Grüne Crowdfunding-Plattformen: mit wenig Geld sinnvoll investieren

Crowdfunding-Plattformen
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Ökosoziale Projekte und Produktideen brauchen genauso Geld wie alle anderen auch. Spezialisierte Plattformen für Crowdfunding und Crowdinvesting können es beschaffen – und jeder Bürger kann mitmachen und sie aktiv unterstützen.

Wer heute eine Idee für ein nachhaltiges Produkt hat, wird damit wahrscheinlich trotz Businessplan nur schwer Geldgeber finden – zumindest nicht unter konventionellen Banken. Hier springen die Crowdfunding-Plattformen in die Bresche.

Crowdfunding und Crowdinvesting erlauben es, mit Hilfe vieler Menschen (mit wenig Geld) auch umfangreiche und teure Ideen zu finanzieren und umzusetzen. Das Kofferwort aus „Crowd“ (Menschenmenge) und „Funding“ (Finanzierung) erklärt eigentlich schon das Prinzip: Bei der „Gruppenfinanzierung“ überzeugt man viele Kleinstanleger von einer Sache, statt ein, zwei Großinvestoren zu gewinnen.

Crowdfunding-Plattformen: Ideen treffen Investoren

Sowohl private Personen als auch Gruppen, Vereine und Unternehmen können per  „Schwarmfinanzierung“ gezielt Geld einsammeln, Startup-Unternehmen statten sich per Crowdinvesting mit dem nötigen Startkapital aus. Designer mit interessanten Ideen schieben die Finanzierung eines einzelnen Produktes per Crowfunding an.

Im Zuge solcher Gruppenfinanzierungen hat das Internet eine völlig neue Form der „Börse“ hervorgebracht: die Crowdfunding-Plattformen. Sie bieten Geldsuchenden und Kleinstinvestoren den Rahmen einer technischen Infrastruktur, innerhalb der sich Projekte präsentieren und Zahlungen abwickeln lassen.

Crowdfunding-Plattformen
Crowdfunding-Plattformen helfen dabei, Ideen zu verwirklichen (Bild: © venimo - Fotolia.com)

Beides ist gleichermaßen wichtig. Erstens verkaufen sich gute Ideen nicht von selbst: Man muss für sie werben, mit Mini-Websites, Texten, Bildern, Videos und Social Media. Zweitens braucht man unbedingt eine verlässliche Infrastruktur für die Zahlungsabwicklung. Gruppenfinanzierte Projekt dürfen es ja nicht bei der Frage belassen: „Würdet ihr mitmachen, wenn wir es machen würden?“. Es muss die von den Nutzern bereitgestellten finanziellen Beteiligungen fest einbuchen (und ggfs. zurückzahlen) können.

Ist Crowdfunding besser als Börse?

Nüchtern betrachtet „spekuliert“ auch der einzelne Crowd-Anleger auf ein bestimmtes Projekt. Scheitert es, verliert er beim Crowdfunding in der Regel nichts, nur beim Crowdinvesting kann er sehr wohl alles verlieren. Letzteres ist so gesehen fast wie Börse, nur ohne den Handel mit spekulativen Papieren. Doch an der Börse geht es meist allein ums Geld, bei („grünen“) Invests um das konkrete Wissen, wünschenswerten Industrien, Ideen, Unternehmen und Produkten zum Erfolg verhelfen zu können.

Bekannt sind vor allem die allgemeinen Crowdfunding-Systeme, etwa Kickstarter, Startnext und Indiegogo. Es gibt aber auch auf Nachhaltigkeit spezialisierte Crowdfunding-Plattformen wie Ecocrowd sowie Crowdinvest-Plattformen wie Bettervest, Green Rocket und andere: Sie präsentieren ausschließlich grüne, nachhaltige oder ökosoziale Ideen und fordern ihre Nutzer auf, in diese zu investieren.

Wer  mit wenig Geld sinnvolle Projekte finanzieren will, kann aber auch einfach spenden. Die Top-Plattform für Online-Fundraising ist www.betterplace.org.

EcoCrowd: ‚amtliches‘ Crowdfunding

Hinter der 2014 gestarteten Plattform EcoCrowd stehen namhafte Unterstützer wie die Deutsche Umweltstiftung und das Umweltbundesamt. Technisch orientiert sich EcoCrowd an gängigen Vorbildern wie Startnext oder VisionBakery.

Inhaltlich unterscheidet man sich jedoch von allgemeineren Plattformen. Vor allem kann nicht jeder einfach ein Projekt einstellen; das EcoCrowd-Team prüft alle Projekte vor der Freischaltung auf Nachhaltigkeit und Ernsthaftigkeit. So haben Betrüger (die gibt es nämlich inzwischen leider auch) und Spaßvögel keine Chance.

Crowdfunding-Projekt bei EcoCrowd
Crowdfunding-Projekt bei EcoCrowd (Screenshot: ecocrowd.de)

Für die Crowdfunder gibt es keine Limits: Jeder kann sich mit Namen und E-Mail anmelden und ist schon mit wenigen Euro dabei. Auch sehr schön: Schon für 100 Euro kann jeder „Aktionär“ werden, auch ist man offen für die Hilfe von Experten, die Projekte begleiten können.

Im Vergleich zu Kickstarter und ähnlichen konventionellen Branchenriesen existieren nur wenige nachhaltige Projekte. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen, diese Plattform mal zu besuchen.

Info: www.ecocrowd.de

Oneplanetcrowd: Crowdfunding aus den Niederlanden

Die 2012 in den Niederlanden gestartete Crowdfunding-Plattform Oneplanetcrowd war von 2014 bis 2016 in Deutschland aktiv, international und in englischer Sprache ist die Plattform noch immer nutzbar. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf ökosozialen Projekten, Oneplanetcrowd will vor allem Unternehmen und NGOs unterstützen. Aber: Die letzten Presseinformationen stammen von 2017, die letzten Blogbeiträge von 2016. Die Plattform wirkt etwas vernachlässigt – wir raten derzeit ab.

Info: www.oneplanetcrowd.com

Umwelt bei normalen Plattformen

Ehrlich gesagt ist die Szene der grünen Crowdfunding-Plattformen in Deutschland ziemlich mau und sie schrumpft eher als dass sie wächst. Aber man kann auch bei den klassischen Anbietern fündig werden.

Hier drei Startpunkte:

Bettervest: Crowdinvesting ab 50 Euro

Ausdrücklich nachhaltigen Projekten hat sich auch das 2012 gestartete Bettervest** verschrieben. Hier geht es vor allem um nachhaltige Energieprojekte bei Unternehmen, Sozialträgern, Vereinen und Kommunen oder darum, den Klimaschutz in Entwicklungsländern projektbezogen zu unterstützen. Die Plattform wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem Qualitätssiegel “Werkstatt N” ausgezeichnet,

Bettervest ist allerdings weniger eine Crowdfunding- als eine Crowdinvesting-Plattform. Der Unterschied ist, dass die Projekte meist etwas größer sind beim Crowfunding und seltener von Einzelpersonen privat initiiert werden. Auch sind die Risiken erheblich größer, zugleich aber die Investitionssummen bei Crowdinvestments höher. Aber keineswegs unerschwinglich: Auch bei Bettervest kannst du schon mit 50 Euro einsteigen.

Crowdinvesting-Projekt bei Bettervest.com
Crowdinvesting-Projekt bei Bettervest.com (Screenshot: bettervest.com)

Bettervest ist zudem auf Energiesparen spezialisiert: Die stets zweckgebundenen Projektgelder fließen in ökologisch und ökonomisch sinnvolle Energieeffizienzmaßnahmen, die zu Kosten-, Energie- und CO2-Einsparungen führen. Und nicht zuletzt wird hier der Crowdfunder an den Einsparungen beteiligt und erhält so eine Rendite auf sein Investment.

Die Hürden für Crowdinvestoren sind gering, nach Anmeldung mit den üblichen Zugangsdaten kann es losgehen. Projekte haben es etwas schwieriger, denn es muss sich um erwiesenermaßen sinnvolle Energieinvestitionen handeln, so dass man hier als Initiator um aktive Projektbetreuung und -prüfung nicht herum kommt.

Info**: www.bettervest.com

Green Rocket: nachhaltig durchstarten in Österreich

„Es gibt so viele gute Geschäftsideen!“, findet Green Rocket aus Österreich und bietet sich ausdrücklich als Crowdfunding-Platorm für nachhaltige Unternehmen an. Adressiert werden vor allem die Zukunftsthemen Energie, Umwelt, Mobilität und Gesundheit. Von der Solarzelle über Bio-Grillkohle bis zur Mode ist alles dabei.

Obschon Green Rocket aus Österreich kommt, sind doch auch deutsche Investoren und Unternehmen willkommen. Wie Bettervest ist Green Rocket weniger eine Crowdfunding- als vielmehr eine Crowdinvestment-Plattform. Dabei sind Equity-based Crowdfunding (oder „Crowdinvesting“) sowie Lending-based Crowdfunding („Geld gegen Zinsen“) möglich. Startups und etablierte Unternehmen können gleichermaßen mitmachen.

Crowdinvestoren können (mit Risiko) ab 250 Euro einsteigen, so hat jeder die Möglichkeit, online in ausgewählte Unternehmen zu investieren. Als Investor ist man Risikokapitalgeber (Venture Capital Investor) und verwaltet quasi sein eigenes Portfolio an nachhaltigen Unternehmensbeteiligungen.

Info: www.greenrocket.de

Crowdinvestments sind grünes Geld

Neben den genannten gibt es noch weitere Plattformen im Bereich der Nachhaltigkeit:

  • Econeers konzentriert sich auf erneuerbare Energien wie Biogas, Waldenergie oder Solaranlagen (Crowdinvestment mit Risiko, ab 250 Euro).
  • Auch LeihDeinerUmweltGeld widmet sich Projekten, bei denen es vor allem um Energieeffizienz geht (Crowdinvestment mit Risiko, ab 100 Euro).
  • FunderNation** ist nicht ausdrücklich ein grünes Crowdinvest-System, hat aber immer wieder auch Projekte zum Thema Nachhaltigkeit im Portfolio.

Crowdfunding vs. Crowdinvestments

Beim Crowdfunding nach der Art von EcoCrowd gibt es selten Verlierer. Im Bestfall erhält man etwas, und sei es nur ein Dankeschön. Im schlechtesten Fall kommt das Projekt nicht zustande und es fließt kein Geld.

Demgegenüber sind Crowdinvesting-Plattformen risikobehaftet: Im besten Fall bringt die investierte Summe, die etwa bei minimal 50 Euro (Bettervest) bis 250 Euro (Green Rocket, Econeers) liegt, eine passable Rendite – nicht verdächtig viel, aber mehr als bei der Bank. Im schlechtesten Fall, nämlich dem möglichen Totalverlust, ist das Geld allerdings weg.

Dafür winken umgekehrt Renditen von 4 bis 7 Prozent, was angesichts der aktuellen Zinssituation als üppig gelten darf. Und: Es handelt sich fast immer um sinnvolle Projekte im größeren Maßstab. Dafür darf man auch mal ein kalkuliertes Risiko eingehen.

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(5) Kommentare

  1. Aktuell an diesem Beitrag ist wohl vor allem das Datum? EcoCrowd und Oneplanetcrowd haben keine aktuellen Projekte. Ausserdem enthält der Beitrag einige Unebenheiten: 1. Spende/Tauschgut/Geldanlage ist alles bunt gemischt 2. „Aktionär“ werden Teilnehmer/innen nur in begrenzten Ausnahmefällen. Schade eigentlich, dieses interessante Thema so zu verwursten.

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