Nachhaltige Grillkohle: Warum du bei Holzkohle genau hinschauen solltest

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Sommer bedeutet für viele Deutsche vor allem eines: Grillen. Wir verraten dir, wie Grillen auch nachhaltig funktioniert und was du bei der Grillkohle beachten musst.

Wir Deutsche sehen uns gern als Grillweltmeister. Viele von uns grillen im Sommer fast jede Woche und eingefleischte Grillfans verzichten auch im Winter nicht auf das Grillerlebnis. Doch Grillen ist leider oft alles andere als umweltfreundlich: Angefangen von Billigfleisch, über Einweggrills bis hin zu Plastikgeschirr.

Was viele vergessen: Auch die Grillkohle spielt eine wichtige Rolle. Die meisten greifen fürs Grillen zu Holzgrillkohle oder Briketts. Holzkohle brennt schneller, allerdings glüht sie auch schneller durch. Grillbriketts brauchen länger, um zu brennen, glühen dafür aber länger als Holzkohle.

Nachhaltige Grillkohle: Woher stammen Holzkohle und Briketts?

Egal ob Holzkohle oder Briketts, beide kommen nur sehr selten aus Deutschland. 2017 importierte Deutschland etwa 215.000 Tonnen Holzkohle. Mehr als die Hälfte der Grillkohle stammte dabei aus Polen (79.000 Tonnen), Paraguay (32.000 Tonnen) und der Ukraine (23.000 Tonnen). Holzkohle aus Polen wiederum ist oft Importware aus Ukraine oder Nigeria.

Die Firma ProFagus ist eines der wenigen Unternehmen, das noch industriell Holzkohle in Deutschland produziert. Das Unternehmen verwendet nach eigener Aussage ausschließlich Buchen-Resthölzer aus der Säge- und Möbelindustrie, die aus nachhaltig bewirtschafteten deutschen Wäldern stammen. Auf Tropenholz wird verzichtet. Allerdings fehlt ein FSC- oder Naturland-Siegel (dazu später mehr).

Tropenholz in Holzkohle: leider keine Seltenheit

Wenn auf der Grillkohle-Verpackung keine konkreten Angaben zum Ursprung des Holzes zu finden sind, wurde sehr wahrscheinlich Tropenholz beigemischt. Nigeria ist beispielsweise ein großer Grillkohle-Exporteur, die Grillkohle wird dabei durch Abholzung im Regenwald gewonnen.

Grillkohle besteht oft aus Tropenholz.
Tropenholz ist bei Holzgrillkohle leider keine Seltenheit. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels / Pok Rie)

Holzkohleprodukte unterliegen nicht der EU-Holzhandelsverordnung. Wie der WWF 2018 herausfand, wird importierte Holzkohle selten überprüft. Mehr noch: Überwiegend überlässt Deutschland den Importeuren die freiwillige Kontrolle der Holzkohle und ihrer Herkunft – auch wenn die Kohle im Verdacht steht, illegal abgebaut zu werden. Nigerias Umweltministerium z.B. stufte die heimische Holzkohleproduktion gegenüber dem WWF als illegal ein.

Transparenz bei Holz und Herkunft? Fehlanzeige!

Nicht immer findet man auf der Verpackung der Holzkohle verlässliche Angaben zum verwendeten Holz, geschweige denn zu dessen Herkunft. Stiftung Warentest kam 2019 zu einem ernüchterndem Ergebnis:

  • Auf mehr als der Hälfte der getesteten Grillkohlesäcke fehlten Holzart und Herkunft.
  • Zudem fanden die Tester in fast jedem dritten Sack Kohle aus den Tropen oder Subtropen – eine der Grillkohlen davon hatte sogar ein FSC-Siegel!

Ähnlich ein WWF-Test von 2018

  • Nicht einmal auf jeder fünften Verpackung gab es laut WWF eine exakte Angabe zu den verwendeten Holzarten.
  • Und selbst bei diesen Packungen stimmten die Laborergebnisse nicht immer mit den angegebenen Holzarten überein.

Fehlen Herkunftsland und verwendete Holzarten auf der Grillkohleverpackung, ist das leider oft ein Anzeichen dafür, dass das Holz aus Regenwäldern stammt. Denn welcher Hersteller gibt gerne offen zu, dass er Tropenholz verwendet und damit maßgeblich zur Zerstörung der Regenwälder beiträgt?

Utopia meint: Wenn schon Holzkohle, dann kauf am besten zertifizierte Holzkohle aus Buchenholz – die gibt es auch aus der Region (zum Beispiel bei Nero).

Öko-Test testete 2020 ebenfalls Grillkohle von 20 verschiedenen Anbietern. Auch in diesem Test wies das Labor in vier Grillkohlen Tropenholz nach. Lies dazu auch unseren Beitrag Öko-Test Grillkohle: Die Hälfte ist empfehlenswert.

Wie wichtig ist ein Siegel für nachhaltige Grillkohle?

Bei Holzgrillkohle stellt das DIN-Prüfzeichen DIN EN 1860-2 als Mindestanforderung sicher, dass die Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthält.

Dennoch solltest du bei konventioneller Grillkohle unbedingt auch auf ein Holz-Siegel wie

  • FSC – Forest Stewardship Council (von NABU und BUND empfohlen),
  • Naturland (von NABU und BUND empfohlen) oder
  • PEFC (vom Landwirtschaftsministerium empfohlen, von NABU und BUND nicht empfohlen)

achten. Die drei Siegel stehen für eine nachhaltigere Holzwirtschaft. Allerdings ist das nur sinnvoll, wenn die Grillkohle wenigstens aus europäischen Laubwäldern stammt.

Die Grillkohle von Nero hat ein Naturland-Siegel. Sie ist nach unseren Recherchen die derzeit einzige Holzgrillkohle mit Bio-Zertifikat. Auch ein Öko-Test-Hinweis oder Test von Stiftung Warentest können hilfreich sein.

Was nicht ausreicht, sind Angaben wie

  • „kein Tropenholz“,
  • „Naturprodukt“,
  • „natürlicher Herkunft“,
  • „aus bewirtschafteten Forstbeständen“

– ohne Siegel als Beleg sind diese gesetzlich nicht klar geregelten Aussagen wenig bis gar nichts wert.

Nachhaltige Alternativen zur Holzkohle

Vier nachhaltige Alternativen zu Grillkohle aus Holz:

Ein großer Vorteil: Alle vier Grillkohlealternativen sind landwirtschaftliche Abfallprodukte. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren Grilleigenschaften und beim Transportweg.

Nachhaltige Grillkohle aus Olivenkernen oder Kokosschalen
Nachhaltige Alternativen zur Holzkohle: Grillen mit Olivenkernen, Weinreben, Kokosschalen oder Maisspindeln. (Foto: CC0 / pixabay / Bru-nO)

Grillen mit Olivenkernen

Die Grillbriketts aus Olivenkernen sind ein Abfallprodukt der Olivenölpressung. Sie werden gut heiß und brennen oft länger als herkömmliche Holzkohle. Außerdem haben die Olivenkernbriketts einen recht kurzen Transportweg.

Grillen mit Weinreben

Weinreben und Weinstöcke sind Abfallprodukte der Weinindustrie und können zu Grillkohle verarbeitet werden. Die Weinreben-Grillkohle ist schnell entzündbar, entwickelt aber vergleichsweise viel Rauch. Zudem ist nicht immer ist klar, wie viele Pestizide aus der Weinindustrie noch in den alten Reben stecken. Immerhin haben die Weinreben wie die Olivenkerne keinen langen Transportweg.

Grillen mit Kokosnussschalen

Bei der Kokosnussöl- und Kokosmilchproduktion fallen viele Kokosnussschalen als Abfallprodukt an. Diese eignen sich gut als Grillbriketts. Die Kokosbriketts legen allerdings bis zu uns einen langen Transportweg zurück, das ist schlecht.

Grillen mit Maisspindeln

Maisspindeln sind ein Abfallprodukt der Maisernte. Getrocknete Maisspindeln eignen sich gut als Grillkohle. Die Maiskohle entzündet sich schnell, man benötigt aber ein wenig mehr Maiskohle als Holzkohle. Die Maisspindeln punkten mit einem kurzen Transportweg. Ein Wermutstropfen: Die Maisspindeln stammen nicht immer aus ökologischer Landwirtschaft.

Nachhaltig und umweltschonend Grillen – so klappt’s

Grillkohle richtig anzünden

Hast du dich für nachhaltige Grillkohle entschieden, verzichte auch beim Grillanzünder auf Chemie. Synthetische Grillanzünder können krebserregende Stoffe freisetzen, meist bestehen sie aus Kerosin, Petroleum oder N-Paraffin – alles Erdöl-Produkte.

Besser ist es, die Kohle mit Reisig, Holzspäne oder Wachs zum Brennen zu bringen. Natürliche Anzünder aus Holz (online bei **Memolife) sind ebenfalls eine gute Wahl. Oder du besorgst dir Wachsreste und Sägespäne du machst Grillanzünder einfach selber.

Vermeide zudem eine starke Rauchentwicklung. Geeignete Grillanzünder und eine ausreichende Luftzufuhr helfen dir dabei. Auch eine trockene Lagerung der Holzkohle ist wichtig. Wird die Grillkohle nämlich feucht, qualmt sie beim Entzünden recht stark.

Setze auf Gas- oder Elektrogrills mit Ökostrom

Auch Gas- oder Elektrogrills sind umweltfreundlicher als das Grillen mit Holzkohle. Am besten betreibst du einen Gas- oder Elektrogrill natürlich mit Ökostrom. Wir haben dir eine Liste guter Ökostromanbieter mit Leser-Bewertungen zusammengestellt und mit dem Stromvergleich von Utopia findest du den günstigsten Ökostromanbieter in deiner Gegend.  

Verzichte beim Grillen auf Fleisch

Und der größte Hebel für umweltschonendes Grillen: Fleischloses Grillen! Das schmeckt viel besser, als manche glauben. Verzichte ruhig mal auf das gegrillte Steak oder die Bratwurst und probiere unsere leckeren vegetarischen und veganen Alternativen aus:

Vegetarisch grillen: Halloumi Gemüse Spieße
Vegetarisch grillen schmeckt total lecker – zum Beispiel Halloumi-Gemüse-Spieße (Foto: "Courgette, Tomato & Halloumi Skewers with Za'atar" Foodmoods unter CC BY 2.0)

Die richtige Entsorgung der Grillkohle

Holzgrillkohle muss gut abkühlen und gehört anschließend in den Restmüll. In den Kompost solltest du sie höchstens in geringen Mengen entsorgen. Sonst könnten sich Schwermetalle aus der Asche später in deinem Obst und Gemüse wiederfinden.

Und wie wird der Grill wieder sauber? Lies hier, mit welchen Hausmitteln du deinen Grillrost richtig reinigst.

Fazit: Worauf muss ich bei nachhaltiger Grillkohle achten?

Utopia meint: Ab und an Grillkohle zu kaufen, ist vertretbar, solange du die folgenden Punkte beachtest:

  • Enthält die Verpackung präzise Angaben zu den verwendeten Holzarten?
  • Ist das Ursprungsland des Holzes angegeben – und gibt es dort Regenwälder?
  • Hat die Holzkohle das DIN-Prüfzeichen 1860-2?
  • Besitzt die Grillkohle ein Siegel von PEFC, FSC oder Naturland?

Keinesfalls solltest du Billig-Holzkohle aus fernen Ländern kaufen, die kein Siegel hat. Heimische Holzkohle aus Buchen solltest du auf jeden Fall bevorzugen. Noch besser sind aber die nachhaltigen Grillalternativen, wie Grillkohle aus Olivenkernen, Weinreben oder Maisspindeln.

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(1) Kommentar

  1. Am Ende der sinnvollen Kaskadennutzung von Biomasse könnte jede Menge Pflanzenkohle anfallen, die man wunderbar nehmen kann, um den Boden dauerhaft in ertragreiche Terra Preta zu verwandeln. Und zum gelegentlichen Grillen fällt dabei natürlich auch was ab.
    Nachhaltig nachwachsene Biomasse natürlich vorausgesetzt. Der perfekte Kreislauf mit vielen positiven statt negativen Nebeneffekten 😉