Mythen und Fakten rund um Himalayasalz

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Rund um Himalayasalz ranken sich Mythen und Märchen, die Gemüter erhitzen sich – und viele Menschen geben jede Menge Geld für das rosafarbene Salz aus. Was steckt dahinter?

Sogenanntes Himalayasalz ist grundsätzlich ein durch Eisenoxide (Rost) oder Algen rosa gefärbtes Steinsalz, welches zu mindestens 97% aus Natriumchlorid, also ‚Kochsalz‘ besteht. Steinsalz, geologisch Halit genannt, wird aus Salzlagerstätten abgebaut, die dadurch entstanden sind, dass vor etwa 200 Millionen Jahren Meere eingetrocknet sind und das durch die Verdunstung entstandene Meersalz abgelagert wurde.

Durch geologische Vorgänge befinden sich diese Salzlagerstätten heutzutage unter Tage. Es handelt sich bei Steinsalz also grob gesagt um ‚Millionen Jahre altes Meersalz‘. Auch in Deutschland gibt es Salzlagerstätten, zum Beispiel in Niedersachen und im Berchtesgadener Land.

Warum also sollte man statt ‚Alpensalz‘ das um ein Vielfaches teurere Himalayasalz kaufen? Die Verkaufsstrategen haben sich dafür Argumente überlegt, denen wir mal nachgehen möchten.

„Himalayasalz kommt aus dem Himalaya“

Diese Aussage landete am Oberlandesgericht Köln schon vor dem Kadi, weil das meiste sogenannte ‚Himalayasalz‘ aus der Provinz Punjab aus Pakistan stammt, die aber gar nicht im Himalaya liegt.

Das Gericht entschied, dass bei einer solchen Bewerbung des Salzes eine Verbrauchertäuschung vorliege, denn „wer die Produkt-Informationen in der Verpackung lese, erwarte zumindest, dass das Salz in einem Tal oder am Fuß des Hochgebirgsmassivs gewonnen werde und deshalb besonders rein sei. Das Salz stamme aber nicht aus dem Gebirgsmassiv Himalaya.“

„Himalayasalz enthält Mineralien und gesunde Inhaltstoffe“

Anhänger und Verkäufer behaupten, der größte Unterschied zu herkömmlichem Salz sei der hohe Mineralstoffgehalt. Manche Anbieter werben sogar damit, das Salz enthalte ‚alle 84 Elemente‘ (von 94 natürlich vorkommenden). Das ist eher Marketinggeklingel: Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (VIS) konnte jedoch in einer Untersuchung von Himalayasalz nur acht Elemente nachweisen, und es ist sicher nicht verkehrt, dass Elemente wie Arsen oder Blei nicht enthalten sin.

Auch die Stiftung Warentest konnte nicht viel im hochgelobten Himalayasalz finden: „Auch im Kristall­salz Himalaya konnte das Labor die 84 Elemente nicht nach­weisen, die Anhänger diesem Salz­typ zusprechen.“

Die Untersuchung der Bayern kommt zu dem Schluss: „Begleitelemente sind zwar vorhanden, aber in einem Umfang, der ernährungsphysiologisch ohne Bedeutung ist.“ Denn um den Bedarf an diesen Stoffen über Salz zu decken, müsste man eine große (riesengroße!) Menge Salz aufnehmen, die gesundheitlich nicht tragbar ist.

Die DGE empfiehlt eine maximale Aufnahme von 6 Gramm Salz pro Tag.

„Himalayasalz ist naturbelassen“

Grundsätzlich ist jedes Natursalz (im Unterschied zu Industriesalz) naturbelassen. Es kommt darauf an, welche Zutaten der Verkäufer noch hinzufügt. Und das kann man nicht immer erkennen, denn sogenannte ‚Rieselhilfen‘ wie z.B. Kalk müssen nicht deklariert werden. Das heißt: Auch, wenn keine Zusätze auf der Verpackung des Gourmetsalzes aufgedruckt sind, können trotzdem welche enthalten sein.

„Himalayasalz ist unbelastet“

Himalayasalz entstand tatsächlich in einer Zeit, in der es noch kein Mikroplastik im Meer gab und in der noch keine Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser gelangten. Doch dies betrifft alle Steinsalze. Auch solche, die in Deutschland abgebaut werden und nur wenige Kilometer Anreise ins Supermarktregal haben – und einen Bruchteil des Salzes kosten, das um den halben Erdball gereist ist.

„Himalayasalz ist besonders rein“

Je höher der Gehalt an Natriumchlorid, desto reiner ist ein Salz. Himalayasalz enthält jedoch ’nur‘ 97-98% Natriumchlorid. Siedesalz ohne Zusätze wie Jod, Fluorid oder Rieselhilfen besteht zu 100% aus Natriumchlorid. Wirklich ‚rein‘ ist Himalayasalz daher nicht, wie auch die Stiftung Warentest im Vergleich zu Siedesalz bemerkt: „Der hohe Natrium­chlorid­anteil in den Siede- und einfachen Meersalzen spricht für hohe Reinheit.“ Ein ‚reines Salz‘ muss also nicht erst von Pakistan zu uns gebracht werden, es steht bereits aus deutschen Salzlagerstätten im (Bio-) Laden!

„Himalayasalz senkt den Blutdruck und ist gesund“

Ganz im Gegenteil. Und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) findet dazu klare Worte: „Die Zusammenhänge zwischen Speisesalzzufuhr und Blutdruck sind eindeutig: Eine hohe Speisesalzzufuhr erhöht das Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie).“ Da Himalayasalz zu mindestens 97% aus Natriumchlorid, also Salz besteht, führt auch ein erhöhter Konsum dieses Salzes zu Bluthochdruck und kann ihn keinesfalls senken.

Auch die Verbraucherzentrale NRW rät strikt davon ab: „Der Rat, mittels Sole erhöhten Blutdruck zu senken, ist gesundheitlich höchst bedenklich, denn es kann nicht nur den Stoffwechsel und Wasserhaushalt stören, sondern auch die Nieren belasten.“ Viel Himalayasalz zu sich zu nehmen ist also alles andere als eine gesunde Idee!

„Himalayasalz gleicht den Säure-Basen-Haushalt aus“

Verfechter der ‚basischen Ernährung‘ empfehlen oft das Salz aus dem Himalaya, um das Säure-Basen-Gleichgewicht des Körpers wieder auszugleichen. Diese Idee ist wissenschaftlich jedoch nicht haltbar, denn ein gesunder Mensch reguliert das Säure-Basen-Verhältnis ganz von allein und braucht dazu weder spezielle Ernährung, noch bestimmte Basenpulver oder weit gereistes Salz.

Wo keine ‚Übersäuerung‘ stattfindet, kann auch kein Salz helfen. Die DGE äußert sich dazu wie folgt: „Eine durch die Ernährung verursachte Übersäuerung ist bei Gesunden jedoch nicht zu befürchten. Verschiedene Puffersysteme unseres Körpers regulieren die Säure-Basen-Konzentration im Blut und halten sie konstant. Zusätzliche ‚basenfördernde‘ Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen ist unnötig.“

„Himalayasalz fördert Gesundheit und Wohlbefinden“

Glaubt man so manchen Werbestrategen, so ist das teure Salz ein günstiges Allheilmittel gegen fast alle Gesundheitsprobleme. Einige dieser Ideen sollten dann doch eher zum Schmunzeln als zum Salzkauf anregen. Zum Beispiel:

  • „Himalayasalz hat eine viel versprechende Wirkung bei Problemen mit dem Blutzucker“
  • „unterstützt die Reduktion von häufigen Anzeichen der Hautalterung“
  • „senkt die Entstehung von Atem- und Nebenhöhlenproblemen“
  • „erhöht durch Mineralien die Knochenfestigkeit“
  • „fördert einen gesunden Schlafrhythmus“
  • „verbessert die Libido“
  • „beseitigt Gifte“

Weiter kann man von „Schwingungskomponenten“ und „lebendigen Elementen“ lesen, durch welche die (geringen) Gehalte der Mineralien „besonders gut aufgenommen werden können“. Auch zu diesen Aussagen gibt es diverse Stellungnahmen aus naturwissenschaftlicher Sicht, wie vom bereits zitierten Bayerischen Staatministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: „Die bioenergetische Wirkung, für die es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt, ist daher eher dem esoterischen Bereich zuzuordnen.“

Utopia empfiehlt

Das viel gelobte und hoch besungene Himalayasalz hält nicht, was manche (Ge-)Werbetreibende versprechen. Weder aus ökologischer Sicht noch unter gesundheitlichen Aspekten erscheint es uns sinnvoll, Himalayasalz zu kaufen. Es gibt in Deutschland genug Steinsalzlagerstätten (z.B.  in Rheine, Bad Doberan, Bad Friedrichshall und Bad Reichenhall), aus denen genauso „reines“ Salz abgebaut wird, welches genauso entstanden ist wie das Himalayasalz, aber deutlich günstiger und klimaschonender bei uns in der Suppe landet. Bei Salz aus dem Bio-Laden ist zudem die Wahrscheinlichkeit groß, dass es ohne Rieselhilfe auskommt.

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