Öko-Test vegane Kosmetik: „Vegan heißt nicht automatisch gut“

Fotos: Ökotest; zatevakhin / stock.adobe.com

Vegane Kosmetik ist frei von tierischen Produkten und oft ohne Tierversuche entwickelt worden. Doch nicht immer ist sie auch empfehlenswert: Denn Mikroplastik und möglicherweise hormonell wirkende UV-Filter sind auch hier ein Problem.

Wer vegan leben möchte, der stellt auch seine Kosmetik auf „vegan“ um. Sonst klebt möglicherweise Läuseblut an den Lippen oder Rinderfett auf der eingecremten Hand. Viele Siegel zeigen den Verbrauchern, welche Produkte vegan sind und garantieren dies durch unabhängige Kontrollen. Die Veganblume zertifiziert viele vegane Kosmetika und es gibt spezielle Siegel für tierversuchsfreie Produkte. Dazu zählen Leaping Bunny, Hase mit schützender Hand und „cruelty free and vegan“ von der Tierschutzorganisation Peta.

Öko-Test hat 68 vegane Kosmetikprodukte getestet – von Haarkuren, Shampoos und Duschgelen bis hin zu Sonnencreme. Die meisten Produkte können mit „gut“ oder „sehr gut“ überzeugen – doch es gibt auch schwarze Schafe.

Vegane Kosmetik im Test: Naturkosmetik ist Testsieger

Vegan heißt nicht automatisch gut“, stellt die stellvertretende Öko-Test-Chefredakteurin Kerstin Scheidecker klar. Denn der Zusatz „vegan“ bedeutet noch nicht, dass ein Hersteller auch auf bedenkliche Inhaltsstoffe wie Mikroplastik oder andere Schadstoffe verzichtet.

Auch Tierversuche sind bei vielen Vegan-Siegeln nicht verboten. Zum Beispiel dürfen Hersteller ihre Rohstoffe an Tieren testen, wenn die Stoffe auch für Arzneimittel gedacht sind. Um solche Schlupflöcher zu vermeiden, sollten Verbraucher genau hinschauen und auf Siegel und zertifizierte Naturkosmetik achten:

  • Alle veganen Kosmetikprodukte aus zertifizierter Naturkosmetik haben mit „sehr gut“ abgeschnitten. Öko-Test hat bei ihnen keine bedenklichen Inhaltsstoffe nachweisen können.
  • Unter den besten veganen Naturkosmetik-Shampoos ohne Silikone befindet sich zum Beispiel das i+m Hair Care Glanz Shampoo Zitrone (erhältlich bei **Avocadostore, Amazon oder dm). Es trägt die Vegan-Blume und den Leaping Bunny.
  • Wer gute Kosmetikprodukte sucht, sollte auf die Kombination vegan + tierversuchsfrei + Naturkosmetik setzen – zertifiziert durch unabhängige Siegel.

Die meisten Naturkosmetikprodukte, die heute neu auf den Markt kommen, sind auch tatsächlich vegan. Das erklärt Naturkosmetik-Experte Heinz Jürgen Weiland im Öko-Test-Magazin. Er hält auch Produkte mit dem Zusatz „halal“ für sinnvoll, denn sie enthalten keinen Alkohol. Der Alkohol kann Haut und Haare austrocknen und dafür sorgen, dass Shampoo nicht richtig schäumt.

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Mikroplastik in veganer Kosmetik

Die Kombination aus Naturkosmetik, einem Vegan-Siegel und einem Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik ist am besten. In herkömmlicher veganer Kosmetik ist dagegen häufig Mikroplastik enthalten. Zum Beispiel hat Öko-Test in vier von fünf konventionellen Vegan-Tagescremes Kunststoffverbindungen nachgewiesen, darunter in der Reichhaltigen Tagespflege für trockene & empfindliche Haut von CD.

Auch drei von vier konventionellen Sonnenschutzmitteln enthalten Mikroplastik, so Öko-Test. In zwei der vier herkömmlichen Sonnenschutzmittel steckte außerdem der künstliche UV-Filter Octocrylen. Er steht schon länger in der Kritik, weil er möglicherweise hormonell wirksam ist. Enthalten ist der bedenkliche UV-Filter zum Beispiel im dm-Sonnenschutzmittel Sun Dance Sensitiv Sonnenbalsam LSF 30. Die Naturkosmetik-Sonnenschutzmittel ohne diesen UV-Filter konnten Öko-Test dagegen überzeugen.

Oft ein Problem in Vegan-Kosmetik: Erdöl

Während bei Naturkosmetikprodukten petrolbasierte Kunststoffe verboten sind, können sie in herkömmlicher veganer Kosmetik weiterhin verwendet werden. Öko-Test hat PEG/PEG-Derivate in verschiedenen veganen Duschgelen und Shampoos nachgewiesen. Die Stoffe können die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen.

Sie befinden sich zum Beispiel im Aldi-Shampoo Kür Haircare Klassik Pflege Salbei-Extrakt. Da hier neben PEG/PEG-Derivaten auch noch Mikroplastik enthalten ist, gab es für das Shampoo nur die Note „befriedigend“.

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Alle Details findest du in der Ausgabe 10/2019 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

Öko-Test Ausgabe 10/2019

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(2) Kommentare

  1. Hallo Flanke44,

    danke für deine Rückmeldung. Wir verlinken so gut wie nie ausschließlich auf Amazon, sondern immer noch auf mindestens einen anderen Store. Hier sind sogar zwei weitere Bezugsmöglichkeiten genannt. Grundsätzlich wünschen wir uns, dass unsere LeserInnen lieber a) um die Ecke einkaufen, und b) wenn online, dann bei anderen Onlineshops als Amazon, siehe dazu auch: https://utopia.de/ratgeber/alternativen-zu-amazon/ Wir benötigen Links wie den zu Amazon allerdings (noch), um die Seite zu finanzieren. Sonst würde es utopia.de überhaupt nicht geben.

    Lieber Gruß,
    Lino (Utopia-Redaktion)