige Praxis, Daunen auch von lebenden Gänsen zu gewinnen. Zweitens sind die Tiere vor der Schlachtung mitunter einer grausamen Behandlung ausgesetzt.

Daunen aus Stopfmast

Die „Produktion“ von Foie gras (Stopfleber) ist inzwischen in den meisten europäischen Ländern verboten. Nur in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Ungarn und Spanien ist die Stopfmast weiterhin erlaubt.

Das Verbot hat einen guten Grund: Um Stopfleber zu gewinnen, wird Gänsen mehrere Wochen lang mehrmals täglich eine Mischung aus Mais und Schweineschmalz gewaltsam in den Magen gepumpt – durch ein Rohr im Hals (Stopfmast). Durch diese brutale Zwangsernährung vergrößert sich die Leber der Tiere um ein Vielfaches; sie wird nach der Schlachtung als „Delikatesse“ verkauft. Das ist nach wie vor fast überall möglich: Obwohl die Produktion beinahe überall in Europa verboten ist, ist der Import und Verkauf zulässig.

Daunen aus Lebendrupf

Beim sogenannten Lebendrupf werden die Federn von lebenden Gänsen gewonnen (sprich: ausgerissen), um sie für Daunenprodukte zu verwenden. Diese qualvolle Prozedur kann pro Gans mehrere Male wiederholt werden – und erhöht den Profit der Züchter. Die Praxis ist in der EU (außer während der Mauser der Gänse) verboten. Dennoch wurde sie in den vergangenen Jahren mehrfach in ungarischen Betrieben nachgewiesen. Besonders weit verbreitet scheint der Lebendrupf in China zu sein, wo ein Großteil der hierzulande verkauften Daunen herkommt.

Wie groß der Marktanteil von Daunen aus Lebendrupf derzeit ist, ist unklar: Die Industrie geht von unter 5 Prozent aus, Tierschützer vermuten deutlich höhere Zahlen – vor allem bei Ware, die aus China und Osteuropa kommt.

Daunen
Daunenfeder: leicht, flauschig, warm (Foto von Yoky - Eigenes Werk, GFDL unter CC-BY-SA-4.0)

Daunen in Bettwaren

Auf Nachfrage der Stiftung Warentest konnte im Jahr 2013 kein einziger von zehn befragten Herstellern von Daunendecken belegen, von welchen Höfen genau seine Daunen stammten. Damit konnte auch keiner ausschließen, dass die Federn aus Lebendrupf stammten.

Widerspruch kommt aus der Industrie: „Für unsere Mitglieder können wir die Rückverfolgbarkeit belegen“, sagt Dr. Juliane Hedderich, Geschäftsführerin des Verbands der deutschen Daunen- und Federnindustrie (VDFI). Sie erklärt: „Die Unternehmen kaufen Daunen und Federn ab Schlachthof. Schlachthöfe in Europa sind gesetzlich verpflichtet, ihre Lieferungen aus Hygienegründen bis zur einzelnen Farm zu dokumentieren.“ Auditoren, welche die Lieferkette der Daunen für Mitgliedsunternehmen überprüfen, kontrollieren inzwischen auch in den Aufzuchtbetrieben die Haltungsbedingungen der Gänse.

Das gilt allerdings derzeit nur für Daunen aus Europa. In China, einem der wichtigsten Produktionsländer von Daunen, gibt es (noch) kaum Überprüfungen, die Rückverfolgbarkeit ist extrem schwierig zu gewährleisten. Wenn möglich, sollte man als Verbraucher also am besten darauf achten, zumindest europäische Daunen zu kaufen, noch besser deutsche.

„Dass sich Verbraucher für die Herkunft von Daunen interessieren, ist entscheidend dafür, dass sich die Situation weiterhin verbessert“,

so Hedderich. Es gibt zwar inzwischen mehrere Standards und Zertifizierungsansätze. Doch bis heute gibt es keine branchenübergreifende unabhängige Zertifizierung, die gewährleisten kann, dass Daunen auf möglichst verträgliche Weise – d.h. ohne unnötiges Tierleid – gewonnen werden.

Alternative Füllmaterialien für Bettwaren

Eine eher seltene (Luxus-)Alternative zur normalen Daunenfüllung sind Eiderdaunen. Diese speziellen Daunen der Eiderente werden von Hand aus den verlassenen Nestern der Jungtiere gesammelt. Die Tiere erfahren dadurch kein Leid – und die Federn sind sehr teuer.

Einige Hersteller von Naturbettwaren wie zum Beispiel allnatura oder Hans Natur achten darauf, nur Daunen aus artgerechter Haltung zu verwenden. Sie orientieren sich hierfür an verschiedenen Standards (zum Beispiel Downpass). Andere verzichten aufgrund der Probleme in der Produktion ganz auf die Federfüllungen und verwenden alternative Naturmaterialien – zum Beispiel (Bio-)Schurwolle, Kapok, Baumwolle oder Hanf.

Das heißt: Wer bei Bettwaren auf Daunen verzichten möchte, muss deshalb noch lange nicht auf Kunstfasern (Polyester) zurückgreifen. Denn auch deren Produktion – auf Basis des Rohstoffs Erdöl – und Entsorgung sind hochproblematisch. Bei Unternehmen wie zum Beispiel Allnatura, Hans Natur, Grüne Erde, Dormiente und Avocado Store** bekommt auch Bettdecken und Kissen mit natürlichen Füllmaterialien.

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Daunen in Outdoor-Kleidung

In der Outdoor-Industrie hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Das grüne Image der Branche wurde angekratzt – und viele Hersteller sind jetzt bemüht, ökologische und ethische Probleme zu lösen.

Patagonia beispielsweise hat einen eigenen strengen Standard entwickelt, den Traceable Down Standard. Seit Herbst 2014 garantiert Patagonia, dass 100 % Daunen mit Herkunftsnachweis verwendet werden, d.h. Daunen die zu Vögeln zurückverfolgt werden können, die weder Stopfmast noch Lebendrupf ausgesetzt waren. Kontrolliert wird die Lieferkette sogar beginnend bei den Elterntieren bis hin zum fertigen Produkt.

Der Traceable Down Standard wurde Anfang 2015 von der Zertifizierungsorganisation NSF International übernommen – diese hat daraus eine unabhängige Zertifizierung entwickelt (Global Traceable Down Standard = Global TDS), deren höchste Stufe mit dem von Patagonia entwickelten Standard übereinstimmt. Damit ist der Global TDS derzeit die strengste Zertifizierung für nachhaltige Daunen in der Outdoor-Branche.

Patagonia ist längst nicht der einzige große Outdoor-Hersteller, der eigene Auflagen entwickelt hat, um „bessere“ Daunen zu verwenden. Aus den Bemühungen von Marktführer The North Face, einen Standard zu entwickeln, ist ebenfalls eine Zertifizierung geworden: der Responsible Down Standard (RDS), der Stopfmast und Tierleid ausschließt und inzwischen von einer ganzen Reihe von Firmen genutzt wird (zum Beispiel Mammut, Jack Wolfskin, Deuter, Haglöfs, Salewa). The North Face selbst will ab 2017 ausschließlich RDS-zertifizierte Daunen verwenden.

Andere Outdoor-Marken orientieren sich in ihrem Umgang mit Daunen an eigenen Standards. So hat beispielsweise die englische Firma Mountain Equipment den Down Codex entwickelt, der für die eigenen Produkte garantieren soll, dass die Federn ohne tierquälerische Methoden gewonnen werden. Die Einhaltung der Richtlinien in den verschiedenen Gliedern der Lieferkette wird regelmäßig von unabhängiger Seite kontrolliert.

Die schwedische Outdoor-Marke Fjällräven bezieht seine Daunen ebenfalls ausschließlich anhand selbst entwickelter, strenger Kriterien: Sie lassen sich zu 100 Prozent rückverfolgen, es handelt sich um reine Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie und Lebendrupf und Stopfmast sind verboten. Kontrollen und Audits der gesamten Lieferkette stellen sicher, dass diese Auflagen eingehalten werden.

Daunen in Outdoor-Equipment
Daunenjacken: eine gute Wahl? (Foto: © SGappa - Fotolia.com)

Alternatives Füllmaterial für Outdoorkleidung

Daunen haben nach wie vor die besten Eigenschaften als Füllung für Outdoor-Jacken und Schlafsäcke: Sie halten warm, sind dabei atmungsaktiv, leicht und komprimierbar. Deshalb sind sie in der gesamten Outdoor-Branche sehr beliebt. Wer trotzdem ganz auf die Federn verzichten will, dem bleiben faktisch nur Synthetikfasern als Füllmaterial (Polyester). Die Versuche, Daunen durch Naturfasern wie Kapok oder Baumwolle zu ersetzen, beschränken sich bisher auf Winterjacken, die sich für den Outdoor-Sport eher nicht eignen.

Die sinnvollste Alternative für Outdoor-Equipment sind daher recycelte Kunstfasern. Was nachhaltige Outdoor-Kleidung angeht, tut sich hier besonders die junge Marke PYUA hervor: Sie fertigt ihre Bekleidung aus recycelten bzw. recyclingfähigen Polyester-Materialien und kann diese mit Hilfe eines Rücknahmesystems vollständig wiederverwerten. Auch Bleed, Vaude und Patagonia haben Jacken mit Recycling-Polyester-Füllung im Sortiment.

Mehr zum Thema: Nachhaltige Outdoor-Bekleidung finden: 7 Tipps

Fazit: Es gibt bessere Daunen – und gute Alternativen

Ob man Produkte mit Daunenfüllung kaufen möchte muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt inzwischen genügend Alternativen, um problemlos darauf verzichten zu können. Angesichts der hervorragenden Eigenschaften der Daunen sowohl in Bettwaren als auch in Outdoor-Ausrüstung werden aber viele Menschen weiterhin Daunenprodukte kaufen wollen. Dabei gibt es glücklicherweise immer mehr Möglichkeiten, tierquälerische Produktionsbedingungen auszuschließen: indem man bewusst Produkte kauft, deren Hersteller zertifizierte Daunen verwenden.

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(2) Kommentare

  1. Danke, danke, danke! Ein Bericht, der die Möglichkeiten und Alternativen aufzeigt, das Bemühen der bewussten Lieferanten und Hersteller würdigt und nicht verallgemeinert.
    So kann jeder seine Entscheidung mit mehr Wissen treffen und niemand wird verteufelt.

  2. Sind nicht dennoch alle Daunen, die nicht aus Stopfmast oder Lebendprodukt stammen, ein „Abfallprodukt“ aus Massentierhaltung? Ist das dann nicht genauso wenig nachhaltig? Wenn ich nach „Bio Daunenjacke“ google, finde ich auch nur Jacken, die damit werben, dass ihr Produkt aus Schlachtung ohne Stopfmast stammt, aber das ist doch eigentlich Augenwischerei oder? Das heißt ja noch lange nicht, dass Tiere nicht dafür leiden mussten.

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