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Hefe-Mythen: Warum Menstruation und Vollmond keine Rolle für einen saftigen Hefeteig spielen

Foto: CC0 / Pixabay / webandi

Hefe-Mythen gibt es viele. Zwei der gängigsten schreiben der Menstruation und dem Vollmond eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Hefeteig zu. Das ist nicht nur falsch, sondern reproduziert teilweise auch problematische Ansichten.

Hefeteig soll man angeblich nicht backen, wenn man gerade menstruiert: Der Teig gehe dann nicht richtig auf. Stattdessen sei es aber absolut empfehlenswert, Hefeteig bei Vollmond anzusetzen. Beide Hefe-Mythen sind wissenschaftlich nicht bestätigt. Eine der beiden Volksweisheiten reproduziert zudem eine patriarchale und misogyne Ideologie.

Hefe-Mythen: Hefe und die Menstruation

Der Mythos, dass du Hefeteig niemals zubereiten solltest, wenn du gerade deine Menstruation hast, geht auf eine veraltete pseudowissenschaftliche Annahme zurück. Laut dem Online-Magazin Scientific American behauptete der Arzt Bela Schick in den 1920er Jahren, das sogenannte Menotoxin entdeckt zu haben. Dabei handelte es sich Schick zufolge um einen Giftstoff, der sich im Schweiß und im Blut menstruierender Menschen befinden sollte.

Als menstruierende Menschen identifizierte Schick zur damaligen Zeit ausschließlich Frauen. Ein erstes Indiz für das Vorhandensein von Menotoxin sei eine Beobachtung zu Blumensträußen gewesen. So konnte Schick angeblich feststellen, dass Blumen, die menstruierende Frauen angefasst hatten, deutlich schneller welkten. Auch Hefeteig gehe Schick zufolge nicht auf, wenn er von einer menstruierenden Person berührt worden sei. Der amerikanische Arzt behauptete nämlich, das „Menotoxin“ unterbinde die Aufspaltung der Hefepilze, so das Magazin You Know.

Laut You Know widmeten sich Forschende bis in die 1970er Jahre der Erforschung von Menotoxin. Schick und andere Wissenschaftler:innen nutzten diese angeblichen Erkenntnisse in erster Linie für frauenfeindliche Schlussfolgerungen. Wie Scientific American berichtet, kam es dabei zu einer Pathologisierung von Frauen: Aufgrund des Menotoxins wurde bereits das Frausein an sich zur Krankheit. Zudem wurden Frauen für die Verbreitung anderer Krankheiten verantwortlich gemacht.

Heute ist klar, dass die vermeintlichen Erkenntnisse von Schick und anderen Forschenden wissenschaftlich nicht haltbar sind. Sie basieren in erster Linie auf unprofessionellen Beobachtungen, die statistische Grundlagen vermissen lassen. Hefe-Mythen, die sich auf die Menstruation beziehen, sollten also längst der Vergangenheit angehören.

Hefe-Mythen: Hefe und der Mond

Die meisten Hefe-Mythen haben wenig mit der Realität zu tun.
(Foto: CC0 / Pixabay / webandi)

Aus Back-Foren und Alltagsgesprächen kennst du vielleicht diverse Hefe-Mythen, die sich auf den Zyklus des Mondes beziehen. So vertritt ein Forumsbeitrag auf Chefkoch.de beispielsweise die Überzeugung, dass Hefeteig besser gelinge, wenn du ihn bei Vollmond zubereitest.

Auch diese Aussage ist wissenschaftlich nicht haltbar. Es gibt keinen wissenschaftlichen Ansatzpunkt, der erklären könnte, ob und wie sich der Mond auf Hefepilze auswirkt. Dieser Mythos ist zwar deutlich weniger problematisch als die erste Hefe-Weisheit, ist aber in seinem Wahrheitsgehalt ähnlich fragwürdig. Sicherlich schadet es deinem Teig zwar nicht, wenn du ihn bei Vollmond zubereitest. Wenn der Teig jedoch einmal nicht gelingt, liegt es vermutlich nicht an der Mondphase, sondern an anderen Faktoren.

Kein Mythos: So gelingt dein Hefe-Teig

Abseits der Hefe-Mythen gibt es einige Tipps und Hinweise, die dir tatsächlich dabei helfen können, einen gelungenen und fluffigen Hefeteig herzustellen:

  • Wie du Hefe richtig verwendest, hängt davon ab, ob du sie in getrockneter oder frischer Form verwendest. Trockenhefe findest du in Form von kleinen Tütchen im Backwarenregal des Supermarkts. Frische Hefe liegt hingegen im Kühlregal.
  • Frische Hefe solltest du immer erst mit etwas Zucker und lauwarmer Flüssigkeit vermengen und kurz stehen lassen. In diesem Vorteig fangen die Hefepilze direkt mit ihrer Arbeit an und bilden kleine Bläschen. Nach ein paar Minuten kannst du die Mischung mit den restlichen Zutaten verrühren.
  • Trockenhefe kannst du direkt mit den anderen Zutaten vermengen. Hier braucht es keinen Vorteig.
  • Damit ein Hefeteig gelingt, ist es wichtig, dass du ihm ausreichend Zeit zum Gehen lässt. Lasse ihn dabei idealerweise bei einer Temperatur zwischen 25 und 30 Grad gehen.
  • Achte darauf, dass die Temperaturen nicht zu hoch sind! Bei mehr als 45 Grad arbeiten die Hefepilze nicht mehr und der Teig geht dann nicht mehr auf.
  • Du kannst Hefeteig auch im Kühlschrank gehen lassen. So laufen die Spaltungsprozesse der Hefepilze jedoch deutlich langsamer ab. Du musst den Hefeteig dann je nach Rezept mindestens über Nacht ruhen lassen. Mehr dazu erfährst du hier: Hefeteig im Kühlschrank: So kannst du ihn dort gehen lassen.
  • Weitere Tipps findest du in diesem Artikel: Hefeteig-Rezept: Einfaches Grundrezept mit Anleitung.

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