Olivenöl-Test 2017: Güteklasse-Schwindel, Schadstoffe und ranziger Geschmack

Olivenöl-Test
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Viele Öle schmecken ranzig, enthalten Schadstoffe, bei der Güteklasse wird geblufft. Zu diesem Ergebnis kam im Januar 2017 die Stiftung Warentest. Und ist ist nicht das erste schlechte Ergebnis für Olivenöl…  

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Olivenöl-Test Februar 2017: Stiftung Warentest

test Februar 2017: Olivenöl-Test entlarvt Schwindel bei Güteklasse
Olivenöl-Test Februar 2017 (Cover © Stiftung Warentest)

Unter dem Titel „Der Extra-Bluff“ widmet sich die Ausgabe Februar 2017 von Stiftung Warentest dem Thema Olivenöl. Ergebnis: Von den 24 Oliven­ölen im Test schneidet wieder einmal kein einziges „sehr gut“ oder wenigstens „gut“ ab. 10 Produkte sind aus Sicht der Tester gar mangelhaft und täuschen den Verbraucher. 

Die wichtigsten Fakten aus dem Test des Verbrauchermagazins:

  • Viele Olivenöl-Marken sind mit Schadstoffen belastet. Fast jedes zweite Öl ist laut Test mit gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOSH) belastet. Sie können sich im Körper anreichern. Ausgerechnet eines der teuersten Öle, ein Bio-Öl für 14,40 Euro pro Liter, ist deutlich mit MOSH und hoch mit aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (MOAH) belastet, diese gelten als „potenziell krebserregend“. Ein weiteres Olivenöl ist hoch mit DEHP belastet: Der Weichmacher kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und ist seit 2007 für Materialien verboten, die mit Speiseöl in Kontakt kommen.
  • Billiges Olivenöl schmeckt nicht. Die billigen Olivenöle von Supermärkten und Discountern sind zwar bei Kunden sehr populär, doch sie riechen und schmecken meist nur mittelmäßig oder sogar fehlerhaft. Zehn Öle im Test schmeckten alt, ranzig oder stichig.
  • Güteklasse oft Verbrauchertäuschung: Viele Olivenölprodukte dürften auf Basis der Testergebnisse überhaupt nicht als „nativ extra“ verkauft werden. Die Verlierer im Test täuschen eine Güteklasse vor, der sie gar nicht entsprechen, hier findet offenbar gezielt Verbrauchertäuschung statt.
    Infos dazu in unserem Ratgeber Gutes Olivenöl erkennen und kaufen.
  • Richtig gutes Olivenöl kann nicht billig sein. Im Test schneidet von 24 Olivenölen zu Preisen zwischen 5 und knapp 15 Euro pro Liter kein einziges gut ab. Aber: Im Vergleich sind die drei besten Olivenöle im Test dennoch günstige Produkte von Discountern zu Preisen zwischen 5,05 und 6,25 Euro pro Liter. Sie schneiden sensorisch, bei Schadstoffen und insgesamt immerhin befriedigend ab. Als preisbewusste Öle zum Braten und Kochen kann man sie hernehmen.
  • Einige Billigmarken schneiden extrem schlecht ab: So kassierten ein „mangelhaft“ unter anderem die Eigenmarken von Penny, Real und Keiser’s Tengelmann/A&P und das Olivenöl Norma/Bellucino. Auch wenn die „Testsieger“ aus Discountern kommen, heisst das also nicht, dass deren Öle besser sind.

Hier die 3 Produkte, die mit einer Note besser 3,0 abschneiden:

Produkt Anbieter Preis (1 Liter) Test-Bewertung
Gut Bio Olivenöl nativ extra Aldi (Nord) 6,25 Euro befriedigend (2,9)
Primadonna Natives Olivenöl extra Lidl/Primadonna 5,05 Euro befriedigend (2,9)
Vegola Natives Olivenöl extra Netto/Vegola 5,05 Euro befriedigend (2,9)

Eine akute gesundheitliche Gefahr gehe von keinem der geprüften Olivenöle aus, so das Verbrauchermagazin. Doch die Belastungen seien vermeidbar. Der ausführliche Test Olivenöl erscheint am 26.1. in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift test, er ist bereits unter www.test.de/olivenoel abrufbar.

markt-Test 2016: Qualität & Herkunft bei Olivenöl nicht selten Schummelei

Nach Ansicht des Verbrauchermagazins markt halten nicht alle Olivenölprodukte im deutschen Handel, was sie versprechen. Zwei der im August 2016 geprüften Produkte erfüllten nicht die Kriterien für die Gütebezeichnung „nativ extra“. Die Olivenöle „Casa Morando“ von Aldi und ein griechisches Produkt der Marke „Livio“ fielen bei markt durch. Bei der Herkunft gab es nach Ansicht von Experten bei vier der von markt überprüften Öle Ungereimtheiten.

Olivenöl-Test: von wegen „nativ“ und „extra vergine“ …

Die markt-Reporter testeten gängige Produkte aus deutschen Supermärkten und Discountern und hielten sich dabei ausschliesslich an Öle mit der Bezeichnung „extra vergine“ bzw. „nativ extra“. Dies steht laut EU-Olivenölverordnung für ein fehlerfreies und qualitativ besonders hochwertiges Öl.

Sowohl in Laboruntersuchungen als auch bei sensorischen Prüfungen wurde jedoch festgestellt, dass einige der vermeintlich hochwertigen Olivenöle die Anforderungen nicht erfüllen. So wurde bei dem Aldi-Öl der Fehler „stichig“ gefunden. Bei dem Öl von „Livio“ schmeckten die Tester die Fehlnote „roh“ heraus. Für Konsumenten sei es irreführend, fehlerhafte Öle mit „nativ extra“ so kennzeichnen, so markt bei seinem Olivenöl-Test. Als fachlicher Partner fungierte das Deutsche Olivenöl-Panel (DOP), ein unabhängiges Expertengremium. Anbieter wie Livio wiesen die markt-Vorwürfe zurück.

Olivenöl-Test: von wegen „aus Italien“ …

Viele Konsumenten entscheiden sich auf Basis des Herkunftslandes für den Kauf einen bestimmten Öls. markt ließ daher für seinen Olivenöl-Test Labors auch die Herkunft des Olivenöls prüfen.

Das Ergebnis überrascht: Bei vier Olivenprodukten, die laut Etikett zu 100 Prozent aus Italien stammen, weist die Analyse laut markt auf eine überwiegend griechische oder spanische Herkunft oder auf eine Mischung aus verschiedenen Herkunftsländern hin.

Auf Anfrage beriefen sich die Hersteller darauf, dass auf EU-Ebene keine offiziellen Verfahren festgelegt sind, um die Herkunft der Öle zu bestimmen, so markt. Oder anders: Die können offenbar draufschreiben, was sie wollen.

Olivenöl Test markt NDR
Das NDR-Magazin markt ließ Öle im Labor testen (Screenshot markt/NDR/Mediathek)
  • Olivenöl-Test im NDR Fernsehen, Mo. 22. August, 20.15 Uhr, Sendung in der Mediathek hier

Was der Olivenöl-Test von Stiftung Warentest 2016 bemängelt

Stiftung Warentest holte bereits für ihre Februar-Ausgabe 2016 ganze 26 Produkte der Güteklasse „nativ extra“ ins Haus. Ergebnis vom Olivenöl-Test: 13 sind „mangelhaft“, selbst vier der sechs Bio-Olivenöle im Test erhielten ebenfalls nur ein „mangelhaft“. Nur ein einziges Öl der höchsten Güteklasse schnitt mit „gut“ ab. Grund für die schlechten Bewertungen sind offenbar laxe Prüfmethoden und gesetzliche Vorgaben – so müssen Behörden in der EU offenbar nur eine Probe pro 1000 Tonnen prüfen.

Im Olivenöl-Test häufig: Problematische Schadstoffe.

Fünf Olivenöle schneiden wegen Schadstoffbelastungen „mangelhaft“ ab: Sechs sind mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen vom Typ MOAH belastet, und diese gelten als „potentiell krebserregend“. Gering belastet mit MOAH sind Alnatura Italienisches Oliven Öl und Gaea. Hoch belastet: Herdade Paço do Conde, L’Estornell Arbequina-Picual, Livio Natives Olivenöl und Mani Bläuel.
Ein weiteres Öl enthält sehr viele Mineralöl-Kohlenwasserstoffe vom Typ MOSH, die sich im Körper anreichern können. Die Tester fanden auch Weichmacher (möglicherweise aus Behältern und Schläuchen) und Pestizide. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wurden gefunden, 15 der etwa 250 PAKs gelten als krebserregend. In einem Bio-Öl fand test sogar Styrol, eine Chemikalie aus dem Umfeld der Kunststoffproduktion, die im Verdacht steht, Lungenkrebs zu fördern.

Im Olivenöl-Test häufig: Schlechter Geschmack.

Bei sieben Ölen fielen den Testern „sensorische Mängel“ auf, sprich: sie schmeckten nicht gut. Beim Olivenöl-Test ist die sensorische Prüfung auch Geschmackssache, ja. Doch die Rede ist von „stichig, modrig, ranzig“ und gar von „wurmstichig“. In einem Fall griffen die Tester gar zur Formulierung „wurmstichig durch Olivenfliege“.

Olivenöl

Im Olivenöl-Test häufig: Etikettenschwindel.

Gesetze schreiben vor, was auf Olivenölen drauf stehen darf und was nicht. Laut test hält sich offenbar kein einziger Anbieter daran. Bei Olivenölen der besten Güteklasse muss auf der Flasche sowohl „Natives Olivenöl extra“ als auch „erste Güteklasse – direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren“, zudem ist die Herkunft anzugeben. Nur drei der 26 Produkte im Olivenöl-Test machten diese Angaben vollständig. Allzu poetische Geschmacksbeschreibungen sind nicht erlaubt, nur die Worte „fruchtig“, „scharf“ und „bitter“ (samt Hinweis: „mittel,“, „intensiv“, „leicht“) dürfen aufgebracht werden.

Gesundheitsversprechen dürfen die Hersteller nicht aufdrucken, doch hier wird es teils schon absurd: So warb im Olivenöl-Test eine Flasche mit dem nicht erlaubten Hinweis „Hilft Ihren Cholesterinspiegel zu senken“, erlaubt wäre laut test nur der Hinweis: „Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen“.

Im Olivenöl-Test ab und zu: Schummeln bei der Herkunft.

In unserem Olivenöl-Ratgeber raten wir dazu, auf die Herkunft zu achten – je spezifischer die Region angegeben wird, desto klarer ist die Herkunft. Das gilt aber natürlich nur, wenn die Hersteller hier nicht schwindeln. Der Olivenöl-Test von test prüfte die Herkunft per Laboranalyse und kommt zu dem Ergebnis, dass diese in fünf Fällen die Herkunftsangabe „nicht bestätigt“. Bei einer „Mischung aus Olivenölen aus EU-Ländern“ lässt sich die Herkunft zwar auch im Labor nicht nachweisen, doch im Olivenöl-Test gab es nur Öle aus einem eindeutigen Ursprungsland. Nach Durchführung einer Nahinfrarotspektroskopie wurde untersucht, ob deren Ergebnisse die Herkunftsangabe bestätigen; bei großen Diskrepanzen wurde noch ein Geschmackstest durchgeführt. Die Herkunftsangabe bestätigte sich unter anderem nicht bei einem Produkt von Alnatura und von Aldi. In einigen Fällen konnte schon dem Etikett entnommen werden, dass mit der Herkunftsangabe etwas nicht stimmt.

Im Olivenöl-Test nur ein einziges „gut“

Olivenöl-Test 2016: O Med Picual Extra virgin olive
Olivenöl-Test 2016: O Med Picual Extra virgin olive (Bild: www.omedoil.com)

„Gut“ ist nach Ansicht des Magazins test nur ein einziges Olivenöl:

  • Das O-Med Picual Extra virgin olive oil kommt aus Spanien, kostet 40 Euro pro Liter und ist im Feinkosthandel und online zu haben im Shop premium-olivenoel.com, den wir schon in unserem Olivenöl-Ratgeber empfehlen. Im Olivenöl-Test erhielt es ein „gut“.

Es gibt aber noch einige Empfehlungen:

Ölivenöl-Test 2016: Rapunzel Kreta P.G.I., nativ extra
Olivenöl Rapunzel Kreta P.G.I., nativ extra (Bild: shop.rapunzel.de)
  • Das Rapunzel Kreta P.G.I., nativ extra aus Griechenland (Chania Kritis) schaffte es im Olivenöl-Test als einziges Bio-Produkt auf Platz 5. Es ist zu haben im Rapunzel-Shop oder Amazon**. Zu einer Abwertung führten hier unter anderem Kennzeichnungsmängel, etwa fehlende Angaben zur Lagerung. Wir würfen es empfehlen, weil Bio-Produkte auch mit nachhaltigere Landwirtschaft einhergehen.
  • Hacienda Iber Arbequina aus Spanien platzierte sich auf Platz 2. Sensorisch schnitt es im Olivenöl-Test sehr gut ab, schmeckt also wohl sehr gut, hatte aber laut test ebenfalls Kennzeichnungsmängel.
  • Das von Lidl verkaufte Anorinha Portugal Natives Olivenöl Extra aus Portugal erreichte im Olivenöl-Test Platz 3, wird aber von test seltsamerweise nicht bei den Empfehlungen genannt. Der Preis liegt mit 6,40 Euro pro Liter auch verdächtig niedrig.
  • Der ausführliche Test Olivenöl ist unter www.test.de/olivenoel abrufbar.

Muss man sich vom Test die Lust am Olivenöl verderben lassen?

Nein. Denn auch wenn die Werte natürlich besorgniserregend sind, beruhigt das Magazin test auf Seite 20 dann doch: „Eine akute Gesundheitsgefahr geht – bei üblicher Verzehrmenge – von keinem der geprüften Olivenöle aus.“

Lies passend zum Olivenöl-Test auch unseren Ratgeber:

10 Tipps: gutes Olivenöl erkennen und kaufen

Video zum Olivenöl-Test:

Frühere Olivenöl-Tests

  • Das Magazin Öko-Test untersuchte 2013 Bio-Öle: Alnatura, La Selva, Rapunzel, aber auch Rewe und Lidl schnitten damals im Test gut ab. Allerdings kam auch ans Licht, dass alle getesteten Öle sowohl Spuren von Weichmachern als auch von Pestiziden enthalten, wenn auch noch innerhalb des gesetzlich erlaubten Rahmens.
  • Das Magazin test prüfte schon 2010: Damals waren noch vier „gut“, beim oben genannten Test von Anfang 2016 erhielt nur ein einziges ein „gut“.

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