Gegen Schulstreiks: Die erste deutsche Schule verhängt Bußgelder für Eltern

Screenshot: Instagram/@gretathunberg

Seit Wochen demonstrieren Schüler in vielen deutschen Städten für mehr Klimaschutz. Weil sie dafür Unterricht schwänzen, gab es immer wieder Kritik von verschiedenen Politikern und Ministerien. In der ersten Stadt verhängen Schulen nun Geldstrafen für die Eltern von streikenden Schülern.

Am 15. März fand der bislang größte globale Schulstreik fürs Klima statt: Allein in Berlin waren bis zu 20.000 Teilnehmer dabei. Aber auch nach diesem Höhepunkt gehen die Freitagsproteste in mehreren deutschen Städten weiter.  Viele Schulen stört jedoch, dass die Demonstrationen während der Unterrichtszeit stattfinden.

Ein Gymnasium in München hat nun angekündigt, strikter gegen streikende Schüler vorzugehen. Was genau das bedeutet, erklärt der Direkter des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in einem Rundbrief, aus dem die Süddeutsche Zeitung online (SZ online) zitiert. Demnach drohen den Schülern ab sofort nicht nur „Ordnungsmaßnahmen“ wie etwa Verweise, sondern auch Bußgelder. „Jeder weiß jetzt, was Sache ist“, soll der Direktor gesagt haben.

Schulstreiks sind gegen das Gesetz

Greta Thunberg war die erste, die für mehr Klimaschutz die Schule geschwänzt hat.

Der Schuldirektor begründet die harten Maßnahmen damit, dass die Schule den Unterricht gewährleisten müsse – auch am Freitag. „Wir können uns nicht auf Dauer gegen das Gesetz stellen.“ Bislang habe die Schule wohlwollend reagiert, wenn Schüler freitags fehlten.

Gegen die Proteste selbst habe die Schule nichts einzuwenden. Allerdings reiche es nicht aus, sich nur während der Schulzeit daran zu beteiligen. Es brauche mehr Einsatz, außerdem müsse man die eigenen Lebensgewohnheiten prüfen, zitiert SZ online aus dem Rundschreiben des Schuldirektors.

Streiken könnte teuer werden

Wie hoch das Bußgeld sein wird, ist unklar. Die SZ online berichtet von einem Lehrer, der von 350 Euro gesprochen habe. Bestätigt ist diese Summe jedoch nicht. Zuständig für die Bußgelder ist das Referat für Bildung und Sport.

Womöglich werden noch mehr Schulen Bußgelder einführen. Der Direktor des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums hat sich mit anderen Schulen zu den Fridays-for-Future-Protesten beraten. Auch sie wollen „zu deutlicheren Maßnahmen greifen“, schreibt SZ online.

Geldstrafen gegen Fridays-for-Future sind der falsche Weg

Utopia meint: Es stimmt: Die Klimaproteste bringen wenig, wenn es nur bei Protesten bleibt. Für wirklichen Klimaschutz braucht es vor allem politische Veränderungen. Außerdem muss jeder Einzelne seine umweltschädlichen Lebensgewohnheiten überdenken – das gilt sowohl für Schüler als auch Erwachsene.

Aber die Schüler haben mit ihren Protesten etwas Außergewöhnliches erreicht: Seit Monaten ist Klimaschutz ein Thema in der Öffentlichkeit, Politiker diskutieren darüber, Medien schalten Sondersendungen. Wenn die Schüler erst nach Schulschluss protestieren, verliert die Fridays-for-Future-Bewegung diese Aufmerksamkeit wahrscheinlich.

Gleichzeitig sind die Bedenken der Schulen nachvollziehbar, auf lange Sicht verlieren sie durch die Streiks viele Unterrichtsstunden. Aber: Die Diskussion um die Schulpflicht liest sich im Vergleich zu den Problemen, die der Klimawandel mit sich bringt, doch etwas schmalspurig. Und man wird doch eine andere Lösung finden, als die Eltern von streikenden Schülern zur Kasse zu bitten. Oder andersherum: Wir würden uns wünschen, dass Schulen und Politiker sich genauso stark für den Klimaschutz einsetzen, wie sie es für die Schulpflicht tun.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(14) Kommentare

  1. Hab (auch) „Daumen hoch“ geklickt, weil das Ende nämlich klar das eigentlich Problem aufzeigt: Der Versuch, vom eigentlichen Problem abzulenken => Die Klimakatatrophe!

  2. Daumen hoch für diese Schüler! Ich war lange im Schuldienst: Diese Schüler können noch Jahre streiken – bis sie annähernd auf die Stundenausfälle kommen, die die Bildungspolitik verursacht. Bußgelder: Ablenken vom Vesagen der Bildungsplaner

  3. Danke für diesen Kommentar!
    Wenn viele Kids heute mit 16 mit Burn out ausfallen, die Grundrechenarten nicht beherrschen, glauben, im alten Griechenland hättense gepuderte Perücken getragen und keinen graden Satz schreiben könne, dann liegt das gewiss nicht an den Schulkstreiks.

  4. Den Eltern der betroffenen Schüler*innen würde ich raten sich rechtlich gegen die Bußgelder zu wehren. Erst der Schule einen Widerspruch gegen das Bußgeld einlegen. Wenn der abgelehnt wird, Altwalt einschalten und wenn nötig vor Gericht gehen. Da es ja viele betrifft, könnte man auch eine Sammelklage daraus machen.

    Wie wäre es mal, wenn die Schule hinter ihren Schüler*innen stehen würde und einfordern würde, dass die Politiker endlich mal ihren Job machen sollen?!! Es ist beschämend, dass die Politiker, die die Interessen der Bevölkerung vertreten sollen, die Schülerproteste nicht ernst nehmen und bestenfalls ein Blabla dazu beitragen, weil gerade die Kamera auf sie zielt. Da ist doch mal Note 6 wegen Verweigern ihrer Aufgaben angesagt. Aber anscheinend haben sie die ja nicht einmal verstanden. Sonst würden sie nicht ständig Politik für Lobbyisten und Konzerne machen.

  5. Die Schule hat darüber hinweg gesehen das die Schüler Freitags streiken. Die Schule schaut wahrscheinlich weg…im Kiosk gibt es bestimmt so tolle Sachen wie Capribrühe mit Strohhalm, Alle fahren mit SUV vor und und und. So ! Es ist auch die Aufgabe der Schulen zu zeigen wie es geht. Jeder muss was ändern. Vom Hausmeister bis zum Direktor. Natürlich auch die Schüler und wir als Eltern. Nicht nur wegschauen und auf alten Paragraphen rumreiten.

  6. Unser Schulsystem ist seit Kaisers Zeiten eindeutig nicht darauf ausgelegt, aus Kindern mündige, kritische und selbst denkende Bürger*innen zu machen, die sich für Politik, Gesellschaft und das Leben per se interessieren und die sich zutrauen, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Unser Bildungssystem schaffte in der Vergangenheit hörige und folgsame, obrigkeitstreue Diener*innen, heute abgelöst durch unkritische Konsumidioten, denen die Fähigkeit zum eigenständigen Denken abtrainiert wurde.
    Meine Elterngeneration, die so genannten 68er, haben einen ersten Versuch unternommen, dieses kranke Bildungssystem zu revolutionieren; bekanntermaßen ist das im antiautoritären „Laissez faire“ gehörig schiefgegangen. Heute nimmt die Generation 2000+ einen neuen Anlauf, das Denken zurückzuerobern – und reflexartig fangen die Leithammel der Bildungspolitik an, dagegen zu blöken und fordern Strafen für Eltern protestierender Schüler*innen.
    Ich kann hier nur unsere Jugendlichen, ihre Eltern, Lehrer*innen und Rektor*innen zum kollektiven zivilen Ungehorsam aufrufen! Lasst Euch von solchen Drohungen nicht einschüchtern!
    Question authority – think for yourselves!

  7. Deswegen finde ich es z.B. wichtig, dass Leute wie Lisa Neubauer gibt. Sie ist politisch angelegt und organisiert hier in Deutschland die Demos… Kinder und Jugendliche streiken ja auch ohne die Erlaubnis der Eltern, so dass hier nicht unbedingt Unterstützung zu erwarten ist…

  8. Leute denkt mal nach, dieses indoktrinierte Mädchen ruft zum Streik für eine Lüge auf ! Das Klima ist natürlich, wir nähern uns dem Ende der Eiszeit. Das Ganze mit der Klimalüge und dem CO2 Schwindel waren ursprünglich reine Geschäftsideen, die sich so lukrativ entwickelten, daß sie zu einer Ideologie wurden… Jeder Vulkanausbruch verursacht mehr CO2, als die Menschheit, auch war früher der CO2 Gehalt weit höher ! Der Umweltschutz muß verstärkt werden, weg mit den Pestiziden, den Chemtrails, der Massentierhaltung, dem Plastikmüll, G5 usw – nur hat dann das Kapital Verluste, mit dem Klimaschwindel kann man das Volk ausbeuten, der feine Unterschied 🙂

  9. Genauso ist es! Ich verhalte mich schon seit Jahrzehnten umweltbewusst und energiesparend. Dafür gibt es viele gute Gründe, doch nicht das Klima!

  10. Wer die Schule schwänzt, aus welchen Gründen auch immer, handelt asozial. Schließlich werden die Lehrer von der Allgemeinheit durch Steuern finanziert, um den Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, nicht zuletzt auch zu dem Zweck, unser Sozialsystem aufrecht erhalten zu können.
    Wer demonstrieren will, kann dies jederzeit außerhalb der Unterrichtsstunden tun.

  11. Das ist ja mal wieder klar, dass gerade in Deutschland so reagiert wird. Wenn die Schule so wichtig ist, wie wäre es denn, wenn die Politiker endlich ihre Arbeit tun und genauso entschieden und konsequent gegen die großen Umweltsünder vorgehen und die zur Kasse bitten würden? Stattdessen will man die Eltern bestrafen, um die Schüler mundtot zu machen. Nach dem Motto: Probleme, die keiner ausspricht, existieren nicht.

    Ich bin so dankbar für diese Demos, für die Kraft und Fantasie und Kompromisslosigkeit, mit der die Schüler ihr berechtigtes Anliegen vorbringen. Noch letzten Sommer war ich mit einer Handvoll Veteranen auf einer Anti-Kohle-Demo. Damals gingen die Anfang 20jährigen noch uninteressiert an uns vorbei und wollten noch nicht mal das informative Faltblatt mitnehmen, so als ginge sie das alles nichts an. Interessiert zeigten sich damals vor allem Eltern von kleinen Kindern.

    Ich freue mich, dass die Schüler verstanden haben. Es braucht große Schritte, die nur von der Politik eingeleitet werden können. Das freiwillige Engagement im Privaten reicht bei weitem nicht mehr zur Lösung der Probleme. Denn freiwillig machen eben nicht alle mit, vor allem die nicht, die am meisten zum Problem beitragen.

    Ich wünsche mir Bußgelder und Verbote vor allem für die Hersteller klima- und umweltschädlicher Stoffe, um diese zu zwingen, ökologischere Alternativen zu finden, damit die Klimaziele auch wirklich erreicht werden. Ich wünsche mir ausreichende Förderungen für alles, was die Energie-, Verkehrs- und Agrarwende voranbringt. Ich wünsche mir viel mehr Förderung für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die bereits jetzt ökologisch und nachhaltig produzieren, anstatt immer den Großunternehmen in die Tasche zu stecken, die nur Aktienkurse und das Bankkonto ihrer Manager im Visier haben.

    Es ist nicht ausreichend, wenn die Politiker sich alle schießlang werbewirksam treffen und sich anschließend für ihre Absichtserklärungen gegenseitig anerkennend auf die Schultern klopfen. Es müssen anschließend Taten folgen, Maßnahmen in den eigenen Ländern. Der erhobene Zeigefinger in Richtung Privatperson ist unangemessen, wo politische Entscheidungen fehlen.

    Die Politiker sind dran. Sie müssen die Rahmenbedingungen vorgeben. Damit unsere Kinder wieder in die Schule gehen können mit dem guten Gefühl, dass die Erwachsenen für ihre Gegenwart und Zukunft sorgen.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.