Papaya, die tropische Frucht mit durchschlagender Heilwirkung?

Foto: © arthorn - Fotolia.com

Die Papaya hat sich in den heimischen Obstregalen längst ihren fixen Platz erobert. Ganzjährig ist dort die etwa ein Pfund schwere Frucht zu finden, die auch als „Baummelone“ bezeichnet wird.

Ihrem Saft, den Blättern, dem Fruchtfleisch und sogar den Kernen werden zahlreiche gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. So soll die Papaya beim Abnehmen helfen, Magen-Darm-Beschwerden lindern, das Immunsystem stärken, als natürliches Verhütungsmittel dienen, angeblich sogar Krebs heilen und noch viel mehr. Wissenschaftliche Studien sollen diese Effekte, die die Indios seit Jahrhunderten nutzen, auch beweisen.

Klingt auf den ersten Blick so toll, dass mit Sicherheit zumindest ein Haken an der Sache sein muss. Wir haben uns auf die Suche gemacht und die Superfrucht Papaya von allen Seiten betrachtet.

Papayabaum, Papayastrauch oder etwas anderes?

Die Papaya, wissenschaftlicher Name Carica Papaya, gehört zur Familie der Melonenbaum-Gewächse. Der 3 bis 10 Meter hohe Papayabaum ist allerdings kein richtiger Baum, sondern eine ganz eigene Pflanzenart. Obwohl dem Aussehen nach baumartig, ist der Stamm nicht verholzt und gilt daher im botanischen Sinn nicht als Baum oder Strauch, sondern wird als Kraut eingeordnet. Schon allein das macht die in den tropischen und subtropischen Regionen weltweit wachsende Baummelone zu etwas Besonderem.

Die Früchte des Papayabaums sind demnach Beeren, die je nach Sorte sehr unterschiedlich groß und schwer sein können. Die hierzulande meistens im Handel erhältliche hawaiianische Papayasorte „Solo“ ist rund 500 Gramm schwer. Andere Sorten, etwa in Mexiko, erreichen ein Gewicht von 3 bis 6 Kilogramm. Die Schale einer reifen Frucht ist gelbgrün, das süße, saftige Fruchtfleisch hellorange bis rosa. Die schwarzen Kerne im Inneren sind die Samen des Papayabaums, die essbar sind und leicht pfeffrig-scharf schmecken.

Vitamine, Mineralstoffe und Kalorien von Papaya

In einer Papaya stecken aber natürlich nicht nur die Enzyme, sondern viele weiter wertvolle Nährstoffe. Das Fruchtfleisch ist zum Beispiel eine echte Vitamin-C-Bombe, schon 100 Gramm decken beinahe den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Weiters finden sich in der Baummelone die Vitamine A, E, B1 bis B6 und Folsäure.

An Mineralstoffen liefert die Frucht besonders Kalium, Kalzium und Magnesium, aber auch Mangan, Eisen, Kupfer und Zink. Dafür ist sie bei den Kalorien sparsam: Nur 32 kcal auf 100 g machen die Tropenfrucht sehr diättauglich. Und auch die anderen Nährwerte der Papaya können sich sehen lassen, enthält sie doch hauptsächlich Wasser und Ballaststoffe, etwas Fruchtzucker und keinerlei Fett.

Die Schale einer reifen Papaya ist gelb-grün.
Die Schale einer reifen Papaya ist gelb-grün. (© Pixabay / falco)

Eine Papaya richtig essen

Als gesunder Snack zwischendurch lässt sich die Papaya roh essen. Dafür halbierst du die reife Frucht, zu erkennen an der gelben Schale und dem weichen Fruchtfleisch. Dann entfernst du die Kerne und löffelst das Fruchtfleisch direkt aus der Schale. Alternativ kannst du die Frucht auch schälen, Fruchtfleisch und Kerne trennen und ins Müsli oder den Obstsalat mischen.

Die Kerne sind essbar, wegen des scharfen Geschmacks trocknet man sie aber meist und verwendet sie dann. Roh sollte man immer nur die reife Baummelone verzehren, eine unreife Frucht schmeckt bitter und ist kaum genießbar. Dafür enthält die unreife Baummelone besonders viele wertvolle Enzyme.

Papaya-Rezepte: Smoothie, Salat und mehr

Papaya-Rezepte gibt es viele, der Name „Baummelone“ verrät es schon: Eine reife Papaya passt überall dort, wo eine Melone auch passt. Aus der Tropenfrucht lässt sich mit Rohschinken eine schnelle Vorspeise zaubern oder ein Carpaccio als vegetarische Variante. Eine unreife Papaya schälst du, schneidest sie in Stücke und kochst sie in einem Eintopf mit Fleisch oder Geflügel mit. Fans der Thai-Küche werden den fruchtig-scharfen Papaya-Salat in allen Varianten lieben – schnell zubereitet bringt er Abwechslung in den Küchenalltag. Mit Bananen, Orangen und anderen Früchten zum exotischen Smoothie verarbeitet ist die Baummelone der ideale Vitamin-C-Lieferant für graue Wintertage.

Kleine Kerne mit großem Effekt

Angeblich sind Kerne der wirksamste Bestandteil der Baummelone. Gegessen werden sie meist nicht mit der frischen Frucht, sondern als gesäuberte und getrocknete Körner. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Pfefferkörnern und ihrer leicht pfeffrigen Note nutzte man Papayakerne früher gerne zum Strecken des teuren Pfeffers. Heute werden die Samen, die mit rund 30 Euro pro Kilo nicht wirklich billig sind, wie in den Herkunftsländern pur gekaut oder über Speisen vermahlen. Besonders bei Fleisch wirken die Kerne als Zartmacher, weswegen Konzentrate daraus auch heute noch in der Industrie zum Einsatz kommen.

Die Papayakerne werden heute nicht nur in den Herkunftsregionen, sondern auch in Europa zu verschiedenen „medizinischen“ Zwecken verwendet. Die Körner dienen als natürliches Antihelmintikum (Anti-Wurmmittel) für Menschen oder Haustiere. Zusätzlich macht der Genuss von einem Esslöffel Kerne täglich Männer nach etwa drei Monaten vorübergehend nicht zeugungsfähig – heißt es. Damit sind die Kerne ein praktisches, natürliches Verhütungsmittel.

Ebenfalls helfen die Kerne bei Magen-Darm-Beschwerden, zum Beispiel nach einem üppigen Essen. Ein Esslöffel davon zerkaut unterstützt die Verdauung und entlastet so Magen und Darm.

Die Kerne der Papaya sind essbar, sie schmecken leicht scharf.
Die Kerne der Papaya sind essbar, sie schmecken leicht scharf. (© Pixabay / rogeriomda)

Das Geheimnis der Papaya: Enzyme als Wirkstoff

Verantwortlich für die positive gesundheitliche Wirkung der Frucht sind die Papaya-Enzyme, besonders Papain. Darüber hinaus sind in Fruchtfleisch und Samen noch Chymopapain A und B, in den Blättern auch Saponine, Alkaloide und Glukosinolate enthalten. Papain ist dem Pepsin, einem der wichtigsten Enzyme im Magen, sehr ähnlich. Papain ist in der Lage, Eiweiß aufzuspalten, was die Unterstützung der Verdauung und die Wirkung als Zartmacher von Fleisch erklärt.

Zur medizinischen Wirkung der Papaya Enzyme gibt es zahlreiche Studien und Untersuchungen, die vom Verhütungsmittel über Wundheilung bis zur Behandlung von Krebs reichen. Eine Studie, die 2010 im Pakistan Journal of Biological Sciences veröffentlicht wurde, ergab zum Beispiel eine Verbesserung der Wundheilung durch Papain, was eine Wirkung bei Erkrankungen wie Psoriasis vermuten lässt. Und auch bei den Folgen von Diabetes Typ II scheint dieses Enzym der Papaya eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit zu sein.

Beim Thema Krebstherapie kann die Baummelone ebenfalls punkten. Ihre Enzyme zeigten in Versuchsreihen eine tumorverkleinernde oder sogar tumorauflösende Wirkung. Und auch bei Denguefieber, einer weitverbreiteten Tropenkrankheit, sorgen die Enzyme der Papaya für Besserung oder sogar Heilung.

Heilt die Papaya wirklich fast alles?

Bewiesen ist die positive Wirkung der Papaya für den Menschen damit noch lange nicht; mehr als 600 wissenschaftliche Studien liefern nur starke Hinweise darauf. Der Großteil davon wurde entweder im Reagenzglas, mit Zellenkulturen oder im Tierversuch durchgeführt (Metastudie zur Anti-Krebs-Wirkung von 2012). Eine Übertragung der Effekte auf den menschlichen Organismus ist daher möglich, aber nicht gesichert. Die Therapie gegen Denguefieber wurde zwar durchaus auch an Menschen getestet, jedoch sind einzelne Fallstudien und kleine Stichproben nicht aussagekräftig genug für eine bewiesene Wirkung (Metastudie 2014). Ähnliches gilt für die Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden. Hier wurde zwar eine Besserung bei den behandelten Personen festgestellt, allerdings waren die Stichproben viel zu klein für allgemeingültige Aussagen. Ein hoffnungsvoller Ansatzpunkt für zukünftige Therapien bleibt die Papaya trotzdem.

Nebenwirkungen von Papaya

Was wirksam ist, hat natürlich auch Nebenwirkungen. Papaya in der natürlichen Form (Kerne, Fruchtfleisch oder Extrakt aus Blättern) gilt als relativ sicher. Jedoch ist in der Baummelone das sogenannte Papaya-Latex enthalten, das Kreuzreaktionen bei Latex-Allergie auslösen kann. Personen mit dieser Allergie sollten also um die Papaya und alle ihre Bestandteile einen Bogen machen.

Ähnliches gilt für Schwangere und Personen mit Blutungsneigung oder solche, die Blutverdünner einnehmen. Die Inhaltsstoffe der Frucht können unkontrollierte Blutungen auslösen, Naturvölker nutzten hohe Dosen früher auch als Abtreibungsmittel. In hohen Dosen (möglich etwa beim Verzehr von Papaya-Kapseln) kann Papain zu Unterzuckerung führen. Ebenso reagieren manche Menschen auf Papain oder andere Enzyme der Baummelone allergisch.

Klimaschutz: Keine Ausreden mehr, jeder von uns kann etwas tun

Die Papaya als GVO-Wolf im Schafspelz

Weniger bekannt ist, dass die Papaya 2008 zu den ersten Pflanzen zählte, deren Genom komplett entschlüsselt wurde. Grund dafür war das Papaya Ringspot Virus (PRV), das zu in den 1990er Jahren zu beträchtlichen Ernteausfällen auf Hawaii führte. Da Züchtungen auf Virus-Resistenz zu viel Zeit in Anspruch genommen hätten, wurden die Papayas einfach gentechnisch verändert (GV) und so resistent gemacht. Mittlerweile stellen die GV-Papayas fast die gesamte Ernte auf Hawaii.

Sie sind in den USA, China, Kanada und Japan als Lebensmittel, in den USA, China und Japan auch zum Anbau zugelassen. Und auch in der EU und Deutschland tauchen immer wieder GV-Papayas auf. Trotz der Kontrollen im EU-Raum kannst du daher nie sicher sein, dass die Papaya in deinem Einkaufswagen nicht doch gentechnisch manipuliert ist.

Papayas und die Nachhaltigkeit

Auch beim Thema Nachhaltigkeit schneidet die Papaya nicht unbedingt gut ab. Die GV-Variante wird zwar seit 1998 in Hawaii angebaut, über Langzeitfolgen oder Beeinflussung anderer Pflanzen ist aber nichts bekannt. In Hawaii war die GV-Papaya dennoch das kleinere Übel, davor wurden massenhaft Pestizide eingesetzt, um das PRV unter Kontrolle zu halten, was aber misslang.

Der Pestizid-Einsatz beim Anbau von Papayas hat sich seitdem zwar merklich verringert – das Transportproblem aber bleibt. Hierzulande erhältliche Papayas stammen aus den tropischen und subtropischen Regionen der Welt und haben meist einen langen Weg zurückgelegt, bis sie im Obstregal laden. Zucht in heimischen Glashäusern verbraucht ebenfalls viel Energie, Papayas haben es schließlich gerne warm.

Alles in allem spricht die Öko-Bilanz der Baummelone also eher gegen ihren Verzehr.

Weiterlesen auf Utopia.de

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.