Nach Shitstorm von Landwirt*innen: Verlag veröffentlicht schonungslos ehrliches Kinderbuch

© Klett Kinderbuch

Vergangenes Jahr sorgte ein Kinderbuch über die Nahrungsmittelproduktion bei Landwirt*innen für Ärger: Sie fühlten sich durch Bilder zur konventionellen Schweinezucht verunglimpft. Jetzt hat der Verlag ein neues Kinderbuch herausgebracht – es beleuchtet die Missstände in der Tierhaltung noch deutlicher.

Es war vor allem eine Seite im Buch „Alles lecker“, die den Landwirt*innen nicht gefiel: Auf der Seite werden die Unterschiede zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft thematisiert. Man sieht etwa einen Vergleich bei der Tierhaltung: Die Bio-Schweine laufen auf Stroh, haben ausreichend Platz und bekommen genügend Futter. Die Tiere in konventioneller Haltung stehen in Kastenständen, bekommen Futter mit Wachstumsmitteln und sehen kein Tageslicht.

Wegen dieser Seite aus dem Buch „Alles lecker“ gab es vergangenes Jahr einen Shitstorm. (© Klett Kinderbuch)

Das Buch wurde bereits mehrere Jahre verkauft, vergangenen November erlebte der Klett Kinderbuch Verlag jedoch einen Shitstorm – offenbar von Landwirt*innen: Schlechte Rezensionen auf Amazon, wütende Anrufe und zahlreiche negative Kommentare auf der Facebook-Seite. „Ein fürchterliches Buch für Kinder“, „Finger weg, dieses Buch verbreitet Lügen“, lauteten die Kommentare beispielsweise. (Mehr zu den Hintergründen erfährst du hier.)

Die Praktiken der Massentierhaltung – ohne Beschönigung

Jetzt hat der Verlag ein neues Kinderbuch herausgebracht, das sich noch ausführlicher mit Tierhaltung auseinandersetzt. Nach dem Shitstorm hatte sich eine Autorin bei dem Verlag gemeldet, die sich in ihrer Abschlussarbeit mit dem Thema beschäftigt hat. Aus der Zusammenarbeit ist das Buch „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ entstanden. Zu kaufen** ist es u.a. bei Buch7, buecher.de oder Thalia. Es zeigt die gängigen Praktiken der Massentierhaltung – ohne zu beschönigen.

„Das Leben auf dem Bauernhof war früher anders als heute“, schreibt Autorin Lena Zeise. Von kleinen Höfen können Landwirt*innen kaum noch leben, deswegen sind die Betriebe heute größer, produzieren mehr und arbeiten mit mehr Technik. „Wenn sehr viele Nutztiere gleichzeitig auf wenig Raum gehalten werden, nennt man das intensive Tierhaltung. Viele sagen auch: Massentierhaltung“, heißt es weiter.

Konventionelle und ökologische Tierhaltung im Vergleich

Kinderbuch, Shitstorm, Das wahre Leben der Bauernhoftiere
Eine Seite aus „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ (Bild: Klett Kinderbuch Verlag)

Das Buch stellt sowohl die konventionelle als auch die ökologische Tierhaltung vor. In kurzen Absätzen gibt es Informationen unter anderem zu Melkmaschinen, Lege- und Masthühnern, Tiertransporten und Schlachthöfen. Die Bilder zu konventionellen Betrieben sind realitätsnah – und trotzdem kindergerecht. Man erkennt, dass etwa das Schwein sich im Kastenstand nicht einmal umdrehen kann und die Milchkuh in einer tristen Stahlkonstruktion gefangen ist.

Im Vergleich dazu sieht die ökologische Tierhaltung in dem Buch idyllisch aus – fast schon zu idyllisch. Viel Platz im Schweinestall, Hühner und Kühe auf weiten Rasenflächen, keine Maschinen. Aber auch in der Bio-Landwirtschaft leben die Tiere unter stark begrenzten Bedingungen: Ein Mastschwein unter 50 kg beispielsweise erhält laut dem Bio-Mindeststandard gerade mal 0,8 Quadratmeter Stallfläche plus 0,6 Quadratmeter Außenfläche.

Kinderbuch, Shitstorm, Das wahre Leben der Bauernhoftiere
Ökologische Hühner-Haltung. (Bild: Klett Kinderbuch Verlag)

Trotzdem ist klar: Milch- und Fleischprodukte aus ökologischer Erzeugung sind besser als aus konventioneller Massentierhaltung. Das wird in dem Buch deutlich. Es gibt aber auch konventionelle Betriebe, die möglichst viel Rücksicht auf ihre Tiere nehmen, schreibt Zeise.

Kinder sollen wissen, wo unsere Lebensmittel herkommen

Am Ende des Buches richtet die Autorin einen Appell an die Kinder, die das Buch lesen oder vorgelesen bekommen: „Vom Küken bis zum Frühstücksei oder vom Kalb bis zum Glas Milch ist es ein langer Weg. Alles, was wir essen, muss gezüchtet oder angebaut werden. […] Frage dich und deine Erwachsenen: Wie haben wir darüber mitentschieden, dass es genau so entstanden und zu uns gekommen ist?“

Kaufen** kannst du „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ im lokalen Buchhandel oder online u.a. bei Buch7, buecher.de oder Thalia.

Utopia meint: Egal ob aus der Werbung, dem Schulunterricht oder Fernsehsendungen: Kinder kennen vor allem Bilder von glücklichen Kühen auf der Weide. Nur selten entsprechen diese Bilder der Realität. Kinder sollten daher schon früh lernen, wie unsere Lebensmittel wirklich entstehen – und wie man eine tier- und umweltfreundlichere Wahl trifft.

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(4) Kommentare

  1. Gibts in dem Buch eine Person die nur die Pflanzen und Früchte vom
    Biohof ist?

    Wäre das Buch wirklich schonungslos, würde es zeigen wie die Tiere, egal ob Bio gehalten oder nicht, umgebracht würden.
    … oder zumindest wie Kuh Elise und Huhn Rike sich wundern, dass ihre besten Freundinnen und Verwandten plötzlich nicht mehr da sind.
    …und nicht weil der biologische Alterungsprozess das Lebensende herbeigeführt hat.

  2. Weil Tiere in der freien Natur ausschließlich(!) an Altersschwäche sterben, wie jeder weiß.

    Man sollte vielleicht anfangen realistische Maßstäbe zu setzen und dabei sollte man genau sein. Tiere in der Zucht werden so lange beschützt (vor Krankheiten und Fressfeinden, sowie Nahrungsmangel), bis sie getötet werden. In der Natur entfällt der Schutz, daher sterben sie üblicherweise eben an den genannten Faktoren. Die wenigsten „schlafen friedlich ein“. Natürlich müssen Kinder wissen und begreifen, dass hier Leben beendet wird, aber sie müssen auch wissen, dass „ein langes und erfülltes Leben“ nicht die Alternative ist. Es gibt schließlich auch keine lila Kühe.

  3. Persönlich bin ich skeptisch. Ich empfinde es als problematisch, wenn Eltern deren nächster Kontakt zu Nutztieren im Supermarkt an der Kühltheke ist, Kindern egal was über Landwirtschaft beibringen sollten. Ich selbst habe im Laufe meines Lebens sehr viele Betriebe besucht. Konventionelle, die ihr Tiere liebevoll gepflegt haben und andere, wo es nicht gut für die Tiere war. Und es gab auch Biohöfe, die ihre Tiere zu spät tiermedizinisch versorgt haben, weil sie hofften Geld zu sparen und man so den Ökostatus weniger verliert. Das will man natürlich als Elternteil nicht gerne hören und noch weniger als Verbraucher. Die Welt ist leider nicht schwarz/weiß und das sollte man Kindern beibringen. Genau wie öfter mal beim Bauern vor Ort vorbeizuschauen und ihm einen angemessenen Preis für seine Produkte bezahlen – egal ob man sich für Gemüse, Milch oder Fleisch entscheidet. Das wäre vllt auch für Kinder ein lustiger oder zumindest lehrreicher Ausflug.