Die neuen Klimaaktivisten: Von Fridays for Future bis Extinction Rebellion

Fotos: Fridaysforfuture (Facebook, links); Extinction Rebellion Deutschland unter CC BY 4.0, beschnitten (rechts)

Sie blockieren Straßen, legen U-Bahnen sowie öffentliche Plätze lahm – und sorgen für Kontroverse. Die Klimaaktivisten von Extinction Rebellion gehören wie Fridays for Future zur neuen Klimabewegung. Utopia erklärt dir, welche Ziele die Klimaaktivisten verfolgen, und wie du unterstützen kannst.

Die Bilder gingen um die Welt: Pendler ziehen einen Klimaaktivisten vom Dach der Londoner U-Bahn und treten auf ihn ein. Szenen, die wie ein (zu erwartender) Höhepunkt einer Reihe von Protestaktionen wirken, die Extinction Rebellion in den letzten Monaten durchgeführt hat. Ohne Zweifel hat sich der Ton gegenüber den Klimaaktivist*innen verschärft.

Extinction Rebellion (XR) ist eine Klimaschutz-Organisation, die zivilen Ungehorsam zelebriert. Klimaaktivist*innen ketten sich mit Fahrradschlössern um den Hals an den Zaun des Kanzleramts, färben die Limmat in Zürich mit Uranin giftgrün, legen den Potsdamer Platz in Berlin oder eben die Londoner U-Bahn lahm. Das Inhaftiertwerden von Mitgliedern wird nicht nur in Kauf genommen, es gehört zum Plan. Und der Plan ist: auffallen, stören, für Kontroverse sorgen – und zwar solange, bis sich etwas ändert!

Was die Klimaaktivisten wollen

Eine Klimabewegung gibt es nicht erst seit Fridays for Future, auch existiert sie nicht nur im Kosmos von Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen. Bereits 2006 machte der US-amerikanische Vizepräsident Al Gore öffentlichkeitswirksam den Klimawandel zum Thema seiner Präsidentschaftskandidatur. Es entsprang das Climate Reality Project.

Während damals ein Großteil der Bevölkerung zum ersten Mal mit Klimaaktivismus in Berührung kam, weiß heute jeder zumindest grob, wofür sich Klimaaktivisten einsetzen. Klimaschutz ist “in der Mitte der Gesellschaft” angekommen – Greta sei Dank.

Auch wenn sich die Schwerpunkte und Protestformen unterscheiden, verfolgen die Aktivist*innen von Extinction Rebellion in Sachen Klimapolitik dieselben Ziele wie Fridays for Future (FFF), Greenpeace, 350.org oder Ende Gelände. Die wichtigsten sind:

1. Die Klimakrise thematisieren:
Die Veränderung unseres Klimas und die damit verbundenen Gefahren müssen Gesprächsthema werden – und bleiben. Ob in der Politik, der Wirtschaft oder am Küchentisch.

2. Den Klimawandel nicht schönreden, Klimawandel-Leugner enttarnen
Die Veränderung unseres Klimas ist ein Fakt, der nicht beschönigt werden darf – im Gegenteil. Um möglichst viele Menschen von der Dringlichkeit eines politischen Kurswechsels zu überzeugen, muss die Brisanz der Klimakrise unterstrichen werden.

3. Handeln
Nicht nur reden, sondern etwas tun, denn die Zeit drängt. So fordern Klimaaktivist*innen z. B. das Ausrufen des Klimanotstands und das Vorantreiben konkreter Maßnahmen zum Klimaschutz. Dazu gehören die Energiewende und der Kohleausstieg sowie das Einhalten der Ziele des Pariser Abkommens. Eine der dazu nötigen Maßnahmen, eine unumgängliche sogar, ist die Energiewende und somit ein möglichst schneller Ausstieg aus der Kohle. Mit dem Festhalten an Kohle, Gas und Öl wird es unmöglich, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Regierungen sollten alles daran setzen, den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben, auch weil sie sich mit dem Pariser Abkommen dazu verpflichtet haben.

4. Klimagerechtigkeit
Das Konzept der Klimagerechtigkeit betrachtet den Klimawandel auch als Frage der sozialen Gerechtigkeit und als Folge eines vom Wachstum getriebenen Wirtschaftssystems. Während wir als Teil der westlichen Welt maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, bekommen wir die Folgen weder als Erstes noch am stärksten zu spüren.

Wie wollen die Klimaaktivist*innen ihre Ziele erreichen?

„Skolstrejk för klimatet“: Mit nicht als einem Schild protestierte Greta Thunberg, das Gesicht der neuen Klimabewegung, vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm und begründete damit die Schulstreik-Bewegung von Fridays for Future.

Neben (Schul-)Streiks und Protestaktionen ist Aufklärungsarbeit ein entscheidender Bestandteil des Klimaschutz-Aktivismus: Warum ist es wichtig, über Klimaschutz zu sprechen? Warum müssen wir handeln? Was kann jeder von uns tun?

Klimaaktivist*innen wollen Medienecho erzeugen und dieses nutzen, um die eigenen Anliegen zu verbreiten. Fridays for Future gelang genau das: Klimaschutz wurde zum Thema. In den Medien, im Privaten, in der Politik – viel verändert hat sich leider (noch) nicht. Weder im Privaten noch in der Politik.

Auch aus diesem Grund gehen andere Gruppierungen weiter, indem sie gezielt Mittel des zivilen Ungehorsams nutzen. Sie wollen Reibung erzeugen, präsent bleiben. Dazu blockieren sie Straßen, Brücken und öffentliche Verkehrsmittel, besetzen Einkaufszentren, öffentliche Plätze und Kohlereviere.

Denn genau darum wird es nun gehen: Wie gelingt es den Aktivist*innen, den aktuellen Schwung zu nutzen, das Interesse (und die Sympathien) der Öffentlichkeit zu halten?

Was wir tun können

Wir alle können beitragen, indem wir Klimaaktivist*innen unterstützen oder selbst zum Klimaaktivist werden. Utopia stellt euch fünf Gruppierungen vor, die sich für Klimaschutz einsetzen:

1. Fridays for Future – „School strike for climate“

Greta Thunbergs Fridays for Future ist wohl die bekannteste Klimaschutzbewegung. Jeden Freitag protestieren weltweit tausende Schüler*innen für ihre Zukunft. Rückendeckung bekommen die Demonstrant*innen u.a. von den Scientists for Future, einem Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die die Anliegen der Jugendlichen als berechtigt und begründet einstufen.

2. Extinction Rebellion – „Rebel for life!“

Extinction Rebellion (XR) heißt etwa „Aufstand gegen das Aussterben“. Mit gewaltfreiem zivilem Widerstand wollen die XR-Aktivist*innen Regierungen zum Handeln bewegen. Damit sind sie zwar radikaler als Fridays for Future, haben jedoch klar definierte Werte. Zu ihren Protestformen gehören: Sogenannte „Die-ins“, Brücken-, Straßen- und Hafenblockaden, Theateraufführungen, Flashmobs und Trauermärsche. XR unterstützt die FFF-Proteste.

3. Ende Gelände – „System change not climate change!“

Ende Gelände ist eine Anti-Kohlekraft-Bewegung. Neben dem sofortigen Kohleausstieg fordern die Aktivist*innen tiefere Veränderungen unseres politischen Systems unter Berücksichtigung der  Klimagerechtigkeit. Für Aufmerksamkeit sorgt die Gruppierung mit jährlichen Großaktionen in deutschen Braunkohlerevieren. Der Verfassungsschutz stuft die Bewegung als linksextremistisch ein. Auch Ende Gelände unterstützt die FFF-Streiks.

4. Greenpeace – „For a green and peaceful future“

Greenpeace ist das Urgestein der Umweltschutzbewegung. Mit Kampagnen gegen Atomwaffen und Aktionen gegen den Walfang wurde die Non-Profit-Organisation bekannt. Auch für den Klimaschutz setzen sich Greenpeace-Aktivist*innen von Beginn an ein. Greenpeace solidarisiert sich mit Fridays for Future.

5. 350.org – „Climate change is about power“

350.org ist eine internationale Bewegung, die sich für eine gerechte, gleichberechtigte Zukunft engagiert, die vor den Auswirkungen des Klimawandels sicher ist. Die Aktivist*innen wollen das Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe und eine Energiewende mit erneuerbaren Energien in Bürgerhand. Regelmäßig widerlegt 350.org Argumente von Klimawandelleugnern wissenschaftlich.

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(4) Kommentare

  1. Extinction Rebellion blockiert öffentliche Verkehrsmittel, die doch den privaten PKW für Pendler ersetzen sollen? Damit die Pendler überhaupt nicht mehr zur Arbeit kommen? Das ist Freiheitsberaubung und Nötigung, also Gewalt ausgerechnet gegen diejenigen, welche den PKW stehen lassen. Hat mit Klimaschutz rein gar nichts zu tun, sondern mit Machtallüren. Faschistoid.

  2. Die Diskussion um den PKW, auch den der Zukunft ist in meinen Augen ein herumgeeiere um einen Umweltsünder, den wir aber alle brauchen. Ohne Mobilität wird es in der Zukunft nicht gehen können, auch wenn das grüne Gedankengut mancher „Politiker“ uns das Glauben machen möchte. Womit bewegen denn die sich? Die momentane Verteufelung des Verbrennungsmotors, insbesondere beim Diesel übersieht völlig, dass andere Technologien auch eine Produktionsphase ebenso wie eine Gebrauchphase haben und da liegen in den Forschungsergebnissen die Unterschiede nicht weit auseinander. Gehen wir in die Häuser, hier wird in großem Umfang mit Öl geheizt. Auch hier gibt es natürlich Alt und Neu und verbieten, ´ebenso wie das Druckmittel der Steuer. Damit kann man natürlich die Finanzeinnahmen erhöhen, welch eine Leistung. Klug ist anders. Daraus lernt man ncht. Hier gabs mal ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „Motivation und Lernerfolg“ sollten sich die Politiker mal reinziehen, nutzt aber nur, wenn die das dann auch verstanden haben, also nicht ohne Lernzielkontrolle.

  3. Diese Umweltpopulisten retten nichts und niemand sondern sorgen nur für Aufruhr. Was sind denn die Argumente, die da ins Feld geführt werden? Nirgendwo habe ich etwas gelesen, das man als sinnvolle Alternative einordnen könnte. Vorschläge, wie man etwas ändern kann auch nicht. Protest, um des Protestes Willen wirkt zerstörerisch. Klar ist, das sich etwas ändern muss. Ja aber dazu müssen sinnvolle Ansätze auf den Tisch und nicht dieses irre herumgeschreie dieser sogenannten Umweltaktivisten. Der Verdacht ist naheliegend, das es denen nur um öffentliche Aufmerksamkeit aber nicht im positiven Sinne sondern um Angst geht, die besonders in der jungen Generation Unsicherheitsgefühle verursachen soll. Statt diese Generation aufzufordern, sich Gedanken darüber zu machen, wie in konstruktiver Form die Zukunft neu gestaltet werden kann, wird diese Angst in möglichst allen Medien geschürt. Da sind wir auch gleich bei einem der Themen. Warum muss man über Fußgängerampeln diskutieren, die ihre Signale im Boden installiert haben? Warum muss man immer die neueste Technik verwenden, obwohl die „alt“ noch funktioniert oder repariert werden könnte. Warum muss man soviel Müll entsorgen, der auch zu vermeiden gewesen wäre und zwar bereits, weil er nicht produziert wurde? Darüber sollten sich diejenigen Gedanken machen, statt auf die Straße zu gehen und über die mangelhafte Politik zu weinen! Jeder kann einen Beitrag leisten, nur nicht durch Protest, das ist Zeitverschwendung! Der Mensch hat Dinge erfunden, die erstaunliches leisten können, er kann auch Dinge erfinden, die die Umwelt schonen. Gewinnstrebende Industrien die pure Massen entwickeln und produzieren, werden das nicht leisten können. Da ist erfindergeist gefordert und keine Marktschreier, die einen Kometenschweif von Mitläufern hinter sich herziehen. Protets kann gut sein, aber er muss konkrete und sinnvolle Alternativen benennen! Wer das nicht vorweisen kann oder will sollte lieber nicht auf die Straße gehen. Also macht Euch gedanken darüber, wie ihr resourcen schonen mögt und bringt diese Ideen dann vorwärts.