Polyquaternium: Warum der Inhaltsstoff aus deinem Bad wegsollte

Polyquaternium
Foto: CC0/pixabay/Pexels

Polyquaternium sollte Silikon ersetzen, doch der Inhaltsstoff ist nicht frei von Begleiterscheinungen. Welche Probleme sich daraus ergeben und welche Alternativen zu Polyquaternium es gibt, liest du hier.

Polyquaternium: Ein Kunststoff in Pflegeprodukten

Polyquaternium ist ein künstlicher Inhaltsstoff. Ähnlich wie Silikon findest du es oft in Produkten zur Haarpflege. Auch in Hinblick auf ihre chemischen Eigenschaften haben die beiden Inhaltsstoffe Gemeinsamkeiten.

  • Beide sind synthetische Verbindungen, die so in der Natur nicht vorkommen.
  • Beide besitzen die Form von Polymeren, also komplexen molekularen Strukturen.

Sie unterscheiden sich allerdings in den Grundstoffen. Polyquaternium wird aus Ammonium erzeugt, einer Ammoniak-Verbindung. Silikone dagegen bauen auf dem mineralischen Silizium auf.

Der Name Polyquaternium steht für eine Gruppe von Polymeren, die sich durch einen Zifferzusatz auseinanderhalten lassen. Beispielsweise enthalten Haarpflegemittel häufig Polyquaternium-7 oder -10. Ebenfalls können in Haarstyling-Produkten auch Verbindungen mit den Ziffern -45 bis -47 vorkommen. In Haarspray sind teilweise Polyquaternium-6 oder -22 und -39 enthalten. In Gesichtspflege-Produkten kann dir beispielsweise Polyquaternium-2 begegnen. 

Diese chemischen Bezeichnungen sind identisch mit den INCI-Namen, unter denen die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten auf der Verpackung gelistet werden.

Polyquaternium: Wirkung und Nebenwirkung

Polyquaternium kann in der Wäsche hartnäckige Flecken hinterlassen.
Polyquaternium kann in der Wäsche hartnäckige Flecken hinterlassen.
(Foto: CC0/pixabay/Stevepb)

Das Chemieportal beschreibt Polyquaternium als Gruppe von Stoffen, die einen Film bilden. Die Moleküle von Polyquaternium sind elektrisch aufgeladen. Damit heften sie sich quasi an die Haare oder die Haut.

Das führt zu den folgenden gewünschten Effekten:

  • Polyquaternium legt sich auf Haare und Haut und lässt sie so glatter erscheinen. Haarpflege für raue oder spröde Haare enthält häufig Polyquaterium. 
  • Die Haare lassen sich leichter kämmen.
  • Polyquaternium hat eine antistatische Wirkung auf Haare. Es verhindert also, dass sich Haare beim Kämmen aufstellen und vom Kopf abstehen. Anti-Fizz-Produkte können daher das Polymer enthalten.

Der unerwünschte Nebeneffekt von Polyquaternium ist, dass es nur schwer wieder auswaschen lässt. 

  • Build-Up Effekt: Eine Studie stellte fest, dass die künstlichen Substanzen die Haare mit einem hauchdünnen Film überziehen. Mit jeder Anwendung baut sich eine weitere Schicht auf – der Build Up-Effekt, vom englischen Begriff für „aufbauen“. Vor allem, wenn Polyquaternium und Silikonöl in Kombination auftreten, verstärkt sich der Effekt und beschwert so letztlich die Haare. Statt locker zu fallen, hängen die Haare dann mitunter nur noch strähnig herab.
  • Flecken in der Wäsche: Polyquaternium kann hartnäckige Flecken auf Handtüchern oder Kleidung verursachen, und zwar erst nach der Wäsche. Zum Beispiel führen anfangs unsichtbare Verschmutzungen mit Polyquaternium zu grauen Flecken, wenn die Stücke aus der Waschmaschine kommen. Diese dunklen Verfärbungen lassen sich auch mit Bleiche nur noch schwer wieder entfernen.

Ist Polyquaternium schädlich?

Polyquaternium ist ein verbreiteter Inhaltsstoff in Haar- und Hautpflegemitteln.
Polyquaternium ist ein verbreiteter Inhaltsstoff in Haar- und Hautpflegemitteln.
(Foto: CC0/pixabay/VisionPics)

Künstlich erzeugte Polymere wie Polyquaternium stehen immer wieder im Verdacht, schädlich für die Gesundheit und die Umwelt zu sein. 

Klare Belege für oder gegen einen solchen Verdacht zu finden, ist meist schwierig – zumehr, da von Polyquaternium so viele verschiedene Varianten existieren (Zifferzusätze). Die Forschung steht immer wieder vor der Herausforderung, alle denkbaren Auswirkung bestimmter Stoffe auf die komplexen Zusammenhänge in der Natur zu testen. Mitunter können die gängigen Verfahren aber nicht alle Auswirkungen der Substanzen auf den menschlichen Körper oder das Ökosystem abbilden. Das führt dann zu anscheinend widersprüchlichen Einschätzungen.

Das Gesundheitsrisiko:

Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass für die jeweils untersuchten Varianten von Polyquaternium keine gesundheitlichen Risiken bestehen. Die Tests stellten weder Hautirritationen noch sonstige Schäden für den Organismus fest. Zu den untersuchten Varianten gehören: 

Polyquaternium-7: Eine Risikobewertung des CIR sieht hier ebenfalls keinerlei Risiko. Nach Einschätzung der Experten:innen gehen auch von möglichen Acrylamid-Rückständen keine Gefährdung für die Gesundheit aus. In Lebensmitteln wie Chips oder Pommes steht Acrylamid in Verdacht, krebserregend zu sein.

Diese Einschätzung teilt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) nicht. Das BfR hält die möglichen Rückstände von Acrylamid in Polyquaternium-7 für bedenklich. Daher empfiehlt das Amt, Grenzwerte für Polyquaternium in kosmetischen Produkten festzulegen. Gesetzliche Vorgaben gibt es nur für Polyacrylamid.

Das ökologische Risiko:

Eine Studie des Frauenhofer-Instituts weist ebenfalls auf die Problematik bei Testmethoden hin. Das Institut kritisiert, dass die standardmäßigen Tests an Fischen nicht aussagekräftig für das ganze Ökosystem von Gewässern sind. Eine Substanz kann durchaus für Fische noch unbedenklich sein, aber schon höchst giftig für Mikroorganismen.

In der Studie befürwortet das Institut außerdem, Polymere generell wie Mikroplastik zu behandeln. Die Expert:innen fordern eine neue Definition, die sowohl Mikroplastik in Form fester Partikel als auch Polymere in Flüssigkeiten umfasst. Die synthetischen Polymere können durchaus vergleichbare Umweltprobleme erzeugen. Wie Mikroplastik sind auch sie nur sehr langsam bis gar nicht abbaubar. Damit lagern sich ihre Rückstände in der Umwelt ab und verstärken so immer weiter das Problem von künstlich erzeugten Stoffen in Ökosystemen.

Polyquaternium kann zum Beispiel mit dem Duschwasser ins Abwasser gelangen. Von dort führt dann der Weg über Flüsse bis in die Meere und somit in den Wasserkreislauf.

Fazit: Polyquaternium ist keine Alternative zu Silikon

Naturkosmetik ist frei von Polyquaternium.
Naturkosmetik ist frei von Polyquaternium.
(Foto: CC0/pixabay/igorovsyannykov)

Bei künstlichen Inhaltsstoffen wie Polyquaternium wiegen die Nachteile schwerer als die anfänglichen Vorteile.

  • Langfristig leidet das Haar bei Polyquaternium, ähnlich wie bei Silikon.
  • Die Umwelt kann durch die lange Abbauzeit dieser Kunststoffe Schaden nehmen.
  • Zusätzlich sind die gesundheitlichen Risiken von Polyquaternium unklar.

Auch Öko-Test sieht Polyquaternium als nicht geeignet, Silikon zu ersetzen und zählt Polyquaternium zu den unerwünschten Inhaltsstoffen. Der Öko-Test für Shampoos ohne Silikone beanstandet unter anderem Produkte, die Polyquaternium enthielten.

    Eine breite Auswahl an echten Alternativen bietet die Naturkosmetik, auch für die Haarpflege. Bei zertifizierter Naturkosmetik gehst du sicher, dass keine künstlichen Inhaltsstoffe enthalten sind. Du kannst sie zum Beispiel in Drogerie- oder Biomärkten erwerben.

    Diese natürlichen Alternativen hast du außerdem, um glänzende Haare zu bekommen:

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