Nachhaltig mit kleinem Geldbeutel: 10 Ideen für den Alltag

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Fotos: "veggie_cut" von Oregon State University unter CC-BY-SA 2.0, © sima - Fotolia.com, Pixabay CCO Public Domain

Nachhaltig leben ist gleich teuer leben? Ein Irrglaube. Wer bewusst konsumiert, kann im Gegenteil sogar Geld sparen – und vor allem seinen Horizont erweitern.

Vom Essen bis zur Stromversorgung – wir haben uns die verschiedenen Aspekte des Alltags einmal genauer angeschaut und Tipps fürs nachhaltige Leben mit knappem Geldbeutel zusammengestellt.

1. Günstiger nachhaltiger essen

Nachhaltiger leben heißt beim Einkauf von Lebensmitteln oft erst mal „Bio“, doch wer bisher im Discounter einkaufte, wird bei den Preisen im Bio-Laden vielleicht nach Luft schnappen.

Es lohnt sich aber, genauer hinzusehen: Es gibt nämlich günstigere und teurere Ketten und die Preise der verschiedenen Bio-Supermärkte unterscheiden sich stark. Außerdem gibt es auch in Bio-Supermärkten neben den meist höherpreisigen Bio-Markenprodukten günstige Hausmarken der jeweiligen Biomarkt-Kette.

Und niemand muss seinen „normalen“ Supermarkt meiden: Dort, inzwischen auch im Discounter, findest du meist ebenfalls preiswerte Bio-Produkte, auch von den jeweiligen Eigenmarken.

10 Mini-Tipps für den Alltag

  1. Koche selbst und meide Fertigprodukte: Sie sind meist teurer, als wenn du dir das gleiche Gericht selbst kochst. Sie verursachen außerdem Müll.
  2. Vegetarisch: Fleisch ist teuer, weniger Fleisch und Wurst zu verwenden ist daher günstiger – und auch gesünder.
  3. Gelegenheiten: (Bio-) Supermärkte bieten Produkte günstiger an, wenn ihr Mindesthaltbarkeitsdatum naht, es sich um nicht mehr ganz makelloses Gemüse handelt oder sie ausgelistet wurden. Auf Wochenmärkten kannst du besonders am Samstagabend kurz vor Schluss günstiger Lebensmittel bekommen.
  4. Bäcker: Viele Läden verkaufen „Brot vom Vortag“ deutlich günstiger. Unsere Karte zeigt dir, wo du die Läden findest.
  5. Trinken: Leitungswasser ist so viel preiswerter als gekauftes Flaschenwasser. Auch unterwegs kannst du deine Flasche damit einfach kostenlos auffüllen.
  6. Saisonal kaufen: Haben Obst und Gemüse in deiner Region Saison, sind sie meist günstiger. Achte auf unseren Saisonkalender.
  7. Reste retten: Mit der App Too good to go bekommst du vor Laden- oder Restaurantschluss günstig die Reste des Tages.
  8. Eigenes Gemüse: Vielerorts gibt es Nutzflächen oder Bauerngärten, auf denen du dein eigenes Bio-Gemüse anbauen kannst. Die Parzelle kostet zwar Miete, wenn du dir Ernte und Arbeit mit anderen teilst, kann es sich jedoch lohnen. Frag doch auch mal rum: Vielleicht hat jemand eine Ecke im Schrebergarten, die du bewirtschaften kannst.
  9. Gratis nutzen: Mundraub zeigt dir, wo man Bäume frei ernten kann – konservieren hilft, um diese Waren dann haltbar zu machen. Auch bei der Nachernte kannst du kostenlos ernten, nämlich liegengebliebenes Gemüse auf Feldern. Tipp: Auf der Plattform foodsharing als„Lebensmittelretter“ aktiv werden.
  10. Selber machen: Viele Dinge kannst du ganz einfach (und meist deutlich günstiger) selber machen, etwa Hafermilch selber machenSprossen ziehen oder Brot selber backen. Lies dazu auch: 15 Dinge, die du nicht kaufen musst – sondern einfach selber machen kannst.
Sprossen ziehen: so einfach gelingt es zu Hause
Sprossen ziehen: so einfach gelingt es zu Hause (Foto: Utopia/vs)

2. Günstige Körperpflege und Kosmetik

Kosmetik ist schon teuer genug, und Naturkosmetik ist scheinbar noch teurer als herkömmliche Kosmetik. Und doch kannst du auch hier im Alltag nachhaltiger einkaufen, ohne deinen Geldbeutel zu stressen:

  • Achte auf die Bio-Hausmarken der großen Drogerieketten, denn die sind günstiger. Beispiele sind Alverde (dm) oder Alterra (Rossmann). Auch diese günstigen Eigenmarken bieten sowohl Klassiker wie Duschgels und Haarshampoos als auch Kosmetik wie Make-up-Entferner oder Tagescremes.
  • Nimm Duschseifen und Haarseifen. Die kommen ohne Verpackung aus und sind daher nachhaltiger. Und weil sie erfahrungsgemäß lange halten, sind sie längerfristig gerechnet auch noch günstiger als Duschgels. Lies auch: Haarseifen im Test.
  • Viele Kosmetik kannst du günstiger auch selber machen, etwa Haarkuren, Deo, Lippenbalsam oder Peeling.
Haarseife Haarewaschen
Haarseife anwenden (Foto: © Utopia, Pixabay / CCO Public Domain)

3. Kleidung: günstig gebraucht shoppen

Ein weiterer großer Kostenfaktor im Vorhaben „nachhaltig leben mit wenig Geld“ ist der Kauf von Kleidung. Große Ketten produzieren mittlerweile bis zu 12 Kollektionen im Jahr und verführen uns damit zum Dauerkonsum. Die Folge: Auch wenn T-Shirts und Hosen wenig Geld kosten, summieren sich die einzelnen Teile auf eine ordentliche Summe Geld. Dabei wird nur ein Bruchteil der Kleidung in unserem Schrank dann tatsächlich getragen.

  • Kaufe lieber weniger, dafür aber faire Mode. Sie kostet oft kaum mehr als Markenprodukte, manche Bio-Jeans sind sogar billiger als Markenjeans.
  • Auf den zahlreichen Flohmärkten und in den Second-Hand-Läden in jeder Stadt kannst du günstig gebrauchte Kleidung shoppen.
  • Online kannst du auf Portalen wie Kleiderkreisel günstig gebrauchte Kleidung erstehen. Alle Portale im Überblick gibt es in unserem Artikel.
  • Besonders Kinderkleidung sollte man gebraucht kaufen, schließlich brauchen die Kleinen alle paar Monate neue Kleidung. Das geht besonders online gut.
  • Mittlerweile gibt es in fast jeder größeren Stadt regelmäßig öffentliche Kleidertauschparties. Das Konzept: Jeder bringt ausgemusterte Kleidung von zu Hause mit und tauscht sie vor Ort gegen Kleidung, die besser gefällt. Informier dich online, wann und wo es die nächste Tauschparty gibt oder organisier selbst eine bei dir zu Hause mit Freunden und Bekannten.
  • Umsonstflohmärkte funktionieren nach dem gleichen geldlosen Prinzip, dort gibt es nicht nur Kleidung.
Nachhaltige Kleidung: Gebraucht kaufen
In Second-Hand-Läden findest du nicht nur günstige Kleidung, sondern auch Klamotten abseits des Mainstreams. (Foto: © sima - Fotolia.com)

Eigentlich braucht ein Kleiderschrank nicht Unmengen an Klamotten: Schicke Basics, kombiniert mit einzelnen besonderen Teilen reichen meist aus. Mehr dazu in unserem Beitrag „Der minimalistische Kleiderschrank„.

4. Wäsche waschen: weniger ist besser

Nachhaltiges Verhalten schont schon für sich genommen deinen Geldbeutel:

  • Wir waschen unsere Kleidung ohnehin zu häufig. Versuche daher, die Zeit bis zum nächsten Waschen etwas zu strecken. Stopfe nichts in die Waschmaschine, nur weil du ohnehin gerade eine fertig machst und „es sich dann lohnt“.
  • Viele verwenden viel zu viel Waschmittel. So verbraucht jeder von uns fast acht Kilogramm Waschmittel pro Jahr. Schau auf den Dosierungshinweis auf der Verpackung und orientiere dich am Härtegrad deines Wassers.
  • Versuche, Waschmittel gezielt etwas niedriger zu dosieren.
  • Wasche stark verschmutzte Wäsche gesondert. Hier verwendest du dann die normale Dosierung – möglichst von ökologischem Waschmittel.
  • Mehr Tipps im Ratgeber Die 8 größten Waschmaschinen-Fehler.

Tipp: Waschen mit der Natur!
Waschaktive Substanzen machen Efeu und Kastanie zu natürlichen Waschmittel-Alternativen. Sammle Kastanien im Herbst und verarbeite sie zu Waschmittel. Lies hier mehr über Kastanien-Waschmittel und Efeu-Waschmittel.

Waschmittel selber machen aus Kastanien
Waschmittel mit Kastanien einfach selber machen (Foto: Utopia/vs)

5. Putzmittel: mit Hausmitteln reinigen

In den meisten Schränken dürften sich mindestens acht verschiedene Reiniger finden: fürs Bad, fürs Glas, fürs WC, Scheuermilch, Fliesenputzmittel, Teppichreiniger, Desinfektionsmittel oder Kalkentferner. Das geht ins Geld – und ist unnötig.

Nachhaltiger für dich und die Umwelt ist es, Putzmittel mit Hausmitteln wie Natron, Kernseife, Soda, Essig und Zitronensäure selbst herzustellen. Diese fünf Hausmittel ersetzen fast alle Putzmittel!

Frühjahrsputz mit Hausmitteln
Diese Hausmittel reichen für eine gründliche Reinigung aus. (Foto: © Utopia)

6. Günstig und umweltfreundlich unterwegs sein

Ein Auto kostet nicht wenig: zunächst in der Anschaffung, dann im Unterhalt (Versicherung, Reparatur) – und durch den Sprit. Deutlich günstiger (und umweltfreundlicher) ist das Fahrrad.

  • In kostenlosen Reparatur-Werkstätten wie etwa vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) lernst du, dein Fahrrad selbst zu reparieren. Dort trägst du nur die Kosten für die Ersatzteile.
  • Wer in der Stadt wohnt, kann die täglichen Wege oft schneller mit dem Rad zurücklegen als mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Wenn es doch Bus oder Bahn sein soll: Viele Bundesländer bieten mit dem Sozialticket ermäßigte Fahrausweise für Menschen mit geringerem Einkommen an.
  • Günstige Bahntickets gibt es noch auf vielen anderen Wegen.
günstige Bahntickets
Günstige Bahntickets gibt es zum Beispiel mit der BahnCard (Foto: © kasto / Fotolia.com)

7. Günstig lesen & Filme schauen

Nachhaltig konsumieren heißt vor allem auch: Dinge länger und vielfach zu nutzen: Das geht besonders bei Büchern gut.

  • Die gute alte Bibliothek ist da ein passender und günstiger Anlaufpunkt, sowohl für Bücher als auch für Filme. Neuerscheinungen sind zwar schnell ausgeliehen, die große Auswahl entschädigt jedoch für die etwaige Wartezeit.
  • Bücher kannst du außerdem gut gebraucht und somit für einen Bruchteil des Originalpreises kaufen.
  • In öffentlichen Bücherschränken findest du jede Menge kostenlose Literatur, die Idee dahinter: Jeder kann Bücher hineinstellen und neue wieder herausnehmen, so entsteht ein permanenter Austausch. Oder starte doch mit Kollegen und Freunden einen eigenen Buchzirkel!

Tipp: Seit Kurzem bieten die Bibliotheken mit filmfriend ein Streamingportal für Filme an. Dort gibt es etwa 1000 Serien, Spielfilme und Dokumentationen, die du mit deinem Bibliotheksausweis kostenlos streamen kannst.

8. Smartphone: gebraucht ist die bessere Wahl

Die Industrie versucht uns einzureden, dass wir alle zwei Jahre ein neues Handy benötigen. Lass dich nicht von Werbebotschaften verführen – Technik hält in der Regel sehr viel länger. Nutze dein Smartphone so lange wie möglich und wähle bei der Neuanschaffung ein gebrauchtes Handy. Das hat folgende Vorteile:

  • Es ist deutlich günstiger als ein neues Handy.
  • Du verhilfst dem mit wertvollen Rohstoffen gespickten Handy zu einem längeren Leben.
  • Du vermeidest dadurch Müll und schonst das Klima.
Smartphone Diät
Neues Handy soll her? Schau dich auf Gebrauchtportalen um. (Foto: © Stocksnap / Kaique Rocha)

Nicht zuletzt kannst du Geld beim Tarif sparen: Vergleiche Handy-Tarife und wechsle öfter mal den Anbieter. Frag doch mal deine Freunde, welchen Anbieter sie empfehlen können. Gebrauchte Handys findest du zum Beispiel bei asgoodasnew.com oder reby. Hier kannst du nachlesen, wo du sonst noch Elektronik online gebraucht kaufen kannst.

9. Strom sparen

Jeder von uns kann im Alltag Strom sparen und somit Geldbeutel und Klima schonen.

  • Schalte bei deinen Geräten den Standby-Modus aus. Denn Standby kostet oft mehr Geld und Strom als die eigentliche Nutzung des Geräts in Betrieb.
  • Wähle bei Neuanschaffungen wie Staubsauger oder Waschmaschine Modelle mit niedrigem Stromverbrauch.
  • Durch dein eigenes Heizverhalten kannst du richtig viel Energie – und somit auch Geld – sparen. Angefangen mit einem programmierbaren Thermostat, bis hin zu praktischen Tipps wie Stoßlüften statt Dauerkippen: Hier findest du 12 Tipps zum Energiesparen.
  • Viele Kühlschränke sind außerdem zu kalt eingestellt, die optimale Kühlschrank-Temperatur liegt bei 7 °C.

Ökostrom aus erneuerbaren Energien ist deutlich teurer als Energie aus Kohle und Atom? Nicht unbedingt, in manchen Fällen ist Ökostrom sogar preiswerter als der vom städtischen herkömmlichen Versorger. Wir helfen dir beim Stromanbieterwechsel.

Richtig heizen: 10 Tipps zum Energiesparen
Clever heizen spart Energie und Geld (Foto: © Gudellaphoto – Fotolia.com)

10. Selbst reparieren

Viele Dinge werfen wir vorzeitig weg, um dann schnell Ersatz zu holen. Das geht ins Geld – erst recht, wenn man ständig Billigware nachkauft, die dann wieder schnell kaputt geht.

  • Überprüfe, ob kaputte Kleidung nicht noch genäht, defekte Haushaltsgeräte nicht noch repariert werden können.
  • Hilfe gibt es in den zahlreichen Repair-Cafés, in offenen Werkstätten (wie in der Fahrrad-Werkstatt) und auch online, etwa in YouTube-Tutorials oder bei ifixit.
  • Es gibt immer wieder öffentliche Repair-Aktionen wie die Patagonia „Wore Wear“-Tour, bei der man seine Kleidung kostenlos zum Flicken abgeben kann.
  • Helft euch gegenseitig im Freundeskreis: Eine umgenähte Hose gegen ein selbst gebackenes Brot? Gute Idee!

Fazit: Nachhaltig zu leben mit kleinem Geldbeutel ist möglich. Vorausgesetzt, man ist offen, neue Wege zu gehen und eigene Routinen zu ändern. Unsere Vorschläge sind Ideen, die jeder nach seinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten umsetzen kann und darf. Wir freuen uns über eure Ergänzungen in den Kommentaren.

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(2) Kommentare

  1. Kleidung kann man auch sehr günstig selber nähen es gibt auch schöne Schnittmuster für Anfänger. Bei VHS, ASG oder verschiedenen Familienbildungswerken gibt es Anfängerkurse falls man noch nie genäht hat.

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