Erschreckende Ergebnisse: Wurst von Netto und Penny im Check

Foto: Screenshot ZDF-Mediathek

Wie gut sind Lebensmittel vom Discounter? Um das herauszufinden, hat sich die Dokumentationsreihe ZDFZeit verschiedene Produkte von Netto und Penny genauer angesehen. Besonders erschreckend sind die Ergebnisse bei Wurst.

Billigwurst aus dem Discounter ist nicht empfehlenswert – das zeigt eine aktuelle Dokumentation von ZDFZeit einmal mehr. Das Recherche-Team hat sich angesehen, wo die Wurst eigentlich herkommt, bevor sie im Discounter im Kühlregal landet.

Das Ergebnis: In einigen Produkten steckt Fleisch aus Chile, Brasilien und Thailand – obwohl auf der Verpackung „Hergestellt in Deutschland“ steht. Hersteller müssen bei Wurst die genaue Herkunft nicht angeben. Damit ein Wurstprodukt den Hinweis „Hergestellt in Deutschland“ tragen darf, reicht es, wenn es in Deutschland verpackt wurde.

QR-Code von Netto zeigt, wo die Wurst herkommt

Bei Wurst von Netto können die Kund*innen mithilfe eines QR-Codes auf der Verpackung überprüfen, wo die Zutaten für die Wurst herkommen. Das Team von ZDFZeit hat 40 Wurstprodukte mithilfe des QR-Codes analysiert. Zwar steckte in fast allen deutsches Fleisch, in knapp der Hälfte der Produkte aber auch Fleisch aus anderen Ländern – drei davon aus Südamerika.

ZDFZeit zeigt in dem Film den weiten Weg einer Putenwurst der „Firma Kupfer und Sohn“: Die Puten werden in Chile gemästet und geschlachtet, dann kommen sie zu einem Fleisch-Großhändler in Italien. Von dort aus geht es weiter nach Heilsbronn in Bayern, wo die Wurst hergestellt wird. Am Ende landet sie in einer Netto-Filiale in Berlin. Das Fleisch wurde insgesamt über 16.000 Kilometer tiefgekühlt transportiert – ein enormer Energieverbrauch und CO2-Ausstoß.

Netto sieht das jedoch wenig kritisch: „Unser Anspruch ist es, beste Qualität anzubieten, beste Lebensmittelsicherheit. Ob das jetzt ein Lieferant aus Deutschland ist oder aus dem Ausland, die Qualitätsstandards sind bei uns immer die gleichen“, sagt eine Pressesprecherin von Netto.

Geschäftsführer von Penny: Nachfrage nach Geflügel ist zu groß

Bei Penny können Kund*innen nicht nachvollziehen, wo die einzelnen Zutaten herkommen, einen QR-Code wie bei Netto gibt es nicht. Laut Penny-Geschäftsführer Stefan Magel stammt die Rohware bei der Eigenmarke hauptsächlich aus der EU. Aber es werde auch Fleisch aus Brasilien und Thailand verarbeitet – „weil man die Mengen bei Geflügel gar nicht mehr bekommt.“

Dieses Argument erscheint jedoch widersprüchlich: Immerhin hat Deutschland 2018 etwa 558.260 Tonnen Geflügelfleisch exportiert. „Von daher ist es eigentlich nicht verständlich, dass Fleisch aus anderen Ländern überhaupt zugekauft wird“, sagt Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin in der Doku. „Das wird hauptsächlich gemacht, weil es auf den Preis ankommt. Und oft ist es gerade in diesen Ländern durch die anderen Herstellungsmethoden deutlich günstiger.“

Besser für die Umwelt: weniger Fleisch essen

Fleisch(Bild von Karamo auf Pixabay / CC0 Public Domain)
Billigfleisch stammt meist aus problematischer Massentierhaltung.

Aber wieso steht die Herkunft des Fleisches nicht auf der Wurstverpackung? „Da gibt es immer wieder Tests, der Kunde will auf der Verpackung die Ware sehen. Der will nicht viel Text drauf haben, sondern er will sehen, was er da kauft“, sagt der Geschäftsführer von Penny. Kommt das Fleisch aus Deutschland, wird das allerdings gerne gekennzeichnet – sogar ausführlich mit Bezeichnungen wie „vom Teutoburger Hofschwein“. Es sieht eher so aus, als wollten die Discounter die Herkunft der weitgereisten Zutaten verbergen.

Utopia meint: Wer regionale Produkte kaufen will, muss genau hinsehen. Das Label „Hergestellt in Deutschland“ reicht bei Wurst nicht aus. Generell empfiehlt es sich, konventionelle Wurst aus dem Discounter zu meiden: Sie kann nur so günstig sein, weil das Fleisch aus problematischer Massentierhaltung stammt. Bei Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs gilt den Tieren, der Umwelt und dem Klima zuliebe generell: weniger ist mehr.

Die ganze Doku von ZDFZeit gibt es in der ZDF-Mediathek. (Um Wurst geht es ab Minute 34)

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(6) Kommentare

  1. Wurst und Fleisch von Penny ist echt sehr winderwerige Ware, jedoch zählt nur der Preis. Geflügel durch die halbe Welt zu schicken um es am Ende dann zu billigsten Aufschnitt zu verarbeiten ist echt widerwertig. Das Hackfleisch von Penny ist aber auch nicht besser, total schmierig aber aber billig. Aber Hauptsache billig!!!

    Wenn der Bedarf nicht zu decken ist, dann produziert doch einfach weniger. Aber leider zieht sich das durch viele Produkte im Penny Sortiment, Bioprodukte gibt es meist nur als Aktionsware, außer Milch und Eier.

  2. „Wenn der Bedarf nicht zu decken ist, dann produziert doch einfach weniger. “
    Dies
    – wird der Markt aufgrund von Angebot/Nachfrage nicht zulassen.
    – würde die Preisstabilität in der EU gefährden. Preisstabilität ist das Hauptziel der EZB.

  3. Wenn das Fleisch für die Wurst aus Deutschland kommt, heißt das nicht, dass sie nicht aus Massentierhaltung stammt. Das alleine kann nicht ausschlaggebend dafür sein, ob man diese Wurst kauft oder nicht. Wichtig sind alleine die Haltungsstandards. Das muss bei einem möglicherweise argentinischen Rind, das ja nicht nur aus Filet besteht, sondern auch aus ganz vielen anderen Teilen, die dann eben in die Wurst kommen, nicht unbedingt schlecht sein. Fazit ist: die Haltungsvorschriften in Deutschland müssen zu einer ökologischen Haltungsweise hin verändert werden und die Einfuhrbestimmungen müssen ebenfalls dahingehend geändert werden. Und dann kann Fleisch für Wurst auch aus dem Ausland nicht mehr so billig sein und wenn die Transportkosten dann noch dahingehend verändert werden, dass der CO2-Anteil Geld kostet, wäre es auch wieder sinnvoll mehr in Deutschland anständig produziertes Fleisch für die Wurst zu verwenden. Die ist dann logischerweise etwas teuerer, tatsächlich aber auch schmackhafter als das was es beim Discounter jetzt zu kaufen gibt.

  4. Die einzige Frage, die sich mir hier stellt:
    Wenn das Fleisch aus dem Ausland so viel billiger als das aus DE ist, welche Händler kaufen dann „deutsches“ Geflügelfleisch zu einem hohen Preis?
    Kann das jemand beantworten?

    Für Schweinefleisch habe ich folgendes gefunden:

    „Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands hielt dagegen, dass hierzulande nur bestimmte Teile des Schweins wie Schinken gegessen würden. „Hier besteht sogar ein nicht unerheblicher Importbedarf“, sagte Geschäftsführer Torsten Staack.
    Er verwies darauf, dass Teile wie Ohren, Schwänze oder Pfötchen in Asien als Delikatesse gelten und in den Export gingen. „Der Export bedeutet also: Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und nachhaltiges Arbeiten“, sagte Staack.“

    Zu Geflügel:
    „Gerade die in unserer Kultur oft weniger beliebten Teile des Geflügels, wie beispielsweise Flügel, Schenkel, Rücken oder Füße, werden in vielen anderen Ländern sehr gerne gegessen und gelten in anderen Kulturen teilweise sogar als Delikatessen.“ (https://www.deutsches-gefluegel.de/export)

    Das sollte den angeblichen Widerspruch von „558t Tonnen Export vs. Zukauf aus dem Ausland“ von Fr. Schautz (aus dem Artikel) relativieren.