Crowdfunding in Deutschland: Kapital ohne Banken

Crowdfunding-Plattformen
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Wer heute eine Idee für ein nachhaltiges Produkt hat, wird damit wahrscheinlich trotz Businessplan nur schwer Geldgeber finden – zumindest nicht unter Banken und Venture-Kapitalisten. Sehr wohl aber auf Crowdfunding-Plattformen.

Kapital betrachten wir heute meist kritisch, dabei öffnet es auch Türen; erst recht in einer Zeit, in der Konzerne festgefahren scheinen und viele Menschen etwas bewegen wollen. Doch um selbst etwas zu unternehmen, also Unternehmer zu werden und „das Ding“ selbst herzustellen, dafür braucht man Startkapital – und hier enden dann viele Geschichten auch schon.

Crowdfunding: ein bisschen Geld von vielen

An dieser Stelle kommt Crowfunding ins Spiel: Das Kofferwort aus „Crowd“ (Menschenmenge) und „Funding“ (Finanzierung) erklärt eigentlich schon das Prinzip. Bei dieser „Gruppenfinanzierung“ überzeugt man viele Kleinstanleger von einer Sache, statt ein, zwei Großinvestoren zu gewinnen.

Die Möglichkeiten, was man auf diese Weise finanzieren kann, sind grenzenlos. Startup-Unternehmen statten sich per Crowfunding mit dem nötigen Startkapital aus. Designer mit interessanten Ideen schieben die Finanzierung eines einzelnen Produktes per „Schwarmfinanzierung“ an. Sowohl private Personen als auch Gruppen, Vereine und Unternehmen können auf diese Weise gezielt Geld einsammeln, auch für ‚grüne‘ Projekte.

Crowdfunding-Plattformen: Wo große Ideen auf kleine Investoren treffen

Im Zuge solcher Gruppenfinanzierungen hat das Internet eine völlig neue Form der Börse hervorgebracht: die Crowdfunding-Plattformen. Sie bieten Geldsuchenden und Kleinstinvestoren den Rahmen einer technischen Infrastruktur, innerhalb der sich Projekte präsentieren und Zahlungen abwickeln lassen.

Beides ist gleichermaßen wichtig. Erstens verkaufen sich gute Ideen nicht von selbst: Man muss für sie werben. Dazu dienen Mini-Websites als Werbefläche für Ideen, die man als Text mit Bildern und Videos einstellen kann, samt Social-Media-Möglichkeiten bis hin zum Newsletter, der die „Funder“ über Neuigkeiten informiert.

Zweitens braucht man unbedingt eine verlässliche Infrastruktur für die Zahlungsabwicklung. Gruppenfinanzierte Projekt dürfen es ja nicht bei der Frage belassen: „Würdet ihr mitmachen, wenn wir es machen würden?“. Es muss die von den Nutzern bereitgestellten finanziellen Beteiligungen fest einbuchen können. Zugleich muss das Geld zurückzahlbar sein, falls das Projekt die (meist vorhandene) Untergrenze nicht erreicht und damit scheitert.

Ist Crowdfunding besser als Börse?

Nüchtern betrachtet spekuliert der einzelne Crowdfunder auf ein bestimmtes Projekt. Scheitert es, verliert er nichts. Schafft es die Finanzierung und misslingt danach (das Produkt wird hergestellt, taugt aber nichts), hat er im schlimmsten (und bislang seltenen) Fall seine Mini-Investition verloren. Doch der wesentliche Unterschied zwischen Schwarmfinanzierung und Börse liegt in dem, was der Einzelne gewinnen kann: An der Börse ist das nur Geld, bei („grünen“) Fonds das Wissen, wünschenswerten Industrien zur Relevanz zu verhelfen. Beim Crowdfunding hingegen ist die Palette der Unterstützungsmöglichkeiten viel weiter gefächert.

Üblicherweise kann man schon mit ein bis fünf Euro oder Dollar mitmachen und ein Projekt „einfach so“ unterstützen: Der Gewinn ist dann, dass dieses Projekt überhaupt umgesetzt wird. Steht ein Produkt im Mittelpunkt, können die Produzenten einen anderen Weg gehen: Der Kunde „kauft“ mit seiner Investition das Produkt zu einem bevorzugten Preis (oder einem früheren Liefertermin). Ist das Projekt erfolgreich, erhält er sein Produkt – das ist dann der „Gewinn“.

Viele Projekte bieten eine sehr granulare Abstufung der Investitionssumme an. Das Motto: „Zahle wenig und sei dabei; zahle mehr und erhalte das Produkt; zahle noch mehr und erhalte auch noch Aufkleber und T-Shirt, oder zahl noch mehr und du kriegst es als erstes“. Das geht bis hin zu verrückten Dingen, etwa einem Abendessen mit den Machern oder der Verewigung des Funder-Namens im Umfeld des Produktes.

Einen Schritt weiter geht das Crowdinvesting: Dabei adressieren Projekte ebenfalls eine große Zahl von Geldgebern mit kleinen Beträgen, versprechen aber keine Waren oder ideale Dankbarkeit, sondern ordinäre Renditen; oft sind sie auch risikobehaftet.

Schwarmfinanzierung: Sinn und Unsinn

Namhafte Crowdfunding-Plattformen sind Kickstarter und Indiegogo aus den USA sowie Startnext und VisionBakery aus Deutschland. Inzwischen gibt es weltweit mehrere Hundert solcher Plattformen: Einige spezialisieren sich auf Kreativprodukte wie Filme, Bücher oder Spiele, andere auf Sport, Wissenschaft, Technik, soziale Projekte oder Spendenaktionen. Selbst regionale Systeme gibt es inzwischen.

Wer sich auf den Projektseiten der Platzhirsche herumtreibt, der wird eine ganze Menge wirklich interessanter Projekte finden, angefangen von der Sonnenbrille aus öko-veganen Materialien bis hin zu einem regional-saisonalem Öko-Imbiss oder einer Nicht-Wachstums-Konferenz. Natürlich gibt es auch vieles, was mit Nachhaltigkeit nichts am Hut hat oder gar völlig unsinnig ist, etwa der Kartoffelsalat, der 2014 Furore machte und über 50.000 Dollar einsammeln konnte.

Dennoch (und ein bisschen auch deswegen) macht es viel Spaß, die Vielfalt der Ideen zu bestaunen, die sich nicht nur in den Projekten selber zeigt, sondern auch in der Gestaltung der abgestuften „Dankeschöns“ für die Kleinstinvestoren. Und nicht zuletzt sind in Deutschland mit Ecocrowd und Oneplanetcrowd sowie einigen anderen bereits einige Crowdfunding-Plattformen für Nachhaltigkeit unterwegs. Dazu mehr im Beitrag „Grünes Crowdfunding in Deutschland“.

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(5) Kommentare

  1. Wer heute eine NEUE Idee hat und sei die noch so gut, erhält von den Banken keine Mittel dafür. Bisher war es das Beste von der Oma an die Verwandtschaft, Bekanntschaft nach dem Startkapital zu fragen und 2 bis 3% Zinsen von einem Existenzgrüner sind allemal besser, als alles was Banken derzeit den Sparer bieten. Aber noch besser ist es natürlich, wenn man interessierte Klein-Anleger auf dieser Plattform um Geld und auch Tipps, bis hin zum Einsteigen in das Projekt gewinnen kann!

  2. Der eigentliche Vorteil von Crowdfunding ist doch gerade die Unabhängigkeit von den ganzen Finanzinstituten! Du verschuldest dich nicht, Investoren können dich und deine Idee nicht nach ihren Bedürfnissen verbiegen und du hast gleichzeitig einen Markttest, ob deine Idee auch wirklich ankommt.
    Für das Umweltbildungsspiel „Ecogon“ läuft es schon ganz gut 😉
    https://www.ecocrowd.de/en/projects/20843-ECOGON—Spielerisch-Natur-verstehen

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