Indoor Farming: Das brauchst du dafür

Indoor Farming
Foto: Alona Vibe

Indoor Farming ist eine neue Form der Pflanzenkultivierung, für die du weniger Platz und weder Garten noch Gemüsebeet benötigst. Wir erklären dir, wie das Konzept funktioniert und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt.

Im Zuge des steigenden Bevölkerungswachstums benötigen wir immer mehr Ackerfläche, um Nahrungsmittel anzubauen. Gleichzeitig schaden wir dem Boden durch Monokulturen, Düngemittel und Pestiziden und machen so viele Landflächen unfruchtbar. Regenwaldrodung für mehr Nutzfläche ist klimaschädlich und zerstört den Lebensraum vieler Pflanzen- und Tierarten.

Um diesen Problemen vorzubeugen, suchen Forscher:innen kontinuierlich nach platzsparenden Lösungen für den Anbau von Nutzpflanzen. Eine solche Lösung ist das Indoor Farming.

Was ist Indoor Farming?

Wie der Begriff schon verrät, erfolgt der Anbau von Pflanzen beim Indoor Farming nicht im Freien, sondern in einem geschlossenen System – also einer Halle, einem Container oder einem Gewächshaus, so die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Die Pflanzen bekommen dabei weder Sonnenlicht, noch Wind oder Niederschlag ab. Um die Sonne zu ersetzen, kommen LEDs zum Einsatz. Diese können das Sonnenlicht zwar nicht exakt reproduzieren, Forscher:innen können die Intensität der Beleuchtung jedoch gezielt an die Bedürfnisse spezifischer Pflanzenarten anpassen.

Auch andere Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bewässerung werden bei Indoor Farming von automatisierten Systemen geregelt. Für die Bewässerung nutzen Wissenschaftler:innen Nährlösungen, die nicht nur Wasser, sondern alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Auch diese können sie individuell an die jeweilige Pflanzenart anpassen.

Indoor Farming tritt oft in Kombination mit Vertical Farming auf. Vertical Farming bedeutet, dass Pflanzen in mehreren Schichten übereinander angebaut werden. Das gelingt durch sogenannte Regalbeete. Dieses Konzept ist für Indoor Farming besonders sinnvoll: Schließlich können Betreiber:innen die Fläche einer Halle so optimal nutzen. Zudem können automatisierte Systeme verhindern, dass einige Pflanzen zu wenig LED-Licht abbekommen. So können viele Regalbeete rotieren und den Pflanzen abwechselnd die benötigte Lichtzeit verschaffen. Mehr dazu erfährst du hier: Stapelweise Grün: Wie Vertical Farms die Landwirtschaft verändern.

Indoor Farming: Das sind die Vorteile

Mithilfe von Indoor Farming können wir verschiedene Lebensmittel platzsparend anbauen.
Mithilfe von Indoor Farming können wir verschiedene Lebensmittel platzsparend anbauen.
(Foto: CC0 / Pixabay / ejaugsburg)

Pflanzen durch Indoor Farming anzubauen, bringt laut HSWT verschiedene Vorteile mit sich:

  • Da automatisierte Systeme viele wichtige Faktoren wie Niederschlag, Nährstoffhaushalt, Sonnenlicht regeln, verhindern sie Schwankungen und beugen dadurch Ernteausfällen vor. Indoor Farming ist demnach besonders ertragreich.
  • Im Zusammenspiel mit Vertical Farming ist diese Variante des Pflanzenanbaus im Gegensatz zu herkömmlicher Landwirtschaft deutlich platzsparender.
  • Technische Vorkehrungen verhindern, dass sich Schädlinge und Krankheiten ausbreiten. Deshalb ist es nicht nötig, Pestizide einzusetzen.
  • Indoor Farming kann dazu beitragen, Wasser einzusparen. So fängt das System Wasser auf, das Pflanzen durch Verdunstung und Transpiration an die Umgebung abgeben, und verwendet es weiter.
  • Der Anbau ist unabhängig von den Umweltschwankungen der Jahreszeiten. Jede Pflanze kann beim Indoor Farming zu jeder Zeit angebaut werden.
  • Für Produzent:innen sind Anbau und Ernte besonders gut planbar. Sie müssen Witterungsbedingungen oder Krankheiten nicht mit einplanen und Ernteausfälle sind sehr unwahrscheinlich.
  • Indoor Farming erlaubt es, jede Obst- und Gemüsesorte regional anzubauen. Auch Mangos, Ananas und andere Lebensmittel, die weite Transportwege bis nach Deutschland zurücklegen müssen, könnten so in deutschen Hallen wachsen.

Anbau ohne Natur: Die Nachteile

Bei all den ökologischen Vorteilen weist das neue Konzept der Landwirtschaft auch Nachteile auf, so die HSWT:

  • So ist Indoor Farming sehr energieintensiv. Besonders für Beleuchtung und automatisierte Bewässerungsanlagen ist viel Strom nötig. Das wirkt sich besonders klimaschädlich aus, wenn es sich dabei nicht um Ökostrom handelt, sondern um Energie aus fossilen Brennstoffen (wie Kohle).
  • Zudem ist noch viel Forschung nötig, um allen Pflanzenarten optimale Bedingungen zu bieten.
  • Auch kann es in den komplexen Systemen immer wieder zu Fehlern oder Ungenauigkeiten kommen. Auch diese können, ähnlich wie schwankende Witterungsbedingungen, die Pflanzen beeinflussen und eventuell auch Ernteausfälle hervorrufen.
  • Durch den hohen Stromverbrauch und den Forschungsaufwand ist Indoor Farming mit hohen Kosten verbunden. Bislang ist es deshalb deutlich günstiger, saisonale und regionale Lebensmittel im Freiland oder einem herkömmlichen Gewächshaus anzubauen. Auch diese müssen keine langen Transportwege zurücklegen und sind im Gegensatz zu Indoor-Farming-Produkten deutlich nachhaltiger: Sie haben dank natürlicher Sonne, Erde und Regen eine deutlich niedrigere Energiebilanz.

Indoor Farming: Projekte im Großen und Kleinen

Infarm integriert Indoor Farming in das Angebot eines Supermarkts.
Infarm integriert Indoor Farming in das Angebot eines Supermarkts.
(Foto: Infarm)

Unternehmen nutzen Indoor Farming bereits für die Lebensmittelherstellung. Beispielsweise baut das Unternehmen AeroFarms in New Jersey in den USA 900 Tonnen Gemüse mithilfe von Indoor und Vertical Farming auf 6.500 Quadratmetern an. Das Gemüse wächst ganzjährig auf zwölf Etagen in einer ehemaligen Stahlfabrik. So schafft es das Unternehmen, einen Ertrag zu erzielen, der im Gegensatz zur herkömmlichen Landwirtschaft 390 Mal höher ist.

Das Berliner Unternehmen Infarm hat Indoor Farming in das Angebot eines Supermarktes integriert. Pflanzen wachsen dabei in zwei Meter hohen Glasvitrinen. Das Unternehmen kontrolliert Beleuchtung, Bewässerung und andere Faktoren über eine cloudbasierte Plattform. Zum Pflanzen und Ernten kommen Mitarbeiter:innen regelmäßig in die Filiale. Das geerntete Gemüse kann der Supermarkt anschließend direkt zum Verkauf anbieten. Zum Sortiment gehören bislang Pilze, Kräuter, Salatsorten und Microgreens.

Indoor Farming zu Hause

Den Growroom kannst du nachbauen und so Indoor Farming auf etwas größerer Fläche bei dir zu Hause umsetzen.
Den Growroom kannst du nachbauen und so Indoor Farming auf etwas größerer Fläche bei dir zu Hause umsetzen.
(Foto: Niklas Vindelev)

Mithilfe von bestimmten Tools kannst du Indoor Farming im Kleinen auch in der eigenen Wohnung umsetzen. Wir stellen dir einige Produkte genauer vor:

  • Der PlantCube des Münchner Unternehmens Agrilution ist eine 84 Zentimeter hohe Box, die du als Küchenmodul in deine Küche integrieren kannst. Auf zwei Etagen kannst du Kräuter, Microgreens und kleine Salate anbauen. Bewässerung, Licht und Temperatur regelt der Cube automatisch. Die Samen bekommst du integriert in kleine biologisch abbaubare Matten, die die Pflanzen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Der Preis liegt bei etwa 3.000 Euro.
  • Die sogenannte Wall Farm von Click & Grow nimmt etwas mehr Platz in Anpruch. Die Pflanzenwand ist über 2 Meter hoch und etwa 1,34 Meter breit. Auf zwei bis drei Etagen können verschiedene Früchte, Blumen, Salate und Kräuter wachsen. Die Wall Farm kann entweder frei stehen oder in die Küchenzeile integriert werden. Die Erde des Indoor-Farming-Konzepts versorgt die Pflanzen konstant mit Nährstoffen. Auch für Licht ist gesorgt. Nur das Wasserreservoir unter den Pflanzen musst du hin und wieder nachgießen. Samen bekommst du in kleinen Kapseln geliefert. Der Preis für die Variante mit drei Etagen beläuft sich auf etwa 1.299 Euro.
  • Den sogenannten Growroom hat ein dänisches Design-Studio gemeinsam mit IKEA entwickelt. Dieses System realisiert Indoor Farming in etwas größerem Stil. Es handelt sich um einen begehbaren Pavillon aus Holz, den du mit verschiedenen Pflanzen bestücken kannst. Den Growroom kannst du jedoch nicht einfach kaufen. So wollen die Entwickler:innen das nachhaltig konzipierte System keine langen Transportwege zurücklegen lassen. Stattdessen musst du den Growroom selbst in 17 Schritten nachbauen. Der Bauplan ist über eine Open-Source-Lizenz frei zugänglich. Da du für den Bau jedoch bestimmte Hilfsmittel und Fertigkeiten brauchst, kannst du dich auch an Schreiner:innen und kleine Unternehmen in deiner Umgebung wenden und einen Growroom in Auftrag geben.

Fazit und Ausblick

Werden unsere Lebensmittel also in Zukunft nur noch aus Indoor- und Vertical-Farming-Anlagen stammen? Laut Forscher:innen wird dies nicht der Fall sein. Stattdessen braucht es ein Gleichgewicht aus Feld- und Gartenanbau, Gewächshäusern und dem neuen Pflanzenanbau ohne natürliches Sonnenlicht. So bringt jedes Konzept eigene Vor- und Nachteile mit sich. Nur im Zusammenspiel kann es gelingen, den Herausforderungen des Bevölkerungswachstums und der Klimakrise zu begegnen.

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