V-Label: das Europäische Vegetarismus-Label

V-Label: das Europäische Vegetarismus-Label
Foto: © Vegetarierbund Deutschland e. V.

Mit dem V-Label können Veganer und Vegetarier tierfreie Produkte schnell und eindeutig erkennen, ohne lange die Zutatenliste zu studieren oder beim Hersteller nachzufragen.

Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder vegan: Laut Vegetarierbund Deutschland e. V. (Vebu) leben rund 10 Prozent der Deutschen vegetarisch und 1,1 Prozent vegan. Da es keine staatliche Kennzeichnung für vegetarische oder vegane Produkte gibt, wurde das V-Label im Jahr 1996 von der Europäischen Vegetarier-Union (EVU) ins Leben gerufen.

  • Vergeben in: 24 europäischen Ländern
  • Vergeben von: in Deutschland vom Vebu
  • Kategorie: Essen und Trinken
  • Produkte: vegane und vegetarische Lebensmittel
  • Gelabelte Produkte: etwa 5.000 Produkte
  • Utopia-Bewertung: empfehlenswert für Veganer und Vegetarier, um Produkte ohne tierische Zutaten eindeutig zu erkennen

Die Kriterien

Das V-Label wird in unterschiedlichen Kategorien vergeben. Alle Kategorien haben gemein, dass gekennzeichnete Produkte keine Zutaten oder Substanzen von getöteten Tieren enthalten dürfen. Die vier Kategorien sind:

  • ovo-lakto-vegetarisch (mit Milch und Eiern)
  • ovo-vegetarisch (mit Eiern, ohne Milch)
  • lakto-vegetarisch (mit Milch, ohne Eier)
  • vegan / rein pflanzlich (ohne jegliche tierische Produkte)

Für alle gelabelten Produkte gilt, dass keine der folgenden Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe enthalten sein dürfen:

  • Tierfleisch (Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte)
  • Zutaten, die aus Fleisch oder Knochen hergestellt werden (in Suppen, Soßen oder Zubereitungen)
  • Tierische Fette (Ausnahme: Butterfett), Bratfette oder Margarine, die Fischöl oder ähnliche Produkte enthalten, z. B. in Kuchen, Aufläufen, Pasta, zum Backen und Braten, zum Einfetten der Backbleche und Büchsen oder irgendeiner anderen Verwendung
  • Gelatine, Aspik, Geliermittel tierischer Herkunft
  • Gelée Royale (spezielles Bienenprodukt)
  • Andere Produkte, die Zutaten aus Schlachtabfällen enthalten
  • Eier von Hühnern aus Käfighaltung
  • GVO (= enthält gentechnisch veränderte Organismen)

Je nach Kategorie dürfen zudem keinerlei tierische Produkte (vegan), keine Eier (lakto-vegetarisch) oder keine Milch (ovo-vegetarisch) und keine daraus gewonnen Erzeugnisse verwendet werden.

Bei unbeabsichtigten, technisch unvermeidbaren Einträgen von Erzeugnissen, die den Kriterien des Labels nicht entsprechen, wird das Label allerdings trotzdem vergeben. Das bedeutet, dass durch zufällige Verunreinigungen trotzdem bis zu 0,1 Prozent unerwünschte Bestandteile enthalten sein können.

Das Label wird auch für vegetarische oder vegane Gastronomiebetriebe vergeben. Hier gelten dieselben Kriterien wie bei den gelabelten Produkten. Zusätzlich muss das Restaurant mindestens ein täglich wechselndes vegetarisches Gericht führen und zwei weitere vegetarische Gerichte anbieten, um sich mit dem Label kennzeichnen zu dürfen.

Die Kontrollen

Hersteller, die ihre Produkte mit dem Label auszeichnen wollen, müssen alle Zutaten offenlegen. Der Vebu überprüft mit stichprobenartigen Laboranalysen, ob die Kriterien eingehalten werden. Bei Rezepturänderungen oder Veränderungen des Produktionsprozesses wird zusätzlich geprüft.

Auch die gelabelten Restaurants werden regelmäßig auf die Einhaltung der Kriterien überprüft.

Kritik am V-Label

Das V-Label für vegetarische Produkte.
Das V-Label für vegetarische Produkte. (Foto: © Vegetarierbund Deutschland e. V.)

Obwohl das V-Label für viele vegetarisch oder vegan lebenden Menschen eine Hilfe ist, gibt es auch Kritik.

Kritisiert wird die Auszeichnung vegetarischer Produkte von Fleischproduzenten wie beispielsweise Rügenwalder oder Wiesenhof. Kleine Unternehmen wie die Firma Topas (bekannt für die Marke Wheaty) beklagen, dass die großen Fleischkonzerne den vegetarischen Markt überfluten, gleichzeitig aber trotzdem an tierischen Produkte aus Massentierhaltung verdienen. Topas wirft dem Vebu vor, die Fleischindustrie zu unterstützen und ist als Konsequenz aus dem Verein ausgetreten.

Auch könnte man denken, dass die ausgezeichneten vegetarischen oder veganen Produkte gesünder und besser seien. Das ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Denn die Auszeichnung der vegetarischen Produkte sagt nichts über die Herkunft der darin verwendeten Zutaten lebender Tiere wie zum Beispiel Eier oder Milch aus. Selbst wenn ein Produkt als vegetarisch gekennzeichnet ist, kann es trotzdem Milch oder Eier aus Massentierhaltung enthalten.

Die Verbraucherzentralen kritisieren zudem, dass es bisher keine einheitlich rechtliche Definition für vegetarische und vegane Produkte gibt und die Kontrollen nicht ausreichend transparent sind. Der Vebu versprach in einem Interview im Januar 2016 die Kontrollen in Zukunft transparenter zu gestalten.

Alternativen zum V-Label

Neben dem V-Label gibt es einige weitere vegetarische oder vegane Label zum Beispiel

  • die Veganblume der Vegan Society England oder
  • das Vegan-Label der veganen Gesellschaft Deutschland e. V.

Das V-Label ist jedoch das bekannteste und am weitesten verbreitete Label für Lebensmittel und zeichnet im Gegensatz zu den anderen Labeln auch vegetarische Produkte aus.

Verfügbarkeit: hoch

Das V-Label ist inzwischen recht weit verbreitet. Viele Hersteller bekannter Marken wie zum Beispiel Alpro, Tartex, Rügenwalder, Frosta oder Katjes nutzen das Label um vegetarische oder vegane Produkte zu kennzeichnen.

Es ist inzwischen nicht nur in Biomärkten oder Naturkostläden, sondern auch in Supermärkten wie Spar und Discountern wie Lidl oder Aldi zu finden.

Utopia-Fazit:

Wir halten das Label für eine gute Orientierungshilfe für Vegetarier und Veganer. Insbesondere bei Verarbeitungshilfsstoffen oder Lebensmittelzusatzstoffen sorgt es für mehr Transparenz: Ohne das Label ist es unmöglich zu erkennen, ob beispielsweise Säfte oder Wein mit Gelatine geklärt wurden oder nicht. Das Label sagt jedoch nichts über den Gesundheitswert, die Herkunft der Zutaten oder weitere Zertifizierungen (wie Bio und Fair-Trade) aus.

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