Honig vegan: die 6 besten pflanzlichen Alternativen

Honig Alternativen, Zuckerrübensirup auf Osterzopf vegan
Foto: "Veganer Osterzopf mit Zuckerrübensirup" Albert Schweitzer Stiftung für unsere Umwelt unter CC BY 2.0

Aus ökologischen und Tierschutzgründen entscheiden sich vor allem viele Veganer dafür, keinen Honig zu verzehren. Aber auch für alle Neugierigen lohnt es sich, einfach mal Honig vegan auszuprobieren.

Wir stellen dir verschiedene pflanzliche Produkte vor, mit denen du den klassischen Honig ersetzen kannst.

Ist Honig vegan?

Diese Frage stellen sich viele Vegan-Einsteiger. Die Antwort ist einfach: nein. Denn Honig ist ein von Tieren hergestelltes Erzeugnis. Genau wie bei anderen Nutztieren greift der Mensch in die natürliche Entwicklung und Lebensform der Bienen ein und genau wie bei anderen Nutztieren können daraus Probleme entstehen. Viele strenge Veganer verzichten darum auf Honig und Bienenwachs.

Allerdings: Zumindest in Deutschland wird ein Großteil der Bienenhaltung auf schonende Weise von Hobbyimkern betrieben und „Massenhaltung“, wie in den USA verbreitet, ist hierzulande zum Glück sehr selten. Der Film „More than Honey“ (2012) thematisiert die Haltungsbedingungen von Bienen und die Honiggewinnung auf beeindruckende Weise.

Honig ist in Deutschland ein streng kontrolliertes Lebensmittel, was hohe Qualitätsansprüche erfüllen muss. Was aber dennoch im Honig vorkommen kann, sind Rückstände von Pollen. Bei Allergikern kann dies mitunter zu Problemen führen.

Im Oktober 2016 testete die Zeitschrift Öko-Test 20 Honig-Marken. Das Ergebnis: Sowohl Bio-Honig als auch konventionell hergestellter Honig kann mit Glyphosat und Gentechnik belastet sein. Immerhin acht von 20 Marken sind empfehlenswert.

Alternativen: Honig vegan

Wenn du auf Honig verzichtest oder einfach mal etwas Neues ausprobieren möchtest, kannst du – neben herkömmlichem Haushaltszucker – unter anderem folgende pflanzliche Alternativen ausprobieren.

1. Zuckerrübensirup: regionaler veganer Honig

Honig vegan und auch noch regional: Das bekommst du mit Zuckerrübensirup. Er ist auch als Rübenkraut bekannt und wird durch Eindicken aus dem Saft von Zuckerrüben gewonnen. Für seine Herstellung sind keine Zusatzstoffe notwendig und der Anbau erfolgt zumeist in Deutschland oder anderen mitteleuropäischen Ländern.
Die Einsatzmöglichkeiten von Zuckerrübensirup als veganer Honig sind vielfältig: Zuckerrübensirup eignet sich sowohl als Brotaufstrich als auch zum Kochen und Backen.

Einkauftsipp: Der Bauckhof Zuckerrübensirup stammt aus Demeter-zertifiziertem Anbau und ist im Bioladen und in diversen Online-Shops (z. B. bei** Vekoop, iloveveggie, oder Amazon) erhältlich.

2. Ahornsirup: die vegane Honig-Alternative aus Kanada

Ähnlich vielseitig einsetzbar ist Ahornsirup als veganer Honig. Sein Nachteil allerdings sind die langen Transportwege, denn das Hauptproduktionsland ist Kanada. Um Ahornsirup zu gewinnen, werden die Stämme des Zuckerahorns angezapft und der so gewonnene Saft durch Erhitzen eingedickt. Aus etwa 40 Liter Saft entsteht letztendlich nur ein Liter Sirup, der hauptsächlich Saccharose und Fruktose enthält. Je heller der Sirup, desto besser ist seine Qualität.

Honig vegan: Ahornsirup ist im Supermarkt, im Bioladen, dem Reformhaus oder in Onlineshops (z. B. im** Rewe Online-Shop, bei Amore Bio, Boutique Vegan oder Amazon) erhältlich, etwa von der Rewe-Eigenmarke Rewe Bio oder von Naturkost-Pionier Rapunzel.

Ahornsirup als Zuckerersatz
Ahornsirup (Foto: © Colourbox.de)

3. Löwenzahnsirup: Honig vegan zum Selbermachen

Viele Veganer ersetzen Honig gern durch Löwenzahnsirup. Dieser wird aus Löwenzahnblüten, Zucker und Zitronensaft hergestellt und ist für sämtliche Zwecke geeignet, für die sonst Honig verwendet wird.

Löwenzahnsirup, Löwenzahnhonig
Löwenzahnsirup: eine unserer Honig-Alternativen (© Giordano Aita - Fotolia.com)

Das Angebot an Löwenzahnsirup im Handel ist eher gering. **Online kannst du Löwenzahnsirup aus Bio-Anbau zum Beispiel bei Vekoop oder bei DaWanda bestellen.

Eine preisgünstige Alternative ist es, Löwenzahnsirup selberzumachen. Du siehst: Wer Honig in vegan sucht, hat viele Möglichkeiten.

4. Agavendicksaft und Agavencreme: die vielseitige vegane Honig-Alternative

Weil Agaven ein heißes, trockenes Klima benötigen, werden sie vorwiegend in Lateinamerika angebaut. Die Herstellung von Agavendicksaft ähnelt der anderer Zuckerarten, jedoch wird hier der Saft mexikanischer Agaven abgezapft und zu Sirup eingekocht. Je dunkler seine Farbe, desto intensiver sein Karamellaroma.

Dank seiner Konsistenz eignet sich Agavendicksaft als Honigersatz sehr gut zum Süßen von Getränken, jedoch nicht zum Backen, denn der hohe Fructosegehalt führt zu einer schnellen und intensiven Bräunung, und Teige erhalten nicht die von Haushaltszucker gewohnte Standfestigkeit.

Honig vegan: Agavendicksaft kannst du im Supermarkt, im Bioladen oder in Onlineshops (z. B. bei** VekoopAmore Bio oder Amazon) kaufen. Die Supermarktkette Rewe bietet Agavendicksaft von ihrer Eigenmarke Rewe Bio (**erhältlich im Rewe Online-Shop) an, auch Alnatura hat ihn im Sortiment (**Online über Allyouneed Fresh). Im Reformhaus gibt es zudem Agavencreme von Lihn**, die sich wegen ihrer Konsistenz besonders gut als Brotaufstrich macht.

Agavendicksaft von Alnatura und Rewe
Agavendicksaft als Honigalternative (© REWE Bio, Alnatura)

5. Trockenfrüchte: die vegane Honig-Alternative fürs Müsli

Beim Backen, der Herstellung süßer Desserts oder im Müsli kannst du Honig als Zutat durch Trockenfrüchte ersetzen. Geeignet als vegane Honig-Alternativen sind etwa Aprikosen, Datteln oder Rosinen.

Honig vegan: Trockenfrüchte sind im Supermarkt, in Bio-Qualität jedoch vorwiegend im Bioladen oder Reformhaus erhältlich. **Online erhältst du Trockenfrüchte in Bio-Qualität zum Beispiel bei Amore Bio, Allyouneed Fresh oder Amazon

Datteln als veganer Honig, Honigersatz, Honig vegan
Datteln haben eine herrliche natürliche Süße (Foto: © Printemps - Fotolia.com)

6. Stevia: die vegane Honig-Alternative für Getränke

Wenn du auf der Suche nach einer Honig-Alternative zum Süßen von Getränken bist, kannst du auf die südamerikanische Pflanze Stevia zurückgreifen.

Je nach dem, um welches Produkt es sich handelt, können Stevia-Produkte (etwa Cola Life) eine bis zu 450 Mal höhere Süßkraft haben als Haushaltszucker. Dabei ist Stevia kalorienfrei, wird insulinunabhängig verstoffwechselt und ist daher auch für Diabetiker ein guter Zuckerersatz.

Stevia-Pflanzen als veganer Honig, Honigalternative
Stevia-Pflanze (Foto: © Pixabay / Flyingbikie)

Bislang ist allerdings nur deren chemisch gewonnener Extrakt als Lebensmittel zugelassen. Darum gibt es Stevia-Süßungsmittel bisher nicht mit EU-Bio-Zertifizierung.

Wenn Honig, dann Bio

Wir empfehlen: Wenn du Honig kaufst, dann achte dabei am besten auf das Bio-Siegel (bzw. die Zertifizierungen der Bio-Anbauverbände). Diese schreiben besonders strenge Haltungsbedingungen vor. Doch im Falle von Honig ist die Herkunft entscheidender als die Bio-Zertifizierung: Ein Großteil des Honigs in unseren Geschäften wird heutzutage aus Lateinamerika importiert. Das bedeutet zum einen lange Transportwege, zum anderen sind die Bedingungen der Bienenhaltung und Honiggewinnung nicht in allen Ländern so streng geregelt wie in Deutschland.

Wer einen Imker in der Nähe hat (egal ob Bio oder nicht) und die Möglichkeit, regional erzeugten Honig zu kaufen, sollte dies tun – und einem Bio-Supermarkt-Honig aus Brasilien vorziehen.

Fazit: Veganen Honig auszuprobieren lohnt sich!

Als schmackhafte regionale Honig-Alternative eignet sich Zuckerrübensirup. Wer die Dinge gerne selber macht, sollte sich mal an Löwenzahnsirup versuchen. Ahornsirup und Agavendicksaft sind beide lecker und sehr vielseitig verwendbar, kommen aber leider meist aus Übersee. Steviaextrakt eignet sich vor allem zum Süßen von Getränken, ist aber (noch) nicht in Bio zu bekommen.

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(43) Kommentare

  1. Was für eine ergiebige und informative Diskussion: genauso wünsche ich mir einen Austausch zu einem Thema 🙂

    Da lese ich gerne mit, das regt zum eigenen Nachdenken an: vielen Dank dafür an alle Beteiligten 🙂

  2. Liebe Imkerin Claudia, vielen Dank für die vielen Erklärungen und Richtigstellungen.
    Liebe Utopisten – schadeschade, dass in diesem Artikel einfach mal „nachhaltig“ quasi mit „vegan“ gleichgesetzt wird. Wer aus Gewissensgründen vegan leben will – meinen Respekt. Aber das Thema Nachhaltigkeit in der Ernährung ist wesentlich vielschichtiger und sicher nicht einfach mit „vegan leben“ zu beantworten. Gerade die Bienenhaltung trägt sehr zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft bei – und unsere AnbauerInnen von Gemüse, Obst, Eiweiss- und Ölfrüchten hätten ohne die Imkerei deutlich geringere Ernten. Bitte in Zukunft etwas differenzierter betrachten!

  3. Hallo Miranda, finde es gut, dass Du diesen Punkt noch aufgreifst! Der Verzicht oder reduzierte Konsum von tierischen Produkten ist eben nur ein Aspekt von Nachhaltigkeit – wie der steigende Bedarf an pflanzlichen Produkten gedeckt wird ist eine andere Frage (siehe Sojaanbau & Co.).

    Ich denke, man könnte ganz generell Beiträge dahingehend verbessern, dass man noch kritischer beide Seiten beleuchtet! Das bedeutet ja nicht, dass man immer ewig lange Artikel hat – man könnte ja auf Artikel, die die Thematik vertiefen, verlinken! Was meint ihr?

  4. Danke für de Ergänzungen, da habt ihr natürlich recht. Wir stimmen vollkommen zu, dass das Thema nachhaltige Ernährung sehr viel vielschichtiger ist und viel mehr Möglichkeiten umfasst als „nur“ den Verzicht auf tierische Produkte. Darum schreiben wir auch regelmäßig über verschiedene Themen rund um Ernährung.

    Grundsätzlich haben wir natürlich immer den Anspruch, kritisch und ausgewogen zu berichten (und arbeiten dafür natürlich auch mit Verlinkungen, @Claudia). Falls uns das in Einzelfällen nciht gelingt, tut es mir leid – aber für dafür haben wir ja zum Glück eine aktive Community, die uns darauf aufmerksam macht. 🙂

  5. guten tag,

    ich bin großer fan der utopia seite dennoch finde ich sollte man jeden artikel hinterfragen und kritisch sehen man muss alle seiten kennen um urteilen zu können.
    ich glaube das der verzicht von honig nicht sinnvoll ist, da man mit dem kauf von honig gezielt imker und vorallem bio-imker und somit auch den bienen helfen kann.
    Die Honigbiene hier in europa ist auf ihren Imker angewiesen da sie ohne diesen, durch die vom menschen eingeführte varroa, nicht mehr überleben kann.
    Andererseits sind wir auf Bienen angewiesen, denn ungefähr 80% aller nutzpflanzen werden zu größten teilen von diesen bestäubt, so zum Beispiel auch der Löwenzahn oder der ahorn. Na dann mal viel spaß bei der herstellung des sirups ohne vorherige bienenarbeit ! pfui bienenarbeit!? ja auch an eurem sirup haben bienen gearbeitet.
    esst doch lieber honig dieser zerstört bei seiner herstellung die natur nicht sondern die natur profitiert von der herstellung!
    Wie das bei der Herstellung von Sirup ist weiß ich nicht ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das ohne eingriffe in die natur geht!
    Also unterstütz die imker denen die biene am herzen liegt, z.B. imker die nach demeter standard imkern, und somit auch die bienen, die natur und letztlich euch selbst!

    ps: der industrielle zucker ist der feind 😀
    und falls ich mit meiner meinung falsch liege klärt mich auf!

  6. „Honig ist ein von Tieren hergestelltes Erzeugnis. Genau wie bei anderen Nutztieren greift der Mensch in die natürliche Entwicklung und Lebensform der Bienen ein und genau wie bei anderen Nutztieren können daraus Probleme entstehen.“ Nun ja: mir ist es ziemlich egal, was Veganer über Honig und die Gewinnung von Bienenprodukten GLAUBEN. Da habe ich schon viel Blödsinn gehört und gelesen. Ärgerlich dabei ist nur, dass solche vegane Katechismusdogmen der Bienenhaltung und den damit verbundenen Leistungen, die Imker für eine gesunde Umwelt erbringen, überhaupt nicht gerecht werden. Und es passt mir schon gar nicht, dass Bienenhalter von Veganern direkt oder wie hier eher indirekt als „ausbeuterisch“ diskreditiert werden.

    Dass Veganer stattdessen Zuckerrübensirup als Honigalternative propagieren ist schlicht und ergreifend der Gipfel moralisch begründeter Nahrungs-Bigotterie. Offenbar interessiert man sich weder für die Bedingungen, unter denen heute Zuckerrüben angebaut werden, noch für den unverhältnismäßig hohen Energieverbrauch, der zum Eindicken des Zuckersaftes aus den Rüben benötigt wird.

    Wen es interessiert, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang die Lektüre meines Blogbeitrags „Imkerträume hoch über dem Rheinland“ ( http://bienenseiten.blogspot.de/2016/08/imkertraum-1500-meter-uber-dem-erdboden.html ). Ich frage mich: Wie kann man reinen Gewissens Produkte aus dem Zuckerrübenanbau konsumieren, um dann mit dem Konsum von Honig ethische Skrupel zu haben???

    Um Einwänden der Art „aber wir essen doch Zuckerprodukte aus Bioanbau“ zu begegnen: 2014 wurden 1.100 Hektar von insgesamt 372.500 Hektar Rüben in Deutschland „biologisch“ angebaut, so das Statistische Bundesamt. Das sind gerade mal 0,3% der deutschen Zuckerproduktion. Ob das das reicht, auch nur den Zuckerbedarf deutscher Veganer zu stillen, glaube ich kaum. Der Vegetarierbund Deutschland schätzt die Zahl der sich vegan ernährenden Bevölkerung auf ca 900.000. (1,2% der Gesamtbevölkerung) Wenn ökologisch einwandfreie Zuckerprodukte nur von Veganern konsumiert würden, wären 2/3 der Veganer hoffnungslos unterzuckert.

    Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich unterstütze jeden, der sich moralisch und ökologisch verantwortungsvoll ernähren möchte. Aber Zucker aus Rüben, egal in welcher Form, ist aktuell wohl kaum eine ethisch korrekte Alternative zum Imkerhonig.

  7. Hallo, vielleicht möchtet ihr den veganen Honig (Vonig) von Vegablum ja mit in eure Liste aufnehmen? Es gibt viele verschiedene Sorten und er ist einfach total lecker!
    vegablum.de
    Euer Vegangirl

  8. Hallo allerseits
    Zur Ergänzung:
    Birnenhonig, auch Birnenkraut, Birnendicksaft, Birähung oder Birnenkonzentrat -> zu finden in Wikipedia, Stichwort „Birnel“
    und:
    Melasse -> ebf. online Beschrieben, insbesondere Unterscheidung zu Zuckerrübensirup.

    Beides in der Schweiz vielerorts erhältlich.

    Dani

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