Regenwald-Abholzung: Ausmaß, Folgen und was du dagegen tun kannst

Foto: CC0/pixabay/Kanenori

Der Regenwald ist von der Abholzung bedroht – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Hier liest du, welche Gründe die Abholzung hat, was Regierungen dagegen unternehmen und wie du selbst dazu beitragen kannst, den Regenwald zu retten.

Der Regenwald trägt seine Bezeichnung „grüne Lunge“ zu Recht: Seine Bäume und Pflanzen nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und helfen so, die Treibhausgase zu verringern. Die Technische Universität Berlin berichtet, das Pflanzen jährlich etwa ein Siebtel des Kohlendioxids aus der Atmosphäre verbrauchen. Ein Teil dieses Kohlenstoffs bleibt in den Pflanzen gebunden, die so als natürlicher Zwischenspeicher funktionieren. Erst wenn die Pflanze  verrottet oder verbrennt, setzen diese Prozesse den gespeicherten Kohlenstoff wieder frei.

Eine Studie aus dem Jahr 1993 bestätigt, dass naturbelassene Regenwälder wegen ihrer Speicherfunktion eine wichtige Rolle für das weltweite Klima spielen. Die Forscher warnen, dass jede Verringerung ihrer Fläche das Klima schädigt. Zudem stellen Regenwälder einen einzigartigen Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen dar. Mit der Abholzung des Regenwalds verschwindet auch die Artenvielfalt und das kulturelle Erbe indigener Völker ist bedroht.

Dennoch vernichten jedes Jahr neue Rodungen weite Gebiete des Regenwaldes. Dabei kommt es an vielen Orten zu den problematischen Brandrodungen, die das Klima doppelt belasten: Die Waldfläche geht zurück und das Feuer setzt Kohlendioxid frei. 

Wie viel Regenwald der Abholzung zum Opfer fällt

Jede Minute fallen 30 Fußballfelder an Regenwaldfläche der Abholzung zum Opfer.
Jede Minute fallen 30 Fußballfelder an Regenwaldfläche der Abholzung zum Opfer.
(Foto: CC0 / Pixabay / MrsBrown)

Wie groß sind die Flächen tatsächlich, die im Regenwald der Abholzung zum Opfer fallen? Der aktuellste Bericht der Umweltorganisation Global Forest Watch nennt wieder alarmierende Zahlen:

  • Im Jahr 2018 vernichteten Abholzungsmaßnahmen weltweit zwölf Millionen Hektar tropischen Baumbestand. Das ist die vierthöchste Rate seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001.
  • Der Bayrische Rundfunk errechnete: Jede Minute geht im Regenwald durch Abholzung eine Fläche verloren, die 30 Fußballfeldern entspricht.

Von diesen insgesamt zwölf Millionen Hektar sind rund 3,6 Millionen Hektar Regenwald mit altem Baumbestand betroffen. Global Forest Watch vergleicht dies mit der Fläche von Belgien. Regenwälder mit altem Baumbestand sind von besonderer Bedeutung: Sie speichern mehr Kohlenstoff als andere Wälder und sind als Ökosystem für zahlreiche Pflanzen und Tiere unersetzlich.

  • Brasilien büßte mit 1,3 Millionen Hektar die größte Fläche an altem Baumbestand ein. Für 2019 sind noch keine Daten ermittelt, die auch die Verluste durch die Waldbrände berücksichtigen.
  • Danach folgen die Demokratische Republik Kongo (481.000 Hektar) und Indonesien (340.000 Hektar).

Regenwald-Abholzung: Es gibt viele Gründe

Der Amazonas-Regenwald ist von der Abholzung bedroht.
Der Amazonas-Regenwald ist von der Abholzung bedroht.
(Foto: CC0/pixabay/AndyFaeth)

Ein Regenwald ist auf spezielle Klimabedingungen angewiesen. Große Gebiete mit tropischem Regenwald gibt es deshalb nur an wenigen Orten entlang des Äquators. Die Gründe für die Abholzung von Regenwald in den einzelnen Regionen sind unterschiedlich.

Südamerika (Amazonasgebiet):

  • Brasilien: Hier entstehen meist Rinderfarmen. Greenpeace berichtete schon 2009, wie sich Rinderfarmer an dem billigen Land bedienen. Sie prangerten in ihren Factsheet „Wie Rinder den Regenwald fressen“ auch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auf den Farmen an. 
  • Columbien, Bolivien und Peru: Laut Global Forest Watch nutzen die gerodeten Flächen oftmals Kleinbauern für den Ackerbau. In Peru entstanden auch illegale Coca-Plantagen und Goldschürfer versuchen ihr Glück in Goldminen.

Asien:

  • Indonesien: Hier entstehen auf der abgeholzten Regenwaldfläche oft Plantagen für Palmöl. Der NABU berichtet, dass der indonesische Regenwald besonders vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Einige Arten existieren nur in dieser Umgebung in Indonesien. Umso dramatischer ist die Regenwald-Abholzung für die Artenvielfalt.

Afrika:

  • Kongo-Becken: Global Forest Watch zufolge sind im Kongo-Becken meist Kleinbauern für die Abholzung des Regenwalds verantwortlich: Sie roden die Fläche, um darauf Kakao anzubauen. Der WWF berichtet, dass in dieser Region auch illegaler Holzhandel oder nicht nachhaltige Bewirtschaftung eine Gefahr für den Regenwald darstellen.
  • Madagaskar: In einigen Gebieten liegen unter dem Wald Bodenschätze wie Saphire oder Nickel. Die Suche danach geht oft mit Regenwald-Abholzung einher. 

Regenwald abholzen oder schützen: Die Politiker haben es in der Hand

Auf der abgeholzten Regenwaldfläche entstehen Plantagen.
Auf der abgeholzten Regenwaldfläche entstehen Plantagen.
(Foto: CC0/pixabay/sarangib)

Eigentlich sollte der Schutz des Regenwaldes im Interesse der Politik sein: Die Gesundheit der Einwohner in Regenwaldgebieten ist durch häufige Waldbrände gefährdet. Global Forest Watch nennt etwa Brände am Amazonas in den Jahren 2016 und 2017. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Feuer noch 2019 die Metropole São Paulo belasteten, die 2.000 Kilometer entfernt liegt. Laut NABU wüteten 2019 auch in lndonesien 2019 schwere Waldbrände. Trotzdem überwiegen meist die wirtschaftliche Interessen: Mit der Abholzung des Regenwalds lässt sich schneller Geld verdienen als mit seinem langfristigen Schutz.

Brasilien

  • Für Brasilien gilt dieses Problem verstärkt: Seit der Wahl des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro 2018 steht es schlecht um den Schutz des Regenwaldes. Spektrum berichtet, das der Präsident sein Wahlkampfversprechen wahr mache: Das Amazonasgebiet wirtschaftlich zu erschließen. Er veranlasste zum Beispiel, dass Bergbau und der Anbau von Zuckerrohr künftig erlaubt sind.
  • Teile des Regenwaldes könnten sich dadurch zu Savannenlandschaften verändern. Das wäre eine folgenschwere Entwicklung mit Einfluss auf das weltweite Klima. Spektrum führt Beobachtungen der NASA an, nach denen die Regenwald-Abholzungen zu einem trockeneren Klima führen würden.

Indonesien

  • Anders als in Brasilien setzt die indonesische Regierung auf den Naturschutz. Laut Global Forest Watch ist die Regenwald-Abholzung hier stark zurück gegangen. Sie vermuten, dass die Maßnahmen der Regierung wirksam sind und den Regenwald schützen. 
  • Indonesien hat eine Klimapartnerschaft mit Norwegen geschlossen: Norwegen leistet Ausgleichszahlungen, wenn Indonesien CO2-Emissionen einspart und den Regenwald schützt. Die Regierung fördert unter anderem Palmöl aus nachhaltigen Plantagen.

Kongo-Becken

  • Zusammen mit den Regierungen arbeiten Umweltverbände wie der WWF daran, Naturschutzgebiete im Kongo einzurichten. Der kongolesische Regenwald bietet so bedrohten Tierarten wie den Gorillas einen Lebensraum.
  • Die Gelder für solche Schutzgebiete stammen unter anderem aus Umweltfonds, an denen sich die deutsche oder die französische Regierung beteiligen. Ökotourismus kann weitere Einnahmen für die Schutzgebiete einbringen.

Regenwald-Abholzung: Was du im Alltag dagegen tun kannst

Den Regenwald vor Abholzung zu schützen heißt auch, das Klima und die Artenvielfalt zu retten.
Den Regenwald vor Abholzung zu schützen heißt auch, das Klima und die Artenvielfalt zu retten.
(Foto: CC0/pixabay/nil2hoff)

Vor allem mit deinem Einkaufsverhalten kannst du im Alltag dazu beitragen, den Regenwald zu schützen. Beachte dazu die folgenden Hinweise:

Nachhaltiger Anbau:

  • Schokolade und Kakaopulver sollten aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen stammen. Global Forest Watch erarbeitet gemeinsam mit anderen Organisationen ein Programm für nachhaltigen Kakaoanbau. 2017 unterschrieben viele der großen Schokoladenhersteller, unter anderem Nestlé, die Absichtserklärung. Dabei blieb es allerdings meistens: Die Unternehmen brachen ihre Versprechen, wie die Organisation „Global Canopy“ feststellte.
  • Palmöl solltest du nach Möglichkeit meiden – es gibt palmölfreie Alternativen dazu. Palmöl steckt in vielen Süßigkeiten, Saucen und auch in Kosmetika.

Rindfleisch und Leder:

  • Greenpeace forderte bekannte Marken wie Adidas, Nike oder Timberland auf, Leder zu verwenden, für das kein Regenwald abgeholzt wurde. Mit veganen Schuhen kannst du selbst ein Zeichen für den Regenwald setzen.
  • Greenpeace empfiehlt außerdem, weniger Fleisch zu essen: Der hohe Fleischkonsum weltweit trägt zur Abholzung der Regenwälder mit bei. Du kannst auch auf eine vegane Ernährung umstellen und komplett auf tierische Produkte verzichten.

Seltene Erden: 

  • Nutze dein Smartphone, Tablet oder Laptop so lange es geht. Verzichte darauf, immer das neueste Modell besitzen zu müssen. Viele seltenen Erden werden in Regenwaldgebieten abgebaut, so die Tropenwaldstiftung OroVerde.

Papier:

Tropenhölzer:

  • Du kannst dich umweltschonender einrichten, indem du bei Möbeln auf heimische statt tropische Hölzer setzt.

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