„Du darfst ihn gerne auch Horst nennen“ – Aldi kontert „besorgtem Bürger“ auf Facebook

Bilder: © Utopia und Screenshot Aldi Süd

Alle Jahre wieder pünktlich zur Weihnachtszeit sorgt sich manch ein Bürger um die abendländischen Kultur. Den Auftakt macht dieses Mal ein Aldi-Kunde, der sich über einen „Winterstern“ aufregt. Aldi reagierte souverän.

Aldi Süd hat vor kurzem „Wintersterne“ ins Sortiment aufgenommen – Topfpflanzen in verschiedenen Sorten und Farben. Einem Kunden gefiel das gar nicht: Er ärgerte sich über den Namen „Wintersterne“: Die Pflanze heiße nämlich „Weihnachtsstern“ oder „Christstern“.

„Er gehört mit diesen Namen zur Advents- und Weihnachtszeit. Der Weihnachtsstern hat in Deutschland als Zimmerpflanze längst seit mehreren Generationen Tradition. Er gehört zu unserer gewachsenen christlich-abendländischen Kultur“, schrieb der Kunde in einem Post auf der Aldi-Süd-Facebookseite.

Nutzer wirft Aldi Süd „Unterwerfung“ vor

Dass Aldi Süd nun Wintersterne statt Weihnachtssterne verkaufe, sei „vorauseilender Gehorsam“ und wäre nicht im Sinne der beiden verstorbenen Aldi-Gründer. „Sie würden wahrscheinlich beide in ihrer Urne rotieren, ob der Unterwerfung der neuen Aldi-Süd-Administration gegenüber linken Foren und dem Islam.“

Weihnachtsstern
So sieht der klassische Weihnachtsstern aus. (Foto: CC0 / Pixabay / angelinaelv)

Der Post sorgte auf Facebook für Diskussionen. „Der Erhalt von Werten und Traditionen ist mir persönlich sehr wichtig und bedeutet mir mehr als nur Dekoration! Als Konsequenz werde ich deshalb den Winterstern von Aldi boykottieren“, schrieb beispielsweise eine Userin. Andere Nutzer kritisierten den Post: „Unchristliche Pseudoaufregung, mehr nicht. Astreiner verpackter Rassismus, klassisches AfD-Material, nichts anderes ist dieser vergiftete, abstoßende Post.“

Aldi Sued, Winterstern, Facebook
Der Post auf der Facebook-Seite von Aldi-Süd. (Screenshot Aldi Süd)

Aldi Süd antwortet auf Facebook

Auch Aldi Süd reagierte bei Facebook auf den Beitrag. In einem Kommentar erklärte der Discounter, dass es sich bei dem Winterstern gar nicht um den klassischen Weihnachtsstern handle, sondern um eine Abwandlung. Den traditionellen Weihnachtsstern werde Aldi ab dem 21. November noch anbieten – mit dem „richtigen“ Namen.

Aldi Sued, Winterstern, Facebook
Die Antwort von Aldi Süd (Screenshot Aldi Süd)

„Um die Verwechslung damit zu vermeiden, haben wir uns für den Namen „Winterstern“ entschieden“, schrieb Aldi Süd. „Du darfst ihn aber auch gerne Horst nennen, wenn du dich damit besser fühlst.“ Auf die anderen Vorwürfe wolle man gar nicht erst eingehen. „Seit jeher begrüßen wir und unsere Gründer alle Menschen, gleich welcher Religion, sozialer, ethischer oder nationaler Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Deine seltsamen Mutmaßungen darfst du gerne anderswo verbreiten, aber bitte nicht hier.“

Echte Gefahr für weihnachtliche Werte: Die Konsumspirale

Solche Kommentare wie die des Aldi-Kunden wiederholen sich Jahr für Jahr. Mal ist es der Lindt-Adventskalender, der zu orientalisch aussieht, mal der Weihnachtsmarkt, der nicht mehr „Christkindlmarkt“ heißt, sondern „Wintermarkt“. Jedes Mal lautet der Vorwurf: Aus Rücksicht vor Muslimen geben Unternehmen christliche Bräuche auf – und leiten so das Ende der christlich-abendländischen Kultur ein. Auch einige Medien machen mit: „So wird Weihnachten in Deutschland versteckt“ oder „Kreuzberg verbietet Weihnachten“, titelten bekannte Tageszeitungen in der Vergangenheit.

Dabei ist der Hintergrund ein ganz anderer: Weihnachtsmärkte beispielsweise wurden an einigen Orten in „Wintermärkte“ umbenannt, weil sie auch lange nach der Adventszeit geöffnet haben. Bei der Pflanze bei Aldi Süd handelte es sich schlicht nicht um einen „Weihnachtsstern“.

Utopia meint: Weihnachten in Gefahr – dieses Narrativ nutzen „besorgte Bürger“ und rechte Akteure schon lange. Mit Erfolg: Wie in den Kommentarspalten zu sehen ist, gibt es erschreckend viele Menschen, die den Behauptungen glauben. Das einzige, was das Fest und die christlichen Werte dahinter wirklich gefährdet, ist der zunehmende Konsumwahn zur Weihnachtszeit.

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(7) Kommentare

  1. ich finde die Wortwahl des Mannes zwar nicht angemessen, sich aber über eine Sorge des Kunden dann noch so lustig zu machen wirkt auch nicht sehr professionell. Man sollte etwas mehr auf solche Menschen eingehen, dann erledigen sich Probleme wie AfD und Linke von selbst.
    Fazit: Der Mann hätte sich anders ausdrücken müssen, aber die Antwort von Aldi… also respektloser geht es nicht, auch wenn man das Anliegen des Herrn nicht ernst nimmt.

  2. Welches Anliegen ist denn hier ernst zu nehmen? Der Weihnachtsstern, ein Import aus Südamerika, hat mit Christsein ungefähr so viel zu tun wie eine Lichterkette Made in China. Wer unbedingt christlich-abendländische Werte verteidigen will, könnte ja mal bei Nächstenliebe anfangen, nicht bei Wegwerfpflanzen aus dem Discounter.

  3. Sorge? Ich glaube nicht, dass man hier ernsthaft von Sorgen sprechen kann. Hier ging es rein um eine kalkulierte Provokation mit dem Ziel einen “Shitstorm“ anzuzetteln.
    Ich finde Aldi hat bestens reagiert.

  4. Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen, zumal viele Weihnachtsbräuche gar nichts mit der Geschichte Jesu zu tun haben, sondern eher heidnischen Ursprungs sind, wie die Zeit der Saturnalien oder das Julfest zur Wintersonnenwende (Weihnachten heißt im Schwedischen Julfesten). Lustig fand ich auch den Satz im Artikel über zu orientalisch aussehende Lindt-Kalender. Hallo? Jesu Geburtsort ist in der Region, die wir als Orient bezeichnen, und kein zugeschneiter Stall auf der Alm.
    Gerade wenn ich die Weihnachtsgeschichte lese, betrachte ich die Bezeichnung „Winterstern“ als höfliche Zurückhaltung und als Verzicht auf die Vereinnahmung des Namens Christi für jeden Mist

  5. Ich finde die Antwort passent, ist das Argument das Winterstern als Name, doch genauso lächerlich. Der ganze Konsumwahn rund um das Weihnachtfest, hat schon lange nichts mehr mit dem eigentlichen Grund warum wir Weihnachten feiern, nichts mehr zu tun.Wenn wir nur auf Begriflichkeiten schauen, frage ich mich ob wir diesen Grund vergessen habe oder ihn vielleicht sogar ignorieren. Alles was sich als Kultur darum entwickelt at ist für mich nur Beiwerk, das ich gerne mit allen Menschen, egal welcher Kultur, Religion oder Weltanschung, sie angehören. Geht es nicht darum das der Retter für die ganze Menscheit geboren ist?

  6. Der Kunde hat völlig übertrieben reagiert und Aldi in einer sehr unprofessionellen und frechen Art gekontert. Da tun sich beide nichts!
    Allerdings frage ich mich schon welchen Sinn die Umbenennung nun tatsächlich hat, da die Pflanze bislang in sämtlichen Farben und Größen noch nie Winterstern hieß. Diesen Namen findet man doch in keinem Pflanzenbuch?
    Osterkaktus und Weihnachtskaktus, Christrose, Weihnachtsstern etc sind nun mal hier gebräuchliche Bezeichnungen.