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Selbstversuch kalt Duschen: Mein Fazit nach einem halben Jahr

Fotos: lr / utopia (links), CC0 Public Domain / Pexels - Karolina-Grabowska (rechts)

Energie sparen und gleichzeitig das Immunsystem stärken – das sind nur zwei Gründe, warum Menschen derzeit kalt duschen. Kann eine kalte Dusche wirklich so viel Positives bewirken? Unsere Autorin hat sich über mehr als 25 Wochen einem Selbsttest unterzogen – mit einem nicht ganz eindeutigen Fazit.

Beim Energiesparen werden einige Verbraucher:innen zunehmend erfinderischer: Sie stecken den Kühlschrank im Winter aus, erhitzen Wasser zum Kochen vorab im Wasserkocher oder schaffen sich einen Teelicht-Ofen an. Leider entpuppen sich einige der Spartricks bei genauerem Hinschauen als Energiespar-Mythen.

Fällt das kalte Duschen ebenfalls in diese Kategorie? Oder hat kaltes Wasser nicht nur Sparpotenzial, sondern sogar gesundheitliche Vorteile? Ich habe bei einem Hausarzt nachgefragt und es – auch bei Minusgraden – selbst ausprobiert.

Kalt duschen: Kann das gesund sein?

Eine kalte Dusche ist im Sommer keinerlei Problem – doch jetzt im Winter schaffen das nur echte Profis, so meine bisherige Einschätzung. Doch ich wollte es genauer wissen und habe kaltes Duschen für längere Zeit ausprobiert. Dabei habe ich einiges über mich selbst herausgefunden.

Kaltes Duschen hat schon seit vielen Jahren treue Fans, die auf die gesundheitlichen Vorteile des Kälteschocks unter der Brause schwören. In Studien ist zu lesen, dass kaltes Duschen nicht nur gesund sei, sondern sogar beim Abnehmen helfen und Glückshormone ausschütten soll.

Da das für mich fast zu gut schön klingt, um wahr zu sein, habe ich bei Dr. Jakob Berger, Hausarzt und Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband, nachgefragt. Es stimmt, dass eine kalte Dusche den Kreislauf und die Durchblutung anregt. Zudem wird das Immunsystem angeregt und die Schleimhäute werden durch kaltes Wasser ebenfalls besser durchblutet, was zu stärkeren Abwehrkräften führt.

Auch für Haut und Haare hat kaltes Wasser Vorteile: Es ist schonender, während heißes Wasser die Haut zu stark entfetten kann. „Bei einer kalten Dusche ziehen sich die Gefäße erst zusammen, danach erweitern sie sich. Das führt zu einer besseren Spannung der Haut“, ergänzt Dr. Berger.

In diesem Fall solltest du nicht kalt duschen

Bei schweren Erkältungen ist kaltes Duschen aber nur bedingt zu empfehlen. Ist der Körper bereits geschwächt, kann ihn der Kälteschock zu stark belasten. Im Winter gilt zudem: Keinesfalls mit nassen Haaren nach draußen oder ins Bett gehen, sondern vorher gut trocknen.

Wenn du dich im Winter draußen aufhältst, sollten deine Haare trocken sein. (Foto: CC0/pixabay/SPOTSOFLIGHT)

Dr. Berger konkretisiert gegenüber Utopia, dass zwar auch bei einer Erkältung prinzipiell nichts gegen kaltes Duschen spricht. Wenn man allerdings schon vor der Dusche friert, sollte man das Wasser lieber wärmer drehen und sich nicht unnötig quälen.

Bereits im Herbst hat Dr. Berger uns verraten, ob Frieren krank macht oder abhärtet.

Nicht nur Vorteile für die Gesundheit: Eine kalte Dusche spart Energie

Das Wasser beim Duschen auf kalt zu stellen, hat aber nicht nur gesundheitliche Vorteile. Damit sparst du auch eine Menge Energie. Denn die Warmwassererzeugung ist energieintensiv – und bei den derzeit hohen Energiekosten kann das teuer werden.

Etwa zwölf bis 15 Liter Wasser laufen in der Minute durch einen herkömmlichen Duschkopf. Das ergibt bei einer recht kurzen fünfminütigen Dusche bereits mehr als 60 Liter Warmwasser – und damit eine Menge Einsparpotenzial.

Kalt duschen im Selbsttest: So erfolgreich war mein Experiment

Eine bessere Durchblutung und ein geringerer Energieverbrauch – nichts wie auf in den Kalt-Duschen-Selbstversuch. Folgende Punkte kamen mir zugute:

  • Ich war noch nie eine Langduscherin, die ewig unter dem warmen Wasserstrahl stand. Deshalb kann ich das auch nicht wirklich vermissen.
  • Sparen gebe ich grundsätzlich gerne den Vortritt vor Komfort oder Luxus. Meine Motivation war deshalb hoch.

Im Sommer dusche ich schon immer gerne lauwarm oder kalt und nutze das als Erfrischung an heißen Tagen. In diesem Jahr habe ich nach dem Sommer „einfach“ nicht wieder auf die warme Dusche gewechselt, sondern bin auf der kalten Stufe geblieben.

Damit kann ich auf inzwischen sechs Monate kaltes Duschen zurückblicken – und ich bin noch immer dabei. Als es draußen und damit auch in meinem Badezimmer kälter wurde, fand ich das kalte Duschen teilweise echt herausfordernd. Es kostete mich an manchen Tagen wirklich Überwindung, mich unter den kalten Wasserstrahl zu stellen.

Meine Waschroutine – kalt duschen will gelernt sein

Doch ich habe einen festen Ablauf entwickelt, der für mich gut funktioniert: Zuerst mache ich meine Haare nass und shampooniere sie ein. Da ich lange Haare habe, wird der Körper dabei noch nicht wirklich nass. Danach tauche ich nacheinander beide Beine unter den Wasserstrahl, dann die Arme und zum Schluss mache ich Rücken und Bauch nass.

Bevor ich Duschgel verwende, stelle ich das Wasser wieder aus. Das mache ich aus Gewohnheit schon immer so, seit ich kalt dusche, wurde das noch selbstverständlicher. Insgesamt versuche ich so wenig Zeit wie möglich unter dem kalten Wasser zu verbringen. Zum Schluss werden die Haare ausgespült und alles so schnell es geht abgeduscht – fertig.

Bin ich auch mal schwach geworden? Ein paar wenige Male ja. Das lag aber zu meiner Verteidigung an einem bestimmten Grund: Das Wasser in der Dusche war noch warm, weil mein Mann gerade zuvor geduscht hatte.

Auch spannend: Reicht einmal die Woche duschen? Non-Bathing im Selbsttest

Fazit: Kalt Duschen bleibt eine (nicht mehr ganz so große) Challenge

Meine Erkenntnisse aus dem Selbsttest? Ich kann mich auch langfristig überwinden, mich unter fließend kaltes Wasser zu stellen. Darauf bin ich schon etwas stolz.

Die Dusche bleibt kalt. (Foto: lr / utopia)

Große Auswirkungen auf meine Gesundheit konnte ich bislang nicht feststellen. Noch bin ich allerdings um eine starke Erkältung herumgekommen – das schreibe ich aber nicht nur dem kalten Duschen, sondern unter anderem auch viel heißem Ingwertee zu.

Falls ich mich doch noch erkälten sollte, werde ich folgenden Rat von Dr. Berger befolgen: Ein ansteigendes Fußbad. Dabei streckt man die Füße in warmes Wasser und schüttet langsam heißes Wasser nach, sodass die Temperatur im Fußbad weiter ansteigt.

Es fällt mir zwar nicht immer leicht, doch ich versuche auch weiterhin die Dusche kalt zu lassen. Auch wenn mein Körper sich noch nicht ganz mit dem kalten Wasser angefreundet hat, hat sich zumindest mein Kopf darauf eingestellt und ich lasse den Wasserhahn automatisch auf blau eingestellt. Nach der Dusche bin ich jedes Mal zufrieden mit mir.

Warten auf den Gewöhnungseffekt

Ich setze darauf, dass bald auch ein körperlicher Gewöhnungseffekt einsetzt. Hausarzt Dr. Berger versicherte mir, dass man sich abhärten und ans Kaltwasser gewöhnen kann. Noch mache ich aber mehr aus Überzeugung als aufgrund großer gesundheitlicher Vorteile weiter – und wegen des vielen eingesparten Warmwassers.

Denn seit ich kalte dusche, geht es noch schneller: Ich lasse kein Wasser mehr warm laufen, sondern tauche meinen Kopf sofort ins kalte Wasser. Beim Einseifen wird das Wasser ohnehin abgestellt und ich bleibe keine Sekunde länger als nötig im Wasserstrahl stehen. Zusätzlich habe ich mir bereits im Sommer einen Sparduschkopf gekauft, mit dem ich sehr zufrieden bin. Neben diesem haben wir noch weitere Tipps zum Sparen unter der Dusche.

Wenn du kaltes Duschen ausprobieren möchtest, starte am besten langsam und drehe das Wasser erstmal nur auf lauwarm. Danach kannst du es von Dusche zu Dusche ein wenig kälter einstellen. Oder um es mit den Worten von Dr. Berger zu sagen: „Man muss es anfangs nicht extrem betreiben“.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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