Urbanisierung: Ursachen und Folgen vom Städtewachstum

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Urbanisierung zählt zu den Trends der Zukunft. Immer mehr Menschen leben in Städten. Derzeit ist das ein Risiko für die Umwelt – aber Stadtleben kann auch nachhaltig sein.

Urbanisierung ist nicht gleich Verstädterung

In der heutige Welt leben immer mehr Menschen in Städten. Die Verstädterung der Landschaften nimmt zu, Beton und Asphalt drängen die Natur zurück. Die Urbanisierung der Bevölkerung auf der Erde geht unaufhörlich voran.

Urbanisierung: Der Begriff stammt vom lateinischen „urbanus“ (Stadt) und steht auch dafür, wie sich das Leben durch die Stadt verändert. Das Berlin-Institut erläutert, dass es in Deutschland und den westlichen Industriestaaten kaum Unterschiede im Lebensstil zwischen ländlichen Gegenden und den Städten gibt.

Wer hier auf dem Land wohnt, lebt größtenteils trotzdem urban. Du musst nicht unbedingt Landwirt sein, um auf dem Land zu leben. Die Infrastruktur ist ähnlich wie in der Stadt, es gibt beispielsweise kaum Unterschiede bei Schulen, ärztlicher Versorgung, dem Verkehrsnetz oder Einkaufsmöglichkeiten.

Verstädterung: Etwas anders sieht es noch in Ländern wie Asien, Südamerika oder Afrika aus. Hier breiten sich zwar die Städte rasant in der Fläche aus, die Verstädterung nimmt zu – aber nicht unbedingt auch die Urbanisierung der Einwohner.

Laut Berlin-Institut verändern vor allem in Afrika die Menschen, die neu in die Stadt gezogen sind, nicht gleich ihr traditionelles Verhalten. Zudem müssen sie oftmals in Slums an den Rändern der Städte leben und haben daher selten Zugang zu der Infrastruktur und dem Service der Innenstädte. Sie erfahren so die negative Seite des urbanen Lebens, mit Kriminalität, Drogen und Gewalt.

Urbanisierung bietet Chancen

Urbanisierung: Tokyo ist die größte Megacity der Welt.
Urbanisierung: Tokyo ist die größte Megacity der Welt.
(Foto: CC0/pixabay/cegoh)

Die Geschwindigkeit, mit der die Urbanisierung in Europa und später den USA zunahm, begann mit der Industrialisierung ab dem 19 Jahrhundert. Durch die industrielle Revolution fanden viele ehemalige Landarbeiter eine neue Arbeit in städtischen Fabriken. Ab den 1960 Jahren wuchsen auch in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens, Südamerikas und Afrikas die Städte zunehmend an.

  • Laut Weltbank leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land.
  • Die Städte sind der Motor für Handel und Industrie: Sie erzeugen rund 80 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Städte schaffen Arbeitsplätze, die es so auf dem Land nicht gibt. Diese Chance auf einen lukrativen Arbeitsplatz veranlasst Menschen, die ländlichen Gegenden zu verlassen. Längst sind es in den Industriestaaten keine Fabrikjobs mehr, die die Städte attraktiv für neue Bewohner machen: Für die wachsende Urbanisierung sind vielmehr Arbeitsplätze im Handel, im Banken- und Dienstleistungssektor oder in der Forschung verantwortlich.

In der globalisierten Welt verlagerten sich die Arbeitsplätze in Fabriken – zum Beispiel für Elektrogeräte oder Textilien – in den globalen Süden. Die Städte in China und in Asien wachsen heute deutlich schneller als Städte in Europa oder den USA.

So befinden sich 17 der insgesamt 22 Megastädte (Stand 2015) nicht in Industrieländern. Als Megacity gilt eine Stadt mit mehr als zehn Millionen Einwohnern.

Urbanisierung geht zu Lasten der Umwelt

Durch Urbanisierung entstehen Neubausiedlungen rund um die Stadt.
Durch Urbanisierung entstehen Neubausiedlungen rund um die Stadt.
(Foto: CC0/pixabay/Catkin)

Wenn die Einwohnerzahl in Städten rasant zunimmt, stehen Stadtverwaltungen vor der Herausforderung, weiterhin für eine ausreichende Infrastruktur zu sorgen. Durch die Folgen der Urbanisierung können dabei sowohl Menschen als auch die Umwelt zu kurz kommen. Die Städte und ihre Infrastruktur bestimmen so immer mehr das Aussehen der Erde. Wissenschaftler nennen auch deshalb unser aktuelles Erdzeitalter Anthropozän – das Zeitalter, das der Mensch prägt.

Zu den Aufgaben der Stadtverwaltung gehört zum Beispiel:

Die Einwohner mit Nahrung zu versorgen:

  • Der Weltrisikobericht von 2014 spricht die Ernährungssicherung an. Landwirte müssen zunehmend mehr Menschen auf immer weniger Land ernähren. Die wachsenden Städte und Industriezonen beanspruchen immer mehr Bodenfläche, die ihnen dann für den Anbau von Lebensmitteln nicht mehr zur Verfügung steht.
  • Zudem werden aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend Dürren und Missernten erwartet.

Wohnraum bereitzustellen:

  • Ziehen zu schnell zu viele Menschen in die Stadt, fehlen Wohnungen. In weniger entwickelten Ländern entstehen aus dieser Situation Slums, also illegale Siedlungen rund um die Städte. Die Weltbank spricht von einer Milliarde Menschen, die in Slums leben, etwa in Brasilien, Indien oder Mexiko.
  • In Ländern wie Deutschland führt der Wohnungsmangel in Städten zu teuren Mieten. Das fördert die Spekulation mit Immobilien. Auch kommt es zur sogenannten Gentrifizierung: Die bisherigen Mieter können sich die steigenden Mieten nicht leisten und ziehen in andere Stadtteile, meist am Stadtrand. In den anschließend zu Luxuswohnungen sanierten Häusern wohnen dafür dann gut Verdienende. Stadtteile verändern so ihr Aussehen und wo vorher junge Familien und ältere Menschen zusammen wohnten, geht die soziale Vielfalt verloren. Auch das ist eine Folge der Urbanisierung.

Die Wasserversorgung zu regeln:

  • Vor allem in den wachsenden Städten im globalen Süden ist die Wasserversorgung ein Problem. Das Bundesinstitut für politische Bildung berichtet, dass weltweit etwa 1,1 Milliarden Menschen in Städten kein frisches Wasser haben. Ähnlich problematisch sieht es mit dem Abwasser aus, dass dort meist ungereinigt in Flüsse oder das Meer fließt.

Energie und Heizwärme zu liefern:

  • Nicht nur die Einwohner brauchen Strom und Heizung, auch Bürogebäude oder Fertigungsanlagen. Die Weltbank gibt an, dass Städte so für mehr als zwei Drittel des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich sind. Sie verursachen zusammen mit Autoabgasen mehr als 70 Prozent der CO2-Emissionen.
  • Städte beispielsweise in China versinken durch fortschreitende Urbanisierung im Smog. Jährlich sollen über eine Million Chinesen an den Folgen von Luftverschmutzung z.B. durch Feinstaub sterben.

Abfall zu entsorgen:

  • Schon in der Antike standen Städte vor dem Abfallproblem. Das Wissensmagazin Spektrum berichtet, dass wilde Müllkippen so alt sind wie die ersten Metropolen vor rund 6.000 Jahren.
  • Auch heute noch stellen die wachsenden Müllberge in Städten ein Problem dar. Entweder wachsen die Müllkippen in der Nähe der Stadt oder der Müll wird verbrannt. Beides geht zu Lasten der Umwelt: Giftige Stoffe können in das Trinkwasser einsickern oder der Rauch setzt Treibhausgase frei.

Den öffentlichen Verkehr und das Straßennetz instand zu halten:

  • Die Menschen müssen von ihren Wohnungen aus zu ihrem Arbeitsplatz und an andere Orte gelangen können. Straßen oder Schienen für öffentliche Verkehrsmittel benötigen Platz, der wiederum zu Lasten der Landwirtschaft geht.
  • Öffentliche Verkehrsmittel reichen oft nicht bis in die Außenbereiche von Städten, in denen die einkommensschwächeren Einwohner leben. Sie sind daher noch auf das Auto als Transportmittel angewiesen. Damit kostet es sie mehr, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Sie sind auf Steuersubventionen vom Staat angewiesen, zum Beispiel die Pendlerpauschale.

Urbanisierung: Es könnte auch nachhaltig gehen

Gondeln verbinden Slums mit der Stadt.
Gondeln verbinden Slums mit der Stadt.
(Foto: CC0/pixabay/quinntheislander)

Die Prognosen der Weltbank besagen, dass bis 2050 sieben von zehn Menschen in urbanen Regionen leben werden. Daher müssen Städte schon jetzt für eine nachhaltigere Urbanisierung sorgen und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern.

Städte sollen sich teilweise selbst versorgen:

  • Das Worldwatch Institut berichtet von Projekten, bei denen Bewohner der Slums auf öffentlichen Plätzen Gemüse anbauen. Auch die indische Mittelschicht hat Urban Gardening für sich entdeckt und zieht Gemüse und Obst auf Häuserdächern.
  • Das Zukunftsinstitut sieht auch für europäische Städte den Trend zum lokalen Anbau von Gemüse. Dächer oder öffentliche Anlagen verwandeln sich so in Gärten und versorgen Stadtbewohner mit frischem Gemüse.

Wohnraum verdichten:

  • Anstatt weiter außerhalb der Stadt zu bauen, soll der Raum innerhalb der bestehenden Stadt besser genutzt werden. Das Zukunftsinstitut berichtet von Wohnungen in ungenutzten alten Hafen- und Fabrikanlagen. So wollen Städte dem Wohnungsmangel entgegenwirken, der durch die Urbanisierung entsteht.
  • Architekten entwerfen neue bezahlbare Wohnkonzepte, zum Beispiel für Wohnungsgenossenschaften in München oder Hamburg.

Car-Sharing und Mitfahren:

  • Das Zukunftsinstitut nennt gemeinsam genutzte Elektroautos oder Fahrräder als Trend, der die Städte umweltschonender mobil machen soll. Dabei sollen die künftigen Städter die Fahrzeuge gemeinsam nutzen.
  • Die UN berichtet, dass die Stadt Medellin in Kolumbien durch öffentliche Verkehrsmittel ihre Drogenvergangenheit abschütteln konnte. Unter anderem gelang der Stadt dieser Wandel, indem sie die Slums an den Berghängen durch eine Gondel mit der Innenstadt verband. So konnten Menschen aus den Slums leichter in die Innenstadt gelangen und dort Arbeit finden.

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