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Klimaneutral bis 2025 – was die Welt von Kopenhagen lernen kann

Foto: Press / CopenHill, CC0 Public Domain / Unsplash - Febiyan

Ein klimaneutrales Kopenhagen bis 2025 – das ist das ehrgeizige Ziel der dänischen Hauptstadt. Utopia verrät, welche Maßnahmen dazu nötig sind, was deutsche Städte davon lernen können und wie du dich für mehr Umweltschutz in deiner Stadt einsetzen kannst.

Die Welt blickt nach Kopenhagen, denn die dänische Hauptstadt will bis 2025 die erste klimaneutrale Stadt der Welt werden. Die Metropole mit ihren knapp 630.000 Einwohnern ist dabei auf einem guten Weg und dient gleichzeitig als Vorbild für andere Großstädte, die CO2-Emissionen konsequent zu senken und zu kompensieren.

Wir zeigen, welche Maßnahmen Klimaneutralität schaffen können, was sich deutsche Städte im Kampf gegen den Klimawandel abschauen können und wie du dich persönlich einbringen kannst, um Umweltschutzprojekte in deiner Stadt anzukurbeln.

Kopenhagen: Pionier der Klimaneutralität

Dezember 2009, Kopenhagen ist Gastgeber der 15. UN-Klimakonferenz: Während die Nationen dieser Welt beinahe ergebnislos Wege diskutieren, wie man den Klimawandel effektiver eindämmen kann, prescht die dänische Hauptstadt vor und verkündet das ehrgeizige Ziel, bis 2025 klimaneutral sein zu wollen.

Im ersten Schritt wurde die Stadtplanung konsequent darauf ausgerichtet, die Stadt grüner, digitaler und emissionsärmer zu gestalten. Denn klimaneutral bedeutet nicht, dass in Kopenhagen ab 2025 keine Abgase oder Emissionen mehr ausgestoßen werden. Stattdessen wird der Anteil der ausgestoßenen Emissionen mit grünen Maßnahmen gegengerechnet und am Ende ausgeglichen. Ein Beispiel: Die durch den Kopenhagener Straßenverkehr verursachten CO2-Emissionen werden mit dem Export von überschüssigem Ökostrom wieder wettgemacht. Im Fokus der Bemühungen stehen aber andere Maßnahmen – und die wirken nachhaltig.

4 Säulen für den Klimaschutz

Obwohl die Einwohnerzahl von Kopenhagen zwischen 2005 und 2017 um ein gutes Fünftel wuchs, konnte der CO2-Ausstoß um fast die Hälfte gesenkt werden. Regierung und Stadtplanung legen den Fokus in ihrer Klimastrategie auf vier Bereiche:

Windräder, Windenergie
In klimaneutralen Städten kommt die Energie aus erneuerbaren Quellen wie der Windenergie. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - RawFilm)

Stromerzeugung

Das größte Einsparpotential bietet die klimafreundliche Energieproduktion. Kopenhagen setzte früh auf erneuerbare Energien, sodass der Großteil des Energiebedarfs mittlerweile durch Windräder und Solarpanele aus dem direkten Umland gedeckt wird. Auch in Zukunft wird auf einen Mix aus Wind und Sonne, Biomasse, Geothermie und Abfallverwertung gesetzt.

Kohlestrom macht zwar zurzeit ein knappes Fünftel des Energiemixes aus, doch der dänische Kohleausstieg soll spätestens 2030 vollzogen sein – acht Jahre früher als in Deutschland.

Wärmeversorgung

Kopenhagen hat gegenüber anderen Großstädten einen entscheidenden Vorteil: 90 Prozent der Haushalte sind ans Fernwärmenetz angeschlossen. Dabei wird thermische Energie, etwa als Produkt aus der Industrie oder Müllverbrennung, in Heizungswärme und Warmwasser umgewandelt und an Haushalte weitergeleitet. 2017 entstand im Osten der Stadt auch das modernste Müllheizkraftwerk der Welt, das allein 100.000 Haushalte mit Wärme und Strom versorgt.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität: CopenHoll in Kopenhagen
Auf dem Weg zur Klimaneutralität: Der CopenHill in Kopenhagen verbindet Energieerzeugung mit Freizeitbeschäftigung. (Foto: Press/CopenHill)

Um die Anlage auch für Anwohner:innen attraktiver zu machen, entstand mit CopenHill ein großes Naherholungsgebiet auf dem Dach. Hier kann man Ski und Snowboard fahren, klettern, wandern oder im Café die Aussicht auf die Stadt genießen. Die Architekten nennen das „hedonistische Nachhaltigkeit“ – Umweltschutz mit Spaßfaktor.

Energieeffizienz für ein klimaneutrales Kopenhagen

Ein weiterer wichtiger und äußerst effektiver Faktor ist das Einsparen von Energie. Gebäude werden dafür kontinuierlich saniert und Neubauten mit intelligenten Fassaden ausgestattet, um die Energieeffizienz zu optimieren. So zum Beispiel bei der internationalen Schule im Osten der Stadt: 12.000 Solarmodule zieren die Hausfassade, die Schule deckt damit einen Großteil des eigenen Strombedarfs.

Mobilität

Kopenhagen treibt den Ausbau klimafreundlicher Mobilität wie kaum eine andere Großstadt voran. Neben dem öffentlichen Nahverkehr liegt der Fokus auf dem Fahrrad. Laut Greenpeace investierte Kopenhagen 2018 etwa 36 Euro pro Einwohner:in in den Ausbau von Radwegen – in Stuttgart waren es zum gleichen Zeitpunkt lediglich fünf Euro.

Mittlerweile schwingt sich die Hälfte der Einwohner:innen aufs Fahrrad und fährt auf extrabreiten Radwegen und Expressrouten, die eigens für Berufspendler:innen angelegt wurden. 2018 lag der Anteil der Fahrten, die Kopenhagener:innen mit dem Fahrrad, ÖPNV oder zu Fuß zurücklegten, bereits bei 68 Prozent.

Neben dem konsequenten Ausbau klimafreundlicher Mobilität treibt die Stadt den konstanten Abbau von Parkplätzen und klimaschädlichen Technologien voran. Während Elektroautos kostenlos in der Stadt parken, fallen für Benzin- und Dieselautos hohe Parkgebühren an, die wiederum in klimafreundlichere Infrastruktur wie Rad- und Fußwege sowie Grünflächen reinvestiert werden.

Klimaneutrale Städte: Kopenhagen ist keine Blaupause

Mit den vorgestellten Maßnahmen schafft Kopenhagen eine stetige Transformation hin zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Zukunft, ohne dabei allzu radikale oder schnelle Wege zu gehen.  Da sich die dänische Hauptstadt bereits seit 2009 im grünen Wandel befindet und dieser auch von Anwohner:innen akzeptiert und gewünscht ist, wird die Stadt mit großer Wahrscheinlichkeit die angestrebte Klimaneutralität bis 2025 erreichen.

Da stellt sich die Frage: Können sich deutsche Großstädte die dänische Hauptstadt zum Vorbild nehmen und die Klimaschutzmaßnahmen kopieren, um so ebenfalls CO2-Emissionen effektiv zu senken? Leider ist Kopenhagen keine Blaupause, denn keine Stadt lässt sich mit einer anderen vergleichen. Aufgrund von Infrastruktur, Energieversorgung, Verkehrskonzepten, Geografie etc. hat jede Stadt eigene Voraussetzungen und Möglichkeiten. Grundvoraussetzungen bleiben dabei politische Weitsicht und eine klare Prioritätensetzung hin zu klimafreundlicher und sozialverträglicher Transformation.

Fahrradwege ausgebaut: Kopenhagen möchte klimaneutral werden
Kopenhagen hat Fahrradwege stark ausgebaut – mehr also die Hälfte der Bewohner:innen fährt jetzt mit dem Rad. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Febiyan)

Auch wenn im Moment viele Bemühungen für mehr Klimaschutz durch die Corona-Pandemie ausgebremst werden, bleibt das Ziel in Deutschland generell gleich: Bis spätestens 2050 klimaneutral sein. Vielen Städten geht das aber nicht weit genug. Mittlerweile haben über 100 Städte den Ernst der Lage erkannt und – nicht zuletzt durch den massiven Protest von Friday for Future – den Klimanotstand ausgerufen.

Das ist zwar in erster Linie Symbolpolitik, da nicht rechtlich bindend. Aber es bildet auch den Auftakt, Umweltschutzmaßnahmen noch stärker voranzutreiben und innovative Klimaschutzkonzepte auszuarbeiten. Dafür gibt es ausreichend Anknüpfungspunkte, etwa bei Energiewirtschaft, Industrie, Mobilität und Infrastruktur.

Deutsche Städte nicht erst 2050 klimaneutral?

Ein paar deutsche Städte wollen nicht bis 2050 warten und haben bereits eigene Pläne auf den Weg gebracht, um früher klimaneutral zu werden. Laut der Initiative GermanZero gibt es bereits in 20 Städten Bemühungen für einen Klimaentscheid. Essen und Münster arbeiten Pläne aus, um bis 2030 klimaneutral zu sein.

Erlangen ist da schon weiter: Die Universitätsstadt mit rund 112.000 Einwohnern stellt viele finanzielle Mittel bereit, um noch vor 2030 klimaneutral zu werden. Dazu soll die Wärme- und Stromversorgung kontinuierlich von fossilen auf erneuerbare Energien umgestellt werden, aber auch die Mobilität wird durch den Ausbau von Fahrradwegen und Fußgängerzonen klimafreundlicher.

Auch Tübingen hat vor einem Jahr in einer Einwohnerversammlung verkündet, bis 2030 energiebedingt klimaneutral sein zu wollen. Das heißt, dass die für Wärme, Strom und Verkehr benötigte Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen bezogen und gleichzeitig der Energieverbrauch mittelfristig gesenkt werden soll. Darüber hinaus wird auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der E-Ladeinfrastruktur sowie der Wärmenetze gesetzt, wie es im Klimaschutzprogramm der Stadt heißt.

Die Universitätsstadt Gießen hat auf Drängen einer Bürgerinitiative das Ziel formuliert, bis 2035 klimaneutral zu werden. Dazu wurde im vergangenen September ein Papier mit Analysen und Szenarien ausgearbeitet, um die Stadt mit knapp 90.000 Einwohnern auf die grüne Spur zu kriegen. Mit der Universität und der technischen Hochschule soll zum Beispiel zu Forschungszwecken ein Reallabor zu Klimafragen entstehen, ähnlich wie in NRW.

Klimaschutz-Pilotprojekte mit Vorbildfunktion – auch in Deutschland

Neben den Bemühungen einzelner Städte signalisieren viele Projekte: In Deutschland tut sich etwas (auch wenn es länger dauert)! Überall in der Republik gibt es innovative Ideen und Bauvorhaben, die neue Wege beim Klimaschutz gehen. Etwa die multifunktionale Bahnstadt in Heidelberg: Auf einem ehemaligen Bahnhofs- und Militärgelände entsteht seit 2008 ein neuer Stadtteil mit tausenden Wohnungen für bis zu 6.500 Bewohner:innen. Strom und Wärme kommen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, Gebäude werden mit Bio-Fernwärme versorgt.

Bahnstadt Heidelberg
Die Bahnstadt Heidelberg bezieht Strom und Wärme vollständig aus erneuerbaren Energien. (Foto: © Stadt Heidelberg, Christian Buck)

Auch Freiburg im Breisgau, die die Klimaneutralität bis 2050 anstrebt, hat 2017 einen wichtigen Baustein fertiggestellt: Das Nullenergiegebäude „Rathaus im Stühlinger“. Dank 800 Solarpanelen wird der Strom- und Wärmebedarf selbst gedeckt, die überschüssige Energie ins Stadtnetz eingespeist. Das Energie- und Baukonzept kann als Blaupause für klimaneutrale Neubauten dienen.

Was können Bürger:innen für mehr Klimaschutz in den Städten tun?

Alle genannten Bemühungen und Projekte haben einen gemeinsamen Nenner: Bürgerbeteiligung. Um wirklich grüner zu werden, braucht es nicht nur Impulse und Beschlüsse aus der Politik, auch die Vorschläge, Visionen und Kritik aus der Bevölkerung müssen einbezogen werden.

Dadurch werden Klimaschutzmaßnahmen nicht nur demokratischer, solidarischer und sozialverträglicher, sondern erfahren schlussendlich mehr Akzeptanz aus der Bevölkerung. Neben aus der Politik initiierten Prozessen gibt es folgende Möglichkeiten für dich, dich für mehr Klimaschutz in deiner Heimatstadt oder Kommune einzusetzen:

Staatliche Angebote

Es gibt bereits diverse Dialogangebote von Kommunen, Städten und dem Bund, zum Beispiel vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Du kannst dich auch auf den offiziellen Seiten deines Wohnorts informieren, welche Maßnahmen für Umweltschutz und Klimaneutralität geplant sind und dort eigene Ideen einbringen und Vorschläge machen.

Unterstützung privater Initiativen

Darüber hinaus gibt es diverse private und gemeinnützige Initiativen, die sich für mehr politische Partizipation einsetzen, etwa das Netzwerk Bürgerbeteiligung. Unterstützung findest du auch bei der bereits genannten Initiative German Zero, die zusammen mit Wissenschaftler:innen und Expert:innen einen eigenen Klimaplan entwickelt hat. Sie möchte mithilfe der Gesellschaft die Bundesregierung mobilisieren, ein klimaneutrales Deutschland schon für 2035 anzustreben, um damit auch in Europa als Vorbild für andere Länder zu dienen. Dafür stellt die Organisation Informationen, Tipps und Strukturen zur Verfügung, um bei Städten und Kommunen noch mehr Druck zu machen.

Petitionen

Ein weiteres gutes Mittel sind Petitionen, um Druck auf die Politik auszuüben. Du kannst entweder deine eigene Petition starten oder Petitionen unterzeichnen und teilen. Informiere dich dazu auf Plattformen wie Change.org oder WeAct von der Bürgerbewegung Campact, die unter anderem Unterschriften für Klimaschutzforderungen und -maßnahmen sammeln. Denn beim Klimaschutz kommt es nicht nur auf Vorgaben und Gesetze an, sondern auch auf das Mitwirken jedes:r Einzelnen.

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