Marktcheck: Diese Tricks gibt es bei fleischfreien Ersatzprodukten

Tricks bei fleischfreien Ersatzprodukten
Foto: Screenshot: SWR Marktcheck

Fleischfreie Ersatzprodukte scheinen umweltfreundlich und gesund zu sein. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Der SWR-Marktcheck deckt auf, mit welchen Tricks du als Konsument:in rechnen musst.

Wer sich für eine vegetarische beziehungsweise vegane Ernährung entscheidet, schont die Umwelt und das Klima. Zumindest steckt diese Ambition oft hinter dieser Ernährungsweise. Der SWR-Marktcheck hat sich die fleischfreien Ersatzprodukte, die im Supermarkt angeboten werden, genauer angeschaut.

Viele Produkte sind nur scheinbar vegetarisch

Eine ganze Reihe an Lebensmitteln scheint auf den ersten Blick vegetarisch zu sein. Dabei enthalten diese oft auch Erzeugnisse toter Tiere: So gibt es beispielsweise Joghurt, der aus Gelatine besteht oder Käse, welcher aus tierischem Lab hergestellt wurde. Möchtest du sichergehen, dass ein Produkt wirklich frei von tierischen Zusatzstoffen ist, so lohnt es sich auf das V-Siegel zu achten. Es garantiert dir, dass keine tierischen Bestandteile zur Herstellung verwendet wurden.

Jana Fischer arbeitet an der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie mahnt zur Vorsicht: „In Lebensmitteln können teilweise Stoffe eingesetzt werden, die gar nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, also Zusatzstoffe zum Beispiel. Das können Farbstoffe sein oder Stabilisatoren oder Stoffe, die eine bestimmte Konsistenz geben und aus Tierprodukten hergestellt wurden.“

Hohe Preise für fleischfreie Ersatzprodukte

Fleischlose Ersatzprodukte sind oft doppelt so teuer wie die fleischhaltigen Lebensmittel.
Fleischlose Ersatzprodukte sind oft doppelt so teuer wie die fleischhaltigen Lebensmittel.
(Foto: Screenshot: SWR Marktcheck)

Laut einer Studie seien vegane und vegetarische Ersatzprodukte oft doppelt so teuer wie die fleischhaltigen Varianten. Der Umsatz soll sich dabei weltweit innerhalb der letzten zehn Jahre um das Zehnfache verdoppelt haben.

Markensoziologe Arnd Zschiesche weiß: „Wir befinden in uns gerade im Lebensmittelmarkt in einem Markt, in dem kaum Bewegung herrscht, in dem die Grenzen sehr stark definiert sind und wenn jetzt ein scheinbarer Trend, der ein Millionenpotential hat, aufkommt, dann ist es ganz natürlich, dass sich alle auf diesen Bereich stürzen, weil alle eine Möglichkeit sehen, da irgendwie Geld zu verdienen. Und hinzu kommt, dieser Trend – Vegetarier oder Veganer – betrifft ja sehr häufig Menschen, die ein bisschen mehr Geld im Portemonnaie haben. Also lässt sich auch mit diesen Produkten in der Preisspirale noch einiges machen.“

Geschmack und Konsistenz wichtig

Nicht nur der Geschmack, sondern auch die Konsistenz spiele eine wichtige Rolle bei der Produktion von fleischlosen Ersatzprodukten. Lebensmitteltechnologin Anna Martin erklärt dazu: „Der Clou an Fleischersatzprodukten ist, dass man diese langen Muskelfasern von einem Fleischstück imitiert.“ Hähnchenfleisch sei darunter am einfachsten nachzuproduzieren, weil es sich dabei um ein sehr trockenes Fleisch mit fester Struktur handele. Die größte Herausforderung bestünde jedoch darin, eine fleischlose Alternative zum Steak zu finden.

Die Lebensmitteltechnologin sieht allerdings keine Zukunft für die Fleischersatzprodukte: „Ich denke nicht, dass wir uns in zwanzig Jahren noch damit beschäftigen werden, tierische Produkte zu imitieren. Ich könnte mir vorstellen, dass man aus den Pflanzenproteinen verschiedene Texturen erzeugt, von bissfest über weich über chrunchig und porös bis hin zu gelartig zum Beispiel.“

Richtig viele Zusatzstoffe

Beim Kauf fleischloser Ersatzprodukte solltest du unbedingt die Zutatenliste im Auge behalten.
Beim Kauf fleischloser Ersatzprodukte solltest du unbedingt die Zutatenliste im Auge behalten.
(Foto: Screenshot: SWR Marktcheck)

Sojagranulat, Methylcellulose und zwölf andere Zutaten, wie Soja-Protein-Isolat, gefrorenes Kokosfett mit Methylcellulose und Glutamat, Zwiebelpulver sowie eine Menge Salz stellen die typischen Zutaten für industriell hergestelltes veganes Hack dar. Doch wie kann man unnötige Zusatzstoffe im Supermarkt vermeiden?

Ernährungsmediziner Prof. Martin Smollich rät: „Man sollte darauf achten, möglichst wenig dieser Zusatzstoffe aufzunehmen. Und dann kann man pauschal so als Faustregel für den Supermarkt sagen: Möglichst wenig an Zusatzstoffen da drin, das ist schon gut. […] Wenn man sich das mal anschaut, was da so an Zusatzstoffen draufsteht – und das sind Sachen, die man nicht selber in der Küche stehen hat – dann sollte man da auch drauf verzichten.“ Dazu gehört beispielsweise Methylcellulose. Bisher gäbe es noch keine Studien darüber, welche Folgen der regelmäßige Konsum dieses Zusatzstoffes hat. Tierversuche ließen allerdings darauf schließen, dass dieser Zusatzstoff die Darmschleimhaut schädigen könne, was beispielsweise zu chronischen Entzündungen oder Autoimmunkrankheiten führen könne.

Frank Gaida arbeitet als Produktentwickler bei Frosta in Bremerhaven. Dort produziert das Unternehmen inzwischen auch vegane Fischstäbchen. Das Unternehmen wirbt damit, Produkte ohne Zusatzstoffe zu produzieren. Für die veganen Fischstäbchen trifft dies allerdings nicht zu. „Wir haben hier Methylcellulose mit drin. Das ist der einzige Zusatzstoff, den wir verwenden. Das Problem ist einfach, dass Gemüse nicht diese Klebe-Eigenschaft beispielsweise eines Eiweißes hat, deswegen bekommt man diese Konsistenz so nicht hin“, erklärt der Produktentwickler.

Frisch gezüchtetes Fleisch

Stellt frisch gezüchtetes Fleisch die Zukunft fleischloser Ersatzprodukte dar?
Stellt frisch gezüchtetes Fleisch die Zukunft fleischloser Ersatzprodukte dar?
(Foto: Screenshot: SWR Marktcheck)

Pflanzliche Ersatzprodukte verbrauchen im Gegensatz zur fleischhaltigen Variante 51 Prozent der Energie. Sie würden nur 36 Prozent der CO2-Emissionen erzeugen und lediglich 33 Prozent Wasser sowie 30 Prozent der Landfläche verbrauchen. Damit weisen vegetarische und vegane Lebensmittel eine bessere Ökobilanz auf als die klassischen Fleischprodukte. Diese zukünftig zu fairen Preisen anzubieten, stellt das Ziel des Unternehmens „Mirai Foods“ aus der Schweiz dar. Für die Produktion soll lediglich eine Gewebe-Probe, entnommen per Biopsie, erwachsener Kühe notwendig sein.

Unternehmer Christoph Mayr vergleicht diesen Prozess mit dem Blutabnehmen beim Menschen. Aus seiner Sicht sei dies natürlicher als vieles, was in der industriellen Landwirtschaft geschieht. Derzeit befände sich diese Methode allerdings noch in der Forschung. Mayr hofft jedoch darauf, mit seinem fleischlosen Ersatzprodukt in den nächsten fünf bis zehn Jahren konkurrenzfähig für den Markt zu sein. Amerikanischen Wissenschaftler:innen zufolge, könne möglicherweise in zwanzig Jahren ein Drittel des gesamten Fleischbedarfs mit diesem Produkt gedeckt werden.

Fazit: Augen auf beim Kauf fleischfreier Ersatzprodukte

Vegane und vegetarische Ersatzprodukte zu Fleisch sind umweltfreundlicher. Als Verbraucher:in musst du allerdings mit hohen Preisen rechnen. Zudem sind diese Produkte aufgrund der vielen Zusatzstoffe nicht automatisch gesund. Daher solltest du deine Lebensmittel bewusst konsumieren. Achte beim Kauf unbedingt auf die Zutatenliste der Nahrungsmittel und auf etablierte Siegel, wie beispielsweise das V-Label, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Hier kannst du dir die Doku auch noch einmal selbst ansehen:

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