Muntermacher Matcha-Tee: Grün gleich glücklich und gesund?

Matcha
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Es gibt einen Neuen unter den Kultgetränken. Der giftgrüne, schaumige Matcha-Tee war und ist in Japan der beste und edelste Tee, der früher auch nur der Elite vorbehalten war. Auch heute noch ist er sehr teuer und daher nicht für alle Japaner erschwinglich.

Nach Deutschland kam der Trend allerdings nicht direkt aus Japan, sondern – wie könnte es anders sein – aus den USA. Stars, Sternchen und Möchtegerns werden dort seit einigen Jahren mit dem grünen In-Getränk in der Hand gesichtet. Angeblich kann der teure Tee ja zaubern, macht schlank, fit, gesund, hilft gegen Alterserscheinungen und sogar Krebs. Außerdem dient er, wie alle anderen Grüntees auch, mit seinem Koffeingehalt (Tein) als muntermachende Alternative zu Kaffee. Utopia hat recherchiert, was an den Behauptungen über die Wirkung dran ist – und ob das teure Kultgetränk seinen Preis wert ist.

Warum ist Matcha-Tee eigentlich Pulver?

Matcha-Tee gehört zu den Grüntee-Sorten und wird traditionell in Japan getrunken. Ursprünglich stammt der Tee wohl aus China, geriet dort aber in Vergessenheit. Anders als „normale“ Grüntees wird Matcha-Tee aber nicht als Absud von Teeblättern zubereitet, sondern aus einem giftgrünen Pulver.

Dieses Pulver besteht aus fein zermahlenen Blättern der Grüntee-Sorte „Tencha“, von denen Blattadern und Stiele entfernt wurden. Übrig bleibt nur das reine Blatt, dass im Tee auch als Ganzes konsumiert wird. Da es sich bei Matcha-Tee um einen sogenannten „Schatten-Tee“ handelt, beschattet man die Teesträucher vier Wochen vor der Ernte mit Bambusmatten oder Ähnlichem. Dadurch werden die Blätter besonders intensiv grün.

Matcha-Tee: gemahlener grüner Tee
Matcha-Tee: gemahlener grüner Tee (Foto: © Koumei Matcha www.koumei-matcha.de)

Die richtige Zubereitung von Matcha-Tee

Die Zubereitung von Matcha-Tee ist eine Kunst für sich. Doch wenn der Tee aus dem grünen Pulver nicht richtig aufgebrüht wird, stimmen weder Geschmack noch Wirkung, da die Inhaltsstoffe dann angeblich nicht so gut verwertet werden. In Japan ist die Zubereitung von Matcha-Tee Teil einer Teezeremonie.

Zuhause musst du keine Zeremonie daraus machen, etwas Übung und Aufwand braucht es aber trotzdem. Das Wasser für den schaumigen Tee sollte möglichst weich sein, es muss beim Aufbrühen eine Temperatur von 80° Celsius haben. Am einfachsten lässt sich das mit einem Bratenthermometer überprüfen. In eine Schale kommt etwa ein Teelöffel des Pulvers, das du dann mit rund 100 Milliliter Wasser aufgießt. Und dann ist Handarbeit gefragt – Matcha-Tee muss nämlich aufgeschlagen werden. Dafür nimmt man einen speziellen Besen aus Bambus (den Chasen) und rührt mit lockerem Handgelenk in einer eigenen Bewegung solange um, bis sich das Pulver ganz gelöst hat und an der Oberfläche feiner Schaum entstanden ist. Das Aufschlagen des Kultgetränks ist eine eigene Kunst, die du dir bei Profis live oder in Videos abschauen kannst.

Das passende Zubehör

Damit die Zubereitung gelingt, brauchst du das passende Zubehör – eine normale Teetasse oder ein Mixer reichen nicht aus, um den perfekten Schaum zu erzeugen. Ein Set besteht aus dem schon erwähnten Bambusbesen, einer geeigneten Schale und einem Bambuslöffelchen für die Portionierung des Teepulvers. Puristen oder Liebhaber schaffen sich dann noch eine entsprechende Schöpfkelle sowie einen japanischen Wasserkessel an. All das gibt es einzeln oder als Set in Asiashops oder online** zu kaufen, z.B. bei Avocado Store, nu3, Amazon, eBay.

Bambusbesen für die Zubereitung von Matcha-Tee
Den Bambusbesen, den Chasen, brauchst du für die traditionelle Zubereitung von Matcha-Tee (Foto: © Koumei Matcha www.koumei-matcha.de)

So bereitest du Matcha Latte vor

In Deutschland ist das beliebteste Matcha-Getränk aber nicht der Tee, sondern der Matcha Latte. Die grüne, angeblich gesündere Alternative zum Latte Macchiato kann je nach Geschmack entweder mit Kuhmilch oder bei Laktoseintoleranz oder veganer Ernährung auch mit Sojamilch zubereitet werden. Du brauchst dafür ein hohes Glas, 200 ml Soja- oder Kuhmilch und 50 ml Matcha-Tee. Erst schäumst du die Milch auf, dann bereitest du den Matcha-Tee wie in der Anleitung oben zu (ein halber Teelöffel Pulver und 50 ml Wasser). Anschließend gibst du den Tee in das Glas und gießt mit der aufgeschäumten Milch auf.

Könner füllen erst die Milch in das Glas und gießen den Matcha Latte dann vorsichtig am Rand dazu – so entsteht ein hübscher, grün-weißer Streifen-Look.

Leckere Rezepte

Das grüne Pulver wird aber nicht nur für Tee verwendet: Es färbt auch Kuchen, Puddings oder Eiscremes grün. Für ein Dessert verwendet man allerdings besser nicht das reine, teure Teepulver verwendet, sondern für das Kochen gedachte Matcha Fuku. Hier werden die ganzen Blätter vermahlen, das Pulver ist dunkler und billiger, färbt aber genauso schön grün. An Ideen für den Einsatz des Pulvers mangelt es nicht, von Cupcakes über Muffins bis hin zum Brot reicht die Fülle an Rezepten. Manche gehen schnell, andere dauern länger, immer aber ist das Ergebnis irgendwie grün – und lecker.

Wo kann man Matcha-Tee kaufen?

Aufgrund der steigenden Beliebtheit gibt es Matcha-Tee mittlerweile häufiger zu kaufen. Teehäuser, Asiashops, Apotheken und manche Spezialläden haben das grüne Teepulver im Angebot. Und natürlich kannst du Matcha-Tee auch online kaufen**, z.B. bei Avocado Store, boutique vegan, Amazon. 30 Gramm einer guten Qualität können durchaus 50 Euro kosten. Grund dafür sind das aufwendige Herstellungsverfahren und die Tatsache, dass die beste Qualität aus Japan kommt.

Da nur wenige Teeanbauer die Herstellung beherrschen, ist die Produktionsmenge nicht so hoch, und die Japaner trinken ihren Tee lieber selbst, anstatt ihn zu exportieren. Inzwischen wird Matcha-Tee auch in China hergestellt, jedoch musst du hier mit Qualitätseinbußen rechnen, dafür ist das Pulver auch billiger.

Nach dem Kauf solltest du den Tee in einer gut verschlossenen Dose, am besten im Kühlschrank, aufbewahren, sonst verflüchtigen sich einige der Inhaltsstoffe schnell und der Tee verliert seine positiven Eigenschaften.

Ist Matcha gesund?

Aber welche positiven Eigenschaften hat der gemahlene Grüntee denn nun? Wie gesund ist Matcha-Tee? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das enthaltene Tein die bessere Variante von Koffein ist. Zusätzlich enthält Matcha-Tee mehrere Antioxidantien sowie EGCG (Epigallocatechingallat), eine Substanz, der einige gesundheitsförderliche Eigenschaften nachgesagt werden. Diese ist auch in normalem Grüntee enthalten, und scheint sich tatsächlich positiv auf die Gesundheit auszuwirken. Ob aber ein Unterschied zwischen Matcha-Tee und anderem grünen Tee besteht, lässt sich nicht sagen. Ungesund ist das giftgrüne Kultgetränk jedenfalls nicht.

Macha-Tee in Tassen
In Japan gibt es zum Matcha-Tee typischerweise noch etwas Süßes dazu. (Foto: © Paul Davidson)

Welche Wirkung hat Matcha-Tee?

Welche positive gesundheitliche Wirkung hat Matcha-Tee denn nun? Den Catechinen im Grüntee, speziell EGCG, wird eine Wirkung gegen Alzheimer und Parkinson sowie bei der Vorbeugung von Krebs nachgesagt. Neuere Studien zeigen auch einen möglichen positiven Effekt beim Schutz der Haut sowie eine möglicherweise cholesterinspiegelsenkende und fettabbauende Wirkung. Wer die Studien und Metastudien zu Matcha-Tee und anderen Grüntee-Sorten allerdings aufmerksam betrachtet, der wird bemerken, dass es sich hier meist um Labortests oder Studien an Mäusen oder Ratten handelt. Am Menschen wurden meist nur Beobachtungsstudien durchgeführt, bei denen nicht eindeutig festgestellt werden kann, ob allein EGCG für das Ergebnis verantwortlich ist.

Als erwiesen kann die Wirkung daher nicht gelten – aber einen guten Ansatzpunkt für weitere Forschungen liefern. Darüber hinaus ist die tägliche Dosis von ein bis drei Tassen Matcha-Tee (rund 5 Gramm Pulver) zu gering für eine echte Wirkung.

Und wie sieht es mit der Ökobilanz von Matcha-Tee aus?

Tee wird in Japan und China seit Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden, angebaut. In Japan zumindest wird dabei sehr viel Wert auf Qualität gelegt, sodass ein Einsatz von Pestiziden oder Ähnlichem eher ausgeschlossen ist. Denn das würde nur den guten Tee verderben. In China, aus dem ein großer Teil des hier erhältlichen Matcha-Tees stammt, sieht das anders aus.

Daher solltest du gleich aus zwei Gründen stets aufmerksam das Etikett lesen und nur Matcha-Tee aus biologischem Anbau kaufen: Zum einen wird damit die Umwelt geschont, zum anderen willst du sicher nicht die Pestizide im Tee haben. Genau das kann aber passieren, da hier das Blatt zermahlen und im Tee konsumiert wird.

Bleibt aus ökologischer Sicht noch der Transportweg. Weder Japan noch China liegen „um die Ecke“, die Transportwege sind entsprechend weit, weiter als beispielsweise für manche Kaffeesorten. Ob es sich lohnt, für das grüne Kultgetränk den negativen ökologischen Aspekt in Kauf zu nehmen, muss aber jeder für sich entscheiden. Als heimische Alternative eigenen sich beispielsweise diese 8 Wildkräuter, die du im Herbst sammeln kannst.

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(4) Kommentare

  1. Immer diese Mär vom Teein, der „besseren Variante des Koffeins“…

    Selbst Wiki weiß das besser: „Der in Grüntee und Schwarztee enthaltene Wirkstoff, in der Umgangssprache oft als „Tein“, „Thein“ oder „Teein“ bezeichnet, ist ebenfalls Coffein. Diese früher übliche Unterscheidung zwischen Coffein aus Kaffee und Tein aus Tee beruht auf der unterschiedlichen Freisetzung des Alkaloids: Coffein aus Kaffee ist an einen Chlorogensäure-Kalium-Komplex gebunden, der nach der Röstung und Kontakt mit der Magensäure sofort Coffein freisetzt und damit schnell wirkt. Coffein aus Tee hingegen ist an Polyphenole gebunden, wobei das Alkaloid erst im Darm freigesetzt wird. Die Wirkung tritt dann später ein und hält länger an.“

    Ich bin nur erstaunt, dass Matcha gefühlt alle 2 Jahre Der neue Trend ist. Als alter Tee-Trinker fühlt man sich da immer etwas angegriffen, wenn es dann heißt: „Oh, du trinkst jetzt auch Matcha? Ich mag voll gern Matcha-Latte oder diesen mit Erdbeere, der normale ist so bitter.“

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