Imkern für Anfänger – so wirst du zum Bienenretter

Foto: Pixabay/ CC0/ suju

Selber Honig machen liegt nicht nur total im Trend, es ist auch gut für die Erhaltung der Bienen. Utopia zeigt dir, was du fürs Imkern brauchst und wo du es lernen kannst – viel einfacher, als gedacht!

Seit etwa einem Jahrzehnt geht ein mysteriöses Bienensterben um – ganze Völker sterben aus, die Bestände gehen zurück. Ursachen dafür sind Parasiten wie die Varroamilbe, bestimmte Pestizide und landwirtschaftliche Monokulturen, die den Lebensraum und die Nahrungsvielfalt von Bienen stark einschränken.

Mit dem Hobby-Imkern holen wir uns nicht nur leckeren, selbstgemachten Honig ins Haus, sondern können auch die heimischen Honigbienen unterstützen, für mehr Grün sorgen und helfen, den Bienenbestand zu erhalten. Das ist wichtig, denn unsere Ernährung wird zu einem großen Teil durch die Arbeit der Bienen gesichert: etwa ein Drittel unserer Nahrungspflanzen sind von ihrer Bestäubung abhängig.

Wo du imkern kannst: Garten, Balkon und auf dem Dach

Imkern ist ganz einfach im eigenen Garten möglich. Steht keiner zur Verfügung, kann auch auf dem Balkon und sogar auf einem Hausdach geimkert werden. Bienen darf man im Prinzip überall dort halten, wo auch Haustiere erlaubt sind. Die Rechtslage ist allerdings nicht eindeutig, da Wildtiere in Mietverträgen in der Regel nicht erwähnt werden.

Futter finden die Bienen in der Stadt genug: kleinste Grünflächen, Stadtparks und Balkonpflanzen bieten meist eine größere Vielfalt an Nahrung, als die Bienen auf dem Land zur Verfügung hätten. Generell sollte man sich natürlich mit den Nachbarn, der Hausgemeinschaft oder den Hausbesitzern absprechen. Auf der Seite von Bienenbox.de findest du ein Infoblatt, das dabei hilft dein Umfeld aufzuklären.

Bienenbox Imkern Balkon
Mit Hilfe einer Halterung kannst du sogar auf deinem Balkon imkern. (Foto: © Johannes Weber)

Bevor du startest

Nun klingt selber imkern zunächst etwas abenteuerlich – es ist aber definitiv machbar. Laut Deutschem Imkerbund (D.I.B) sind rund 80 Prozent aller deutschen Imker Hobby-Imker. Trotzdem solltest du dir vorher gründlich überlegen, ob du dir zutraust, Verantwortung für die Bienen zu übernehmen. Denn, auch wenn der zeitliche Aufwand gering ist, ihr Überleben ist das ganze Jahr über von dir abhängig.

Für diejenigen, die Interesse haben aber unsicher sind, bieten sich Einsteiger- oder Schnupperkurse an. Einen Imkerkurs empfehlen wir übrigens unbedingt jedem, der mit dem Imkern beginnen will. Kurse werden von Imker-Vereinen angeboten. Auf der Internetseite des Deutschen Imkerbundes (D.I.B) findest du Ansprechpartner und Informationen dazu.

Die Kosten variieren je nach Verein und je nach dem, ob man Mitglied ist oder nicht. Setze dich am besten direkt mit einem lokalen Imker-Verein in Verbindung, hier erfährst du mehr. Auch unbedingt empfehlenswert: Bei den Vereinen gibt es die Möglichkeit von einem Imkerpaten bei der Bienenhaltung das ganze Jahr über betreut zu werden.

Kurse werden auch vom Verein Stadtbienen e. V. angeboten. Die Kosten für einen Schnupperkurs liegen bei 60 Euro, für einen Imkerkurs muss man mit 290 Euro rechnen.

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Der Verein Stadtbienen e.V. bietet Imkerkurse an. (Foto: © Stadtbienen e. V.)

Das perfekte Zuhause für deine Bienen

Bevor man sich ein Bienenvolk anschafft, sollte eine geeignete Behausung vorhanden sein. Eine Holzkiste genügt in der Regel: sie sollte einen Meter lang, einen halben Meter breit und etwa 20 cm hoch sein. An der Stirnseite hat sie einen kleinen Spalt, der als Flugloch dient.

Die „Bienenkiste“

Die Idee für eine „Bienenkiste“ stammt von Erhard Maria Klein, einem Freizeit-Imker aus Hamburg. Die Form ist deshalb so geeignet, weil sie dem natürlichen Lebensraum der Bienen besonders ähnlich ist. Der Freizeit-Imker stellt auf seiner Internetseite eine Anleitung zum Nachbauen bereit, die Bienenkiste gibt es aber auch zu kaufen. Kostenpunkt: 296 Euro.

Bienenkiste selber imkern
Die Bienenkiste (Foto: @ Erhard Maria Klein)

Der Innenraum ist in Brutbereich und Honigraum aufgeteilt. Ersterer ist der zentrale Lebensraum der Bienen. Der Honigraum befindet sich im hinteren Bereich der Kiste. Hier bringt man vorgeprägte Wachsplatten („Mittelwände“) an, die es erleichtern den Honig später zu ernten.

Die „Bienenbox“

Die „Bienenbox“ ist ähnlich konstruiert wie die Bienenkiste, Kostenpunkt: 340 Euro. Sie wurde vom Verein Stadtbienen e.V. entwickelt, um das Imkern auch für Neulinge zugänglich zu machen. Für Hobby-Heimwerkerker steht auch hier eine Anleitung zum Nachbau zur Verfügung.

Bienenbox Hobby-Imkern
Die Bienenbox des Stadtbienen e.V. (Foto: © Anna Pawlicki)

Die Bienenbox ist so gebaut, dass sie mit verschiedenen Halterungen am Balkon, auf dem Dach oder im Garten flexibel angebracht werden kann. Im Inneren befinden sich Rahmen zum einsetzen, die sich besonders gut für den Naturwabenbau eignen. Zudem ist sie mit Sichtfenster erhältlich, so dass man das Treiben der Bienen im Inneren gut beobachten kann.

Woher du ein Bienenvolk bekommst

Ist die Frage des Standorts und der Behausung geklärt, fehlt nur noch das Bienenvolk. Die beste Zeit mit der Bienenhaltung zu beginnen ist Anfang Mai bis Ende Juni: die Bienen haben dann noch genug Zeit, ein starkes Volk aufzubauen, um über den Winter zu kommen.

Den Schwarm besorgst du dir idealerweise bei einem lokalen Imker-Verein oder bei einzelnen Imkern in deiner Nähe. Ihn regional zu beziehen ist ökologischer und stressfreier für die Bienen, da hier lange Transportwege wegfallen.

Wir empfehlen, einen sogenannten „Naturschwarm“ dem „Kunstschwarm“ vorzuziehen. Dieser entsteht auf natürliche Art und seine Bienen sind stärker und aktiver: die Bienen erschaffen sich selbstständig eine neue Königin, die mit der Hälfte des Volks weiterzieht.

Naturschwärme bekommst du am ehesten bei Bio-Imkern oder Imkern, die eine naturgemäße Haltung vorziehen.

Was du sonst noch beachten musst

Die richtige Kleidung ist wichtig, besonders wenn du noch nicht so geübt im Umgang mit den Bienen bist. Schleier und Handschuhe findest du zum Beispiel bei Bienen Voigt, ein Starterset inklusive Abkehrbesen und Smoker bei Amazon**.

Es ist zusätzlich notwendig und wichtig, deine Bienen beim zuständigen Veterinäramt anzumelden. Es sorgt dafür, dass sich gefährliche Bienenkrankheiten wie beispielsweise die Amerikanische Faulbrut nicht unkontrolliert ausbreiten.

Zudem solltest du dich informieren, inwieweit du durch deine Haftpflichtversicherung gegen Schäden geschützt bist, die eventuell durch einen Bienenstich oder Verschmutzung durch die Bienenhaltung entstehen. Wenn du in einen Imker-Verein eintrittst, bist du durch deine Mitgliedschaft meist mitversichert.

Imkern: der Jahresablauf

Ist es dann endlich soweit und die Bienen sind in ihr neues zu Hause eingezogen, kannst du loslegen. Hier eine kleine Übersicht, welche Aufgaben im Laufe des Jahres anfallen:

  • Die Schwärmzeit findet im Mai und Juni statt, während dieser Zeit vermehren sich die Bienen. Deine Aufgabe ist, die Stimmung im Schwarm zu beurteilen und zu entscheiden, wie du mit ihr umgehst. Neun Stunden Zeitaufwand in den zwei Monaten werden dafür von Stadtbienen e. V. veranschlagt.
  • Deinen Honig erntest du bereits Anfang Juni: Hier entfernt man nur den überschüssigen Honig, den Rest benötigen die Bienen, um überwintern zu können. Zeitaufwand: etwa 4 Stunden insgesamt.
  • Nach der Ernte, Mitte Juli, musst du deine Bienen gegen die Varroamilbe mit Ameisensäure behandeln. Zeitaufwand: etwa 2 Stunden.
  • Mitte August prüfst du nochmal, ob deine Bienen genug Honig für den Winter gesammelt haben. Ist es zu wenig, musst du mit Zuckerwasser zufüttern. Zeitaufwand: etwa 1 Stunde.
  • Zwischen Mitte November und Ende Dezember steht eine weitere Behandlung der Bienen gegen die Varroamilbe an: die Oxalsäurebehandlung. Sie ist wichtig für das Überleben deiner Bienen. Zeitaufwand: etwa 1 Stunde.
  • Auch in den Wintermonaten solltest du die Bienen regelmäßig kontrollieren und nachsehen, wie es ihnen geht. Zeitaufwand insgesamt: etwa 1 Stunde.
  • Der Frühling steht vor der Tür: Im April brauchen die Bienen mehr Platz, um ihr Brutnest zu vergrößern und ihren Honig einzulagern. Zeitaufwand: etwa 2 Stunden.

Mit so viel Aufwand, Zeit und Geld solltest du rechnen

Kosten: Mit Bienenbox, Halterungen, Imkerausrüstung, Bienenschwarm und den laufenden Kosten für die Bienenhaltung, liegen die Kosten bei etwa 900 Euro. Das kann aber auch mal mehr und mal weniger sein. Die Kosten variieren und sind immer auch von verschiedenen Faktoren abhängig: wie viele Völker du hältst, welche Ausrüstung ausreichend für dich ist und für welche Behausung du dich entscheidest.

Zeitlicher Aufwand: Abzüglich der Zeit, die du für einen Imkerkurs, die Anschaffung der Bienen und der Bienenbox aufbringst, veranschlagt Stadtbienen e.V. etwa 20 Stunden im Jahr.

Utopia meint: Selber imkern macht Spaß und hat ein paar tolle Nebeneffekte: man trägt einen Teil zur Bienenrettung bei und produziert gleichzeitig seinen eigenen Honig. Wir möchten aber deutlich betonen, dass das Imkern nicht aus einer Laune heraus mal eben ausprobieren werden sollte. Bienen sind Nutztiere und sehr wichtig für den Menschen – nachlässige Hobby-Imker schaden den Bienen sonst mehr, als dass sie ihnen helfen.

Weiterlesen auf Utopia.de: Imkern für Anfänger – so wirst du zum Bienenretter

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(20) Kommentare

  1. Man sollte bei aller Liebe gegenüber der Honigbiene aber beachten, dass diese die teilweise selten gewordenen Wildbienenarten oftmals auskonkurriert. Wenn man in der Nähe eines Naturschutzgebietes wohnt und sich einige Honigbienenvölker anschafft, kann das auch Nachteile für die Artenvielfalt an Pflanzen und Wildbienenarten haben.

  2. Das ist totaler Unfug! Die Honigbiene steht in keinster Weise in Konkurenz zu den Wildbienen. Die meisten Wildbienen sind Solitärbienen und bevorzugen z.T. andere Nahrungsquellen, was u.a. dem unterschiedlichen Körperbau geschuldet ist…

    Jedoch sollte jeder, dem Naturschutz am Herzen liegt auch für Wildbienen Lebensraum schaffen. Dazu reicht ein Stück Kantholz, in welches man Löcher mit Durchmessern von 3mm-7mm bohrt. Wenn dieses an einem, vor Regen geschützem Ort anbringt, wird es den Wildbienen das Überwintern erleichtern und die Population steigern! Das ist besserer Naturschutz als das blöde Gelaber…

  3. Anne hat mit jeder ihrer Silben vom 23. Mai recht: Wissenschaftlich ist belegt, daß es eine, z.T. erhebliche Konkurrenz der (konkurrenzstarken) Honigbiene mit (den in der Regel deutlich konkurrenzschwächeren) Wildbienen geben kann (z.B. Westrich, 1989; Amiet/Krebs, 2012; Zurbuchen/Müller, 2012; Bellmann, 1995).

    Letztgenannte Quelle stellt zur Honigbiene fest: „Empfindliche Wildbienen werden von ihr sofort verdrängt. So konnte beispielsweise in einem Botanischen Garten festgestellt werden, daß die Artenzahl der Wildbienen nach Wegnahme der Honigbienenvölker in kürzester Zeit auf etwa das Doppelte anstieg.“

    Diese Konkurrenz liegt v.a. an der Anspruchslosigkeit der Honigbiene bei der Blütenwahl und ihrer an einem Ort auftretenden hohen Individuendichte im Vergleich zu Wildbienen. Von Imkern wird dann gern angeführt, daß Honigbienen in erster Linie Massentrachten nutzen (also eine Vielzahl an einer Stelle auf einmal vorkommender Blüten), wie Baumblüten, Raps, Phacelia, und dadurch Konkurrenz vermeiden würden.

    Das stimmt zwar. Doch ist wissenschaftlich belegt (z.B. Westrich, 1989; Zurbuchen/Müller, 2012), daß eine respektable Zahl von Honigbienen auch Einzelblüten bzw. einzelne Blütenköpfe anfliegen: von Wildbienen dringend benötigte Nahrungsressourcen.

    Aufgrund lebensfeindlicher „Agrarwüsten“ finden einige Wildbienen Ausweichrefugien in Dörfen und Städten. Ihre Chancen schwinden dort aber durch das Aufstellen von Honigbienenvölkern. Zur Schaffung einer hohen Artenvielfalt im Siedlungsbereich halte ich diesen Trend deshalb für grundsätzlich ungeeignet. Besser wäre es, gezielten Wildbienenschutz zu betreiben als in Entwicklungen wie die „Stadtimkerei“ zu investieren.

    Der obige Ausgangstext spricht von „heimischen Honigbienen“. Das ist falsch: Die bei uns einst heimische Honigbiene ist hier mittlerweile ausgerottet. Warum? Die – damals – als weder imkerfreundlich noch ertragversprechend geltende Unterart, die sog. Dunkle Europäische Honigbiene (Apis mellifera mellifera), wurde mit südlich der Alpen beheimateten Unterarten systematisch verkreuzt, wodurch der Genpool der „Dunklen Biene“ hier mit der Zeit völlig erloschen wurde; diese wäre in der Tat eine heimische Honigbiene, doch ist ein Großteil der hiesigen Imkerschaft ganz entschieden gegen ihre Wiedereinführung.

    Mittlerweile distanziere ich mich von weiten Teilen meines eigenen Blogs von 2010 (https://utopia.de/0/blog/oelkatastrophe-keine-loesung/warum-essen-viele-veganerinnen-keinen).

  4. Das Problem ist und bleibt aber nicht die Honigbiene sondern unsere Agrar-Industrie mit der von ihr geschaffenen Wüste.
    Und daß man Bienenvölker nicht gerade in Naturschutzgebiete stellt, sollte klar sein und macht auch wirtschaftlich keinen Sinn.

  5. Genau: Die „Agrar-Wüste“ ist das Hauptproblem und damit auch das Hauptproblem für Wild- und Honigbienen.

    Und wenn in dieser Situation plötzlich eine ganze Reihe von Menschen, die vorher mit der Imkerei nicht viel am Hut hatte, beginnt, Honigbienen in der Stadt zu halten, dann besteht die Gefahr eines unnötigen Konkurrenzdrucks auf Wildbienenpopulationen.

    Honigbienen sind also nicht die Ursache für die prekäre Situation etlicher Wildbienen, aber sie können die durch die intensive Landwirtschaft verursachten Probleme sehr wohl verstärken.

    Übrigens: Die Honigbiene kommt natürlicherweise in viel geringerer Indiviuduenzahl vor. Auch gibt es von Natur aus nicht so viele Bienenvölker. Die vielen Honigbienen heutzutage gehen auf die Imkerei zurück. Von Natur aus ist die Honigbiene ein Tier der Wälder und Waldlichtungen – ein großer Unterscheid zu den meisten Wildbienen, die sich mehrheitlich im sonnigen Offenland wohlfühlen.

    Durch
    – die damals relativ niedrige Zahl wildlebender Honigbienen,
    – ihren täglichen „Überlebenskampf“, wodurch ihre Zahl zusätzlich begrenzt wurde (anders als bei den heute gehaltenen und gefütterten Tieren in menschlicher Obhut, die dadurch schon einen deutlichen Vorteil haben gegenüber Wildbienen)
    – und die damals unterschiedlichen Lebensräume von Honigbienen und den meisten anderen Bienen
    beschränkte sich eine Konkurrenz auf ein Minimum.

    Daß die Situation durch die Honigbienenhaltung inzwischen eine andere ist, sollte einleuchtend sein.

    So wird auch der Begriff „Bienensterben“ relativ, zumindest wenn damit ein drohendes Aussterben der Honigbiene gemeint sein sollte: Ein solches Szenario ist aufgrund der imkerlichen Fürsorge nicht zu befürchten. Auf der anderen Seite stehen aber 53 % der insgesamt etwa 560 in Deutschland vorkommenden Wildbienen-Arten auf der sog. „Roten Liste“.

    Für mich ist die im obigen Text genannte „BienenBox“ jedenfalls eher eine vielbesprechende „Gelddruckmaschine“ findiger Geschäftsleute als ein Beitrag zum Arten- und Naturschutz.

    P.S. zu deinem Kommentar zum Aufstellen von Bienenvölkern in Naturschutzgebieten:

    Macht ein Aufstellen von Bienenvölkern in einem Naturschutzgebiet voll von blühendem Heidekraut denn wirtschaftlich etwa auch keinen Sinn? Jedenfalls können größere Honigbienenvölker dort einen negativen Effekt auf Pollenspezialisten haben, wie auf die Heidekraut-Sandbiene (Andrena fuscipes) und die Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus).

  6. „Für mich ist die im obigen Text genannte „BienenBox“ jedenfalls eher eine vielbesprechende „Gelddruckmaschine“ findiger Geschäftsleute“
    Ja, da bin ich ganz Deiner Meinung.
    Geht sicher auch deutlich einfacher.

    Aber grundsätzlich finde ich es schon sehr vorteilhaft, daß sich so viele Menschen mit dem Thema beschäftigen.
    Ich glaube Imkern kann ja auch sehr tiefen Einblick gewähren in die „Wunder der Natur.“
    Nichts ist schlimmer, als wenn eine Generation von Kindern heran wächst, die nur noch Pokemon kennen (überspitzt).

    Was das Aufstellen in blühendem Heidekraut angeht, so hast Du vermutlich recht, daß das zu bestimmten Zeiten auch wirtschaftlich interessant ist.

    Danke für Deine guten Einwürfe, kommst Du auch wieder in die neuen Gruppen?

  7. Bin ganz deiner Meinung, auch zum pädagogischen Wert von Honigbienen. Sie können für junge Menschen sogar ein Auslöser sein, sich mehr und mehr mit den vermeintlich kleinen Vorgängen in der Natur zu beschäftigen. Mein Interesse an Wildbienen geht zurück auf viele schöne Kindheitserlebnisse, denen ich der Honigbiene zu verdanken habe.

    Aber Wildbienen sind nicht minder faszinierend: Die pelzige, wie eine kleine Hummel wirkende Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) im zeitigen Frühjahr an Nisthilfen zu beobachten, macht richtig Spaß. Mit meinem kleinen Sohn konnte ich im vergangenen Frühjahr bestaunen, wie ein Männchen sich gerade seinen Weg aus der Brutröhre ins Freie bahnte. Es lohnt sich. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Es kann ein recht hohes Artenspektrum an solchen Nisthilfen geben, und es kommen regelmäßig sogenannte Kuckucksarten dazu, die von der Nestbautätigkeit anderer profitieren und sich selbst nicht die Beinchen schmutzig machen. Viele großartige Beobachtungen im Kleinen also.

    Danke für deine lobenden Worte! Das freut mich. Die neuen Gruppen: Habe ich mir nach deinem Hinweis angesehen. Finde ich gut, schaffe das zeitlich leider meist nicht. Aber mal sehen, wie sich das entwickelt.

  8. Weiter oben, im Kommentar von John am 19. August, wird das Anbringen von Nisthilfen mit Lochbohrungen als Naturschutz bewertet. Sicherlich tut man damit solchen Arten Gutes, die vorgegebene Hohlräume als Nistplätze benötigen. Bei den Bienen, die auf solche Nisthilfen ansprechen, handelt es sich aber in aller Regel um Arten, die nicht in ihrem Bestand gefährdet sind.

    Natürlich können solche Maßnahmen helfen, daß das auch so bleibt, aber man sollte bedenken, daß der Großteil der nestbauenden Bienen andere Bedingungen zum Nestbau benötigt: Es mag verwunderlich klingen, aber die meisten Bienen nisten im Boden. Andere nisten z.B. in festem Totholz, in dem sie aber keine vorhandenen Hohlräume beziehen, sondern die Kinderstube selbst ins Holz nagen. Wieder andere brauchen einzelne markhaltige Stengel, bei denen sie das Mark selbst herauslösen; der markhaltige Pflanzenstengel sollte zudem nicht waagerecht, sondern senkrecht bis diagonal ausgerichtet sein. Das nur als ein paar Beispiele der vielfältigen Nistmöglichkeiten unserer Wildbienen.

    Und all diese Wildbienen-Arten erreicht man nicht mit Kanthölzern o.ä., in denen gebohrte Löcher sind. Und unter ihnen sind auch die gefährdeten Arten – jedoch nicht unter denen, die in vorhandenen Hohlräumen ihre Nester bauen.

    Um Wildbienen zu schützen, bedarf es also der Beachtung der Bedürfnisse hinsichtlich ihrer Nistweisen und ihrer Pollenquellen. Viele Wildbienen sind Pollenspezialisten, können also nur den Pollen einer Pflanzengruppe für die Versorgung ihrer Larven nutzen. Gibt es diese Pflanzengruppe nicht, können sie nicht auf andere Blüten ausweichen und somit dann keine Nachkommen erzeugen. Nur ein Beispiel einer Pflanzengattung, auf die eine ganze Reihe verschiedener Wildbienen spezialisiert ist und daher – neben etlichen anderen Pflanzen – für Wildbienen besonders bedeutsam ist: Glockenblumen (Campanula).

  9. Die Frage wegen der Konkurrenz konnte bis jetzt nicht eindeutig geklärt werden.
    Es wird aber häufig Imkern untersagt, in Naturschutzgebieten Bienen aufzustellen, schon rein vorbeugend.
    Meistens braucht es auch nicht viel Überzeugungskunst, weil es sowieso bessere Standorte für Imker gibt, als Trockenwiesen, wo die meisten Wildbienen sich wohl fühlen.
    Wer sich dafür interessiert, kann sich hier weiter informieren:
    http://www.laves.niedersachsen.de/download/82803

    Jedenfalls ist es lächerlich, die Bienen und Honigproduktion als Grund für den Niedergang der Wildbienen zu sehen.
    Imker sind ein wichtiger Berufsstand im Kampf gegen den Niedergang artenreicher Naturgebiete und gegen Pestizide.
    Lieber zusammen arbeiten!

  10. Der Link enthält z.T. gute Informationen, erwähnt aber keine Quellen, die eine deutliche Konkurrenz belegen. Insofern ist das erzeugte Bild recht einseitig, was aber kein Wunder ist, denn das Institut für Bienenkunde des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit steht für die Belange der imkerlichen Bienenhaltung.

    Das wissenschaftlich fundierte Buch „Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis“ von Antonia Zurbuchen und Andreas Müller (2012) kommt etwa bei der Konkurrenz zwischen Honigbiene und Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) zu deutlich anderen Ergebnissen als der Link vom Institut für Bienenkunde.

  11. Bei der Bienenkiste sollte man sich fragen was nur gute Promotion ist und was wirklich stimmt, ob die Nachteile die Vorteile nicht überwiegen. Vieles wird schnell behauptet und wenig hinterfragt – Leben Bienen wirklich natürlicher weise in flachen Kisten, die im Sommer leicht überhitzen und im Winter zu kalt sind? (Bienen leben natürlicher Weise in hohlen Bäumen) Ist der Platzbedarf der Bienenkiste nicht extrem? Ist es gut für die Bienen und den Imker, wenn er beim Öffnen das ganze Volk aufreißt und dabei zurückkehrende Bienen den Eingang nicht mehr finden, so dass sich schnell eine Wolken von suchenden Bienen bildet? Was ist an einem System gut, welches Mittelwände benötigt statt ganz auf Naturbau zu setzen? Große dicke Bretter – Selbstbau schwierig, da schwer zu beschaffen und mittelfristig verziehen sich solche Bretter leicht …. usw..

    Mir erscheint die Bienenbox für einen Anfänger geeigneter. Und man sollte nicht vergessen, dass Naturbau in Rähmchen ganz gut funktioniert, wenn die ersten Rähmchen ausgebaut sind und den Bienen zur Orientierung dienen.

  12. Ich finde die Aussage, dass Bienen „überschüssigen“ Honig produzieren ein wenig naiv. Bienen produzieren Honig für sich und ihre jungen Maden (Bienenbabys). Die Biene sammelt den Honig, nimmt ihn zu sich, „bricht“ ihn wieder aus und hat dabei überlebenswichtige Stoffe von SICH SELBST an den Honig weitergegeben. Dieser Honig schützt die Biene vor Milben! Wir können alle den Schritt weiter denken was passiert, wenn wir dieses für die Biene einzige Lebensmittel mit Nährstoffen, Enzymen und antibakteriellen Stoffen durch so einen Mist wie Zuckerwasser ersetzen. Natürlich kommt es zu erhöhtem Milbenbefall und Bienensterben. Die Frage die sich dabei stellt ist doch die: Ist es wirklich nötig einem Lebewesen SEINE EINZIGE Nahrung wegzunehmen nur damit wir damit süssen können wo wir ZAHLREICHE ALTERNATIVEN haben wie Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, normaler Zucker fürs Brot: Haselnusscreme, Marmelade, Mandelcreme etc…..

  13. „Bienenbabys“
    Aha, Insektensäuglinge… :-))

    „Die Biene sammelt den Honig“
    Bienen sammeln keinen Honig!
    „und hat dabei überlebenswichtige Stoffe von SICH SELBST an den Honig weitergegeben“
    Tatsächlich? Welche denn?
    Weiter unten findest Du einen Link dazu, was Honig ist und wie er entsteht.
    „Dieser Honig schützt die Biene vor Milben!“
    Wo hast Du das denn her? Belege das bitte mal!
    „Wir können alle den Schritt weiter denken was passiert,…“
    Möglicherweise, aber sinnvollerweise nicht auf Basis der von Dir präsentierten Ahnungslosigkeit.
    „… wenn wir dieses für die Biene einzige Lebensmittel mit Nährstoffen, Enzymen und antibakteriellen Stoffen durch so einen Mist wie Zuckerwasser ersetzen.“
    Hast Du den Artikel überhaupt gelesen? Und wenn ja, hast Du ihn auch verstanden?
    Da steht nichts von „ersetzen“ sondern lediglich etwas von nötigenfalls zufüttern.
    „Natürlich kommt es zu erhöhtem Milbenbefall und Bienensterben.“
    Wo hast Du das her? Und warum „natürlich“? Belege bitte.
    Und erklär mir bitte, warum Varroa jahrhundertelang kein Problem war. Allein diese Tatsache widerlegt doch Deine Behauptung.
    Ebenfalls weiter unten findest Du einen Link gegen Dein Informationsdefizit hinsichtlich Varroa.
    „Die Frage die sich dabei stellt ist doch die: Ist es wirklich nötig…“
    Dir vielleicht, gleichzeitig fragt man sich wiederum nach der Relevanz dieser Frage.
    „einem Lebewesen SEINE EINZIGE Nahrung wegzunehmen“
    Wenn bei Bedarf zugefüttert wird ist es logischerweise nicht mehr die einzige Nahrung, da kannst Du noch so große Buchstaben verwenden.
    „nur damit wir damit süssen können“
    Das ist eine Falschbehauptung, Honig ist ein Nahrungsmittel.
    „wo wir ZAHLREICHE ALTERNATIVEN haben wie…“
    Die zum Teil um die halbe Welt transportiert werden, teilweise hoch verarbeitet sind und meist bei weitem nicht die Qualität an Vitalstoffen besitzen.

    Vor dem dargestellten Hintergrund finde ich also höchstens Deinen Kommentar „ein wenig naiv“.

  14. Einen schönen Abend miteinander!
    wenn man wirklich mit dem gedanken spielt bienen zu halten so sollte man sich vorher bitte ausreichend informieren und nicht aus lust auf honig die bienen in eine mit einem vollkommen ungeignetem raumklima ausgestatteten „bienen kiste“ stopfen.
    Primär sollte man sich meines erachtens nach um das wohlbefinden der biene kümmern dies wird durch naturgemäßes imkern möglich gemacht.

    nette links hierfür sind:
    http://www.resistantbees.com
    http://beenature-project.com
    http://www.bienenkugel.de

  15. Ich finde einen Einsatz für bedrohte Bienen und das Gewinnen von Mitstreitern gut und richtig. Nur sollten bei der domestizierten Honigbiene manche Dinge anders beurteilt werden, als der Artikel das tut. Einiges habe ich hier bereits ausgeführt.

    Ich denke, daß es an der Zeit ist, sich etwas genauer für die Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen zu interessieren, um unsere festen Bilder im Kopf (übrigens auch in meinem Kopf) zurechtzurücken.

    Ähnliches gilt für das „Bienensterben“. Was ist das überhaupt, und was ist es nicht? Tragen und trugen unsere Honigbienen vielleicht selbst zum Bienensterben bei?

    Zu beiden Themen verlinke ich drei wirklich lesenswerte Artikel, die einige verzerrte Vorstellungen geradebiegen können:

    Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen:
    http://www.naturgartenfreude.de/wildbienen/honigbiene-versus-wildbiene/
    http://www.wildbienen.de/wbf-honb.htm

    „Bienensterben“:
    http://www.wildbienen.de/wbf-bist.htm