Diese Hersteller bieten nachhaltige Snowboard- und Skibekleidung

Nachhaltige Snowboard- und Skibekleidung
Foto: © lube - photocase.de

Wer im Winter gerne Zeit in der Natur verbringt, um Ski oder Snowboard zu fahren, sollte bei seiner Outdoor-Bekleidung darauf achten, dass sie die Umwelt – und den eigenen Körper – möglichst wenig belastet.

Glücklicherweise gibt es mehrere Hersteller, die nachhaltige Skibekleidung und Snowboard-Klamotten produzieren und sich dabei bestimmten Umweltstandards verpflichten. Wir stellen die wichtigsten vor.

Nachhaltige Skibekleidung – bitte ohne Gift!

Das größte Problem an Skibekleidung und Snowboard-Klamotten: Die meisten enthalten Gifte. Oft befinden sich Schadstoffe wie zum Beispiel PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) in der Kleidung, vor allem in den Materialien, die die Jacken oder Hosen wasser-, öl- und schmutzabweisend machen sollen. Diese Chemikalien reichern sich in der Umwelt an und sind potenziell gesundheitsschädlich.

Greenpeace testet regelmäßig Jacken und Hosen für Wanderer und Skifahrer, zuletzt in ihrem Outdoor-Report. Das Ergebnis: Bei fast allen untersuchten Markenprodukten wurden in Beschichtungen und/oder Membranen (wie zum Beispiel Gore-Tex) die potentiell schädlichen PFC gefunden.

Greenpeace-Studien zeigen zudem: Diese Chemikalien belasten die Umwelt massiv – und sind inzwischen sogar in in den abgelegensten Regionen der Erde zu finden.

Damit du deiner Wintersport-Ausrüstung die chemische Keule ersparst, haben wir uns verschiedene Hersteller für dich angesehen, die nachhaltige Skibekleidung herstellen: von etablierten Marken wie Vaude oder Patagonia bis zu jungen Labels, die mit grünen Klamotten beim Kunden punkten möchten.

Die Pioniere von Patagonia

Patagonia (erhältlich bei** Bergfreunde, Avocadostore oder Amazon) gehört zu den Pionieren, was nachhaltige Outdoormode betrifft: Seit den 70er Jahren setzt sich das Unternehmen für Umweltschutz ein. Produziert wird aus Materialien wie Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen und Bio-Baumwolle. Patagonia macht seine Lieferkette fair und transparent und ist Mitglied in verschiedenen kritischen Multistakeholder-Initiativen (z.B. Fair Labor Association), die sich für gerechte Arbeitsbedingungen einsetzen.

Ein Prozent des Umsatzes wird an Umweltorganisationen gespendet – unabhängig davon, ob Gewinn gemacht wurde oder nicht („1% For The Planet„). Und: Patagonia-Kleidung kann, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, zurückgegeben werden, damit daraus neue Jacken und Hosen entstehen. Übrigens: Patagonia hat den bisher strengsten Standard für nachhaltige Daunen entwickelt („Traceable Down Standard“).

Patagonia Worn Wear
Patagonia bietet seinen Kunden zahlreiche Anleitungen an, um Kleidung wieder instand zu setzen. (Foto: © Patagonia Inc.)

Besonders hervozuheben ist auch das „Worn Wear“-Programm: Damit setzt sich Patagonia dafür ein, Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Kunden werden gezielt informiert, wie sie ihre Outdoor-Mode reparieren können, außerdem unterstützt das Unternehmen das Recyclen, Wiederverwenden und die Weitergabe von getragenen Kleidungsstücken.

Obwohl unübersehbar ist, dass Patagonia sich überdurchschnittlich für die Umwelt einsetzt, besteht Verbesserungsbedarf beim Thema soziale Verantwortung. Als eine NGO im Jahr 2010 die Standards der Arbeitsbedingungen bei 77 Modelabels verglich, landete Patagonia nur in der zweitbesten („durchschnittlich“) von fünf Kategorien – und damit auf einem Rang mit H&M und Jack Wolfskin.

Zu den aktuellen Entwicklungen der Marke hat das Magazin Brand Eins einen aufschlussreichen Artikel veröffentlicht, auch die Zeit schrieb 2015 über Patagonia.

Vaude kämpft sich an die Spitze vor

Bei Vaude (erhältlich es bei** Bergfreunde, Avocadostore oder Amazon) wird seit 2001 ein wachsender Anteil der Produkte nach dem strengen Umweltstandard bluesign produziert. So sind beispielsweise zwei Drittel der Stoffe, die für die Winterkollektion 2018 verwendet wurden, nach diesem (weltweit strengsten) Standard für Umwelt- und Verbraucherschutz zertifiziert.

Das Unternehmen aus Tettnang, das 2015 als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet wurde, hat sich bereits 2010 einen eigenen Umweltstandard verpasst: „Green Shape“. Mit diesem Label zeichnet Vaude eigene Produkte aus, die besonders ressourcenschonend, umweltfreundlich und nachhaltig produziert wurden.

Bei der Herstellung wird auf faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette und auf transparente Bewertungskriterien geachtet. In Vaudes Winterkollektion 2018 tragen zurzeit 95 Prozent der hergestellten Kleidungsstücke das „Green Shape“-Logo und werden damit hohen Ansprüchen gerecht. Die Einhaltung gerechter Arbeitsbedingungen und transparenter Produktion kontrolliert beispielsweise die internationale Fair Wear Foundation, in der Vaude Mitglied ist.

Seit einigen Jahren setzt sich Vaude auch für die Gemeinwohl-Ökonomie ein. Dabei geht es darum, den Erfolg eines Unternehmens nicht primär am Gewinn, sondern vor allem an seinem Beitrag zum Allgemeinwohl zu bewerten. Zu den Kriterien, an denen sich die Gemeinwohl-Ökonomie orientiert, zählen nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz. Vaude erreichte bei der letzten Erfassung eine hohe Gemeinwohl-Bilanzsumme von 631 Punkten (auf einer Skala von -3.600 bis +1.000) und gehört damit zu den Unternehmen, die am besten abschnitten.

Auch auf der Website Rank a Brand wird Vaude unter den Outdoor-Marken in puncto Nachhaltigkeit am höchsten bewertet – was sicher auch damit zu tun hat, dass das Unternehmen einen vorbildlichen Nachhaltigkeitsbericht auf seiner Website anbietet. Bekannte Marken wie Schöffel, Deuter oder Burton schneiden deutlich schlechter ab.

Ein klein wenig Nachholbedarf gibt es aber auch für den (momentanen) Platzhirsch: Zwar sind schon 100 Prozent der  Bekleidung, die die Marke anbietet, seit Sommer 2018 ohne PFC; es soll aber noch bis 2020 dauern, bis Vaude bei seiner Produktion vollständig auf potentiell schädliche Fluorcarbone verzichten kann.

Vaude produziert seine Ski- und Outdoor-Bekleidung möglichst umweltschonend – und kann das auch nachweisen. (Foto: Vaude)

Jack Wolfskin – kein Wolf im Schafspelz

Auch die Kleidung von Jack Wolfskin (erhältlich bei** Bergfreunde, Globetrotter, Amazon oder direkt bei Jack Wolfskin) wird zu großen Teilen aus zertifiziert umweltfreundlichen Materialien hergestellt.

Was das bluesign-System betrifft, das umwelt- und gesundheitsbelastende Substanzen aus der Fertigung ausschließt, hat Jack Wolfskin ehrgeizige Ziele: So will der Outdoor-Hersteller aus Idstein ab 2020 alle eingesetzten Stoffe sowie 75 Prozent seiner sonstigen Materialien (Knöpfe, Reißverschlüsse, Kordeln) von bluesign-zertifizierten Herstellern beziehen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren erst zwei Drittel der Jack-Wolfskin-Sommerkollektion mit dem begehrten blauen Zertifikat versehen. Mit 74 Prozent hatte die Konkurrenz von Vaude in jenem Sommer die Nase vorn (wenn auch nur um wenige Prozentpunkte).

Dabei ist die bekannte deutsche Outdoormarke alles andere als ein Wolf im Schafspelz: Seit 2012 beziehen beispielsweise alle Jack-Wolfskin-Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausschließlich Ökostrom. Auch das Thema PFC ist bei den Wolfshäuten angekommen: So will die Outdoorfirma bis 2020 alle PFC aus seiner Produktion verbannt haben. Zur Sommerkollektion 2017 waren bereits 89 Prozent der Wolfskin-Bekleidungsprodukte PFC-frei – auch hier stehen die Zeichen gut, das selbstgesteckte Ziel zu erreichen.

Beim Thema soziale Verantwortung spielt Jack Wolfskin schon länger vorne mit: Das Label ist (wie Mitbewerber Vaude) Mitglied der Fair Wear Foundation und engagiert sich aktiv für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben.

Wir drücken die Daumen, zumal Jack Wolfskin in den letzten Jahren nicht gerade durch spektakuläre Nachhaltigkeitskampagnen aufgefallen ist. Der letzte Umweltbericht des Unternehmens wurde schon 2012 veröffentlicht – hier wäre es dringend Zeit für eine Neuauflage!

Keine Newcomer mehr: Pyua und Picture

Das junge Kieler Label Pyua (gibt es bei** Bergfreunde, Planet Sports, Amazon) verwendet GOTS-zertifizierte Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung; Baumwolle und Polyester sind gänzlich oder zumindest anteilig recycelt. Das Unternehmen legt Wert auf faire und soziale Arbeitsbedingungen, ist ebenfalls Mitglied der Fair Wear Foundation. Gutes Extra: Die Jacken, Hosen & Co. können zurückgegeben und vollständig wiederverwertet werden. Das heißt, aus einer alten Jacke von Pyua kann in der nächsten Kollektion eine neue Ski-Hose entstehen.

2008 von drei jungen Franzosen gegründet, ist das Ski- und Snowboardlabel Picture** immer bekannter geworden. Die Kleidung ist aus GOTS-zertifizierter, ökologischer Baumwolle oder recyceltem Polyester – zu mindestens 50 %. Das Besondere bei Picture: Die Winterkleidung ist bunt, jung und erschwinglich.

Bessere Materialien: Recycling-Fleece und Merinowolle

Auch bei den Materialien lohnt sich ein genauerer Blick. Recycling-Fleece ist seit Jahren ein wachsender Trend – nicht nur bei Skibekleidung. Schon 1993 setzte Patagonia als eines der ersten Outdoor-Unternehmen Fleecestoff aus wiederverwerteten Plastikflaschen ein. Das Material wird bis zu 100 Prozent aus alten PET-Flaschen gefertigt.

Natürlich wäre es noch viel besser, gar kein Plastik zu verwenden – denn durch das Waschen belasten die Fasern das Wasser. Wenn es aber Kunstfasern sein „müssen“, lässt sich durch die Wiederverwertung die Menge an Müll und CO2 enorm reduzieren – und es wird weniger Erdöl für die Plastikherstellung verbraucht. Patagonia konnte nach eigenen Angaben schon mehr als 92 Millionen PET-Flaschen wiederverwerten und somit vor der Müllhalde bewahren.

Sportkleidung aus Merinowolle und Seide: Engel Sports
Besser als Synthetik: Ski-Unterwäsche aus Merinowolle (Foto: © Engel Sports)

Deutlich umweltfreundlicher als Fleece und dabei genauso wärmend ist Merinowolle: Sie ist besonders dünn, weich, atmungsaktiv, geruchsabweisend – und frei von Kunststoff.

Wer Ski-Oberteile, Funktionsunterwäsche oder Jacken aus Merinowolle kauft, sollte sich aber unbedingt vergewissern, dass der Hersteller seine Wolle von nachhaltigen Schafsfarmen bezieht. Hier werden die Tiere artgerecht gehalten, es gibt kein so genanntes „Mulesing“, zudem wird das Land, auf dem die Tiere leben, nachhaltig genutzt.

Ein kleiner Geheimtipp in Sachen Outdoor-Kleidung aus Merinowolle ist das Label Kaipara**. Die Produktion der Wolle entspricht den höchsten Standards hinsichtlich Tierschutz, Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit und hat die strengsten Zertifikate, die es in Neuseeland gibt. Zur Weiterverarbeitung kommt die neuseeländische Wolle in eine kleine Schneiderei ins Allgäu.

Engel Sports (gibt’s zum Beispiel bei** Avocado Store, Bergfreunde) kombiniert für seine hochwertige Funktionsunterwäsche und Sportkleidung hochwertige Bio-Merinowolle mit Seide; produziert wird in Deutschland.

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(6) Kommentare

  1. Sinnvoller wäre es ja wohl, daß die genannten Sportarten garnicht mehr ausgeübt würden, weil dadurch ein erheblicher Teil an Umweltschäden verursacht wird (statt zu animieren noch mehr Plastik zu verbrauchen).

  2. Echt jetzt? Ich verstehe ja, dass man irgendwo anfangen muss, aber „wer die Natur wenig belasten möchte“ sollte o.g. Sportarten ganz sicher nicht betreiben. Wer die ein oder andere Skipiste mal im Sommer gesehen hat, dem könnte es durchaus dämmern, dass da was nicht passt.

  3. Liebes Utopia,
    wenn ihr ‚Amazon‘ ernsthaft als Bezugsquelle aufführt, würde ich gerne mal eure Positionierung lesen. Oder ist der Lieferweg für die Nachhaltigkeit unbedeutend?
    Beste Grüße!

  4. Hallo Dominikus,
    vielen Dank für dein Feedback. Wir können deine Kritik gut nachvollziehen. Zur Erklärung: Unser Ziel ist es, viele verschiedene Möglichkeiten zu nachhaltigerem Konsum aufzeigen und damit ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Wir wissen natürlich, dass es dafür bessere Bezugsquellen gibt als Amazon (und haben auch schon mehrmals kritisch über Amazon berichtet). Wir wissen aber auch, dass viele Leute ausschließlich Amazon nutzen und diesen möchten wir zeigen, dass sie auch dort nachhaltige Produkte kaufen können.

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