Mit diesem absurden Video versucht die Zuckerindustrie, ihren Ruf zu retten

Foto: Screenshot Youtube "Schmeckt Richtig!!

Karies, Übergewicht, Diabetes: Zu viel Zucker ist ungesund. Viele Menschen versuchen, weniger Zucker zu sich zu nehmen – selbst Lebensmittelhersteller ändern ihre Rezepturen. Für die deutsche Zuckerwirtschaft offenbar höchste Zeit, das negative Image von Zucker zu verbessern – mit einem merkwürdigen Video.

„Wenn Du sie zurückerobern willst, aber die falschen Signale sendest…“ – so kündigt die „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.“ ihr Video auf Twitter an. Zu sehen ist ein Mann, der vor einer Haustür steht und Schilder mit Liebesbotschaften an eine Frau hochhält. „Für mich bist du perfekt und mein geschundenes Herz wird dich immer lieben“, ist beispielsweise zu lesen. Die Szene ist eine Anspielung auf eine bekannte Sequenz aus der romantischen Komödie „Tatsächlich… Liebe“ (2003).

In der Variante der Zuckerindustrie zückt der Mann am Schluss ein Lebkuchenherz, auf dem „Mein Herz schlägt nur für dich“ steht. Er scheint seine Angebetete fast überzeugt zu haben, sie lächelt und wirkt gerührt. Dann sieht sie jedoch ein kleines Schild auf dem Lebkuchenherz: „Ohne Zucker“. Die Frau ist entsetzt und schlägt ihm die Tür vor der Nase zu. „Tja, nur Zucker ist eben Liebe“, heißt es am Ende des Videos. Hier der Clip auf Twitter:

Und hier die Originalszene von „Tatsächlich… Liebe“ auf Youtube:

„Zucker bringt Geschmack ins Leben“

Veröffentlicht wurde das Video über den Twitter-Account „Schmeckt richtig“ – dahinter steckt der Verein „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker“. In dem Verein haben sich Rübenanbauer, Zucker produzierende Unternehmen sowie Zuckerexporteure und -Importeure zusammengeschlossen.

Am Ende des Videoclips wird der Zuschauer aufgefordert, die Webseite „schmecktrichtig.de“ zu besuchen. Auf der Homepage informiert der Verein über die vielen Vorteile von Zucker – zum Beispiel: „Zucker bringt Geschmack ins Leben und macht Lebensmittel besser“ oder „Er trägt ganz wesentlich zu einer Verbesserung des Mundgefühls bei“.

Unter dem Hashtag #WirSindZucker findet man auf Twitter noch mehr Werbung für Zucker – etwa, dass jede Zuckerfabrik in Deutschland durchschnittlich 2.250 Arbeitsplätze sichere:

Weniger Zucker ist „Augenwischerei“

Die „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.“ hält außerdem nicht viel davon, weniger Zucker in Nahrungsmitteln einzusetzen: „Es ist nahezu unmöglich, Zucker zu reduzieren, ohne Geschmack oder Beschaffenheit des Lebensmittels zu beeinflussen. … Darüber hinaus hat die Reduktion von Zucker in festen Lebensmitteln meist keine Kalorienreduktion zur Folge.“ Der Hinweis „weniger Zucker“ sei oft „Augenwischerei“.

Das Fazit: „Wer sich ausgewogen ernährt und angemessen bewegt, kann guten Gewissens genießen – auch Zucker.“ Auch wenn das stimmen mag, erwähnt der Verein eine wichtige Tatsache nicht: Die meisten Menschen in Deutschland konsumieren deutlich zu viel Zucker und sollten eher weniger davon „genießen“.

Zucker ist überall – und das ist schlecht für unsere Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Kalorienzufuhr durch Zucker auf fünf bis höchstens zehn Prozent der gesamten Kalorienmenge zu beschränken. Das heißt: Bei täglich 2.000 Kilokalorien sollte man höchstens 50 Gramm Zucker am Tag zu sich nehmen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung konsumieren Frauen in Deutschland aber durchschnittlich 61 Gramm Zucker täglich, Männer 79 Gramm. Bei Jugendlichen ist es sogar noch mehr.

Die Folgen: Karies, Übergewicht, Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System. Besser für die Gesundheit ist eine zuckerarme Ernährung, darin sind sich Experten einig. „Um die Zufuhrempfehlung freier Zucker nicht zu überschreiten, müsste die aktuelle Zufuhr um mindestens 25 % gesenkt werden“, schreibt die DGE.

Das Problem: Zucker ist überall – vor allem in Fertigprodukten, Erfrischungsgetränken und verarbeiteten Lebensmitteln steckt enorm viel davon. Werbung für Zucker – wie das Video der „Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker“ – braucht es also wirklich nicht.

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(2) Kommentare

  1. Das ist eben Werbung. Wasserproduzenten wollen uns zum Trinken bewegen, Autohersteller locken mit noch mehr „Emotionen“ im Auto, Kraftstoffhersteller wollen uns weismachen, mit teurem Kraftstoff liefe das Auto noch besser und Klamottenhersteller haben die „Mode“ erfunden, um jedes Jahr noch mehr Klamotten zu verscherbeln. Alle zusammen tragen sie dazu bei, dass unsere Umwelt immer weiter verschandelt wird, die Rohstoffe ausgebeutet werden, die Menschen ärmer und dümmer werden.
    Nicht dass ich die Zuckerindustrie in Schutz nehmen wollte, beileibe nicht, denn diese Werbung ist genauso widerwärtig wie die Werbung der Bundeswehr vor Schulen – aber sagt mir, wo jetzt hier der neue Aufreger ist? Lasst uns doch dafür kämpfen, dass unsere Kinder nicht, so wie wir, jeden Mist glauben, den man ihnen um die Ohren bläst!

  2. Ein inhaltlich fragliches Video posten (von schmeckt richtig) , provozieren wollen und dann auf Youtube keine Kommentare zulassen. Einfach feige.
    Aber die Bewertungen sagen alles.

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