Erdöl in Kosmetik: Die tägliche Ölkatastrophe im Bad

Erdöl / Mineralöl in Kosmetik
Foto: Pepper Ann, Quelle: photocase.com

Wieder und wieder machen Ölkatastrophen und ihre Folgen Schlagzeilen: verschmutzte Strände, ölverklebte Vögel, zerstörte Lebensräume. Die Industrie, aber auch wir Konsumenten sind daran durch unsere hohe Nachfrage nach billigem Erdöl mitschuld. Utopia zeigt, welche Verantwortung die Kosmetikbranche trifft und was jeder Einzelne gegen Mineralöl in Kosmetik tun kann.

Jeder von uns kennt die Bilder von den zerstörerischen Folgen der Erdölförderung: Die Havarie der Exxon Valdez, die Explosion der Deepwater Horizon, die leckenden Pipelines im Nigerdelta. Öl aus der Erde zu pumpen, ist riskant und wird angesichts schwindender Vorkommen und hoher Nachfrage immer riskanter. Bei der anschließenden Verbrennung als Treibstoff werden riesige Mengen klimaschädliches CO2 frei. Aber nicht nur für Benzin oder als Energiequelle, sondern auch für Alltagsgüter wie Verpackungen, Textilien und Kosmetik wird Mineralöl gefördert.

Mineralöl in Kosmetik

In vielen Hautpflege- und Kosmetikprodukten kommt als Fettbestandteil Mineralöl zum Einsatz. Mineralöl wird aus Rohöl destilliert und findet in der Kosmetikindustrie oft als sogenanntes „Weißöl“ oder Paraffin Verwendung. Weltweit werden jedes Jahr zehntausende Tonnen Mineralölprodukte für die Kosmetikbranche hergestellt. Mit diesen Mineralölprodukten waschen, cremen und pflegen sich täglich Millionen Menschen. Da Mineralöl, beispielweise in Cremes und Lotions, nicht in die Haut einziehen kann, landen diese Mengen beim Duschen oder Baden direkt im Abwasser, das dann aufwendig gereinigt und aufbereitet werden muss.

Für Mineralöl in Pflegeprodukten spricht vor allem der Preis: Verglichen mit anderen Ölen ist es ein billiger Rohstoff. Es ist leicht zu verarbeiten und ermöglicht so eine preiswerte Massenproduktion. Das bedeutet aber keineswegs, dass es nur in billiger Kosmetik zu finden ist; auch teure Markenprodukte enthalten oft Mineralöl. Im Gegensatz zu pflanzlichen Ölen ist Mineralöl sehr lange haltbar und von gleichbleibender Qualität. Pflanzenöle reagieren mit Licht, Luft und Wärme und können schnell ranzig werden; die Qualität kann variieren. In Kosmetika werden Pflanzenöle daher oft durch zusätzliche Konservierungsstoffe geschützt.

Paraffin aus Erdöl

Selbst wenn mit Versprechungen wie „Paraffin ist eines der besten Öle, das in Hautpflegemitteln verwendet werden kann“ geworben wird, solltest du äußerst kritisch sein. Paraffin ist, ebenso wie Vaseline, ein häufiger Inhaltsstoff von Pflegeprodukten und Salben. Wie Benzin, Diesel und Heizöl wird auch Paraffin unter hohem Energieaufwand aus Erdöl gewonnen – inklusive aller Umweltrisiken der Erdöl-Förderung und -Transporte. Wie alle Erdölprodukte hat auch Paraffin keinen gesundheitlichen Mehrwert für die Haut. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass es sich in Leber, Niere, Lymphe und der Lunge anreichern kann; sogar in Muttermilch wurde schon Paraffin nachgewiesen. Die Anwendung in medizinischen Salben und vor allem in Babyöl ist daher bedenklich.

Ein kleiner Preisvergleich macht deutlich, warum die Industrie trotz alledem noch immer auf Paraffin und andere Mineralölprodukte in Pflegeprodukten sezt: Bei einem Onlinehändler für Naturwaren kosten verschiedene Pflanzenöle derzeit bis zu 50 Euro pro Liter bzw. Kilogramm:

  • Avocadoöl ca. 15 €
  • Arganöl ca. 50 €
  • Jojobaöl ca. 43 €
  • Kokosöl ca. 11 €
  • Wildrosenöl ca. 40 €

Vaseline, Paraffin oder „medizinisches Weißöl“ ist dagegen für etwa 6 bis 10 € pro Kilogramm erhältlich.

Erdöl lässt die Haut nicht atmen

Mineralöl als Bestandteil von Kosmetika hat also für die Hersteller Vorteile. Für die Verbraucher dagegen wirken es nur auf den ersten Blick vorteilhaft: Lotions und Cremes, die Erdöl bzw. Substanzen auf Mineralölbasis enthalten, lassen die Haut glatt und weich aussehen. Denn Mineralöl legt sich wie ein Film auf die Haut, zieht aber nicht ein. Dadurch wird die Haut nach innen und außen abgeschlossen – sie kann nicht atmen. Das kann längerfristig zu Unreinheiten und Faltenbildung führen und die Haut austrocknen. Zudem können durch regelmäßige Anwendungen von mineralölhaltigen Produkten die hauteigenen Regulierungsmachanismen abgeschwächt werden; die Haut wird abhängig vom Öl. Wer echte Pflege möchte, sollte besser auf Produkte mit pflanzlichen Ölen zurückgreifen. Ihre Zusammensetzung ähnelt der natürlichen Schutzschicht der Haut, darum sind sie hautverträglich und schonend für Mensch und Umwelt.

Mineralöl in Kosmetik erkennen

Mineralölbestandteile müssen auf der Inhaltstoffliste von Pflegeprodukten angegeben werden, sind aber nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Hinter folgenden Begriffen verbirgt sich Mineralöl: Ceresin, Diisopropyl Adipate, Mineral Spirits, Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, (Hydrogenated) Microcrystaline Wax, Isohexadecane, Paraffin, Synthetic Wax, Mineral Oil, Petrolatum, Vaseline, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit.
Für die Ölsuche in Kosmetika gibt es praktische Helfer, zum Beispiel die App von Barcoo. Neben Mineralölbestandteilen erkennt die App auch andere fragwürdige Inhaltsstoffe wie hormonell wirksame Substanzen und synthetische Duftstoffe.

Noch mehr Erdöl im Bad

Erdöl versteckt sich nicht nur in herkömmlichen Pflege- und Kosmetikprodukten. Auch die meisten Kunststoffe werden auf Basis von Erdöl hergestellt: fast alle Verpackungen für Pflegeprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel, Toilettenpapier und Hygieneartikel tragen zur täglichen Ölkatastrophe bei. Auch viele Duschvorhänge, Badematten und Handtücher enthalten erdölbasierte Kunstfasern. Noch gibt es leider nicht für alles sinnvolle Alternativen, der „Blaue Engel“ jedoch zertifiziert einige Verpackungsmaterialien aus recyceltem Kunststoff.

Erdöl meiden

Wer keine Ölkatastrophe im Bad möchte, sollte bei Kosmetik und Pflegeprodukten genau hinsehen. Meide mineralölhaltige Produkte und verwende lieber Cremes und Lotions auf Pflanzenölbasis. Pflanzenöle werden ohne Risiko für die Umwelt und mit Hilfe des Sonnenlichts von den Pflanzen synthetisiert. Es sind nachwachsende Rohstoffe, die biologisch abbaubar sind. Ihre Zusammensetzung ähnelt hauteigenenen Substanzen, sie sind hautverträglich und pflegend. Naturkosmetikhersteller verwenden nur pflanzliche Öle, daher sind zertifizierte Naturkosmetikprodukte für verantwortungsvolle Konsumenten immer noch die beste Wahl.

Für Kunststoffe gibt es leider noch kaum Alternativen, die wirklich umweltfreundlich sind. Bis auf Weiteres ist und bleibt es daher die ökologischste Lösung, Verpackungen aus Kunststoff und Kunstfasern so weit wie möglich zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.

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